Goldener Oktober – Elektrisch

31. Oktober 2013 in Tourenberichte und -tipps, User-Blog

Am 24.Okt.2013 war das WettTevion DC-14er so wie man den Herbst am liebsten hat. Heiter bis wolkig, angenehme Temperatur. Kein Regen in Sicht. Also auf, buntes Herbstlaub gucken. Bevor der nächste Sturm das von den Bäumen heruntergefegt hat. Weil ich mit meiner Electra (fast) jeden Weg benutzen darf, eben mit dieser. Reserve-Akku aufpacken, dann dürfte die Energie wohl reichen. Es sollte die große Rheinrunde werden. 90Km, also eine Tagesreise. Was, bloß schlappe 90 Km? Dann sitz mal sechs Stunden auf einem Fahrradsattel! Mittreten war auch angesagt um die Akku-Reichweite zu verlängern. Das schönste ist das dezente Motorgeräusch. Nur ein leises:”bsssss”. Das führt aber zu Problemen mit Spaziergängern. Ich werde oft nicht bemerkt. Deswegen habe ich neben der normalen Fahrradklingel noch eine extra laute “Chinesenglocke”. Für verzweifelte Fälle noch eine Ballhupe. Die ich jedoch nur selten einsetze. Ich möchte ja nicht als “Fahrradrocker” verschrien werden. So kann ich nicht wie ein Schwachbegabter Spazierwege entlangrasen und lästige Fußgänger rücksichtslos weghupen! Muß man doch Mensch bleiben…

Am Norfbach in der Rheinaue. KfZ verboten, ich darf

Am Norfbach in der Rheinaue. KfZ verboten, ich darf.

Die Fahrt ging von Grevenbroich nach Zons. Erstmal über eine öde Agrarsteppe, die Gilbach. Das ist fruchtbares Ackerland, da gibt es nicht viele Bäume. Der Wald fängt erst dort an wo der Boden sumpfig wird, im Rheintal. Der Rhein wechselte früher jedes Jahr sein Flußbett. So entstanden die sumpfigen Rheinauen. Ein Teil ist heute noch erhalten. Man kann die alten Flußbette noch erkennen.

So sieht die Rheinaue nun aus. Für Getreide ist der Boden zu feucht. Aber “Kappes” und Gras (Weideland) wächst dort noch. Das meiste ist allerdings Bruchwald. Weiden, Erlen, Pappeln. Auf etwas höher gelegenen Böden auch Eichen und Buchen. Das sind meist sandige Binnendünen. Tevion DC-14

 

 

 

 

 

 

Zons, Windmühle. Gegen Einwurf einer Münze drehen sich die Flügel sogar.

Zons, Windmühle. Gegen Einwurf einer Münze drehen sich die Flügel sogar.

Zons erreicht. Von weitem sieht man schon die Windmühle. Die wurde auf einem Befestigungsturm erbaut. Zons hat noch eine komplett erhaltene Stadtbefestigung. Naja, nicht ganz, die Wassergräben sind nun trocken. Aber die Mauer, die Türme und die Tore stehen noch oder wurden wieder aufgebaut.

Da noch soviel mittelalterliches erhalten ist, eignet sich die Stadt als Theaterkulisse. So gibt es dort die Freilichtbühne. Aufgeführt werden dort hauptsächlich Märchenspiele. Dornröschen, Rapunzel usw.

Tevion DC-14

Freilichtbühne Zons

 

 

 

Rheinhochwasser hat neben Feuer Zons immer wieder bedroht. So können durch diesen Schieber die dahinterliegenden Wiesen geflutet werden. Das nimmt dem Hochwasser die Spitze. Wenige Zentimeter können schon entscheidend sein zwischen absaufen oder noch mal gut gegangen.

Tevion DC-14

Flutschleuse

 

 

Früher gab es den Rheindeich noch nicht. Da floß der Strom direkt an der Stadtmauer vorbei. Das war dann auch gleichzeitig die Kaimauer. Die Schiffe legten direkt dort an.

Tevion DC-14

 

 

 

In die Mauer waren eiserne Ringe zum festmachen der Schiffe eingelassen. Der mag uns heute etwas mickrig erscheinen, aber damals gab es noch keine 3000 t – Schiffe. So einen 20 bis 100 t – Kahn hält der alle Male.Tevion DC-14

 

In den Mauern und Türmen wurden auch Basaltsteine aus dem Westerwald verbaut. Die machten die Mauern widerstandsfähiger gegen Hochwasser und feindlichem Beschuß.

Tevion DC-14

Eingebaute Basaltsteine

 

 

 

Der Juddedeturm. Hat übrigens nichts mit dem Volk der Juden zu tun. Hier wohnte eine adlige Familie. Die muß wohl einiges zu sagen gehabt haben wenn die sich einen eigenen Kerker leisten durfte. Vielleicht um ihre Schuldner dort zahlungwillig zu machen?

Juddeturm

Juddeturm

 

Tevion DC-14

 

 

 

 

 

 

So versteckte Ecken in Zons. Findet man nur zu Fuß oder eben mit dem Rad. Das ist ein kleiner Park hinter dem Stadtmuseum.

Juddeturm und Pfarrkirche St.Martin

Juddeturm und Pfarrkirche St.Martin

Stadtmuseum

Stadtmuseum

 

 

 

 

 

 

 

 

In diesem Türmchen hat schon mal ein Student gewohnt.

In diesem Türmchen hat schon mal ein Student gewohnt.

Ah, da kommt ja schon die Fähre

Ah, da kommt ja schon die Fähre

 

 

 

 

 

 

 

Rückblick auf Zons. Man sieht den Rheinturm, den mächtigsten der Türme. Zons war früher auch Zollstation. "Geld raus oder unsere Kanonen sprechen!"

Rückblick auf Zons. Man sieht den Rheinturm, den mächtigsten der Türme. Zons war früher auch Zollstation. “Geld raus oder unsere Kanonen sprechen!”

 

So, nun auf die andere Rheinseite. Da gibt es einen schönen Rad und Wanderweg. Meist am Rhein entlang. Bei Monheim ist der Deich zurückverlegt worden und der alte Deich wurde geöffnet. So ist ein weiteres Überflutungsgebiet entstanden. Unbebaut, nur Weideland und Auenwäldchen. Bei Hochwassergefahr müssen die Kühe eben zurück in den höher gelegenem Stall.

Tevion DC-14

 

 

 

 

 

 

Haus Bürgel

Haus Bürgel

Haus Bürgel, Haupthaus. Nun ein Museum

Haus Bürgel, Haupthaus. Nun ein Museum

 

 

 

 

 

 

 

 

Haus Bürgel lag früher auf der anderen Rheinseite, also linksrheinisch, auf der selben Seite wie Zons. Es stammt noch aus der Römerzeit. Das war ein Kastell. Dort waren etwa 150 gut bewaffnete und ausgebildete Soldaten stationiert. Der Rhein war ja damals die Grenze zu den Barbaren. Die kriegerischen Germanen versuchten immer wieder die Römer zu überfallen. Jedoch bekamen die jedesmal was auf die Mütze. Doch dann ging das Römische Reich unter. Bürgel wurde im Mittelalter ein Landgut und bescherte dem Erzbischof von Köln (neben den Zollgebühren) reichliche Einnahmen. Es gab dort auch eine große Kirche.  Zons, immer noch auf der selben Rheinseite war nur eine “Filiale”, bekam nur ein Kapellchen.

Doch dann kam 1374 (?) die große Flut. Ein verheerendes Rheinhochwasser spülte den ganzen Ort Bürgel einschließlich Kirche weg. Nur Haus Bürgel überstand. Es war auf den Fundamenten der römischen Festung errichtet worden. Deren Mauern waren stark genug um dem Hochwasser zu widerstehen.  Die Römer waren Pragmatiker. Die hielten sich nicht lange mit statischen Berechnungen auf. Die bauten alles mindestens dreimal so stark wie eigentlich nötig. Als das Wasser sich schließlich verzogen hatte, floß der Rhein plötzlich auf der anderen Seite. Bürgel war nun von Zons getrennt. Nun bekam Zons eine richtige Kirche und Bürgel nur ein Kapellchen.

Campingplatz in Monheim. Bei Hochwassergefahr schleppt der Trecker die Wohnis auf höheres Gelände

Campingplatz in Monheim. Bei Hochwassergefahr schleppt der Trecker die Wohnis auf höheres Gelände

Ausruher am Rheinufer in Monheim. Wie aufmerksam!

Ausruher am Rheinufer in Monheim. Wie aufmerksam!

 

 

 

 

 

 

 

 

Tevion DC-14

Spiel mir das Lied vom Tod! “Sankt Martin St.Martin…”

Ein Wohnschiff. Hier wird der Hausherr jedenfalls nicht von Hausierern belästigt

Ein Wohnschiff. Hier wird der Hausherr jedenfalls nicht von Hausierern belästigt

 

 

 

 

 

 

 

Weiter Richtung Leverkusen. Am Kai in Monheim steht ein bemerkenswerter Kran. Im Maschinenhaus befindet sich nun ein Café. Kranen muß der wohl nie wieder.

Café-Kran

Café-Kran

Harley?

Harley?

 

 

 

 

 

 

 

 

Dieser Kran muß gelegentlich arbeiten. Boote aus dem Wasser heben

Dieser Kran muß gelegentlich arbeiten. Boote aus dem Wasser heben

Am Anleger der Fähre Hitdorf – Langel mußte ich mich entscheiden. Rüber und ungefähr 15Km einsparen. Oder weiter bis Leverkusen und dort über die Brücke? Was soll´s, das Wetter ist noch schön, noch Strom im Akku, also den längeren Weg.

Wasservögel an der Fähren - Rampe

Wasservögel an der Fährenrampe

 

 

 

 

 

 

 

 

Vor Leverkusen mündet die Wupper in den Rhein. Das war in den 50er und 60er Jahren eine Kloake. JedenTag hatte die eine andere Farbe, je nachdem welche Färberei in Wuppertal gerade ihre Anlagen gereinigt hatte. Und gestunken hat die wie Sau. Jedes Leben war darin erstorben. Dem Rhein ging es auch nicht viel besser. Glücklicherweise hat sich das geändert. Von selbst reinigen die Fabriken ihre Abwässer nicht. Man muß sie dazu zwingen. Aber dazu sind Regierungen doch da!

Schwimmbrücke über die Wuppermündung

Schwimmbrücke über die Wuppermündung

Die Autobahnbrücke. Mit Grafittis verschönert

Die Autobahnbrücke. Mit Grafittis verschönert

 

 

 

 

 

 

 

 

Chemiepark (Bayer) Leverkusen

Chemiepark (Bayer) Leverkusen

Fußweg-Radweg Brücke. Über eine Hochwasserrinne in Leverkusen

Fußweg-Radweg Brücke. Über eine Hochwasserrinne in Leverkusen

 

 

 

 

 

Schon von der Rheinbrücke aus sehe ich die Dampfschwaden der Kraftwerke Niederaußem und Neurath

Schon von der Rheinbrücke aus sehe ich die Dampfschwaden der Kraftwerke Niederaußem und Neurath

Ein letzter Blick auf den Rhein

Ein letzter Blick auf den Rhein

 

 

 

 

 

 

 

Sumpf bei Worringen

Sumpf bei Worringen

Das ist eine alte Rheinschleife. Als der Rhein noch nicht durch Deiche eingezwängt war, suchte der sich jedes Jahr ein neues Flußbett. Übrig blieb dann immer ein versumpftes Gelände. Das machten sich einige ortskundige Soldaten bei der Schlacht von Worringen zu Nutze. Im Sumpf waren sie praktisch unangreifbar. Wer nun eigentlich die Schlacht gewonnen hatte weiß man nicht so genau. Es ging um Erbstreitigkeiten der hohen Herren. Verloren hatten sie jedenfalls alle. Auf alle Fälle waren die Kölner anschließend ihren ungeliebten Erzbischof los.

 

 

 

Der Kölner Randkanal. Der wurde gebaut um die erheblichen Sümpfungswasser-Mengen zum Rhein zu leiten. Von den inzwischen stillgegten Braunkohle-Bergbauen Bergheim und Fortuna. Wie kannn man nur so ein gefährliches Bauwerk errichten? Wer da reinfällt hat kaum noch eine Chance dort lebend rauszukommen. Die glitschigen und steilen Betonufer sind kaum zu erklimmen. Unzähligen Rehen und Hasen hat dieser Kanal schon das Leben gekostet. Heute fließt nur noch ein mickriges Rinnsal durch. Aber man kann noch sehen wie hoch früher der Wasserstand war!

Kölner Randkanal

Kölner Randkanal

Berechtigte Warnung

Berechtigte Warnung

 

 

 

 

 

 

 

 

Zurück durch den herbstlichen Wald. Der Benrather Chor-Busch. Auch Knechtstedener Wald genannt. Ein durchgehendes Waldgebiet, 15Km lang. Das ist ein ehemaliges Rhein-Flußbett. Nun ein beliebtes Wandergebiet in unserer so waldarmen Gegend.

Herbstwald

Herbstwald

Mit Jogger

Mit Jogger

Radfahren macht durstig

Radfahren macht durstig

So viele Golfplätze! Flächenverbrauch wie ein Flughafen

So viele Golfplätze! Flächenverbrauch wie ein Flughafen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hohlweg bei Butzheim

Hohlweg bei Butzheim

Solche Hohlwege entstanden durch Erosion. Es waren Karrenwege. Die Räder der Karren hinterließen tiefe Spuren. So hat das abfließende Regenwasser diese Spuren noch weiter erodiert. Das Gestein ist hier weiches Löß-Material. Das wurde immer mehr abgetragen. So entstand im Laufe der Jahrzehnte dieser Hohlweg. Die meisten Hohlwege wurden beseitigt, da unpraktisch. Dieser blieb erhalten, ist nun Naturschutzgebiet. Zu Fuß oder mit dem Rad darf man durch. Aber, besonders nach heftigen Regenfällen gibt es viele matschige Stellen. Halt schlechte Wegstrecke.

Trafostation

Trafostation

 

 

 

Früher waren diese Trafo-Häuschen weit verbreitet. Die waren gleichzeitig auch Hochspannungsmasten, eben durch ihre Turmbauweise. Da waren noch Freileitungen das übliche, die müssen halt eine gewisse Höhe haben. Nun fließt der Strom durch Erdkabel. Die sind zwar teurer, verursachen aber weniger Probleme (z.B. Blitzschlag). Die Umspannstation ist nun die grüne Kiste vor dem Trafohäuschen, eine Kompaktstation.

Gut ausgeschilderte Radwege

Gut ausgeschilderte Radwege

Falls der Kaiser mal mit seinem Fahrrad vorbeikommt

Falls der Kaiser mal mit seinem Fahrrad vorbeikommt

 

 

 

 

 

 

 

 

Kraftwerk Neurath

Abendstimmung am Kraftwerk Neurath

So, das war´s erstmal. Die Bilder werden durch anklicken größer. Ich hoffe, ich habe das Layout nun einigermaßen hinbekommen. jetzt bin ich gespannt was der Admin dazu sagt!

Also, ich wünsche euch noch viele schöne Fahrten, egal mit welchem Fahrzeug auch immer!

Es grüßt: Peter, der gruftige

 

 

 

 

 

2 Antworten zu Goldener Oktober – Elektrisch

  1. Keine Kommentare? So schlecht ist das doch gar nicht was ich hier geschrieben habe. Oder liegt es an dem verwendeten Fahrzeug? 0,3PS ist eben nicht viel. :unsure:

  2. [quote=420986]Keine Kommentare?[/quote]
    Oooooooooohhhhhh :scratch: :unsure: :-) :-)

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