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Mongolenrocker

3. September 2014 in Tourenberichte und -tipps, User-Blog

Schon seit ein paar Jahren träume ich davon, Russland von Europa bis nach Wladiwostok zu durchqueren. Dieses Jahr stimmt alles – Gesundheit, Zeit, das richtige Motorrad, es fehlen nur ein oder zwei Mitfahrer. Da stosse ich über Netbiker auf eine Zehnergruppe, die in die Mongolei fährt, privat organisiert, mit Hotelvorbuchung, mit Begleitfahrzeug, das Ganze noch in das 40jährige Jubiläum des Botschafteraustausches zwischen der Mongolei und Deutschland politisch eingebunden. Das ist viel mehr als ich suche, scheint dennoch ideal für meinen Plan. Also los. 3 Vorbereitungstreffen, mit vielen Details, die mir nicht so wichtig vorkommen (wie Treffen mit Botschaftern, Mitfahren eines Filmteams), aber egal, das kann ich wohl in Kauf nehmen.

Start vor der Haustür

Start vor der Haustür

 

Der Anfang: am 18. Juli 2014 in Rinkerode um halb acht, ich habe mir eine Tour über kleine Nebenstrassen nach Berlin aufs Navi gespielt. Durch das schöne Lipperland, den hügeligen Harz, dann Brandenburgs Alleen, der erste Tag ist mit 530 km bei herrlichstem Wetter ein gelungener Auftakt.

 

 

 

Am nächste Morgen starten wir mit 9 Motorrädern, einem Begleitfahrzeug (BMW Touring, mit Niederquerschnittsreifen mit Anhänger), einem Filmteam im Mitsubishi Pajero und einem Feuerwehrfahrzeug (Spende für die mongolische Feuerwehr) am Rathaus in Schöneberg, wo wir von einer politischen Delegation (Bürgermeister, Landrat, Angehöriger der russischen Botschaft, Botschafter der Mongolei) verabschiedet werden.

Verabschiedung durch den Botschafter der Mongolei, Herrn Ts. Bolor

Verabschiedung durch den Botschafter der Mongolei, Herrn Ts. Bolor

 

Anhänger des Begleitfahrzeugs

Anhänger des Begleitfahrzeugs

 

Bis zur polnischen Grenze in Frankfurt/Oder führt uns eine kleine Polizeieskorte, danach fahren wir ein längeres Stück über die polnische Autobahn. Ab Posen gibt es dann fröhliches Kurvenschwingen bei herrlichstem Wetter durch die masurische Landschaft bis Mikolajki (auf deutsch: Nikolaiken), einer touristischen Kleinstadt in der Ermland-Masurischen-Seenlandschaft in Ostpreussen.

Erste Pause in Masuren

Erste Pause in Masuren

 

Da wir uns untereinander nur zum Teil kennen und es unterschiedliche Tourerwartungen gibt, teilen wir die Gruppe auf. So avanciere ich überraschend zum Tourguide einer 7-köpfigen Crew, 2 Luxemburger, 4 Bayern und ich als Münsteraner. Die ersten gemeinsamen 668 km klappen  gut – mal abgesehen von der Ortsbesichtigung von Posen – hier wäre die Umfahrung besser gewesen. Der nächste Tag führt von Polen über Littauen und Lettland nach Russland. Direkt vor der russischen Grenze haben wir die erste Geländeeinlage. Über eine Sand- und Lehmpiste fahren wir ca. 10 km an der Grenze entlang. Dies ist die erste positive Bewährungsprobe für die Heidenau K60 Scout – hier (vorerst) im Trockenen. Von daher kommen auch die Kollegen mit ihren “Sommerreifen” noch gut mit.

 

Warten vor der russischen Grenze

Warten vor der russischen Grenze

 

Der Grenzübertritt nach Russland, inklusiv Ausfüllen der Zolldokumente für das Motorrad, dauert bei dann einsetzendem strömenden Regen etwa 7 Stunden. Hier lernen wir das erste Mal die russische Hilfsbereitschaft kennen: hätte uns nicht der perfekt englisch sprechende Harley-Fahrer Pavel (im Hauptberuf Banker in Moskau) die gesamte Zeit (!!!) übersetzend und mit Rat und Tat zur Seite gestanden, hätte der Grenzübergang gut und gerne noch 1 oder 2 Stunden länger gedauert. Grosse Geschenke taugen nicht fürs Motorrad, aber ich habe 20 gute Schweizer Taschenmesser dabei, hier ist die erste Gelegenheit, sich erkenntlich zu zeigen (Tipp aus dem Reiseführer “lonely planet”).

 

Nach 842 km (davon 160 km ab der Grenze Nachtfahrt – hier bewähren sich die Xenon-Zusatzscheinwerfer) kommen wir im Hotel in Velikiye Luki um 2.30 Uhr Ortszeit an, sinken ein wenig erschöpft ins Bett, da es am gleichen Morgen um 8 Uhr wieder los geht: Richtung Moskau über die M9 ca 435 km Heidelandschaft. Die ersten Rubel erwerben wir in der familiär wirkenden Kleinstadt Nelidovo ein paar km abseits der M9.

 

Von Moskau über Cheboksary nach Ufa (2 Tage, 1375 km) weiter über die M9 fordern Fahrer und Maschinen; eine unglaubliche LKW-Lawine, die bei ebenso unglaublichem Gegenverkehr überholt werden muss, viele “russische” Baustellen (=  zwischen 500 m und 10 km lange Lehmumwege), heftige Schlaglochpisten. Das Loblied auf die Heidenaus kann ich hier getrost wiederholen. Für unser Begleitfahrzeug mit Mechaniker ist diese Strecke verbunden mit eher flotter Fahrweise das Ende. 3 der 4 Niederquerschnittsreifen haben dicke Beulen an der Reifenflanke, von daher kehrt das Fahrzeug mit Mechaniker nach Berlin um. Immer noch sind wir 9 Motorradfahrer und der Mitsubishi des Filmteams, aber die 10 kleinen Negerlein sind schon im Hinterkopf.

Kleinteileverlust

Kleinteileverlust

Mit dem Einfedern meiner GS höre ich regelmässig ein Quietschgeräusch, das mich einigermassen beunruhigt. Etwa das hintere Federbein (das vordere wurde vor der Tour wegen Ölverlust getauscht)? Es war nur die Hinterradabdeckung, bei der sich eine von 3 Befestigungen verbogen hatte, und die dann sich langsam in den Reifen einarbeitete. Rechtzeitig angehalten, demontiert und erleichtert weiter gefahren. Übrigens hatten wir noch einmal den gleichen Schaden ein paar tausend km weiter an einer Adventure. Auch bei BMW ist nicht alles Gold was teuer ist.

 

 

 

Obststand an der M9

Obststand an der M9

Unterwegs kaufen wir Obst an einem der vielen Stände, die

direkt vor den jeweiligen Wohnhäusern an der Strasse aufgebaut sind.

 

 

 

 

 

Brotzeit irgendwo in Sibirien

Brotzeit irgendwo in Sibirien

Die zu unrecht als “Einbauküche” verspottete Adventure bewährt sich beim Picnic durch gute Ablagemöglichkeiten und Wurstschneideflächen.

 

 

 

 

 

 

 

Am folgenden Tag von Ufa nach Chelyabinsk (530 km) sind die Temperaturen eher frisch 14 bis 18 Grad, zum überwiegenden Teil ist es landschaftlich reizvoll, es gibt sogar einige nette Kurven, und wir überqueren einen Pass mit 820 m Höhe. Am Abend erfahren wir, das Axels Honda Afrika Twin, die wohl schon über 150 Tsd. km auf dem Buckel hat, Öl aus der Schalthebellagerung verliert.

 

Der darauffolgende Tag, Freitag der 25. Juli, wird für uns zur echten Bewährungsprobe. Die 697 km von Chelyabinsk über Kurgan nach Ishim legen wir in strömendem Regen bei konstanten Temperaturen um 10 Grad (gefühlte minus 10 Grad) zurück. Trotz vermeintlich wasserdichter Ausrüstung ist alles nass, die Füsse, die Hände, der Hals, auch zwischen den Beinen ist alles feucht und kalt…Einzige Ausnahme: der Atlantis Anzug von Arsène. Ende des Werbeblocks. Der Weg zur Unterkunft, eine geräumige und gut geheizte Freizeitanlage in der Nähe von Ishim, besteht aus einer mehrere hundert m langen tief verschlammten Lehmzufahrt. Fazit: einige Stürze respektive Umfaller, mit dem “Erfolg”, dass bei der R1200R ein versteckter Stein ein Loch im Zylinderkopfdeckel verursacht. Trotz eines Original-BMW-Zylinderkopfgummiüberzugs (was es nicht alles bei BMW gibt!?) tritt zu viel Öl aus, so dass wir ohne Reparatur nicht weiter fahren können.

Begrüssungskomitee

Begrüssungskomitee

Perfekte Unterkünfte in Ishim

Perfekte Unterkünfte in Ishim

Nina, die Dame im roten Annorak, die mich gleich auf Deutsch sehr herzlich begrüsst, erweist sich nicht nur als motorradbegeistert sondern auch als ausserordentlich hilfreich beim Auffinden einer geeigneten Werkstatt. Ihr Deutsch ist hervorragend, da sie in Braunschweig und Hannover studiert hat und so bringt sie uns zu einer Werkstatt, deren Chef wiederum jemanden kennt, der Aluminium-Magnesium-Schweissungen durchführen kann.

demontierter Zylinderkopfdeckel mit  Loch

demontierter Zylinderkopfdeckel mit Loch

Das durch einen Stein beim Sturz eingeschlagene Loch ist gut sichtbar, unten rechts im Deckel erkennt man das Metallstück, das herausgeschlagen wurde.

Eingangsbereich der Fachwerkstatt

Eingangsbereich der Fachwerkstatt

 

 

 

 

 

 

 

Am nächsten Morgen stehen alle neuen russischen Bekannte parat, um uns zur Werkstatt zu lotsen, zu übersetzen und uns zu unterstützen. Nach der recht flotten Demontage dauert es eine Weile, da der Zylinderkopfdeckel zum Schweisser gebracht werden muss, der seine liebe Mühe hat, die passende Legierung zu identifizieren und dann das verhältnismässig grosse Loch so zuzuschweissen, dass es noch ein paar tausend km hält. Wer möchte schon irgendwo in Sibirien liegen bleiben. Auch hier haben die Schweizer Taschenmesser als Dankesgeschenke wieder gute Dienste geleistet.

mit vereinten Kräften wird der defekte Zylinderkopfdeckel demontiert

mit vereinten Kräften wird der defekte Zylinderkopfdeckel demontiert

Ninas erste Motorradfahrt

Überbrückung der Wartezeit: Ninas erste Motorradfahrt

Geschweisster Zylinderkopfdeckel

Geschweisster Zylinderkopfdeckel

Mit dem Resultat der Reparatur lässt sich kein Schönheitspreis gewinnen, aber es hält die 2000 km bis zur BMW-Werkstatt in  Krasnoyarsk.

 

 

Da wir erst um 14.00 Uhr losfahren können, kommen wir nach 350 km Fahrt inklusive einer 1stündigen Zeitverschiebung um 19.30 Uhr in Omsk an. Hier haben wir nach 9 ununterbrochenen Fahrtagen den ersten Ruhetag. Den Vormittag nutzen wir, um den gröbsten Dreck von den Motorrädern zu entfernen, am Nachmittag gönne ich mir eine 2stündige Ganzkörper-Thai-Massage, bei der alle Körperteile bis auf eins sorgfältig durchgearbeitet werden. Meine Rücken- und Sitzbeschwerden waren danach und auch für die kommenden Tage verschwunden.

 

Die nächsten beiden Tage führen über Novosibirsk nach Achinsk insgesamt 1300 km, das Wetter spielt mit, es ist weitgehend trocken. Dazu gibt es ein paar flotte Kurven und nur wenig Verkehr. Leider muss Axel in Novosibirsk umkehren, da seine Honda nicht vor Ort repariert werden kann. Mit ihm kehrt auch das Filmteam um.

separates Toilettenhäusschen (Loch im Boden)

separates Toilettenhäusschen (mit Loch im Boden)

Eingang zu einer Raststätte

Eingang zum Speiseraum einer Raststätte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mittlerweile verlieren die beiden älteren BMWs (Mystic 100 und R 100 GS, Bj. so um 1995) Öl aus jeweils einem Rohr der Telegabel, das sich über die Maschinen nach hinter verteilt. Ob die rustikale Motorradwäsche, die Schlaglochpisten, das Alter der Motorräder oder alles zusammen die Ursache ist bleibt offen. Wir beschliessen, am nächsten Tag auf der Fahrt von Achinsk nach Tayshet in Krasnojarsk abzubiegen und die dortige BMW-Motorradwerkstatt aufzusuchen. Zu unserem grossen Erstaunen sieht diese BMW-Niederlassung genauso aus wie in vielen deutschen Grossstädten, der einzige Unterschied vielleicht, dass die blitzsaubere Werkstatt im Keller untergebracht ist. Kundendienstleiterin Yuliya und Werkstattmeister Alexander (Sascha) kümmern sich fast die ganze Zeit persönlich um uns. Die Telegabeln beider Motorräder sind schnell ausgebaut, die richtigen Simmerringe und Metallhülsen sind jedoch nicht vorrätig. In Deutschland würde man jetzt vielleicht sagen, dass man gar nicht mit der Arbeit hätte anfangen müssen, in Krasnojarsk macht sich Sascha jetzt mit den defekten Altdichtungen und Ringen auf den Weg zu umliegenden Werkstätten, um “ähnliche” Teile zu finden. Die müssen dann natürlich noch zurecht gefeilt/bearbeitet werden. Um 19.00 Uhr verlassen wir mit komplett reparierten Motorrädern die Werkstatt, Sascha lotst uns mit einer nagelneuen GS LC Adventure durch den heftigen Feierabendverkeht von Krasnojarsk bis zur Strasse nach Tayshet, wo wir um 3 Uhr morgens bei Regen und Kälte ankommen. Die nächtliche heftige Baustellenfahrt (10 km nasse Lehmpiste mit schlaglochumkurvenden LKWs) zeigt, dass die Reparatur der Telegabeln erfolgreich ist. Von Tayshet geht es weiter nach Sayansk, von dort nach Irkutsk (2 Tage, 738 km). Unterwegs treffen wir immer wieder auf russische Motorradkollegen zum Teil in unkonventioneller Schutzkleidung.

 Verkehrsteilnehmer in sibirischem Dorf

dörfliche Verkehrsteilnehmer

Warten auf die Mutti an sibirischer Bushaltestelle

Warten auf die Mutti an sibirischer Bushaltestelle

 

 

 

 

 

 

 

Sergej auf dem Rückweg von seiner Mongoleitour Richtung Moskau

Sergej (ganz links) auf dem Rückweg von seiner Mongoleitour Richtung Moskau

 

Die eintägige Pause in Irkutzk nutzen Wolfgang, Lugg und ich zu einer sensationellen Motorradtour  nach Bolshoye direkt am Baikalsee. Hin und zurück ca. 250 km, davon knapp 200 km Lehm- und Schotterpiste über die die wenigen russischen Fahrzeuge nicht unter 80 km/h fuhren – da fliegt es sich besser über die Bodenwellen. Nach kurzer Eingewöhnung hatten wir das auch drauf und wurden belohnt durch das ursprüngliche Fischerdorf Bolshoye, in dem erkennbar die Zeit langsamer läuft, und wo auf Grund der Anfahrtbedingungen nicht zu viele Touristen hinkommen.

Zentralkaufladen von Bolshoye

Zentralkaufladen von Bolshoye

unterwegs Richtung Baikalsee

unterwegs in Richtung Baikalsee

 

 

 

 

 

 

 

Pause im Ort - im Hintergrund eine Autowerkstatt

Pause im Ort – im Hintergrund eine Fachwerkstatt

Kirche von Bolshoye

Kirche von Bolshoye direkt am Baikalsee

 

Mitarbeiter der Fachwerkstatt beim Auffüllen mit BMW-Spezial-Hinterachsgetriebeöl

Mitarbeiter der Fachwerkstatt beim Auffüllen von BMW-Spezial-Hinterachsgetriebeöl

 

Irkutzk ist Universitätsstadt mit knapp 600.000 Einwohnern und mit einem ausgeprägten Nachtleben. Besonders auffällig sind die vielen schönen russischen Mädchen, denen es augenscheinlich gefällt, sich modisch zu kleiden. Da können wir den ganzen Nachmittag an der Promenade sitzen und uns das Defilee anschauen.

Mädchen in Irkutzk

Mädchen in Irkutzk (Foto Herbert)

im Gespräch

im Gespräch I

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

im Gespräch II

im Gespräch II

 

auch von hinten schön anzuschauen

auch von hinten schön anzusehen (Foto Herbert)

 

 

 

 

 

 

 

Am 3. August müssen wir uns von Irkutzk trennen und fahren am Baikalsee vorbei nach Ulan Ude. Das Wetter ist spitze, Sonnenschein, Temperaturen zwischen 14 und 23 Grad. Richtung Baikalsee gibt es superschöne Kurven, wenige Autos und LKWs. Die 477 km sind ein einziger Traum. Es gibt nicht nur schöne Aussichten auf den See und die umliegende Gebirge sondern natürlich auch einige genussvolle Pausen. Am folgenden Tag geht es genauso weiter: ein unglaubliches Panorama, die Berge, das Licht, ab und zu kleine Städte und Dörfer bis wir schliesslich nach nur 243 km das “Hotel” Evrasia in Kajachta, dem russischen Grenzort zur Mongolei erreichen.

Blick auf den Baikalsee

Blick auf den Baikalsee

Hotel Evrasia in Kajachta

Hotel Evrasia in Kajachta

Gartenlaube des Hotels Evrasia

Gartenlaube

 

 

 

 

 

 

Männerbeine

Männerbeine

Offenbar handelt es sich beim Evrasia um ehemalige Arbeiterwohnungen. Von daher ist der Platz in den Wohnungen riesig (50 bis 60 m²), der Standard jedoch eher rustikal (schief hängende Waschbecken, abenteuerliche Duschen, kein Frühstück, Feierabendbier kann in naheliegenden Supermärkten gekauft werden). Gemütlich haben wir es dennoch beim Aperitif in der Gartenlaube.  Abends gehen wir in einer nahe gelegene Jurte essen.

Soundsystem in der Jurte

Soundsystem in der Jurte

Eingang zum Restaurant in der Jurte in Kajachta

Eingang zum Restaurant in der Jurte in Kajachta

freundliche Bedienung beim Servieren der Nachspeise

freundliche Bedienung beim Servieren der Nachspeise

Am nächsten Tag überqueren wir die Grenze von Russland zu Mongolei, die Prozedur dauert ungefähr 5 Stunden, wobei bei den mongolischen Stationen auffällt, dass alle Angaben aus den Pässen und Motorradpapieren mehrfach manuel in Bücher übertragen werden. Wie dann die weitere Übermittlung und Prüfung der Daten erfolgt (per reitendem Bote oder Brieftaube…) haben wir nicht erforscht. Die Strasse von der Grenze bis Ulaan Baatar ist gut und geteert, bei herrlichstem Wetter geniessen wir Ausblicke in die Weite der mongolischen Hochebene – schon bald bewegen wir uns in einer nahezu konstanten Höhe von 1300 bis 1400 m.

Mongolische Impressionen I

Mongolische Impressionen II

Mongolische Weite

Mongolische Impressionen I (Foto Herbert)

 

 

 

 

 

Mongolische impressionen III (Foto: Herbert)

Mongolische impressionen IV (Foto Herbert)

 

Mongolische Impressionen II (Foto Herbert)

Mongolische Impressionen III (Foto Herbert)

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Mongolei ist 4 1/2 mal so gross wie Deutschland und hat lediglich 3,2 Mio. Einwohner, davon wohnen 1,3 Mio. in der Hauptstadt Ulaan Baatar. Um die heutige Mongolei zu begreifen, lohnt sich ein Blick in die Historie: Dschinghis Khan eroberte im 13. Jhd. weite Teile Zentralasiens und Nordchinas und führte die Mongolei zu dieser Zeit durch mutige, fähige, wahrscheinlich auch grausame Reiter zu einer Grossmacht. Daran erinnert noch heute der Zentralplatz von Ulaan Baatar, das Nationalmuseum, der Name des grösste Flughafens, usw. Des weiteren ist das Leben vieler Mongolen auch heute noch (selbst in der Hauptstadt) durch ihre nomadischen Wurzeln geprägt. Auch das Thema Überwindung des Kommunismus in Verbindung mit den beiden einzigen Nachbarstaaten Russland und China spielt eine sehr grosse Rolle bei den Themen Industrieentwicklung und  Wohlstand der Bevölkerung. In jedem Fall gibt es – noch aus DDR-Zeiten herrührend – eine enge Verbundenheit zu Deutschland. Viele Mongolen haben in Deutschland studiert und auch für die uns freundlich anhupenden Autofahrer im dichten Verkehr der Hauptstadt scheint die Marke unserer Motorräder positiv besetzt.

 

Wir werden (dank der Vorbereitungsarbeiten von Andreas) bereits am Hotel erwartet und mit dem traditionellen blauen Mongolenschal und Stutenmilch begrüsst. Abends gab es dann noch einen sehr netten Empfang in der deutschen Botschaft, wo wir bei Barbecue und Bier von unserer Reise berichteten.

Begrüssung durch den deutschen Botschafter in der Mongolei, Herrn Gerhard Thiedemann

Begrüssung durch den deutschen Botschafter in der Mongolei, Herrn Gerhard Thiedemann

Begrüssung mit dem Khata = blauer Mongolenschal (Foto Herbert)

Begrüssung mit dem Khata = blauer Mongolenschal (Foto Herbert)

 

 

 

 

 

 

 

 

Artikel über unsere Reise in der mongolischen Presse

Artikel über unsere Reise in der mongolischen Presse

 

 

 

 

 

 

 

 

Die nächsten beiden Tage verbringen wir mit Ausflügen zum buddhistischen Kloster Mandshir Khiid und ins Wildpferdereservat Hustai National Park. Bei diesen Ausflügen (in Summe 350 km) bewegen wir uns zum grossen Teil auf nicht geteerten Strassen, einer herausfordernden Mischung aus Sand, Lehm und Gras.

Motorradfahren in der Mongolei II

Motorradfahren in der Mongolei II (Foto Herbert)

Motorradfahren in der Mongolei I

Motorradfahren in der Mongolei I (Foto Herbert)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Motorradfahren in der Mongolei IV

Motorradfahren in der Mongolei IV

Motorradfahren in der Mongolei III

Motorradfahren in der Mongolei III

 

Damit ist dann leider die Reise auch schon zu Ende: 9590 km in etwas mehr als 3 Wochen mit einer Fülle unvergesslicher Eindrücke. Jetzt müssen die Motorräder im Oasis, einem Weltenbummler-Hotel in Ulaan Baatar, noch in Kisten verpackt werden, um ihre Heimreise vermutlich über einen chinesischen Hafen nach Deutschland anzutretten. Laut Spedition sollen sie dann im November oder Dezember ankommen. Die Verpackung erfolgt in Eigenregie allerdings mit tatkräftiger lokaler Unterstützung. Sprit ablassen, Batterie abklemmen, Windschild abbauen, Vorderrad ausbauen bei den Adventures zusätzlich den Lenker abbauen und alles gut auf der Bodenplatte verzurren. Der mongolische Schreiner baut zwischenzeitlich eine Auflage für die vordere Achse und anschliessend die komplette Kiste um das Motorrad. Fertig. Am ersten Tag haben wir für 4 Motorräder 4 Stunden gebraucht, am 2. Tag für 4 Motorräder 2 Stunden.

Sprit ablassen

Sprit ablassen

Motorrad auf der Bodenplatte

Motorrad auf der Bodenplatte

 

 

 

 

 

 

 

2 fertig verpackte Motorräder zwischen Weltenbummlerfahrzeugen

2 fertig verpackte Motorräder zwischen Weltenbummlerfahrzeugen

 

 

 

 

 

 

 

Ganz zum Schluss noch ein Bild der Gruppe, die über die ganze Tour hinweg zusammen gehalten hat und sich gegenseitig tatkräftig unterstützt hat.

Mongolenrocker (Yves, Lugg, Wigg, Wolfgang, Herbert, Arsène, Mongole, Jürgen)

Mongolenrocker (Yves, Lugg, Wigg, Wolfgang, Herbert, Arsène, Mongole, Jürgen)

Fazit: Wir haben so viel erlebt, dass ich vieles gar nicht erzählt habe. Die Geschichte von Nicolas, dem kleinen Franzosen, der eine ähnliche Strecke wie wir in 4 Monaten von Rennes in der Bretagne bis Ulaan Baatar mit dem Fahrrad zurückgelegt hat. Die story von dem englischen Motorradfahrer, der von England bis in die Mongolei alleine 30.000 km auf der KTM 690 nur off-road gefahren ist , um anschliessend an der Mongolenrallye teilzunehmen, oder der Bericht über das sehenswerte Nationalmuseum der Mongolei. Oder die Geschichte der 2 Kanadierinnen, die sich für ihre Mongoleireise je ein chinesisches Motorrad für 800 US-Dollar gekauft haben, das sie am Ende der Reise für 500 Dollar wieder verkauft haben. Besonders positiv hat uns überrascht, wie stark und wirkungsvoll uns russische, mongolische und auslandsdeutsche Menschen bei vielen Gelegenheiten spontan unterstützt haben. Bedanken wollen wir uns natürlich auch bei den Organisatoren der Reise (selbst wenn vieles anders gelaufen ist als geplant):  Andreas, Axel sowie Thomas aus seinem berliner Reisebüro.

13 Antworten zu Mongolenrocker

  1. Toller Bericht!

  2. Hallo Jürgen,
    hab’ Dank für den ausfürlichen Bericht.
    Gerhard

  3. ja, das macht Appetit!!!

    Super Bericht! :good:

  4. Wow! was für eine Reise – noch etwas echtes Abenteuer. Und ein toller Bericht. (ich weiß, was da für Arbeit drinsteckt)
    Weiter gute Fahrt!!

    Karsten
    mehrfach-Reisender aus SH

  5. Klasse Jürgen, tolle Bilder und guter Bericht. Jetzt biste endgültig aufgenommen im Kreis der Dreckfahrer! :good:

    Endurofahren rulez! :yes:

    T.J.

  6. Klasse Bericht hat echt Spaß gemacht ihn zu Lesen.

    Hut ab vor dem was ihr erlebt habt. :good:

  7. Kommt mir alles so bekannt vor, war von Mai bis August in Russland und der Mongolei unterwegs. Finde es toll, dass Ihr über die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Menschen in Russland und der Mongolei berichtet. Habe während meiner Reise die gleichen positiven Erfahrungen gemacht. Mein Weg war ein etwas anderer aber die Straßen zum Teil sogar noch schlechter. Bericht unter http://www.transalpfahrer.de. Gruß Hartmut

  8. Danke für den tollen Bericht. Er liest sich auch sehr gut und ist interessant und kurzweilig geschrieben. Hut ab vor dem Mut, so eine Reise durchzuziehen.

  9. Toll!

  10. Toller Bericht und klasse Bilder! Danke für´s mitnehmen :-)

  11. Hallo Joey,
    meinen Dank für diesen Bericht. Vieles von dem was du berichtet hast kenne ich
    aus anderen Reisebeschreibungen. Ich wäre wirklich gerne dabei gewesen!
    Vielleicht hätte dann eine Honda durchgehalten (grins)…
    Liebe Grüße
    Herbert

  12. Hallo!

    Ein sehr interessanter aber straffer Bericht! Ja, wer eine Reise tut, kann eben was erzählen! Und was das für eine Reise war!

    LG und schönen Dank für den Reisebericht sagt

    Franz der Cruiser-Fahrer

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