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Bonn – Istanbul und zurück • Teil 1

22. November 2014 in User-Blog

Liebe Netbiker,
ich hatte ja angedeutet, dass ich an einem neuen Reisebericht schreibe: 8.000 Kilometer durch Südosteuropa. Die Fahrt ging über Österreich, Ungarn, Rumänien und Bulgarien in die Türkei. Nach ein paar ruhigen Tagen in der Ägäis begann die Rückfahrt durch Griechenland, Albanien, Makedonien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Slowenien und Italien.

In meinem Blog habe ich jeden Tag mit vielen Details dokumentiert. Hier bei Netbiker werde ich in den nächsten Wochen ein paar kürzere Beiträge bringen, die euch einen schnellen Überblick bringen. Ich freue mich aber natürlich, wenn ihr den Weg zu meinen Blog findet und noch mehr Details recherchiert. Dazu habe ich vor allem die Bilder aber auch einige Textstellen mit den entsprechenden Links versehen.

Den ganzen Reisebericht in einen großen Beitrag zu packen, wäre zu viel. Also beginne ich mit der Urlaubsplanung und der Fahrt von Bonn bis ans Schwarze Meer. Im zweiten Teil geht es dann durch Bulgarien nach Istanbul und von dort auf die griechische Insel Lesbos. Den Abschluss macht die Rückfahrt durch Albanien und andere Balkanstaaten. Wenn Ihr auf die Karte klickt, geht eine Webseite mit den einzelnen Etappen auf.

Vorweg ein kleines Resümee.
Man kann sich vorstellen, dass wir jede Menge gesehen und erlebt haben. Auch Abenteuer gab es genug. Von üblen Pannen bis hin zu Schlagloch übersäten Straßen oder Wegen, die irgendwo im Wald endeten weil unser Kartenmaterial zu ungenau war. Die Fahrt war in Teilen sicherlich eine Belastung für Mensch und Maschine.

Mich hat die Reise ziemlich beeindruckt und vieles war anders als erwartet. Vor allem waren die Straßen bei weitem nicht so schlecht, wie ich vorher von vielen Leuten gehört oder gelesen hatte. Strecken, die bei einer ähnlichen Tour meines Neffen vor drei Jahren noch reine Schotterstrecken waren, sind inzwischen bestens geteert. Natürlich gab es vor allem in Rumänien und Albanien immer wieder Überraschungen, die es in sich hatten. Riesige Schlaglöcher oder Baustellen einfach so hinter einer Kurve waren am gefährlichsten. Aber das waren letztlich doch eher die Ausnahmen, das bisschen Abenteuer halt, an das man sich später gerne erinnert.

Dennoch ist es natürlich ein anderes Fahren als bei uns auf einer gut ausgebauten Eifelstrecke. 150 km können zu einer Tagesetappe werden. Dieses und etliche Pannen haben dazu geführt, dass unser Zeitplan viel zu knapp war und wir vieles von dem, was wir uns vorgenommen hatten, nicht machen konnten. Im Rückblick würde ich mir entweder mehr Zeit nehmen oder die Tour in mehrere kleinere Touren aufteilen.

So ganz nebenbei bin ich ja auch politisch aktiv und setze mich aktiv für Europa ein. Auch diesbezüglich habe ich vieles gelernt. Vor allem, wie wichtig es ist, Dinge mit eigenen Augen zu sehen. Im Positiven wie im Negativen. Faszinierend war die Aufbruchstimmung in Rumänien und Albanien. Jeder packt an und alle freuen sich über das Geschaffene und auf das was noch kommt. Ganz anders als der Eindruck, den wir über die Medien von diesen Ländern bekommen.

Für die meisten von uns ist es selbstverständlich, viele tausend Kilometer nach Spanien oder nach Italien zu reisen, aber nur wenige finden den Weg nach Südosteuropa. Dabei ist ein Besuch dieser Länder mehr als lohnend und wirklich weiter ist es auch nicht. Jeder trägt damit ein klein wenig dazu bei, dass Europa zusammenwächst und jeder vom anderen lernt.

Gepäck und Ausrüstung
Eigentlich braucht man im Sommer ja nicht viel Gepäck. Aber auf dieser Tour müssen wir nacheinander mit gutem Motorradwetter, mit Regen und Kälte sowie am Mittelmeer mit unerträglicher Hitze rechnen. Deshalb machen wir ausnahmsweise mal eine etwas aufwändigere Planung und optimieren unsere Ausrüstung. Ich werde mit der Enduro (G650 GS Sertao) fahren, Jan nimmt seine alte BMW R80/7 und Bernhard seine auch bereits etwas betagte BMW F650. Allen drei Maschinen verpassen wir Geländereifen.

Wichtig: Das Kartenmaterial. Es wird durch 14 Länder gehen und nur mit dem Navi zu fahren liegt mir nicht. Es fehlt der Überblick den ich auf einer traditionellen Papierkarte habe. Auf meinem Blog findet ihr eine Zusammenstellung dieser Karten mit einer kurzen Rezension.

Die Campingausrüstung ist minimal. Essen werden wir in Restaurants oder als Picknick am Wegesrand. Kocher und Töpfe bleiben zu Hause. In Ungarn und Rumänien finden sich auf den Karten nur wenige Campingplätze und in der freien Natur soll es Bären geben. Deshalb werden wir wohl öfter mal eine Pension oder ein Hotel nehmen. Sind wir dann im Süden angekommen, wird es sehr warm sein. Deshalb sind ganz leichtes Zelte und Schlafsäcke ausreichend.

Bei der Kleidung setzen wir auf mehrere Schichten. Also keine dicken Motorradklamotten sondern lieber etwas, das man an kalten Tagen drunter ziehen kann und das wenig Stauraum benötigt. Ich selbst fahre in Leder ohne Futter. Das kann man auch an warmen Tagen noch ertragen. Wenn es regnet kommt dünnes Regenzeug drüber und für kühle Etappen gibt es lange Unterhosen und ein platzsparendes Fleecehemd. Viel Ersatzwäsche nehmen wir nicht mit sondern waschen lieber jeden Abend.

So optimiert, reichen an der Sertao die leichten, flexiblen und gleichzeitig regendichten Ortlieb Packtaschen. Und damit die gut sitzen, schweiße ich mir noch einen kleinen “Tresor”, der die Leere des Original Endschalldämpfers ersetzt. Jan kommt an der 80/7 mit den kleinen, selbst geschweißten Koffern gut zurecht und nur Bernhard nimmt größere Packtaschen und ein Topcase mit.

tresor  mitPacktaschen

 

Es geht los.

Die Anfahrt bis zur rumänischen Grenze ist unspektakulär, sieht man einmal davon ab, dass kurz hinter der österreichischen Grenze Jan plötzlich zurückbleibt und nicht nachkommt. Wir fahren zurück, er steht am Straßenrand und begrüßt mich mit dem Spruch: „Alle Gänge sind wie Leerlauf“. Verdammt, das klingt nach etwas größerem, wahrscheinlich die Getriebe-Eingangswelle. Da Sonntag ist, können wir nichts weiter tun als die Gummikuh auf einen Campingplatz zu schleppen und dort zu überlegen, was wir weiter machen.

abschleppen

Mit dem Schleppen klappt übrigens recht gut. Man muss nur aufpassen, dass das Seil am gezogenen Motorrad nicht verknotet, sondern letztlich mit der Hand gehalten wird um es in einer Gefahrensituation loszulassen. Und natürlich muss der Geschleppte immer darauf achten, dass beim Bremsen das Seil gespannt ist

Mein Vorschlag, sofort mit der Bahn nach Bonn zu fahren und über Nacht die K1300 zu holen, so dass Jan morgen mit der Sertao weiterfahren kann, kommt nicht gut an. Er möchte mit seinem eigenen Motorrad die Tour machen oder gar nicht. Also beschließen wir das Getriebe auszubauen und nachzuschauen. Glück gehabt, es ist nur die Verzahnung der Kupplungsscheibe, die Eingangswelle hat keinen Schaden genommen. Und das Glück ist uns weiter hold: BMW in Linz kann uns bis Montag Mittag eine neue Kupplungsscheibe beschaffen. Mit zwei Tagen Verzögerung geht die Tour weiter wie geplant.

Den Sonntag Nachmittag nutzen wir um Kloster Melk zu besuchen. Es ist wirklich einen Besuch wert, aber es macht einen schon nachdenklich, wenn man sieht welchen Luxus die Kirche sich in vergangenen Jahrhunderten gegönnt hat.

melk2           melk1

Bernhard hat unseren Schraubertag genutzt und ist vorgefahren um sich Ungarn in Ruhe anzuschauen. Jan und ich wollen die Verzögerung wieder wettmachen, indem wir Ungarn ohne Pause durchqueren und Bernhard in Oradea/Rumänien treffen. Dafür gönnen wir uns aber erst einmal ein paar Kurven durch Wienerwald und dann geht es weiter an der Schwechat entlang. Eine nette Motorradgegend. Hat richtig Spaß gemacht und war ein guter Test, ob an Jan’s Maschine auch alles wieder richtig klappt.

Kaum haben wir die Berge verlassen, wird es monoton. Das bleibt so bis wir die rumänische Grenze passieren. Die ungarische Tiefebene ist vor allem eines: Platt. Wir vermeiden bis Budapest zwar die E75, aber schöne Motorradstrecken finden wir dennoch nicht. Regen kommt hinzu, es wird sauglatt. In einem Vorort von Budapest dann ein Riesengully den Jan nicht sieht und schon rutscht er über die Straße. Glück gehabt. Ihm ist nichts passiert und der linke Zylinder hat nur minimale Schleifspuren.

Auch wenn nichts schlimmeres passiert ist, so sind wir doch etwas geschockt und essen erst einmal eine leckere Pizza. Naja, vielleicht hätten wir auch noch was anderes bekommen, aber es war das einzige Wort, das wir verstanden haben.

Es folgen Getreidefelder, links und rechts, Kilometer um Kilometer. Unendlich monoton, scheint diese Ebene nie ein Ende zu nehmen. Wir sind erleichtert, als wir irgendwann einen langen Stau bemerken. Wir haben die rumänische Grenze erreicht, die LKW’s warten hier stundenlang auf ihre Abfertigung. Wir können problemlos passieren und die Farblosigkeit in Ungarn wird mit einem Schlag ersetzt durch die grell-bunte Beleuchtung der rumänischen Wechselstuben.

Bunt beleuchtete Wechselstuben

Im Urlaub angekommen

Nicht dass Rhein und Donau nicht ihren Reiz hätten, aber es war doch eher Anfahrt und Kilometerfressen in mehr oder weniger bekannten Gefilden. Ab hier beginnt das Abenteuer, das Fremde. Was uns zuerst auffällt, sind die vielen Störche und die unglaubliche Freundlichkeit der Menschen. Überall in den kleinen Dörfern winkt man uns zu. Beides, Störche und freundliche Menschen werden wir in den nächsten Tagen jede Menge sehen. Aber auch immer wieder ungeteerte Straßen, die nicht selten metertiefe Baugruben ohne Zaun oder Hinweisschild aufweisen. Und natürlich Schlaglöcher, Schlaglöcher, Schlaglöcher. Rumänien ist extrem reizvoll und im Nachhinein bedauere ich, nur relativ schnell durchgefahren zu sein. Man hätte vieles besuchen, erkunden und befahren können. Diesmal hat es nicht geklappt, ich werde wohl nochmal hin müssen ;-) .


störche

Von der Grenzstadt Oradea geht es zunächst einmal Richtung Apuseni Naturpark, den wir allerdings nur im Süden auf der Landstraße 75 streifen. Nach der Monotonie Ungarns freuen wir uns über die abwechslungsreiche Landschaft, die kleinen Straßen und die Kurven. Weiter geht es über die 74 Richtung Sebeș am Beginn der Transalpina. Bei Zlatna zweigt eine kleine Nebenstraße, die 705 ab. Diese nehmen wir und schon nach wenigen Minuten ist uns klar, was andere Motorradberichte von Rumänien mit “geteerter Geländestrecke” meinten. Manchmal ist die halbe Straße abgerutscht, ein andermal geht ein Riss quer über die Straße und dahinter ist die Fahrbahn 30 cm höher oder niedriger. Nur mal zwei gängige Schäden. Daneben liegen Bäume auf der Fahrbahn oder die Natur hat Teile der Trasse zurückerobert und mit Gras, Moos und Büschen überdeckt. Aber die Landschaft ist wunderschön und bekommt die Wolken und die blassen Farben einen besonderen Reiz.

750

Heute soll es ins Hochgebirge gehen. Die Südkarpaten ereichen Höhen bis zu 2.500 Meter. Die Transalpina empfängt uns mit Sonnenschein, auch wenn im Hintergrund einige Wolken zu sehen sind. Ein bisschen erstaunt sind wir über die Berge, die von hier noch ganz niedrig wirken. Ob sich das noch ändert?beginnTransalpina

Die Anfahrt führt durch ein ewig langes, einsames Tal. Irgendwann erreichen wir eine kleine “Bar” in Form eines Campingwagens mit ein paar Bänken davor, die sich schon nach wenigen Minuten als eine Art Bikertreff heraus stellt. Schnell kommen wir mit zwei in der Schweiz lebenden Engländern ins Gespräch, die mit Ausnahme der Türkei fast die gleiche Tour wie wir in nur zwei Wochen machen wollen. Und auch der dänische Biker, der mit seiner älteren K1200RS in zwei Tagen von der Ostsee gekommen ist, hat sich sich ganz schön viel vorgenommen.

bikertreff1

Ab hier beginnt die eigentliche Passstrecke. Eine tolle, wenn auch wenig schroffe Gebirgsgegend empfängt uns. Überall laufen Esel und Schafe herum. Die Straße ist hervorragend ausgebaut und wir freuen uns, einmal nicht durchgerüttelt zu werden. Ein schöner Tag, der uns nach einigen Schleifen nach Curtea de Arges führt und mit ein paar Bieren und köstlichen Pizzen endet.

esel

Wir sitzen im Hotel und frühstücken. Draußen regnet es in Strömen. Vor allem in Richtung Transfăgărășan soll es den ganzen Tag und wohl auch morgen so bleiben. Ob wir wollen oder nicht, müssen wir unseren Plan wieder einmal ändern. Richtung Süden und Osten soll es besser sein und so fahren wir hinunter an die Donau und von dort weiter ans Schwarze Meer. Rückblickend haben wir haben auch so sehr vieles und vor allem wunderschönes von Rumänien gesehen. Wunderbare Gebirgslandschaften, gemütliche Städte, unendlich lange Straßendörfer mit Häusern, wie wir sie vielleicht eher in einen Schrebergarten bauen würden, ein ausgeschlachtetes Flugzeug, das einfach so auf einem Feld herumliegt, oder eine genial gebaute Donaufähre. Das sind nur ein paar Beispiele. Erstaunlich dabei ist, dass mir die vielen kleinen Details abseits der bekannten Routen fast besser gefallen haben als die “Motorrad-Highlights” wie die Transalpina. Letztere ist toll, aber auch nicht wirklich neu. Einfach so zwischen Feldern dem ruhigen Arbeiten einer Erdölpumpe zuzuschauen, erlebt man dagegen nicht alle Tage.

flugzeug

Irgendwo auf einem Feld ….

ölpumpe

In diesem Moment wurde mir klar, warum ich wenige Kilometer zuvor mitten auf dem flachen Land eine Arbeitersiedlung rund um eine kleine Raffinerie gesehen hatte

fähre_1

Die motorlose Fähre wird von einem total zerknitterten Schiff ge

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach Überquerung der Donau, folgen wir dieser noch eine Weile durch eine abwechslungsreiche Hügellandschaft und nähern uns so allmählich dem schwarzen Meer. Diese Gegend wirkt mit Nussbäumen, Weinanbau und riesigen Sonnenblumenfeldern richtig lieblich. Zum Motorradfahren ideal. Kleine Straßen mit vielen Kurven, aber alles in gutem Zustand, so dass man den Blick nicht nur auf die Straße richten muss. Plötzlich noch ein Highlight, dass man, ohne vorher recherchiert zu haben, nur erkennt, wenn einem der Name “Trajan” was sagt und man gleichzeitig daran denkt, dass sich in “Romania” das alte Rom verewigt hat. Ein Straßenschild mitten im Nichts macht einen auf das “Tropaeum Traiani” aufmerksam. Ein riesiges, restauriertes Siegesdenkmal dieses römischen Kaisers über die Thraker. Es lohnt sich hinzufahren.

trajan

 

Wir haben das Meer erreicht. Ausgeschilderte Campingplätze haben sich entweder versteckt oder sind inzwischen bebaut. Nach einiger Suche finden wir endlich einen einfachen Platz kurz vor Mangalia. Nach zwei der hier üblichen 2-Liter Bierflaschen fangen wir an den Mond zu fangen. Unser letzter Tag in Rumänien in diesem Urlaub, aber ganz sicherlich nicht unser letzter !!mond_fangen

9 Antworten zu Bonn – Istanbul und zurück • Teil 1

  1. :good:
    Gruß Thomas

  2. Ein toller Reisebericht.
    Da möchte man am liebsten gleich packen und losfahren.
    Wann kommt Teil ?
    Viele Grüße
    = Dago =

  3. Da werd ich ja ganz kribbelig vor Neid und Lust das auch mal zu wagen.
    Schön geschriebener Bericht….hoffentlich kommt noch mehr…

    Lg Hermann-Josef

  4. Hey, wirklich gut geschrieben. Da is man dabei. Freu mich auf weiteres

  5. Danke Klaus für den schönen Artikel. Hört sich schon sehr nach ‘nem schönen Abenteuer an. Freue mich auf die Fortsetzung(en) ;-)

  6. Super Bericht!!Als wäre man live dabei gewesen.Das macht Lust auf mehr!!!!
    Gruss Andrea :bye: :good:

  7. Vielen Dank für den schönen Bericht, ich freu mich schon auf die weiteren Stationen..

    Gruß Ralf
    :good:

  8. Super Bericht und das nächste mal bitte auch durch das meraner Land, da bin ich zu Hause (www.meranerland.com) ;) LG Eliss

  9. sehr schöne tour+bericht!weiter so! :good:

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