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Rügen – Reif für die Insel

13. Juli 2015 in Tourenberichte und -tipps, User-Blog

Wind, Meer und der Mensch haben Rügen, Deutschlands größte Insel, geprägt. Eine einzigartige Landschaft mit leuchtend weißen Steilküsten und tiefen Buchten, uralten schattigen Alleen und flachen Sandstränden. Es riecht nach Fisch, Salzwasser und Kiefernnadeln.

Schon von weitem winkt das “Tor nach Rügen“, die Strelasundbrücke, vor der imposanten Skyline der alten Hansestadt Stralsund. Sie überspannt in weitem Bogen den Strelasund und verbindet die Insel mit dem Festland. Direkt hinter der Brücke zweigen wir rechts nach Garz ab und machen erste Bekanntschaft mit der deutschen Alleenstraße. Eng, schmal und recht gut befahren – es ist Hochsaison. Hinzu kommen zahlreiche Traktoren. Das Getreide wird eingefahren. Überholen ist kaum möglich. Also Ruhe bewahren; jeder Stau ist einmal vorbei. Am späten Nachmittag erreichen Evi und ich unsere Unterkunft in Göhren. Die weißen Villen und kleinen Geschäfte des größten Ostseebads Rügens liegen auf dem „Nordperd“ einer Landzunge umgeben von endlosen Sandstränden.

Hansestadt Greifswald und Piraten

Wir passieren die Seebäder Baabe und Sellin und wenden uns auf der Deutschen Alleenstraße westwärts. Diese beginnt in Göhren und endet letztendlich am Bodensee. Die alten Alleen Rügens sind schon beeindruckend. Die knorrigen Äste der Bäume beidseits der Strecke sind oben oftmals ineinander verschlungen. Kilometerlang fahren wir so immer wieder durch grüne Tunnel. Licht und Schatten wechseln sich andauernd ab. Nicht ganz ungefährlich. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 80km/h begrenzt, aber mehr ist auch nicht drin. An einigen Stellen stehen Schilder mit der Aufschrift “Kein Ort zum Sterben”. Glücklicherweise hält sich der Verkehr zu so früher Stunde in Grenzen und so lässt es sich entspannt dahingleiten.

Marktplatz Greifswald

Damit ist es jedoch erst einmal vorbei, als wir auf die L29, eine Kopfsteinpflasterstraße treffen, die es auf den ersten 400 m in sich hat. Es geht nur noch im Schritttempo. Alles rappelt und scheppert. Meine Honda Silver Wing ist am Rande ihrer Dämpfungsmöglichkeiten.
Nach einer Kastanienallee mit Aussicht auf unendliche Kornfelder taucht die ehemalige Fürstenresidenz Putbus auf. Klassizistische Villen stehen hier zum „Circus“ angeordnet im Kreis und mittendrin ein Obelisk. 1810 gegründet trägt Putbus noch heute noch den Beinamen „Weiße Stadt“ oder auch „Rosenstadt“, aufgrund der zahlreichen Rosenstöcke vor den historischen Gebäuden.
Gerstenfeldern, die bis zum Horizont erstrecken, begleiten unseren weiteren Weg. Über Garz, dem ältesten Ort Rügens, erreichen wir die Glewitzer Fähre und setzen nach Stahlbrode über. Die Überfahrt dauert zwar nur kurz, aber es weht uns dennoch eine kräftige Brise um die Nase.
Von Stahlbrode führt die Strecke bis Greifswald teilweise über eine historische Pflasterstraße. Die Landschaft um Greifswald ist flach; kaum mehr als 20m ü.NN. Dann rollen wir in die zwischen den Inseln Rügen und Usedom liegende Hanse- und Universitätsstadt ein. Entlang des Museumshafens mit seinen historischen Schiffen streben wir der Altstadt mit dem Marktplatz und dem Rathaus aus dem 13. Jahrhundert zu. Das Panorama Greifswalds, das den Zweiten Weltkrieg ohne Schäden überstanden hat, wird von den drei Kirchen der Stadt geprägt, einzigartige Zeugnisse der Vergangenheit. Die Kirche St. Marien lädt uns zu einer kurzen Besichtigung ein, dann ruft erst mal der historische Marktplatz zu einer Kaffeepause. Noch ein Bummel durch die Gassen, dann heißt es auch schon wieder Abschied zu nehmen und es geht zurück auf die Insel.

Störtebeker FestspieleStörtebeker Festspiele

Am Abend erwartet uns ein Spektakel der besonderen Art. Auf der Naturbühne Ralswiek am Jasmunder Bodden führen über 100 Darsteller das Spektakel um die Seeräuberlegende Klaus Störtebeker auf.
Vor der Arena findet das übliche Volksfest mit Verkaufsständen (Piratenflaggen, Säbel usw.), Fressbuden und Bierständen statt. Sogar „Störtebeker Schwarzbier“ gibt es hier. Auch wir stärken uns für den Abend und erleben dann eine beeindruckende und unterhaltsame Aufführung. Kanonen donnern, Schiffe kreuzen auf dem Meer, Schlachten werden geschlagen und Ränke und Intrigen geschmiedet. Den Abschluss bildet ein Feuerwerk über dem “großen Jasmunder Bodden”. Phantastisch!

Kleine Rügentour

Entlang der Gleise des „Rasenden Roland“, einer über 100 Jahre alten Schmalspurbahn, schwingen wir uns über sanften Hügel quer durch die Insel nach Ummanz, der kleinen Schwester Rügens in Sichtweite der Insel Hiddensee. Das von Schilf und Deichen umgebene Eiland im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft ist mit einer schmalen Brücke mit Rügen verbunden und erhebt sich nur 5m über den Meeresspiegel. Hier stoßen

Wir auf eine endlos scheinende Naturlandschaft, Stille und Abgeschiedenheit. Nur 5km lang ist die „Inselrundfahrt“. In der Fischräucherei „Am Focker Strom“, direkt am Wasser, genehmigen wir uns noch einen „Aal im Mantel“ und eine „Fischsoljanka“, dann geht es weiter nordwärts. Auf kleinen Landstraßen erreichen wir die Wittower Fähre am Breetzer Bodden und setzen zur Halbinsel Wittow über. Wittow wird auch wegen der ständigen Ostseebrise „Windland“ genannt. Über Wiek und Altenkirchen rollen wir nach Putgarten, ein ehemaliges Bauern- und Fischerdorf mit reetgedeckten Häusern. Hier müssen wir den Motoren unserer Maschinen eine Zwangspause gönnen. Unser Ziel ist nur zu Fuß – sind wir zum Wandern hier? – oder mit einer Bimmelbahn erreichbar: Kap Arkona, das Nordkap Deutschlands. Also Fahrkarten gekauft und mit gefühlten 100 Leuten rein in den Zug. Nach einen beschaulichen Fahrt spukt uns das Bähnchen eine viertel Stunde später am Kap wieder aus. Kap Arkona liegt 45 Meter über der Ostsee. Sein Landschaftsbild wird durch Steilufer, weites Meer und eine charakteristische Küstenvegetation geprägt. In den Jahren 1826/27 wurde auf dem Kap ein eckiger Leuchtturm, der Schinkelturm, errichtet. Im Jahre 1902 wurde dieser durch das daneben stehende Leuchtfeuer abgelöst. Auf Grund der geographischen Lage des Kap Arkona ist dieses ein idealer Standort für Militäreinrichtungen. Bereits 1915 wurde daher der erste Bunker auf dem Plateau gebaut. Der Peilturm diente dem Marineseefunk und der Marineführerbunker, welcher besichtigt werden kann, legt bis heute Zeugnis von der DDR-Geschichte ab. Hier gibt es auch ein kulinarisches Highlight: „Moskauer Eis“. Eine cremige, kalte Eiswaffel – unbedingt probieren. Auf dem Rückweg sollte man am Fischerdorf Vitt aussteigen. Etwa ein Dutzend reetgedeckte Häuser liegen hier malerisch zusammengedrängt am Fuß der fast 50 Meter hohen Steilküste.
Wittower FähreZurück am Parkplatz geht der Blick besorgt zum Himmel. Dunkle Wolken türmen sich auf, also die Regenpelle über die Motorradklamotten gezogen. Gerade noch rechtzeitig. Ein Gewitter bricht los, es blitzt und donnert. Da wird es für eine kurze Zeit doch etwas ungemütlich. Zum Glück hat uns jedoch kein Blitz getroffen.
Über die Schaabe, eine schmale Verbindung zwischen den einstigen Inseln Wittow und Jasmund führt uns die L30 zum See- und Fährhafen Sassnitz, dessen 1.450m lange Mole die längste Außenmole Europas ist.
Kurz darauf stehen wir vor dem “Koloss von Prora”, ein fast 4,5km langer Gebäudekomplex aus mehrstöckigen Betonbauten. Von den Nazis als Kraft-durch-Freude-Seebad (KdF) errichtet, sollten hier 20.000 Urlauber Unterkunft finden. Der gigantische Gebäudekomplex blieb wegen des Zweiten Weltkrieges jedoch unvollendet. Zur Zeit sind hier ein Technik,-Eisenbahn,- und NVA-Museum untergebracht. Tipp: auf der Rückseite der Gebäude liegt versteckt hinter einem Kiefernhain einer der schönsten Strände Rügens. Also den Scooter ruhig einmal abstellen und ein paar Schritte zu Fuß gehen – es lohnt sich.
Nach einem langen Tag fordert nun auch unser Magen sein Recht. Die umfangreiche Fischkarte des unserer Unterkunft, des Hotels Albatros, macht die Auswahl schwierig. Flunder, Seezunge, Butterfisch – oder doch gleich eine ganze Fischplatte? Lecker sind sie alle…und das ein- oder andere Rostocker Bierchen muss auch daran glauben.

Kreidefelsen, Königstuhl und Baumwipfel

Wir lassen die Ostseebäder Baabe, Sellin und Binz „rechts liegen“ und touren entlang der „Prorer Wiek“ durch die „Schmale Heide“ nordwärts. An diesem Strandabschnitt gibt es ausgedehnte Geröllfelder, die fast ausschließlich aus Feuersteinen bestehen.
Hinter Sassnitz tauchen wir in den hügeligen Buchenwald (UNESCO-Welterbe) der Stubnitz im Nationalpark Jasmund ein. Unser Ziel sind die berühmten Kreidefelsen mit dem Königstuhl und den Wissower-Klinken. Kurz vor dem Ziel müssen wir unseren Motorrollern eine Pause gönnen. 3 km Wandern oder Shuttlebus sind angesagt. Wir entscheiden uns für Alternative 2, da sich Motorradklamotten bekanntlich nicht wirklich für sportliche Aktivitäten eignen. Der Königstuhl erhebt sich malerisch 117m über der Ostsee. Auf der schon vor Jahrhunderten angebrachten Aussichtsplattform haben wir einen traumhaften Blick auf die fast senkrecht verlaufende Steilküste, die umgebende Waldlandschaft und die weite See. Tip: Wer konditionsstark ist, kann auch zu Fuß an den Steinstrand absteigen. Aber Vorsicht – man muss die 412 Stufen auch wieder hinauf!!
Zum Abschluss machen wir noch einen Besuch im Nationalpark-Zentrum Königstuhl, das seinen Besuchern ein besonderes Naturerlebnis bietet, ehe wir und um 12.30 Uhr (Barbara: wir treffen uns um 11 Uhr 90 ;-) wieder am Bus einfinden.
Über die B96, entlang Kleiner und Großer Jasmunder Bodden, erreichen wir das „Naturerbe Zentrum Rügen“. Der Baumwipfelpfad und der einem Adlerhorst nachempfundene, 40 m hohe Aussichtsturm, der eine große Buche umschließt, bieten aus einer Höhe von über 80 Metern ü. NN eine phantastische Sicht über die einzigartige Insellandschaft.

Nach diesem Abenteuer machen einige unserer Truppe noch einen Abstecher zum 1837 erbauten Jagdschloss Granitz, das inmitten eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Rügens im Südosten der Insel liegt. Dort krönt der verputzte Backsteinbau den Tempelberg. Der Mittelturm des Schlosses überragt die 107 m hohe Bergkuppe und ist weithin sichtbar.
Evi und ich beschließen dagegen, dem Ostseebad Binz noch einen Besuch abzustatten. Wer den Rummel liebt, wird sich hier sicherlich wohl fühlen. Der Badestrand mit seinen unzähligen Strandkörben und die lange Strandpromenade sind allerdings sehenswert und von der Seebrücke bietet sich ein tolles Stadtpanorama.

Mönchgut

Heute nehmen wir die Halbinsel Mönchgut unter die Räder, auf der die Fischerdörfer Gager und Groß Zicker liegen. Lange Zeit war das Gebiet im Besitz eines Klosters, woher sich auch der Name ableitet. Wir kommen uns vor wie an der französischen Küste. Rechts ein Campingplatz an dem anderen, linkerhand Kiefernwald und dahinter ein endloser, fast menschenleerer Sandstrand. Wir erklimmen die Dünen und unser Blick geht schier endlos über das glitzernde Wasser in die Ferne. Da heißt es innehalten und einfach die Stimmung genießen.
Schon von Weitem erblicken wir den Lotsenturm von Thiessow, dessen Aussichtsplattform einen fantastischen Rundblick über ganz Mönchgut und bis zum Festland bietet.
Am Thiessower Hafen an der „Zicker See“ legen wir eine kurze Rast ein und schauen den Fischern bei der Arbeit zu. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.
Endgültig ans Ende der Welt sind wir gelangt, als wir Klein Zicker erreichen. Das Örtchen mit Kirche und einigen reetgedeckten Häusern liegt am Ende einer schmalen Landzunge, umgeben von duftenden Kräuterwiesen mit blökenden Schafen. Es bildet zugleich das südliche Ende der Halbinsel Mönchgut. Hier frischt der Wind zu einer deutlichen Brise auf. Ein ideales Surfrevier. Der Blick auf den Spiegel des „Rügischen Bodden“ lädt zum Träumen ein.
Das schwarze Asphaltband führt uns zurück ins kleine Fischerdorf Middelhagen an der Niederung zur sogenannten Hagenschen Wiek, einer Bucht des Greifswalder Boddens. Ein Schild am Cafe Froschkönig macht uns hier neugierig: „Die beste Mohntorte ihres Lebens“. Die Torte ist wirklich gut!! Allerdings weigert sich der Inhaber standhaft, uns noch ein Stück für den Weg mitzugeben. „Außer Haus Verkauf unerwünscht“. So kann man sein Geld auch – nicht – verdienen. Dafür ist die Aussicht über die Salzwiesen bis zu den „Zickerschen Alpen“, deren Gipfel sich beachtliche 66 (!) Meter in den Himmel emporrecken, sehenswert. Die  „Straße der Solidarität“ führt uns zurück nach Göhren.

1 Antwort zu Rügen – Reif für die Insel

  1. Danke.. schön geschrieben, auch die Küset hat immer wieder ihren Reiz ! B-)

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