Partnernetzwerk für Taucher gestartet: TaucherVerzeichnis.de - gemeinsam abtauchen! Einfach Gleichgesinnte finden.

Reiseberichte


Dieses WebLog gehört knieper.



Zur WebLog-Startseite

Kategorienzuordnung(en)

Gästebuch

Wenn Du willst, kannst Du dem Inhaber des Weblogs eine Nachricht hinterlassen im Gästebuch.

RSS-Feed

RSS FeedWenn Du für deinen RSS-Leser dieses WebLog abonnieren willst, klicke auf das RSS-Logo. Dieses ist zum RSS-Feed verlinkt!

Weitere WebLogs

Schau Dir doch auch weitere WebLogs dieser Community an oder erstelle selbst ein eigenes!

...weitere WebLogs

neuerer Beitrag | älterer Beitrag

2009 - Frankreich in 23 Tagen
geschrieben am 09.01.2010, 19:46:45. Kategorie(n): keine Kategorie
August 2009 Tagebuch einer Motorradreise
Karsten Wessels
Die Idee reifte im Sommer 2008. Eine Net-Biker-Tour mit Rüdiger (Tappsbär) und Olaf (Oeli) über die großen Pässe der französischen Alpen weckte mein Interesse, mehr von unserem Nachbarland kennenzulernen.
Als Endvierziger hatte ich 1999 meine große Leidenschaft fürs Motorradfahren endlich Wirklichkeit werden lassen. Der Einstieg erfolgte mit einer Yamaha XJ 600 N. Mit der Yamaha XJR 1300 habe ich seit 2002 ein kräftiges, leistungsfähiges Bike, welches sich hinsichtlich Sitzkomfort und Zuverlässigkeit auch als Reisemaschine gut bewährt hat. Meistens fahre ich in kleinerer Gruppe, manchmal als Tour-Guide, vereinzelt auch allein.
Über Netbiker.de, der Internet-Community für Motorradfahrer fand ich viele Kontakte, Mitfahrer / innen sowie Reisegelegenheiten.
Von meinem Büro-Team bekam ich 2008 das Buch „Motorradreisen in Frankreich“ geschenkt. Aus den darin beschriebenen Tour-Vorschlägen entwickelte ich meine große Reise, um dieses mir bisher weitgehend unbekannte Land kennenzulernen. Mit dieser Tour habe ich meine neue Lebensphase, Altersteilzeit und Ruhestand eingeleitet.
Meine Kenntnisse über Frankreich beschränkten sich bis 2008 auf ein Wochenende in Paris, einen Urlaub auf Korsika vor vielen Jahren und was allgemein aus Geschichte und Nachrichten bekannt ist. Aber das wirkliche Frankreich mit seiner Kultur, und den Landschaften war mir eher unbekannt. Dazu noch die Sprache. Etwas englisch für den Reisegebrauch kann ja meist jeder, aber französisch? Ich beherrsche nur wenige Worte und Sätze. Ein VHS-Kurs, der mir etwas weiterhelfen sollte, kam nicht zustande. Und dann hört man ja noch die weit verbreiteten Vorurteile, dass die Franzosen kaum oder nur sehr ungern Fremdsprachen wie englisch sprechen würden. Auch Vorbehalte gegenüber Deutschen seien noch anzutreffen. Und im August, dem Haupturlaubsmonat der Franzosen sei es ohnehin überall sehr voll.
Die besagten Vorurteile haben sich für mich nicht bestätigt; sind alle falsch. Ich erlebte ein schönes Land mit viel Geschichte, großer kultureller Vielfalt sowie freundlichen, hilfsbereiten Menschen.
Als Vorbereitung schrieb ich mir ein Roadbook. Zur Ausrüstung gehörten diverse Karten (Michelin-Regional) so wie minimale Campingausrüstung und sorgfältig ausgewählte Funktionskleidung. Ein Navi habe ich bisher nicht vermisst. In drei wasserdichten Packsäcken und einem Tankrucksack bringe ich bei solchen Reisen immer alles sicher unter.
Ich übernachtete in Hotels oder im Zelt sowie auf dem Hin- und Rückweg bei Freunden in Deutschland. Campingplätze sind in Frankreich an jedem Ort zu finden, meist gut ausgestattet und preisgünstig. Ich habe nichts vorgebucht.
Am 3. August 2009 habe ich mich bei Sonnenaufgang auf den Weg gemacht.
Die Reiseroute ging über Aachen und Brügge zu den Spuren der Geschichte in der Normandie und Bretagne. Kultur und Lebensart fand ich an der Loire; weites Agrarland in Zentralfrankreich. Die Dordogne, Bordeaux, Dune di Pilat, Biarritz und Baskenland waren weitere Stationen. Interessante Bikerstrecken erlebte ich in den Pyrenäen und in den Bergen und Canyons im Zentralmassiv sowie in den Vogesen.
Abends meldete ich mich stets per Handy bei meiner Familie und manchmal per SMS bei einigen Freunden. Und ich hatte Glück mit dem Wetter – 3 Wochen Sonnenschein!
Fazit: Frankreich ist ein wunderbares Reiseland!

 

 

Montag, 3. August               Km 69.480

Start: 05:30 Uhr mit Sonnenaufgang

Die Reise über die Autobahn A1 ist trotz der Baustellen zwischen Hamburg und Bremen für mich problemlos zu fahren. Vor dem Kamener Kreuz kann ich gerade rechtzeitig einem längeren Stau ausweichen. Nach Ende der A 42 bei Kamp-Lintfort orientiere ich mich grob Südwestwärts. Mit Hilfe der Google-Streckenbeschreibung erreiche ich Herzogenrath-Hofstadt um 13:00 Uhr.

Mit einem Besuch bei Susanne, einer guten Freundin aus Studienzeiten beende ich meine erste Tagesetappe.

Mit Ihrer Freundin Ulla und Nico, ihrem Neffen sowie Paul, dem Dackel und dem großen Schwarzen, dessen Namen ich nicht behalten habe, unternehmen wir eine sportliche Wanderung in das nahe Grenzgebiet der Niederlande. Wir genießen dort ein holländisches Bier und später abends Raclette auf dem Hof. Nachbarn setzen sich zu uns. Diese sind soeben von einer Reise aus Spanien und Frankreich zurück und haben somit viele „Reisetipps“ für mich parat. Ein Opinel zu kaufen, sei dabei obligatorisch – ein entsprechendes Muster soll mich davon überzeugen. Nun, ich habe einige gute Taschenmesser mit ausreichenden Funktionen dabei und fühle mich gut ausgerüstet. Aber? Darauf komme ich später zurück.

 

Dienstag, 4. August

Wir frühstücken lange - bis 11:00 Uhr. Schließlich ist noch Ferienzeit! Susanne ist Lehrerin und möchte die letzten Tage vor dem neuen Schuljahr genießen. Ich habe schon gepackt und starte dann um 11:30 Uhr in Richtung Maastricht, wo der Tachostand dann die 70.000 Km erreicht. Über Hasselt, die A2, Bruxelles und Gent erreiche ich am Nachmittag Brügge, meine nächste Etappe.

Die Stadt soll sehr sehenswert sein; daher habe ich einen Zwischenstopp eingeplant. Also, fahre ich gleich rein in die City.

In der Silberstraße frage ich beim erstbesten Hotel nach einen Zimmer. Dort ist zwar nichts frei, aber die Dame an der Rezeption ist so nett, mir telefonisch ein Zimmer im Hotel Chevalier zu besorgen. Doch ich solle es mir lieber vorher anschauen. Am Besten zu Fuß, wegen der vielen Fußgängerzonen und Einbahnstraßen. Ich finde das Haus in der Kuiperstraat. Das Zimmer unterm Dach ist einfach und preisgünstig. Ich checke ein. Über Umwege hole ich das Motorrad. Der „sichere Parkplatz“ ist direkt vor dem Haus. Prima! Ich dusche und mache mich auf den Weg in die Stadt.

Der Marktplatz mit dem Rathaus erinnert sehr an Brüssel, in etwas kleinerer Ausführung.

 

Die Innenstadt ist von dieser typisch flämischen Treppengiebel-Architektur geprägt.

Das Biermuseum mit seinen mehreren hundert Sorten belgischer Gerstensaftkreationen lässt Männerherzen höher schlagen! Sogleich nehme ich eine Kostprobe aus der reichlichen Auswahl zu mir. Lecker!

 

Ich mache sogar eine richtig touristische Grachtenfahrt mit, für ¤ 6,50

Der Fischmarkt und die Burg runden meine Sightseeing-Tour zu Fuß ab.

Dass ich später zum Abendessen auf dem Eiermarkt ein Omelett auswähle, liegt nahe. Dazu ein - zwei Krüge dunkles, belgisches Bier. Ein schöner Abend und ein guter Auftakt für meine Tour. Das Wetter ist ebenfalls sommerlich prima! So kann es gern bleiben. „Und es bleibt tatsächlich, mit ganz wenigen Ausnahmen, die nächsten 3 Wochen so!“

Mittwoch, 5. August                        Km 70188

Ziel Picardie

Nach einem guten Hotelfrühstück starte ich ca. 9:30 Uhr Richtung Frankreich. Es beginnt mit einer kleinen Stadtrundfahrt, vorbei an den alten Häfen bewege ich mich zuerst in Richtung Zeebrügge. Aber dann biege ich nach Südwesten ab; über die E 403, Richtung Kortrijk. An Lille vorbei mache ich einen Bogen durch die Wallonie und verlasse dann Belgien. Da ich mich beim Autobahnkreuz etwas verfahren habe, verlasse ich diese Strecke und nehme einen Weg quer über die Dörfer zur A23, wechsele dann auf die A2 und bin sogleich mit dem französischen Mautsystem konfrontiert. Ich durchblicke Dies nicht sofort und stehe vor der Schranke. Eine Schlange droht sich zu bilden. Der französische Autofahrer hinter mir weist mich freundlich darauf hin, was ich machen muss: Er zieht das Billet aus dem Automaten, reicht es mir mit dem einen deutschen Wort „mitnehmen“ und die Schranke öffnet sich. Dann fährst soweit du willst und zahlst bei der Ausfahrt. Ist doch ganz einfach und auch nicht teuer; zumindest für Motorradfahrer. 2 ¤ kostet es bis zur A1. Diese ist dann wieder Maut frei. An der Ausfahrt 13.1 lenke ich Richtung Albert.

In Bray sur Somme und Umgebung befinde ich mich auf geschichtsträchtigem Boden. Neben dieser idyllische Flussniederung mit etwas Kurvenschwingen erinnern viele Ehrenmale und Friedhöfe französischer, britischer, amerikanischer, kanadischer, australischer und anderer Soldaten an den ersten Weltkrieg. Deutsche Soldatenfriedhöfe habe ich nicht gesehen; angesichts der deutschen Kriegsschuld nur zu verständlich.

In Albert besuche ich auf diesen Spuren der Zeitgeschichte das Schützengrabenmuseum. Hier kann man einige Facetten des grausamen Stellungskrieges nachempfinden. Die Zerstörung der Orte und der Landschaft ist mit vielen Fotos dokumentiert. Die Leiden der Menschen kann man nur erahnen. Ich lasse die Zeitgeschichte sehr nah an mich herankommen. Wie doch die damals „herrschende Klasse“ die Bevölkerung leiden ließ und junge Menschen als Soldaten zu Hunderttausenden verheizt hat; auf beiden Seiten.

Über Amiens fahre ich weiter bis an die Küste. Durch St. Valery erreiche ich Cayeux sur mer, einen Urlaubs- und Badeort. Der Campingplatz „La Vallee“ ist sehr einfach und mit ¤ 7,70 überraschend billig. Den Platz teile ich mit einem wortkargen frz. Radtouristen. Es ist ein sehr warmer Abend; die erste Camping-Übernachteung auf dieser Reise. Ein anderer französischer Nachbar möchte mir beim Aufbau helfen; sehr nett – Camper eben. Am anderen Morgen schenkt er mir noch etwas Milch. (le Lee?-merci) Ich fahre in den Ort um einzukaufen. Typisch französisch soll es sein, mit Baguette, Fromage, Marmelade und Cidre, dem Nationalgetränk der Normandie.

Vor dem Abendessen genieße ich ein Bad im Ärmelkanal. Es ist Ebbe und zwar etwas weit über den Kies und eine breite Sandbank bis zum Wasser; es ist schön warm.

Nachher sitze ich vorm Zelt und verzehre genüsslich meine regionalen Köstlichkeiten. Herrlich! So habe ich mir Entspannung bei französischer Lebensart vorgestellt.

Donnerstag, 6. August        km 70587

Haute Normandie

Start um 10:30 Uhr

Es hat doch etwas gedauert, bis ich das Zelt abgebaut und alles gepackt habe.

Na, ja, mit einiger Übung werde ich in der nächsten Zeit wohl etwas schneller werden. Es scheint warm zu werden; also Futter aus Hose und Jacke raus, nur den leichten Windstopper drunter. So ist es angenehm zu fahren. Ich will heute nur über Neben-strecken reisen; immer die Küste entlang.

In den Buchten zwischen den Kreidefelsen liegen die kleinen Hafenstädte; Le Treport, Dieppe, St. Valerie en Caux, Fécamp und Étretat. Überall Fischmärkte, Fischerboote, Jachten, Cafe´s und Ladenzeilen. Dazu Möwengekreische sowie Hafen- und Dieselgerüche, Strände und Touristen. Manche Bausubstanz hat seine Glanztage wohl hinter sich und strahlt dennoch einen gewissen, landschaftstypischen Charme aus. Mir gefällt es! Fécamp und Étretat sind richtig hübsch. Der Kreidefelsen mit seinem Torbogen ist berühmt. Die Landschaft hinter der Küste ist weitläufig, hügelig und landwirtschaftlich geprägt. Ein bisschen wie Mecklenburg-Vorpommern. Es ist Erntezeit, der Weizen steht prima. Dreschgeruch liegt über dem Land und erinnert mich etwas an die Kindheit auf dem Bauernhof. Die Strecken sind hier schon oft recht kurvig. So soll es sein! Die Gedanken der letzten Wochen meines Berufslebens schwinden. Ich konzentriere mich auf die Strecke. Manchmal geht es sogar heftig rauf und runter. Serpentinen mit Steigungen und Gefälle von 8% und mehr; wer hätte das gedacht. Hier an der Küste. Die Reifenflanken wollen schließlich auch genutzt werden. Manchmal schlingert die Maschine etwas. Vielleicht doch die Schwingenlager? Aber meist läuft die Yamaha ruhig wie immer und weiter geht’s!

Kleine Dörfer und einige Chateaus prägen hier die Gegend. Auch Le Havre ist ganz nett, mit riesigem Strand und der gigantischen Pont de Normandie. Die für Motorräder Maut-freie Überfahrt bietet 60 m über der Seine-Mündung eine tolle Aussicht, aber Vorsicht mit dem Wind ist auch geboten. Nur anhalten kann man oben leider nicht. Daher gibt´s auch kein Foto.

In Honfleur und Deauville, den bekannten Badeorten westlich der Seine-Mündung tobt das mondäne Leben. Es ist proppenvoll und so suche ich mir einen Campingplatz außerhalb. In Saint Arnault finde ich dann einen Platz, welcher „La Vallee“ heißt. Vier Sterne, mit Pool und Restaurant kosten dann auch ¤ 21. OK. Die Verständigung ist kein Problem. Ich versuche es zuerst immer auf französisch - soweit meine bescheidenen Kenntnisse eben reichen, dann geht es meistens in Englisch weiter. Die Betreiber dieses Platzes sind Belgier und sprechen auch etwas deutsch. Vor mir steht ein Wohnwagengespann mit Kennzeichen IZ. Erinnerung an Schleswig-Holstein.

Leonie, unsere Stammtischpräsidentin, hat heute Geburtstag. Ich schicke nachher eine SMS.

Der Platz ist prima. Es bewölkt zunehmend und beginnt zu regnen. So war es aber nicht geplant. Ich lege mich früh schlafen.

Freitag, 7. August                Km 70.830

Basse Normandie

Nachdem es die halbe Nacht geregnet hat, ist es morgens trocken, aber noch sehr grau und dicht bewölkt. Ich nutze die Gelegenheit und packe recht früh – so lange es trocken ist, denke ich. Die Klamotten kriegen ihr Futter wieder – falls es regnet. Um 9:15 Uhr fahre ich ab.

Die Badeorte an der „Cote Fleurie“ werden immer schöner und das Wetter auch! Überall beteiligen sich die Orte am Landeswettbewerb „Ville Fleurie“. Villers sur mer finde ich am Schönsten!

 Nördlich vom Caen erreiche ich die Pegasusbrücke. Daneben hält ein britisches Invasionsmuseum die Erinnerung wach.

Hier stoße ich erwartungsgemäß auf viel Kriegsgeschichte - diesmal aus dem 2. Weltkrieg. Die Ausstellung schaue ich mir an. Es sind viele britische Besuchergruppen hier – sehr wahrscheinlich mit Kriegserinnerungen aus der Familie. Aus den Erläuterungen des Guide in englischer Sprache bekomme ich so Einiges mit. Als Deutscher fühle ich mich schon etwas mulmig. Unsere Großväter und Väter waren doch für dieses Desaster mitverantwortlich. Die Zeit läuft. Caen lasse ich liegen und fahre die Küste entlang – Richtung Gold Beach usw. In der Nähe von Longues gönne ich mir ein „Plate de Jour“ zu Mittag. Das Motorrad parke ich dabei direkt am Straßenrand neben meinem Platz auf der Terrasse. Praktisch und alles „griffbereit“. In der Nähe wird ebenfalls die Erinnerung an die Invasion hochgehalten.

Neben den vielen Monumenten sind sogar einige Panzer in den Dünen oder auch mal im Vorgarten zu sehen. Bei Port en Bassin-Huppain besuche ich ein Museum, wo Kriegsgerät ausgestellt ist, welches man aus dem Meer gefischt hat.

Über Bayeux, wo rechts und links der Straße amerikanische Soldatenfriedhöfe liegen, fahre ich an St. Lo vorbei Richtung Courtance. Auf dem Weg zur Westküste komme ich über viele kleine Dörfer durch die typische Heckenlandschaft dieser Gegend.

Der Auspuff wird lauter. Was ist das? Ein Loch oder Sonstiges ist nicht zu finden.

An der Küste, vor Granville, bei Brehal finde ich einen Campingplatz direkt am Strand hinter den Dünen. Der Abend ist mäßig warm und der leichte Wind pustet schnell die Restfeuchte von heute Morgen aus dem Zelt. Meine Nachbarn, zwei italienische Studenten, waren bis Paris geflogen und sind nun ihren Fahrrädern durch die Normandie unterwegs. Wir unterhalten uns auf Englisch. Nette Jungs!

Der Auspuffschaden entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Rohrbruch direkt an der Schelle zwischen Sammler und Schalldämpfer. Da der Endtopf gut am Rahmen verschraubt ist, sichere ich die „Bruchstelle“ mit Draht. Dieser ist von bester Weidezaunqualität und entstammt dem norwegischen Fjell von 2007. Also merke: Nix wegschmeißen! Und immer auf Draht sein. Das „Provisorium“ hält bis zum Ende der Reise. Nur der Sound der Yamaha ähnelt etwas einer XJR - Rockerausführung. Nicht ganz altersgerecht, aber es spricht mich niemand darauf an.

Sonnabend, 8. August        Km 71.058

Bretagne

Ich habe gut und etwas länger geschlafen. Meine italienischen Nachbarn bauen schon fleißig ab und packen. Ich gehe zum Atlantik schwimmen. Herrlich, ich habe den ganzen Strand allein für mich. Da bleibt die Badehose an Land. Oh! Doch noch Jemand im Wasser? Macht nichts. Nach dem Duschen mache ich mir das obligatorische Frühstück und starte gegen 11:00 Uhr. Immer die Küste entlang, über Granville. Hier versorge ich mich am Geldautomaten mit frischen Euros. Unterwegs überhole ich noch die beiden Italiener. Ich hupe, sie winken zurück! Um 12:00 Uhr bekomme ich den Mount St. Michel zu Gesicht. Schon aus großer Entfernung wirkt er imposant. Als ich dort ankomme, steht das Bauwerk richtig gigantisch vor mir im Watt.

Genau so groß ist der Touristenansturm an diesem Sonnabend in der Ferienzeit. Ich parke auf dem gut organisierten Großparkplatz und gehe in die Anlage. Allerdings bleibe ich nicht lange. Es ist einfach zu voll und das unbeaufsichtigte Gepäck auf meiner Maschine will ich auch nicht lange allein lassen. Durch das angrenzende Poldergebiet und allerliebste Küstenorte fahre ich bis St. Malo. Der mondäne Ort ist ja sehr bekannt und entsprechend ist auch hier viel los. Die Festung und Altstadt finde ich sehr beeindruckend.

Der Tidenhub beträgt hier ca. 11 Meter! Man sieht es an der Uferbefestigung.

Um die Bucht herum mache ich einen Abstecher nach Dinard. Tolle Aussichten hat man hier zwischen den Häusern auf den Klippen. Es ist früher Nachmittag. Bleibe ich hier, oder fahre ich weiter bis an die Südseite, an den Atlantik? Also los, rein in´s Landesinnere über St. Meen le Grand nach Vanneè.

Unterwegs halte ich an einem Cafè, auf einen Cafe` au Lait. Der Bretone begrüßt mich mit Handschlag und brüht mir einen wunderbaren Cafe`. Zusätzlich mit einer Boutille d` Eau ausgerüstet mache ich mich weiter auf den Weg. Spät, gegen 19:00 Uhr erreiche ich die Küste bei Sarzeau. Der Campingplatz ist gut, englischsprachig und hat ein Restaurant, welches ich für ein gutes Abendessen nutze.

Das Campingleben wird für mich zur Routine. Mittlerweile schlafe ich auf meiner Luma sehr gut! Diese füllt sich von selbst mit Luft, wenn man das Ventil öffnet. Danach blase ich noch drei bis vier Lungenfüllungen dazu und lege mich bäuchlings drauf. So findet auch der Endfünfziger noch seine Schlafposition. Der Auf- und Abbau geht mittlerweile auch flotter von der Hand. Mit Holländern, Italienern und Engländern komme ich schnell in´s Gespräch. In Englisch geht´s eben leichter – bei Franzosen ist eher Zurückhaltung von beiden Seiten festzustellen.

Ich beobachte die Camper. Sie wirken wie eine große Familie, welche manchen Klischees gerecht wird. Alle Schrulligkeiten sind hier öffentlich. Die Kinder finden sich über alle Sprachen hinweg und sind stets in großen Scharen unterwegs. Die Eltern halten sich für alle Fälle griffbereit, bleiben aber in der Regel gelassen. Kleine Teenie-Grüppchen loten kollektiv ihre Welt in der Pubertät aus – köstlich zu beobachten.

„Was machen die Leute wohl den ganzen Urlaub auf dem gleichen Platz?“ philosophiere ich. Scheinbar ist es das Leben mit Gleichgesinnten im Freien. „Und man könnte ja weg, wenn der Nachbar nun wirklich nicht zum Aushalten sein sollte“ - Ein entscheidender Vorteil gegenüber der heimischen Wohnung oder dem eigenen Haus. Einige Familien haben eine solch umfangreiche Ausrüstung mit Wohnwagen, Zelt usw. dabei, dass man für den Gegenwert einige gute Pauschalreisen haben könnte. Aber dieser Vergleich ist eben nicht zulässig.

 

Sonntag, 9. August              Km 71.400

Am Atlantik

Ein kühler Morgen. Ich stehe schon um 8:00 Uhr auf und bin der Erste beim Baguette- Verkauf. Ich habe zwar nicht bestellt, bekomme aber doch Eines von den Überzähligen. Damit ist mein gewohntes Frühstück wieder gesichert. Mit den Nachbarn, Engländer und Niederländer quatsche ich noch ausgiebig über typische Männerthemen: Auto, Motorrad, Reisen und – Bier.

Ich spanne noch die Kette, packe, sage bye, bye und fahre um 11:30 Uhr vom Platz.

Die Küstengegend hat hier einen schönen, fast mediterranen Charakter.

Bei La Roche überquere ich die erste dieser schönen Brücken, welche auch an der Loire so häufig zu finden sind. Ich will weiter nach La Baule, später direkt an´s Meer. Gueraude hat eine schöne Altstadt – Zeit für einen Cafe`. In Saint Nazaire ist Industriestadt. Unter Anderem Airbus und die Werft, wo die QM II gebaut wurde. Nach zwei Anläufen erreiche ich die große Brücke, welche die Mündung der Loire überspannt. Ein imposanter Ausblick auf den Fluss und den Atlantik tut sich auf.

Pornic habe ich mir als heutigen Zielpunkt auf der Karte markiert. Der Ort erweist sich als schönes, touristisches Zentrum mit Hafen, Kastell und viel Betrieb. Ich suche in der Umgebung einen Campingplatz direkt am Atlantik. Der Erste ist complet! Ups, das erste und einzige Mal während der ganzen Reise. Etwas weiter klappt es dann problemlos. Les Montiers en Retz Camping les Brillas. Drei Sterne, 150 Meter vom Strand, 21 ¤uro.

Ich bleibe und gehe zum Strand - ausgiebig faulenzen und schwimmen. Es ist Sonntag! Ich bin nun eine Woche unterwegs.

Montag, 10. August             Km 71.587

Ostwärts in´s Tal der Loire

Um 10:30 Uhr bin ich los, in´s Landesinnere, Nantes umfahre ich südlich. Es zieht mich nicht in die großen Städte. Muscadet heißt der Wein, welcher hier überwiegend angebaut wird.

Manche Schilder am Straßenrand und Namen der Weingüter in den hübschen Orten weisen mich darauf hin. Großflächig ist auch der Gemüseanbau. Ein Geruch von Zwiebeln und Sellerie zieht durch die Helmbelüftung und macht Appetit. In einem Cafe` beim Einkaufcenter in Vallet genieße ich, wie meist zu Mittag, meinen Cafè ò lait. Die Loire erreiche ich etwas später bei Varenne. Ich folge dem Flusslauf auf der D 751 bis Chamtoceaux. Ich steuere einen im Reiseführer genannten Aussichtspunkt an und werde mit einem tollen Blick auf das Loiretal belohnt.

 

Der Fluss führt zu dieser Jahreszeit wenig Wasser. Die Loire ist ohnehin ziemlich flach und schlängelt sich mit mehreren Armen, von breiten Sandbänken durchbrochen, durch das Land. Flachgehende Flussschifffahrt ist lediglich bis Angers möglich.

Seitlich der Hauptströme finden sich viele Nebenarme mit Auen, Stränden und Campingplätzen. Das linke Flussufer, von mir aus gesehen, rechts von der Straße, wird durch Steilhänge aus Tuffstein gebildet. In tiefen Höhlen werden hier traditionell Champignons gezüchtet.

Manche Häuser wirken wie kleine Chateaus. Alles wirkt ein wenig alt aber mit viel Charme. Mir scheint, hier ist das typische Frankreich zu finden, mit Wein, gutem Essen und einer gepflegten Lebensart, welche sich ein wenig an die vergangene aristokratische Geschichte anlehnt.

Es ist eine ausgewiesene Touristenstrecke, mit den entsprechenden Angeboten wie Weinproben, Museen, Fotostopps, schönen Brücken und Chateaus.

Ich tanke bei Challonnes. Das Motorrad schlingert. Ups, zu wenig Luft im Hinterreifen stelle ich fest. Den Gedanken an eine mögliche Reifenpanne versuche ich vorerst noch zu verdrängen.

Im nächsten Ort, an einer Garage (Autowerkstatt) bitte ich, den Reifen aufzupumpen. Monsieur ist sehr nett und füllt bis 3 Bar nach. Danach bocke ich die Maschine auf dem Hauptständer auf, um den Reifen noch mal gründlich zu prüfen. Ich finde ein kleines Loch, aus dem Luft entweicht. Mit einem: „Monsieur, problem avec pneu- pfft“, erkläre ich meine Lage. Der nächste Reifenservice ist 10 bzw. 20 Km entfernt, gibt er mir zu verstehen. Dann repariert er für 10 Euro den Reifen provisorisch und ich kann erst einmal weiterfahren.

In Angers finde ich sofort einen Reifenservice; allerdings flicken sie keine Motorradreifen. Madame gibt mir einen Tipp für die Innenstadt. Diesen Service finde ich nicht; also schaue ich mir ein wenig die Stadt an.

Ich fahre recht gut, mit dem geflickten Reifen. Daher entschließe ich mich, bis zum geplanten Zielort Saumur weiter zu fahren und kurve am Nordufer entlang. Um 16:30 Uhr komme ich dort an und finde umgehend einen Reifenservice. Neuer Reifen oder reparieren, ist für mich die Frage. So weit mir bekannt ist, dürfen schlauchlose Motorradreifen in Deutschland nicht geflickt werden. Aber der Franzose macht dies. No Problem! Ich bekomme einen Termin für 10:00 Uhr am nächsten Tag. Allerdings müsste ich das Hinterrad selbst aus- und einbauen. Er gibt mir noch einen Hotelprospekt. Merci!

Ich düse in die Innenstadt und finde das Hotel „Le Tire Bouchon“ am Place de Europe sofort. Ein Zimmer ist auch noch frei, allerdings mit ¤ 75 pro Nacht nicht ganz billig. Egal, ich buche für zwei Nächte und schaue mich noch etwas in der Stadt um. Ein weiteres Bikerpaar checkt dort ein. Patrick aus Brüssel und Pju, seine Frau, die aus Thailand stammt, lerne ich nachher beim Abendessen auf der Hotelterrasse näher kennen. Sie erzählen von Ihrer Rundreise durch Spanien und Frankreich. Nette Leute, wir unterhalten uns auf Englisch und genießen den direkten Blick auf die Loire sowie ein gutes 3-Gänge-Menue.Das Restaurant ist voll. Viele Einheimische nutzen den milden Abend, um in Gesellschaft Essen zu gehen. So stelle ich mir französische Lebensart und Kultur vor.

Dienstag, 11. August           Km 71850

Saumur und Umgebung

Das Hotelbett beschert mir erholsamen Schlaf. Ich habe noch die Gelegenheit genutzt, einige Klamotten zu waschen. Heute bleibe ich hier. Bis morgen sind die Sachen sicher trocken. Nach dem Frühstück will ich zum Reifenservice. Ich habe mir weder Adresse noch Firmennamen gemerkt und fahre nach Gefühl und Umgebungserinnerung. Doch prompt finde ich hin. Monsieur begrüßt mich sehr freundlich. Sogleich baue ich mit meinem Bordwerkzeug das Hinterrad aus – so war es vereinbart. Die trauen sich nicht. Mit Genugtuung bemerke ich ihre anerkennenden Blicke, als ich ihnen nach weniger als 5 Minuten das Rad übergebe.

Sie reparieren den Reifen professionell. Ein Pfropfen von innen, sauber an vulkanisiert. Mit Garantie, versichert mir der Chef. Wie ich später erfahre, ist dieses Verfahren für Reifen bis 210 Km/h zugelassen. Da die Yamaha technisch schneller kann, ist es in Deutschland nicht erlaubt. In Frankreich sind aber maximal 130 Km/h auf Autobahnen zulässig. Also erreicht hier niemand auch nur annähernd den Grenzwert. Daher ist es dort kein Problem.

Genauso schnell baue ich das Hinterrad wieder ein. Mit einem: „L`addition, s`il vous plait“, erbitte ich die Rechnung. „Quinze Euro“ (15 ¤) kostet der Spaß. Sehr, sehr viel günstiger als ein neuer Reifen. Nach einer halben Stunde ist alles erledigt. Und für den Rest der Reise hat der Reifen noch weitere 5000 km gehalten.

Nun will ich etwas die Umgebung erkunden sowie das eine oder andere Chateau anschauen. Ich überquere bei Gennes die Loire und nehme die D 742 westwärts. Zwischen den Dörfern erstrecken sich kilometerlange Sonnenblumenfelder, dazwischen immer wieder Wein. Viele Chateaus sind ausgeschildert und eigentlich ist in jedem Dorf, neben Weingütern ein solch historisches Gemäuer zu finden. Einige erweisen sich allerdings als Ruinen. Nun ja, bei Tours und Blois sind die schönen und bekannten Schlösser der Loire zu finden. Am nächsten Tag werde ich dorthin kommen.

Wieder am Fluss entlang wird’s für mich dann unterirdisch. Nein! Nicht die Straße.

 Ein Hinweisschild zu einem Restaurant im Champignonkeller weckt meine Neugier. 100 Meter tief im Tuffstein probiere ich regionale Leckereien, die im offenen Kamin zubereitet wurden. Dazu eine kleine Weinprobe.

Zurück in der Stadt, schreibe ich erstmal eine Reihe Postkarten. Doch vorher heißt es Briefmarken besorgen. „Dix timbres pour la carte d`europe“ – ich bekomme, was ich will. Beim Abendessen auf der Hotelterrasse gibt es noch Lifemusik. Die französische Küche ist toll! Der Wein ebenfalls und die ganze Atmosphäre auch!

Noch ein paar Gedanken zu Frankreich: Die Attraktivität, die schlichte Eleganz und der Charme der französischen Frauen sind nicht zu übersehen. Doch auch sehr viele Männer, wie z.B. die beiden Reifenmonteure kommen als fesche Jungs daher. Übergewichtige sieht man kaum. Der Charme liegt wohl auch in der Sprache.

„Eine latent übergewichtige Amerikanerin mit texanischem Akzent könnte wohl niemals so elegant daher kommen“.

Gestattet mir noch einige Preisvergleiche: Ein Bier kostet etwa ¤ 6,- und schmeckt nicht besonders gut. Aber wer in der Wein-Nation Frankreich Bier bestellt, ist selbst schuld. Jeans dagegen sind mit 40 – 50 ¤ relativ billig. 20 bis 30 ¤ für ein gutes 3-Gänge-Menue plus Wein finde ich angemessen.

Mittwoch, 12. August          Km 71.965

Ich schwenke nach Süden.

 

Da ich zwei Tage in Saumur war, ändere meinen Tour-Plan etwas ab.

Für diesen Tag nehme ich mir viel vor. Ich will noch ein Stück an der Loire entlang fahren und einige Sehenswürdigkeiten (Chateaus) besuchen, aber nicht mehr über Orleans und Gien, sondern werde nach Süden schwenken, in´s Zentralfrankreich.

Früh um 9:00 Uhr starte ich bei strahlendem Sonnenschein Richtung Fortevraud.

Die Abbaye und Sektkellerei stehen als bekannte Reiseziele auf dem Programm. Die Loire ist sehr still. Darauf sieht man Angler in flachen Booten unterm Sonnenschirm. Am Ufer komme ich immer wieder an kleinen Chateaus vorbei. Ich nehme wieder die D 751, bis kurz vor Tours, dann die A85 zum Schloss Chennonceaux. Davor stehen ganze Busladungen voller Touristen für Eintrittskarten Schlange. Das muss ich nicht haben. Also umfahre ich die Anlage, in der Hoffnung, eine Außenaufnahme machen zu können. Nicht möglich! Das Schloss ist so dicht von Wald und Gartenanlagen umgeben, dass kein Blick von draußen möglich ist. Die Gegend ist sehr schön. Nicht weiter verwunderlich, dass sich die Aristokratie hier ihre Landschlösser bauen ließ. Über Ambois und die D 952 erreiche ich Blois.

 Nach dem Tanken fahre weiter zum Chateau Chambord. Mitten in einem großen Waldpark liegt das wohl größte und prunkvollste Schloss dieser Gegend.

Nun nehme ich die lange D 922 Süd-Ostwärts und durchquere ausgedehnte Wälder und Landschaften bis nach Sancerre. Schon von Weitem sehe ich die Stadt auf einem Hügel mitten im weiten Tal der Weinbauregion am Oberlauf der Loire. Ich finde ein ordentliches Zimmer im landestypischen Hotel „Le Rempart“. Die Stadt hat viel Geschichte zu bieten, als Festung und freiheitliche Bastion in der Zeit der Religionskriege.

Heute sind Weinbau, meist Chardonnier und andere Weißweine sowie zaghafte touristische Ansätze für die Stadt und Umgebung prägend. Die ökonomischen Probleme sind aber offensichtlich. Ich schlendere noch etwas durch den Ort und finde am Hauptplatz ein gutes Restaurant. Moules frites mit örtlichen Vin-Blank, dazu Käse. Puh, für eine Weinbauregion langen Die beim offenen Wein aber kräftig hin - ¤ 14 für 0,5 Liter!

Donnerstag, 13. August      Km 72.301

Ab nach Süden

Nach einem guten Frühstück (mit Obst) bin ich runter vom Berg und fahre teils am Oberlauf der Loire, teils am „Canal Peripherie d. Loire“ südwärts. Es gibt einige Schleusen. Wenige Freizeitschiffe sind unterwegs. Eine wirtschaftliche Nutzung hat sich offensichtlich auf den Kohletransport für ein Zementwerk reduziert. In den Binnenhäfen liegen so einige Frachtschiffe seit Längerem auf.

Ab Nevers folge ich der N7 nach Süden. Es geht flott voran – leider etwas zu weit. Bei Moulins hätte ich auf die D 2009 wechseln sollen, um nach Clermont-Ferrand zu kommen. Es wird gebirgig, mit schönen Kehren. So macht das Motorrad fahren wieder mehr Spaß! Eine Abkürzung nach Westen über die Berge führt mich auf viele, kleine Nebenstrecken durch Wälder und über verschiedene Höhenlagen. Dabei verliere ich zwar etwas Zeit, werde jedoch durch wunderschöne Berglandschaften und kurvige Strecken entschädigt.

Bei Thiers kann ich endlich tanken und komme auf eine gut ausgebaute Hauptstrecke mit interessanten Kehren Richtung Clermont-Ferrand. Ich umfahre die Stadt nordwärts und erreiche die bekanten Vulkanberge bei Volvic. Noch kurz rauf auf den Puy de Dome und dann nach „Le Mont-Dore“, meinem heutigen Etappenziel.

Der öffentliche Campingplatz ist gut und für ¤ 6,60 die Nacht sehr preisgünstig.

Einige Biker campen bereits hier. Es sind Franzosen, da ist die Verständigung leider schwierig. Nebenan sind Leute aus Berlin. Da kann ich mal etwas deutsch reden. Die Nacht in den Bergen scheint kühl zu werden – und feucht. Der Boden ist weich. Die französischen Biker haben sogleich eine platt gedrückte Coladose als Seitenständerunterlage für mich parat. Merci!

Der Ort erinnert etwas an Val d` Isere; allerdings nicht so hoch gelegen.

Für´s Abendessen kaufe ich noch etwas ein. ÜN und Verpflegung habe ich heute für 20¤.

So günstig geht´s auch mal. Über das Wetter brauche ich kein Wort zu verlieren – noch immer heiter und warm.

Die Motorradkleidung „Rukka-Airpower" bewährt sich wieder bestens! Seit einer Woche fahre ich ohne Innenfutter. Die dünne Softshelljacke von Salewa macht ihre Sache als Windstopper ebenfalls sehr gut. Keine durchgeschwitzte Kleidung, kein Wärmestau.

Freitag, 14. August              Km 72.726

Tal der Dordogne

Vom Zelt musste ich heute ordentlich Morgentau abwischen. Um 10:00 Uhr fahre ich ab durch die Berge. Es warten wieder interessante Strecken mit hübschen Orten, tollen Kehren und schönen Aussichten auf mich. Manche Nebenstrecke ist allerdings vom Straßenzustand recht tückisch. Mal rauer Splitt, mal blanker Teer, oft aber auch Rollsplitt; jedoch mit Vorwarnung!

So wird die Kurverei entsprechend vorsichtig angegangen.

Weit hat sich die Dordogne in den Fels gegraben. Ich schätze, der Canyon ist meist so 300 bis 400 Meter tief. Rocamduer, das Dorf am Fels besuche ich auch.

Dieser Touristenmagnet ist erwartungsgemäß sehr gut besucht. Nach einem Foto breche ich auf nach Montignac. Ein schöner Ort an dem Seitenfluss Vézère mit viel historischer Bausubstanz und einem ebenso schönen Campingplatz. Zahlreiche Restaurants liegen direkt am Fluss. Die typische, steinerne Bogenbrücke wird von einigen Kanufahrern unterquert. Die Höhlen von Lascaux in unmittelbarer Nähe sind der weltbekannte Besuchermagnet dieser Gegend.

Platz 06 auf dem Campingplatz „Le Moulin de Bleufond“ liegt angenehm im Schatten; das Waschhaus ist nicht weit. So kleine Dinge werden manchmal wichtig, da es hier über 35 Grad warm ist. Meinen großen Durst lösche ich gleich mit einem Bier im Platzrestaurant. Später abends esse ich noch etwas im Ort.

Sonnabend, 15. August      Km 73.018

Ich will wieder an´s Meer!

Mit der Auflösung des Morgennebels kommt die Hitze. Ich breche um 10:00 Uhr auf. Nach einem kurzen Abstecher nach Lascaux, wo ich mir nur die Außenanlage ansehe, geht’s über die D 65 Richtung Süd-Westen. Von den Nebenstrecken habe ich bald genug und ich fahre auf die Hauptstrecke nach Bergerac. Die Stadt ist mir namentlich bekannt, da unsere Tochter hier zum Schüleraustausch war. Die Ortseinfahrt ist hässlich. Mauern rechts und links; dahinter Industrieruinen. Ich mache eine Runde durch die Innenstadt; vielleicht noch auf einen Cafè? Nee, die Stadt sagt mir nicht zu. Ich will weiter; an´s Wasser, an den Atlantik.

Es ist sehr warm - nur im Fahrtwind lässt es sich aushalten. Doch auch die Motorwärme ist durch die ungefütterte Hose spürbar. Die Strecke nach Bordeaux ist gut ausgebaut und ich komme flott voran. Der Sprit reicht bis wohl dahin? Am Wochenende haben allerdings viele Tankstellen geschlossen.

Dann stehe ich südlich von Bordeaux im Stau auf der Autobahn. Hitze, schon lange auf Reserve und die Motortemperatur steigt auf 120 Grad. Zum Glück gibt es dort eine Autobahntankstelle! Ich bin von links über 4 Fahrbahnen schräg rüber bis auf die Tanke. Nach dem Volltanken springt der Motor nicht mehr an. Er ist so heiß, dass der Anlasser nicht durchzieht. Ich schiebe die Fuhre in den Schatten und geh etwas trinken. Nach 20 Minuten hat sich die Maschine soweit abgekühlt und springt sofort an. Gut! Nun noch runter von der Autobahn. Ich habe keine Lust, bis Arcachon im Stau zu schwitzen. Zum Glück befindet sich gleich hinter der Tankstelle eine Ausfahrt und die anschließende Landstraße Richtung Süden ist völlig frei. Um ca. 16:00 Uhr bin ich bei der „Dune du Pilat“ angekommen. Da muss ich nun aber rauf – in voller Montur. Eine Kunststofftreppe erleichtert diese Unterfangen doch erheblich. Sand, so weit das Auge reicht und so hoch wie sonst nirgends. Die Aussicht belohnt mich!

 

Ein Stück weiter finde ich einen Campingplatz – mit Strandanschluss. So wollte ich es haben! Aber diese Lage lassen Sie sich dort auch teuer bezahlen. 35 ¤ für eine Nacht. Na gut. Ich gehe im Atlantik schwimmen. Abends dann beim Sun down auf der Düne bemerke ich fast nur deutsche Stimmen. Auch das scheint ein Kulturunterschied zu sein: Die Deutschen scheinen eher Romantiker zu sein und beobachten bei leichten Getränken auf der Düne den Sonnenuntergang – Die Franzosen genießen zur gleichen Zeit ein ausgiebiges Abendessen im großen Kreis auf dem Campingplatz.

Sonntag, 16. August                        Km 73.302

Arcachon - Biarritz

Die Nacht war heiß im Zelt. Daher stehe ich am Sonntag schon früh auf! Eine Dusche ist jetzt angenehm. Um 9:30 bin ich schon auf der Landstraße - weiter nach Süden. Dann nehme ich die Autobahn (mit Paege) und erreiche schon gegen 13:00 Uhr Biarritz. Aber ich will nicht in dieses sicherlich übervolle Tourismuszentrum. Daher passiere ich den Ort, fahre die schöne Küstenstraße entlang bis Hendaye.

Der Ort ist zwar auch touristisch geprägt, jedoch nicht so voll. Der spanische, pardon! baskische Charakter ist deutlich zu sehen. Am Ende der Bucht sieht man bereits Spanien. Nachdem ich mich am Geldautomaten bedient habe, suche ich eine Tankstelle und einen Campingplatz – in dieser Reihenfolge. Jedoch nirgends ist eine Tanke zu finden? Gibt´s doch wohl nicht. Über eine Brücke gerate ich mehr zufällig nach Spanien. Dann wird mir sofort klar, warum hier die Tankstellen sind. Wegen der anderen Besteuerung ist in Spanien der Sprit 30 Cent billiger.

Alle tanken also hier, ich daher auch. Für ¤ 1,09 den Liter Super.

Der Campingplatz ist nett, preisgünstig und nur 200 Meter vom Strand weg. Heute habe ich nun den südwestlichsten Punkt meiner Reise erreicht. Nach dem Aufbau ist relaxen am Strand angesagt. Es ist angenehm warm und sonnig und der Atlantik herrlich! Die meisten Leute am Strand sind Spanier oder sehr wahrscheinlich Basken. Sie sind auffällig anders drauf als Franzosen. Gegen Abend bewölkt es stark und es sieht nach Regen aus. Morgen will ich in die Berge. Hoffentlich lichten sich dann die Wolken? Im Restaurant versorge ich mich wieder gut mit Abendessen sowie am nächsten Morgen mit Frühstück.

Montag, 17. August             Km 73.525

Ziel ist Arudy, Pyrenäen

Nachts hat es leicht geregnet und sich etwas abgekühlt. Eigentlich gut für die Bergtouren. Ich ziehe das Futter wieder rein in die Klamotten – hat sich gut bewährt. Dann starte ich in die Berge. Die Dörfer und Kleinstädte sind hinsichtlich ihrer Ortsnamen sowie Architektur deutlich baskisch geprägt und Teils sehr hübsch. In St. Jean-Pied de Port staut sich überraschend der Verkehr. In der sehr schönen Stadt ist heute Markttag und damit auch viele Touristen. Ich fahre sehr langsam durch das Gewühl. Es gibt viel zu sehen.

Anschließend folge ich der D 918 durch eine wunderschöne Bergwelt. Den obligatorischen Mittagskaffee trinke ich in Mauleon. In Tardet verpasse ich zuerst die Abfahrt zur D 62, welche zum „Pic d`Orhy“ führt. Also fahre ich wieder zurück und dann rauf in die Wolken. Die Straße wird schlechter – die Sicht auch. Tiere sind auf der Fahrbahn; Schafe, Pferde, Kühe. Da heißt es doppelt aufpassen.

Oben durchbreche ich die Wolkendecke und vor mir tut sich ein herrliches Panorama auf. Die Bergspitzen ragen aus den Wolken. Links, nach Norden liegt Frankreich unter der Wolkendecke. Rechts liegt die spanische Seite in der Sonne. Ich fahre rüber nach Spanien. Hier ist es deutlich wärmer und die Straßen sind viel besser. Es ist wenig Verkehr. So kurve ich flott um die Kehren bis Isaba.

Über den nächsten Pass, will ich eigentlich zurück auf die französische Seite. Leider ist hier heute wegen Bauarbeiten gesperrt. Also muss ich den ganzen Weg wieder zurück fahren. Die Tankanzeige steht schon auf Reserve und eine Tankstelle gibt es nicht! Der Sprit reicht gerade für die gut 60 Km bis Tardets. Nach dem Tanken suche ich ein Biker-Hotel in Lurbie auf. Es ist wegen einer Radler-Gruppe leider ausgebucht. Und so fahre ich auf der als „interessante Strecke“ eingezeichneten D 98 weiter. (Scheiß-Strecke) In Arudy finde ich ein schönes Hotel mitten im Ort. Ein Restaurant gleich nebenan sichert mir wieder ein gutes Abendessen.

Dienstag, 18.August                        Km 73.903

Arudy – Llavorsi, Espana

Dem nächtlichen Regen schließt sich ein Nieselregen am Morgen an. Trotzdem bin ich optimistisch nach dem guten Frühstück losgefahren! Ich sollte Recht behalten; denn dort, wohin ich will, lugt schon die Sonne zwischen den sich auflösenden Wolken hervor.

Zwischen zwei großen Mammutbäumen biege ich ab in Richtung Col d` Aubisque. Prima Kehren nehme ich unter die Räder, schraube mich unter Felsüberhängen hindurch hoch in die Bergwelt.

Es ergeben sich wieder tolle Aussichten. Kühe und Pferde auf der Fahrbahn bin ich ja schon gewohnt. Am Rastplatz sind die Tiere auch noch sehr zutraulich, ja manchmal recht dreist. Da klaut der Esel der Marktfrau vom Gemüsestand eine Möhre. Die Pferde stellen sich in Gruppen quer über die Straße, bis die Autofahrer ein Baguette rausrücken.

Das Wetter wird richtig schön sonnig mit guter Fernsicht! Die Abfahrt ist ebenso schön.

Später führt mich die Strecke mitten durch das Marktgetümmel von Argeles-Gazost.

Im weiteren Verlauf geht´s dann rauf zum Col de Tourmalet.

Erwartungsgemäß sind hier viele Radsportler unterwegs, für ihren kleine Tour de France. Auf dem Pass, ist der Treffpunkt für Alle. Ich mache Fotos. Ein netter Franzose macht ein Foto von mir. Im Restaurant dort oben genieße ich ein Crepe.

Unterwegs ist mir mehrfach ein allein fahrender Biker mit Kennzeichen KA aufgefallen. Bei der Abfahrt vom Tourmalet sehe ich ihn wieder. Ich winke. Er winkt zurück. Bei nächster Gelegenheit werde ich mal anhalten und Ihn ansprechen. Er, Frank Stahl aus Karlsruhe hatte den gleichen Gedanken, stellte sich später heraus. Wir treffen uns wenig später. Vor der Auffahrt zum Col d`Aspin schaue ich gerade in meine Karte, als er plötzlich neben mir hält. Wir verstehen uns auf Anhieb und fahren von dort zwei Tage gemeinsam. Nach zwei weiteren Cols mit prima Strecken sind wir bald in Spanien. Es regnet etwas. Der erste Campingplatz gefällt uns nicht. Die Weiterfahrt belohnt uns mit trockenem Wetter in einem warmen Tal. Der Platz in Llavorsi ist in Ordnung. Wir bauen unsere Zelte auf, genießen an der Bar erstmal ein Bier und auch die Möglichkeit, sich ausgiebig auf Deutsch zu unterhalten.

Das Abendessen im Ort ist echt katalanisch. Die Speisekarte können wir nicht lesen.

Zum Glück findet sich in dem Restaurant eine Kellnerin, die recht gut englisch spricht.

Das Essen sowie der Wein sind reichlich und lecker.

Mittwoch, 19. August          Km 74.197

Südlich Andorra bis an´s Mittelmeer

Wir starten am sonnigen Morgen, nachdem wir die Platzgebühr bezahlt haben, in Richtung Sort.

 

 Eine bestens ausgebaute Straße schwingt durch die Täler. In Sort will ich links, Richtung Andorra. Frank will ja weiter nach Barcelona. Als wir halten, fragt er: „Hast du etwas dagegen, wenn ich noch weiter mitkomme?“ Ich freue mich, dass wir doch noch weiter gemeinsam fahren.

Die N 200, in der Karte eigentlich als Nebenstrecke über das Gebirge ausgewiesen, erweist sich als prima ausgebaute Straße. Die Kehren und Steigungen machen mit dem Motorrad so richtig Spaß. Mehr Drehzahl und mehr Tempo! Wir geben den Böcken die Sporen. Manche Serpentine lässt sich mit 90 Km/h nehmen. Die Reifenflanken bekommen reichlich zu tun. Nach unserer Meinung, ist dies eine der besten Strecken in den Pyrenäen. Aus gutem Grund sind hier am diesem Morgen schon reichlich Biker unterwegs.

Vor der Grenze wollen wir noch preiswert spanisch tanken. Der Automat nimmt sogar Scheine. Ein älterer Spanier ist erklärt uns, wie´s geht. – Sehr nett!

Über die N 260 umfahren wir Andorra südlich und reisen dann auf N 116 weiter durch Frankreich, Richtung Mittelmeer. Wegen vieler, langsamer Pkw´s, Wohnmobile und Lkw´s wird die nächste Stunde zur Geduldsprobe. Die kurvenreiche, enge Straßenführung lässt Überholen kaum zu. Es wird heiß! Dann finden wir eine Abkürzung nach Argeles. Ich kann das Meer schon riechen. Seenebel liegt an der Küste. Doch so leicht ist gar nicht heranzukommen. Eine Regionalkarte habe ich nicht dabei; also fahre ich nach dem Stand der Sonne und dem Meeresgeruch. Wir kurven um unzählige Kreisverkehre und fahren schließlich mitten durch ein Wohngebiet. Dann stehen wir endlich am Strand von St. Cyprien, direkt an der Promenade.

Ein Campingplatz befindet sich gleich um die Ecke. Der Pauschalpreis für einen Stellplatz für uns zwei geht in Ordnung. Hier tobt das Ferienleben! Also gehen wir nach dem Aufbau gleich zum Strand und tauchen in´s warme Mittelmeer.

 

Der Nachbar ist Franzose aus Le Havre. Ich erzähle ihm, dass ich vor wenigen Tagen dort war. Den Abend verbringen wir bei Pizza und Bier. Die Nacht ist sehr warm. Im Schlafsack ist es nicht auszuhalten. Also habe ich mich oben drauf gelegt. Die Disco tobt die halbe Nacht. So richtig Ruhe ist hier wahrscheinlich nie. Bevor wir uns schlafen legen, nehmen wir uns vor, am nächsten Morgen vor dem Frühstück um 8:00 Uhr baden zu gehen. Dass bringen im Urlaub nur deutsche Biker.

Donnerstag, 20. August      Km 74.443

Wir schwimmen wirklich so früh und packen dann im Schweiße unseres Angesichts. Doch die Tageshitze beginnt schon um 9:00 Uhr. Unser petit dè jeuner nehmen wir an der Bar. Als wir nach einer kalten Dusche um 10:45 Uhr starten, verabschieden wir uns endgültig. Ich will nach Norden, Frank nach Süden. Es war wirklich nett mit Ihm und wir versprechen, in Kontakt zu bleiben.

Der Fahrtwind macht die Hitze etwas erträglicher. Bei St. Paul de Fenoulliet biege ich rechts ab in die D7, um durch die „George de Galamus“ zu fahren. Eine enge, interessante Schlucht. Auf einem Rastplatz treffe ich auf eine Rafting gruppe. Der Fluss tief unten in der Schlucht bietet ein gutes Revier für diesen Sport. Die Hitze nimmt zu. Die Straße wird nun für einige Km einspurig und ab 12:00 Uhr wechselseitig per Ampel freigegeben. Ich bin jedoch vorher durch. Doch dann stottert der Motor; gerade so als ob er auf Reserve geht. Doch der Tank aber ist voll. Ich finde jedoch den Fehler sofort. Der Unterdruckschlauch aus Plastik hat eine Schraube am Zylinderkopf berührt und ist bei der Motortemperatur von über 110 Grad durchgeschmort. Mit Pflaster aus dem Verbandskasten repariere ich ihn notdürftig. Der Motor läuft wieder und weiter geht´s.

In Rennes nimmt mir eine Junge Frau im Peugeot die Vorfahrt. Nicht weiter dramatisch; ich kann noch gut bremsen. Aber Sie winkt mir zu und schenkt mir ein hübsches, charmantes Lächeln. Da kann ich keine Sekunde böse sein. So locker geht es in Frankreich zu.

In Carcassonne angekommen, entschließe ich mich zu bleiben.

Die größte, vollständig erhaltene mittelalterliche Festung Europas will ich mir in Ruhe anschauen. Der Campingplatz liegt ganz in der Nähe. Viele Spanier und Italiener machen hier Urlaub. Ich bekomme einen Platz am Foret unter schattigen Bäumen. Hier campieren schon einige Biker, mit Fahrrad oder Motorrad. Eine junge Engländerin weist auf ihre schwarze Kawa und erzählt mir von Ihrer Reise durch viele Länder Europas. Neben mir campiert ein Junges Paar aus Nürnberg. Sie sind mit Ihren Fahrrädern unterwegs. Wir kommen gleich in´s Gespräch bei Weintrauben und Klappstuhl. Ich trinke etwas (wobei sich dieses „Etwas“ auf einen Liter Wasser bezieht- du brauchst hier reichlich Flüssigkeit) und schlafe eine Stunde.

Gegen Abend wandere ich dann auf die Burg. Jetzt sind die Temperaturen angenehmer und es gibt nicht mehr so viele Busladungen voller Touristen. Als Andenken mit Gebrauchswert kaufe ich hier denn auch mein Opinel–Messer.

Als ich zum Campingplatz zurückkomme, ist dort richtig gute Lifemusik im Gange sowie Tanz auf der Terrasse. Da bin ich hin. Hier kennt mich keiner- J. Ich tanze bis zum Schluss.

Freitag, 21. August              Km 74.599

Carcasonne – Millau

Ich packe früh. Es wird Gewitter angesagt. Von Süden ziehen bereits Wolken auf. Also, nach dem Frühstück geht es ab nach Norden.

In Castres mache ich einen kurzen Fotostopp. Dann besorge ich im Autoshop ein Stück Unterdruckschlauch; denn ewig hält das Heftpflaster ja auch nicht. Dieses Stück kriege ich geschenkt. Netter Service! Merci! Au Revoir! Über Realmaut erreiche ich das Tal der Tarn, und weiter flussaufwärts über idyllische Nebenstrecken Neuville.

Teilweise bin ich hier ganz allein unterwegs. Burgen und Schlösser am Flussufer charakterisieren die Gegend. Die Straße führt manchmal durch sehr enge und dunkle Tunnel, einer nicht breiter als 1,80 Meter. Nun, für´s Mopped reicht es. Über St. Affrique und die A75 komme ich auf Europas größte Brücke. Die Maut beträgt ¤ 3,50. Gar nicht so teuer.

Auf der anderen Seite nehme ich die Ausfahrt nach Millau und fahre runter in die Stadt. Nachdem ich mich mit Geld, Benzin und Essen versorgt habe, fahre ich weiter in die Schluchtenlandschaft. Über La Cavalerie erreiche ich in den Canyon de la Dourbie, wo die Landschaft sehr romantische Bilder in der Abendsonne hervorzaubert.

Es gibt einige Häuser und kleine Chateaus so hoch oben am Felsen, dass man rätselt, wie die Leute dort heraufkommen. Ich kurve durch den Canyon, vorbei an kleinen Parkplätzen neben Badestellen im Fluss. So ein Bad könnte ich mir jetzt gut vorstellen. In St. Marguerite finde ich ein kleines Hotel mit einer Badestelle nebenan. Prima! Ich habe eine Bleibe für die Nacht und die Erfrischung im kühlen Wasser der Dourbie.

Das Wetter hatte sich wieder sehr sonnig entwickelt – wahrscheinlich ist das angesagte Gewitter in den Pyrenäen geblieben. Soll mir recht sein!

Sonnabend, 22. August      Km 74.906

Ein Stück Heimreise

Heute will ich weit kommen! Also bin ich früh hoch. Doch bis Belfort am Rande der Vogesen schaffe ich es an diesen Tag nicht. Nach 500 km bleibe ich in Besancon. Das F1-Hotel und dieses Carrefour-Cafeteria-Abendessen sind eine andere Welt.

Doch nun zum Tag:

Schon um 9:15 Uhr fahre ich ab. Eine kleine, schmale Straße führt über die Berge rauf zum „Montpellier-View“. Die Aussicht auf bizarre Felsformationen ist interessant. Jedoch wenn man wirklich die Stadt Montpellier am Mittelmeer sehen will, muss man ordentlich Eintritt bezahlen und noch einen längeren Fußweg zum Aussichtspunkt in Kauf nehmen. Gut touristisch vermarktet - aber für mich heute nicht.

Über eine tolle Abfahrt erreiche ich die George du Tarn. Dieser Canyon ist wohl einer der schönsten in Frankreich. Der Fluss und seine Nebenflüsse haben in Millionen Jahren eine Canyon-Landschaft mit grandiosen Felsformationen in die Landschaft gegraben. Flach und langsam fließt die Tarn durch die Schluchten. Steile Felswände säumen die Ufer. Die Straßen führen durch unzählige Tunnel und unter Felsüberhängen hindurch. Kleine Orte kleben am Fels. Aus Naturstein gebaut, verwinkelt und romantisch. Eine der Häusergruppen am gegenüberliegenden Flussufer ist nur per Seilbahn, welche über die Tarn gespannt ist, zu erreichen. Es sind wahrscheinlich strategische Plätze aus früheren Zeiten. Die Straße ist oft schmal, für Wohnmobile recht eng.

Auf dem Fluss sind häufig Kanuten zu sehen – auch hier ein beliebter Sport. Also, hierher könnte ich noch mal fahren.

Die Reise über Mende bis le Puy geht über wunderbar ausgebaute Strecken rauf und runter durch das Hochland. Diese Gegend liegt teilweise über 1000m hoch und es weht ein frischer Wind. Unten in St. Etienne kreuze ich fast den Weg meiner Hinreise. Hier tanke ich und nehme die Autobahn über Lyon bis in´s Juraland nach Besancon. Diese Etappe war mit 2 verbrauchten Tankfüllungen die längste Tagesstrecke meiner Reise. Das F1-Hotel ist mit ¤ 37,63, inkl. Frühstück preisgünstig.

Sonntag, 23. August                        Km 75.503

Durch die Vogesen!

Das Hotelfrühstück ist sehr gut! Besser, als ich erwartet habe. Schon um 8:30 Uhr bin ich auf der A 35 unterwegs. Es ist noch etwas kühl. Bis Belfort sind es rund 100 Km, vorbei an den Citroen-Werken bei Montbeliard. Mein erster Weg geht in Richtung Ballon D`Alsace.

Ich folge den Wegweisern durch kleine Elsässer Orte, welche völlig anders sind, als die Ortschaften im übrigen Frankreich. Es herrscht Sonntagmorgen Ruhe. - Noch!

Die Vogesen sind bei Bikern bekanntlich sehr beliebt. Und bei bestem Wetter geht es dann in Kürze weitaus lebhafter zu. Meine Strecke nennt sich Crete d`Vogese, führt über die D 430 zum Grand d`Ballon sowie Col de la Schlucht zum Hoheneck. Es sind prima Motorradstrecken und mit der Sonntagsruhe ist es vorbei. Das Dröhnen, Jaulen und Grummeln der Bikes bestimmt die Akustik des Tages. Eigentlich ein bisschen zu viel. Ich denke an die Anwohner. Und einige „Bikerhelden“ heizen schon recht heftig durch die Gegend. Oben ist es ziemlich kühl und ich ziehe was drunter an. Es ist nun wohl endgültig vorbei mit der südfranzösischen Wärme.

Elsäßer Einkehr

St. Marie und Ribeauvillé erweisen sich als zauberhafte Städtchen mit viel Fachwerk, umgeben von Weinbergen.

 Die Vogesen bieten sehr viele schöne Aussichten und man findet interessante Fotomotive.

Über Selestadt, Le Hochwald, dem Col du Donon und 17 Km Waldstraßen erreiche ich Sarrebourg. Mein heutiges Ziel ist Saverne, bzw. in Le Petit Pierre die Auberge Imsthal. Es geht weit durch den Wald, aber ich finde das Gasthaus.

Man spricht hier auch schon deutsch; ein Zimmer ist noch frei und das Abendessen wieder erstklassig französisch.  - formidable!

Montag, 24. August Km 75.960

Besuch bei Freunden

Heute geht meine Tour de France zu Ende. Nach wenigen Km am Morgen bin ich in der Pfalz. Noch ein Schwenk durch den Pfälzer Wald nach Neustadt und gleich nebenan liegt Mußbach. Hier suche ich „unseren“ Winzer auf, dessen Stammkunde wir sind. Ja, es gibt im hohen Norden mehr Weinliebhaber und -Kenner, als mancher glaubt. Als der Winzer mein Kennzeichen HEI sieht, erkennt er mich als Kunden wieder. Zu einer kleinen Weinprobe und einer Betriebsbesichtigung sage ich nicht nein.

Für den anschließenden Besuch nehme ich als Gastgeschenk eine Flasche Pfälzer Merlot mit. Jenny und Markus in Pfungstadt sind Bekannte aus einem Afrikaurlaub. Die beiden jungen Leute empfangen mich sehr herzlich. Sie werden in wenigen Tagen in ihr neu gebautes Haus einziehen – eine aufregende Sache! Ihre Gefühlslage kann ich gut nachvollziehen, auch wenn es bei uns schon 30 Jahre her ist. Es war ein sehr netter Abend!

Dienstag, 25. August           Km 76.260

 

Pfungstadt – Issum

Nach dem gemeinsamen Frühstückt verabschiede und bedanke ich mich herzlich. An Mainz vorbei fahre ich über Bingen und dann am linken Rheinufer entlang bis Bonn. Beim deutschen Eck in Koblenz besichtige ich wieder einmal kaiserliche Spuren der Geschichte.

Um Köln herum geht´s nordwärts nach Kamp-Lintfort. Nun muss ich den Ort Issum suchen. Eine Karte für Deutschland habe ich nicht dabei. Wozu auch? Hier kenne ich mich meist überall aus. Aber Issum kennt keiner. Hier will ich Ludger, einen Freund aus Studienzeiten und Biker, besuchen. Schließlich rufe ich Ihn an und er lotst mich zu sich hin. Wieder folgt ein schöner Abend mit Grillen und gutem Wein. Wir haben uns viel zu erzählen. Bergbau, Betriebsratszeit, unser Studium an der Sozialakademie in Dortmund, Gewerkschaftsarbeit, Politik. Nun, in unseren Biografien sind manche Parallelen zu finden. Nachher schließen wir den Abend in seinem hochspeziellen Weinkeller mit einigen Kostbarkeiten der Kultur ab.

Mittwoch, 26. August          Km 76.669

Letzte Etappe

Ich starte um 10:00 Uhr. Heute wird´s überwiegend Autobahn. Die Baustelle am Kamener Kreuz ist fertig. Bei Wildeshausen entschließe ich mich zu einem Abstecher nach Oldenburg. Ich habe heute noch genug Zeit. Meine Schwester und mein Schwager freuen sich über meinen Besuch. Sie wohnen in Paradies. Ja, der Ort heißt wirklich so. Durch den Wesertunnel geht’s auf schon fast heimatlichen Strecken zur Elbefähre nach Wischhafen. Es ist in Ordnung, mit dem Motorrad an der wartenden Autoschlange vorbeizufahren. Für´s Bike findet sich immer noch eine Nische auf der Fähre. Um 19:30 Uhr rolle ich auf unsere heimische Auffahrt.

Km-Stand: 78.191

Ich habe wunderbare 23 Reisetage erlebt.

Es sind letztendlich 8711Km geworden.

Seitenaufrufe: 783

neuerer Beitrag | älterer Beitrag


Kommentare zu diesem Artikel
  • Von , geschrieben am 11.01.2010, 12:39:06: (ID: 645)
    Vielen Dank für diesen anschaulichen Bericht. Das animiert meine eigenen Planungen. Gerne hätte ich mal so viel Zeit am Stück für eine grosse Tour.

  • Von Cpt.Kippdotter, geschrieben am 12.01.2010, 09:42:31: (ID: 646)
    Danke !
    Wunderbar geschrieben, tolle Fotos!
    Ich habe fast vergessen nebenbei zu frühstücken ...
    Gruss Kippi

  • Von suziF, geschrieben am 15.01.2010, 14:30:50: (ID: 647)
    Hallo Carsten,
    vielen Dank für Deinen wunderbaren Reisebericht! Mit den Bildern zusammen "fährt" man förmlich mit!

    Lieben Gruss
    Volker

  • Von ingo1966, geschrieben am 15.01.2010, 22:31:00: (ID: 648)
    Vielen Dank ! Ein wundervoller schön geschriebener Bericht.
    Vielleicht mache ich sowas schönes auch mal...
    Gruß Ingo

  • Von gsxbandit, geschrieben am 16.01.2010, 00:01:07: (ID: 649)
    Sehr schöner Tourbericht, Karsten. Da bekommt man wirklich schon Fernweh vom Lesen.

    Bis bald
    Volker

  • Von lucy, geschrieben am 17.01.2010, 13:20:56: (ID: 650)
    bin ganz begeistert von deiner tour....und ein wenig neidisch auf das erlebte. alleine beim lesen kam schon fernweh auf....
    lieben gruß karen

  • Von Weeler49, geschrieben am 20.01.2010, 12:38:07: (ID: 652)
    Wunderschöne Reisebeschreibung. Was soll ich sonst noch schreiben. Merci.

  • Von piet750, geschrieben am 20.01.2010, 17:29:51: (ID: 653)
    na, du alter Runzelrocker, da haste dir echt Mühe gegeben. Schöner Reisebericht!

    Gruß aus HH
    Peter

  • Von gb007, geschrieben am 21.01.2010, 20:06:12: (ID: 654)
    Ein Super-Reisebericht!
    Sehr gut zu lesen,Du hast Dir ganz schön Mühe gegeben!!!

    Gruß aus Hamm,
    Guido

  • Von biker1000f, geschrieben am 23.01.2010, 22:13:22: (ID: 655)
    Hallo Knieper,
    Du bist zu beneiden.
    Tolle Tour, schöne Gegenden und Fotos, keine Zeitbegrenzung, angenehme Erlebnisse!
    Das wäre auch mein Gusto, nur beschränkt sich meine Zeit auf eine Woche.
    Erfreulich, dass Du angenehme Erfahrungen gesammelt hast,
    kann ich für meine Frankreichtouren auch bestätigen.
    Gruß biker1000f
    Bruno

  • Von bikerGS, geschrieben am 03.02.2010, 10:02:16: (ID: 656)
    Ich fahr dann gleich mal los :)

    Sehr schöner Reisebericht. Vielen Dank

  • Von schraeuble, geschrieben am 10.02.2010, 20:32:03: (ID: 659)
    Ein sehr schön geschriebener Reisebericht. Ich finde mich in sehr vielen Orten auf meinen damaligen Frankreichreisen wieder. Es ist immer wieder ein traumhaft zu bereisendes Land, wundervolle Landschaft mit dem gewissen Flair. Ob die Küste, ob die beiden Hochgebirge und das Inland. Verwunschende Städte die zum Geniessen animieren. Dazu als Motorradfahrer die richtigen Strasse die auch Spaß bringen.

    Viele Grüße aus Kiel
    Carsten

  • Von saopaulo, geschrieben am 10.03.2010, 22:08:18: (ID: 661)
    Hallo Karsten,
    Kompliment für diesen hervorragenden Reisebericht. Du hast dich mit
    der Materie in jeder Hinsicht beschäftigt - Klasse!
    Bis zum Treffen - mal sehen. Viele Grüsse aus Elmshorn - Joachim

  • Von Pin-up, geschrieben am 14.03.2010, 22:39:43: (ID: 662)
    Hallo, viele Orte in Frankreich habe ich auch kennengerlernt in den '80 Jahren, allerdings mit mit meiner "Rennente". Diese hatte 29 statt 28 PS, allerding einen Blumenkasten mit Blaufichten ( eines der ersten Autos mit Kathalysator ), womit ich dann wieder bei 28 PS gelandet bin. Dein Reisebericht hat mich an eine wunderschöne Zeit erinnert. Vielleicht klappt es auch mal mit dem Moped.
    Grüße aus Hamburg
    Karen

  • Von PeterS.ausW, geschrieben am 22.03.2010, 17:13:41: (ID: 663)
    Hallo Knieper,
    Du hast einen schönen und ellenlangen Bericht geschrieben. Von den 55 eingestellten Bildern erscheinen 26 und Du wurdest in der zur Eingabe benötigten Zeit offensichtlich nicht rausgeworfen (aus dem Programm meine ich!). Kannst Du mir mit drei, vier Halbsätzen erklären, wie Du das geschafft hast.
    Ich sitze an einem nur neun Seiten (incl. Fotos) langen Bericht schon eine Woche und habe dabei keinen Erfolg !?

    LG PeterS.ausW

  • Von , geschrieben am 10.04.2010, 00:15:41: (ID: 664)
    Hallo ds hst du super geschrieben. Ja, ich kann dir nur beipflichten denn seit 8 Jahren lebe oich hier in der Nähe von Biarritz am Atlantik. Ich wünsche dir noch viele schöne Reisen.
    Gruß
    Andre

  • Von Gruftipeter, geschrieben am 25.11.2010, 22:43:32: (ID: 741)
    Was ist denn kaputt? Nur etwa die Hälfte der Bilder erscheint. Daraufhin habe ich den Browser gewechselt, von IE8 auf Firefox. Auch nicht besser. Aber schöner Bericht, steckt sicher viel Arbeit drin!
    LG: Peter

  • Von knieper, geschrieben am 05.12.2010, 13:18:59: (ID: 745)
    Hi Peter,

    ich habe zwischenzeitlich einige Bilder aus meiner Galerie gelöscht- leider. Damit können diese auch nicht mehr angezeigt werden.

    Ich werde die fehlenden Fotos mal wieder hochladen.

    Karsten