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Zwischen Asien und Europa
geschrieben am 17.06.2010, 10:30:34. Kategorie(n): keine Kategorie
Januar 2009 wurde ich auf eigenen Wunsch als Polizeibeamter des Bundeskriminalamtes fuer ein Jahr nach Georgien entsandt. Im April 2009 kam dann meine Suzuki DR 800 im Seecontainer im georgischen Hafen Poti an und ich habe diesen Weblog angefangen.

Aufgrund einer dienstlichen Anordnung meiner Vorgesetzten beim Bundeskriminalamt wurde ich am 12. Mai 2009 gezwungen, diesen Bericht - und auch den Bericht über mein Jahr mit dem Motorrad im Kosovo „Ein Jahr im Niemandsland“ - innerhalb von sieben Tagen aus dem Internet zu löschen.

Im anschließenden Rechtstreit mit dem Bundeskriminalamt habe ich erkannt, dass es für mich nach mehr als 30 Dienstjahren Zeit wird, den Polizeidienst zu kündigen. Glücklicherweise bot sich mir die Gelegenheit zur Fortsetzung meiner Arbeit in Georgien, so dass ich nun dauerhaft in Georgien lebe und arbeite und nur alle zwei Monate auf Familienurlaub nach Deutschland komme.

Ich bedaure, dass durch die Löschung des Berichts im Mai 2009 auch alle Kommentare verloren gegangen sind.

Ab sofort werde ich hier wieder in unregelmäßigen Abständen über meine Erlebnisse in Georgien berichte.

Tiflis, 17. Juni 2010



Mittwoch, 15. April 2009
Heute nachmittag kam endlich der lang erwartete Anruf von der Transportgesellschaft Broeskamp Ltd (http://www.broeskampltd.de), der Container, der meine DR BIG an Bord hat, ist im Hafen von Poti angekommen. Morgen früh um 10.00 Uhr wird der Container geöffnet, es wäre gut, wenn ich dann dabei bin.

Von Zugdidi, wo ich wohne und arbeite, sind es gut 50 km bis Poti. Zum Glück bin ich flexibel und so kann ich es einrichten, am nächsten Tag zusammen mit einem litauischen Arbeitskollegen nach Poti zu fahren, um das Motorrad abzuholen.

Endlich - immerhin war das Motorrad jetzt fünf Wochen unterwegs, seit ich es am 4. März 2009 im Rheinhafen von Bonn der Firma Broeskamp übergeben hatte.

Donnerstag, 16. April 2009
Pünktlich um 10.00 Uhr sind wir im Hafen vom Poti. Unser Kontaktmann natürlich nicht. Der kommt erst gegen 11.00 Uhr. Aber das ist egal, das bin ich inzwischen gewohnt. So ganz genau nimmt man es hier unten mit den Zeiten nicht. Hauptsache ich bekomme heute noch die BIG aus dem Zollgelände.

Mein litauischer Kollege Arvydas erweist sich als Glücksgriff. Er spricht perfekt russisch, was die Kommunikation mit dem Zoll hier im Hafen von Poti deutlich vereinfacht. Schließlich war Georgien lange Zeit Teil der Sowjetunion mit russisch als Amtssprache und so sprechen auch heute noch viele Einwohner Georgiens russisch. Nach "nur" drei Stunden und vielen Unterschriften ist es dann soweit: Ich darf die BIG aus dem Zollgelände fahren. Und das ohne irgendwelche Gebühren zahlen zu müssen.

Wobei das mit dem Fahren erst mal einfacher gesagt als getan ist. Die Batterie schwächelt ein wenig und so gibt mir ein freundlicher Gabelstaplerfahrer erst einmal Starthilfe. Danach fahre ich zu einer Station, an der ich meinen Reifenluftdruck kontrollieren lassen kann. Bevor ich richtig realisiere, was da vor sich geht, hat der freundliche Georgier schon das Innenleben des Ventils des Hinterrades rausgedreht und die Luft pfeift fröhlich aus dem Reifen.

Dann setzt er seinen Pressluftschlauch an - ohne Aufsatz, einfach ein Gummischlauch - und füllt fröhlich Luft in den Reifen. Als er den Pressluftschlauch wieder abzieht, pfeift wieder Luft raus, bis er das Ventilinnenleben wieder eingeschraubt hat. Keine Ahnung, wie mein Luftdruck hinten zur Zeit ausseht - es fährt sich aber ganz ordentlich. Auf eine Prüfung des Luftdrucks am Vorderrad verzichte ich allerdings trotzdem lieber.

http://www.imgbox.de/users/Tigris/01BigInPoti.jpg
Bild 1: Nach drei Stunden habe ich die BIG endlich aus dem Zollgelände

Nachdem ich glücklich aus dem Zollgelände rausgekommen bin, ziehe ich mir erst einmal die Regenklamotten an. Es regnet. Und Regen in Georgien ist eine ernste Angelegenheit: Wenn es hier regnet, dann regnet es richtig. Manchmal bis zu 48 Stunden am Stück. Und zwar in Strömen. Solchen Regen kenne ich aus Deutschland und andern Ländern gar nicht. Es liegt am subtropischen Klima im Westen Georgiens. Hier gibt es eine ausgeprägte Regenzeit, die sich nun aber langsam dem Ende nähert. Dafür wird es dann aber im Sommer auch richtig warm - bis 45° Celsius bei bis zu 95% Luftfeuchtigkeit sind keine Seltenheit sondern eher normal.

Die 50 km nach Zugdidi kann ich trotzdem geniessen. Es macht einfach Spaß, nach fünf Wochen mal wieder auf dem Motorrad zu sitzen und die "Kuh fliegen zu lassen". Wobei man sich natürlich der Gefahren hier unten bewusst sein muß:

- Deutlich andere Verkehrssitten als in Deutschland (das ist auch der Grund für die gelbe Weste - Motorradfahrer gehören hier nicht zum Straßenbild und ich möchte nun wirklich nicht übersehen werden)
- Technisch nicht unbedingt einwandfreie Mitverkehrsteilnehmer, die gerne mal Öl und andere schmierige Flüssigkeiten auf der Fahrbahn verlieren
- Deutlich schlechtere Straßen als in Deutschland (kaum Fahrbahnmarkierungen, Schlaglöcher, selbst Hauptverbindungsstrecken sind teilweise nur Schotterpisten)
- Freilaufende Tiere auf den Straßen - und zwar auf allen Straßen.

Hier nun mal ein paar Beispielfotos zu den hier fahrenden Fahrzeugen:

http://www.imgbox.de/users/Tigris/05EBus.jpg
Bild 2: Dieser Elektro-Bus fährt mit Strom aus der Oberleitung. Er verkehrt im "Stadtgebiet" von Zugdidi - allerdings nur in Schrittgeschwindigkeit, mehr schafft er nicht mehr.

http://www.imgbox.de/users/Tigris/06Bus.jpg
Bild 3: Ein Bus des öffentlichen Linienverkehrs. Damit werden auch Überlandfahrten nach Tiflis (ca. 350 km) durchgeführt. Die dauern dann etwa 6 bis 6,5 Stunden.

http://www.imgbox.de/users/Tigris/07Feuerwehr.jpg
Bild 4: Ein Löschfahrzeug der Feuerwehr von Zugdidi. Das Fahrzeug stammt von der Firma Ural - genau die Firma, die auch die bekannten Russenboxer herstellt.

Nun mal ein paar Beispiele für die frei rumlaufenden Tiere:

http://www.imgbox.de/users/Tigris/08Schwein.jpg
Bild 5: Schweine findet man hier in allen Größen und Rassen. Meistens allerdings diese haarigen Exemplare wie das hier abgebildete.

http://www.imgbox.de/users/Tigris/09Bueffel.jpg
Bild 6: Neben Kühen, etwas kleiner und magerer als die in unseren Breitengraden bekannten Exemplare, findet man hier auch Wasserbüffel auf und neben den Straßen.

http://www.imgbox.de/users/Tigris/10Pferde.jpg [/img]
Bild 7: Pferde gehören ebenfalls zum normalen Straßenverkehr. Wobei freilaufende Pferde an den Hauptstraßen in der Regel Fußfesseln tragen, die ihnen nur kleine Schritte erlaube. Abseits der Hauptstraßen laufen sie, wie alles andere Viehzeugs auch, völlig frei.

http://www.imgbox.de/users/Tigris/11Ziege.jpg
Bild 8: Und auch Ziegen sieht man mehr oder weniger regelmäßig.

Montag, 20. April 2009
Heute habe ich die erste kleine Tour gemacht. Von Zugdidi Richtung Norden zum Inguri Damm. Während Zugdidi noch in der Ebene liegt, befindet sich der Inguri Damm schon im Hügelland, an das sich der Große Kaukasus anschliesst. Wenn ich die Straße weiterfahre, komme ich nach etwa 140 km in Mestia an, einer Provinzhauptstadt mitten in den Bergen.

http://www.imgbox.de/users/Tigris/02RoadToMestia.jpg
Bild 9: Die Straße nach Mestia.

Die Straße zum Inguri Damm ist auf der Ostseite eine Piste aus Betonplatten. Die Platten haben ein ordentliches Alter und sind teilweise rissig. Auf der Straße treiben sich auch wieder Kühe rum - aber das kenne ich inzwischen ja schon.

Der Damm selber ist schon recht beeindruckend. Beruflich war ich letzte Woche im Verwaltungsgebäude am Damm und bin auch über den Damm gefahren, privat geht das allerdings nicht.

http://www.imgbox.de/users/Tigris/03InguriDam.jpg
Bild 10: Der Inguri Damm von der Ostseite fotograiert. Eine beeindruckende Staumauer am Rande des Großen Kaukasus.

http://www.imgbox.de/users/Tigris/04GrosserKaukasus.jpg
Bild 11: Ausblick auf den Großen Kaukasus. Ich würde ja gerne weiter in die Berge fahren, aber dafür bin ich nicht richtig gerüstet. Ausserdem soll es ja nur ein kleine Testfahrt werden.

Ich fahre zurück ins Tal und überquere den Inguri, um auf der Westseite noch einmal zum Damm zu fahren. Hier gibt es keine richtig befestigte Straße - oder zumindest gibt es sie nicht mehr - hier fahre ich nun über Schotter und uralte Asphaltplatten. Teilweise ist die eigentliche Straße Opfer von Bergrutschen geworden. Dann gibt es provisorische Schotterpisten, die diese Stellen umfahren.

Als ich wieder in Zugdidi bin, stelle ich fest, daß es den linken Gabelsimmering zerlegt hat. Da drückt nun Gabelöl raus. Zum Glück bin ich in gut zwei Wochen wieder in Deutschland, dann kann ich mir neue Simmeringe mitbringen. Bestellt habe ich sie gerade schon. Bis dahin werde ich die schönen Schotterpisten wohl meiden müssen und auf den Hauptstraßen fahren.

Dienstag, 21. April 2009
Zum Straßenbild in Georgien gehören, wie in vielen anderen Ländern im Osten und Südosten auch, streunende Hunde. Entsprechend oft sieht man am Straßenrand auch tote Hunde, die von Autos überfahren wurden. Diese Bilder kenne ich leider schon von meinen Motorradtouren nach Rumänien und auch von meinem Jahr mit dem Motorrad im Kosovo. Aber nirgendwo habe ich zuvor so viele humpelnde und durch Verkehrsunfälle verkrüppelte Hunde gesehen, wie hier in Georgien. Auf entsprechende Bilder verzichte ich hier ganz bewusst.

Da mich diese Situation als Besitzer von drei Tierheimhunden ziemlich belastet, habe ich heute per Email Kontakt zu „Vier Pfoten International“ (http://www.vierpfoten.org) aufgenommen. Ich möchte zumindest versuchen etwas für diese Tiere zu tun und nicht einfach nur wegschauen und verdrängen. Vielleicht habe ich ja sogar Erfolg.

Ich habe es schon geschrieben: Motorräder gehören hier nicht zum Straßenbild. Ich habe bislang bei meinen unregelmäßigen Besuchen in Tiflis gerade mal zwei Motorräder gesehen, hier in Zugdidi habe ich bislang gar keine gesehen. Auf dem Weg nach Tiflis sind mir allerdings schon mehrfach Russenboxergespanne entgegengekommen.

Das motorradähnlichste, was in Zugdidi zu sehen ist, sind Lasten-Trikes, die hier für alle möglichen Zwecke eingesetzt werden. Es gibt ältere, deren Hersteller für mich bislang nicht zu ermitteln waren. Und dann gibt es auch relativ neue Fahrzeuge aus chinesischer Produktion, die mit dem Markennamen „Keweseki“ geschmückt sind.

http://www.imgbox.de/users/Tigris/12GeorgiaHarley01.jpg
Bild 12: Eine "Georgia-Harley" im Stadtbereich von Zugdidi.

http://www.imgbox.de/users/Tigris/13GeorgiaHarley02.jpg
Bild 13: Und hier mal ein weiteres Exemplar in Nahansicht.

Inzwischen habe ich mir vorgenommen, einen alten, fahrbereiten Russenboxer zu finden und zu kaufen, um ihn nach Deutschland mitzunehmen. Über das Russenboxer-Forum habe ich auch schon einen Kontakt in Tiflis ausmachen können. Das Problem: Leider spricht dieser Mensch nur georgisch und russisch, ich dagegen nur deutsch und englisch. Aber auch dieses Problem werde ich mit Sicherheit noch lösen können.

Donnerstag, 23. April 2009
Ich bin immer wieder erstaunt über die Fahrzeuge, die hier unten am Straßenverkehr teilnehmen. Das fängt an mit Karren, die von Eseln, Kühen und Pferden gezogen werden, geht weiter über alte russische Wolgas und andere Personenwagen, die noch aus sowjet-russischer Zeit stammen, „normale“ Mittelklassefahrzeuge, wie ich sie auch aus Deutschland kenne, bis hin zu hochklassigen Luxusfahrzeugen.

Noch erstaunter bin ich aber oft, wenn ich auf die Kennzeichen schaue. Als ich letzte Woche nach Tiflis gefahren bin, hatte ich zweimal Fahrzeuge mit deutschen Kennzeichen vor mir. Naja, fast deutsche Kennzeichen, denn es fehlten sowohl die TÜV- als auch die Zulassungsplakette. Gestern habe ich in Zugdidi einen Kastenwagen mit Hubkran gesehen. Das Fahrzeug war mit deutschem Kurzzeitkennzeichen ausgestattet. OK, dass dieses Kennzeichen schon am 23. Dezember 2007 seine Gültigkeit verloren hat, stört hier in Georgein niemanden. Auch nicht, dass die öffentliche Müllabfuhr einen alten deutschen Mülltransporter fährt, der ein deutsches Überführungskennzeichen aus dem Jahr 2007 trägt.

Ich muß unbedingt bei Gelegenheit mal Fotos davon machen, das glaubt mir sonst kein Mensch, was hier auf den Straßen unterwegs ist.

Anfang nächster Woche muss ich wieder nach Tiflis. Dann werde ich auch meine DR BIG hier zulassen und anschließend mit georgischem Kennzeichen fahren, da ich nur maximal 30 Tage mit deutscher Zulassung fahren darf. Eine Versicherungspflicht gibt es in Georgien übrigens nicht. Und kaum jemand hat eine Versicherung, da es für die Georgier einfach zu teuer ist.

Meine deutsche Versicherung hatte mir auf meine Anfrage mitgeteilt, dass sie meine DR in Georgien auch nicht versichert. Glücklicherweise habe ich eine andere Versicherung in Deutschland gefunden, die mir für mein Jahr in Georgien Versicherungsschutz gibt. Nun ist meine DR BIG eines der bestversicherten Fahrzeuge in Georgien, da sie doppelt versichert ist. Da ich das Motorrad in Deutschland nicht abmelden wollte, läuft die ursprüngliche Versicherung weiter, auch wenn sie im Falle eines Unfalles nicht zahlt, zusätzlich habe ich die zweite Versicherung speziell für Georgien.

Ich habe diese Variante gewählt, da die Auslandsversicherung inklusive Teilkasko mit 150 ¤ SB für meine 17 Jahre alte DR BIG trotz Neuvertrag mit 125% Beitragssatz gerade mal 140 ¤ kostet. Wenn ich die Kosten und den Zeitaufwand für die Abmeldung der DR in Deutschland und die spätere Wiederanmeldung gegen rechne, ist das die für mich günstigere Variante.

Jetzt aber noch mal was zum Thema Tiere. Wenn ich davon schreibe, daß ich hier auf den Fahrbahnen jederzeit mit Tieren rechnen muss, dann meine ich nicht nur die rein ländlichen Bereiche sondern auch größere Städte. Zu diesen größeren Städten gehört auch Zugdidi mit etwa 75.000 Einwohnern. Das ist die Stadt, in der ich hier wohne und arbeite.

Das folgende Bild zeigt einen recht schönen Brunnen im Zentrum von Zugdidi.

http://www.imgbox.de/users/Tigris/14Zugdidi.jpg
Bild 14: Der Brunnen im Zentrum von Zugdidi, der Hauptstadt der Provinz Samegrelo im Westen Georgiens.

Keine 300 m entfernt habe ich diese Foto aufgenommen:

http://www.imgbox.de/users/Tigris/15Kuh.jpg
Bild 15: An dieser Stelle, einer Parallelstraße der Hauptstraße durch Zugdidi, sind regelmäßig Kühe unterwegs. Teilweise sogar kleine Herden mit vier oder fünf Tieren.

Und auch das nächste Bild ist in unmittelbarer Nähe des Brunnens aufgenommen werden:

http://www.imgbox.de/users/Tigris/16Huehner.jpg
Bild 16: Nahezu jeder Georgier hat Hühner. Teilweise sieht man sie sogar vor Hochhäusern herumlaufen. Ihren Schlafplatz haben sie dann in Verschlägen oder im Keller der Häuser.

Das wildeste Erlebnis hatte ich allerdings, als drei freilaufende Pferde über den Platz mit dem Brunnen galoppierten. Leider ging es zu schnell, um es auf einem Foto festzuhalten.

Sonntag, 26. April 2009
Heute hat der erste Georgier versucht mich vom Motorrad zu holen. Ich wollte nur kurz ins Büro fahren, um einige kleinere Arbeiten zu erledigen und anschließend noch eine kleine Runde drehen. Keine 100 m nachdem ich losgefahren bin ist ein parkendes Fahrzeug abgefahren und hat mich erst mal zur Vollbremsung gezwungen. Der kann mich eigentlich nicht übersehen haben, da er in meine Richtung losgefahren ist und ich mit Licht und gelber Warnweste eine sehr auffällige Erscheinung hier im Straßenverkehr bin. Naja – ich weiß ja, womit ich zu rechnen habe und fahre zum Glück dem entsprechend vorsichtig und defensiv.

An jeder Ecke finden sich hier Autowerkstätten. Kein Wunder bei dem Alter vieler Fahrzeuge, die hier rumfahren. In diesen Werkstätten wird in erster Linie improvisiert, da sich die wenigsten Georgier originale Ersatzteile für ihre Fahrzeuge leisten können. Teilweise gibt es auch gar keine Ersatzteile mehr.

Diese Werkstätten entsprechen natürlich in keiner Weise irgendwelchen europäischen Standards, schaffen es aber immer wieder, die Fahrzeuge hier unten am Laufen zu halten. Ein besonders interessantes Exemplar einer solchen Werkstatt befindet sich genau vor dem Fenster meines Lieblingsrestaurants „The Pirate“ in Zugdidi.

http://www.imgbox.de/users/Tigris/17Werkstatt.jpg
Bild 17: Improvisierte Arbeitsgrube einer der für Georgien typischen Autowerkstätten. Autos lassen sich auch unter freiem Himmel reparieren.

Die Idee, noch eben ins Büro zu fahren, hat sich als nicht unbedingt clever heraus gestellt, da ich erst nach fünf Stunden wieder raus komme. Damit hat sich die geplante Tour mit dem Motorrad für heute erledigt. Außerdem ist es inzwischen ziemlich bewölkt und es sieht nach Regen aus. Also fahre ich nur noch zur Tankstelle, um die BIG für den nächsten Einsatz aufzutanken.

Dabei wird es mir richtig warm ums Herz. Die Benzinpreise in Georgien sind ein Traum für jeden Motorradfahrer. Der Liter Euro Regular mit 93 Oktan kostet 1,12 georgische Lari. Da der Lari seit der Unabhängigkeit Georgiens Anfang der 1990er Jahre immer stark an die Deutsche Mark angelehnt war, entspricht das heute ungefähr 0,55 ¤ pro Liter. Den Preis würde ich gerne nach Deutschland exportieren.

http://www.imgbox.de/users/Tigris/18Benzinpreise.jpg
Bild 18: Hier macht das Tanken fast noch Spaß.

Freitag, 1. Mai 2009
Nur mal ein ganz kurzer Zwischenbericht: Motorradfahren ist zur Zeit nicht. Der defekte Simmering leckt jetzt auch schon im Stand und die Ersatzteile sind noch nicht in Sicht. Am Dienstag breche ich erst einmal zu einem Heimaturlaub nah Deutschland auf, das Motorrad wird bis zu meiner Rückkehr am 20. Mai warten müssen. Schade - aber leider nicht zu ändern.

Mal eine kurze Wetterinformation: Zur Zeit haben wir hier in Zugdidi Temperaturen um die 25° Celsius (im Schatten wohlgemerkt), ab und zu regnet es mal, meistens aber über Nacht. Der (warme) Wind kann teilweise recht heftig wehen, das wird mir wahrscheinlich beim Motorradfahren noch Probleme schaffen - zum einen durch den aufgewirbelten Staub, von dem es hier genug gibt, und zum anderen durch die teilweise heftigen Böen. Naja - warten wir mal ab.

Dienstag, 5. Mai 2009
Heute Nacht hat es mal wieder ordentlich geregnet. Als ich heute morgen das Haus verlassen habe, habe ich mich über die seltsame Farbe der Regenwolken gewundert. Nicht das übliche grau sondern eher Gelb- und Brauntöne. Als ich dann zu unserem Büro kam und unsere Fahrzeuge gesehen habe, wusste ich auch, warum das so ist. Da ist jede Menge Sand in der Luft, der mit dem Regen über Zugdidi runtergekommen ist.

http://www.imgbox.de/users/Tigris/19Sandsturm.jpg
Bild 19: Das Resultat des „Sandregens“ der letzten Nacht.

Inzwischen weiß ich, dass es sich um Sand aus den zentralasiatischen Wüstenregionen handelt, der dort in Sandstürmen hochgewirbelt wird und dann unter anderem hier in Georgien niederregnet. .

Überall in den Wohngebieten stehen alte Tanklastwagen rum. Anfangs habe ich mich gefragt, was dort verkauft wird. Aber auch das Rätsel habe ich zwischenzeitlich lösen können. Es handelt sich Gastankwagen, an denen die Georgier die Gasflaschen für ihr Haushaltsgas füllen lassen. Seitdem ist mir nicht mehr wirklich wohl, wenn ich so ein Fahrzeug sehe, da es in meinen Augen aufgrund des schlechten technischen Zustandes rollende Bomben sind. .

http://www.imgbox.de/users/Tigris/20Gaslaster.jpg
Bild 20: Rollende Gasbombe.

Heute Abend werde ich den Nachtzug nach Tiflis nehmen. Für umgerechnet 15 ¤ kann ich ein komplettes Schlafwagenabteil für die neunstündige Zugfahrt mieten. Morgen habe ich dann in Tiflis noch einiges zu erledigen, unter anderem will ich mein Motorrad hier in Georgien anmelden. Übermorgen früh um 4.00 Uhr geht dann mein Lufthansa-Flieger über München nach Düsseldorf. Knapp zwei Wochen Urlaub warten auf mich. Nach gut acht Wochen in Georgien wird es auch Zeit, dass ich Frau und Tochter mal wiedersehe.

Fortsetzung folgt

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Kommentare zu diesem Artikel
  • Von jackass, geschrieben am 29.06.2010, 14:19:29: (ID: 681)
    Sehr schöner Bericht! Bei uns in Gori sieht es fast genauso aus!
    Gaumadjous und Kargat!

  • Von PSchimri, geschrieben am 15.07.2010, 07:16:22: (ID: 682)
    Sehr schön beschrieben, kenne ähnliches aus Südafrika. Habe for mal um das Schwarze Meer zu fahren und bin froh diesen Bericht gelesen zu haben.

  • Von *dicke*, geschrieben am 16.07.2010, 12:13:35: (ID: 683)
    Wow
    schöne Sache!