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Mototrad-Tour nach Südfrankreich - Ostern 2010geschrieben am 12.11.2010, 01:16:29. Kategorie(n): keine Kategorie
Jetzt ist es November und es wird kalt. Das ist ein Deja vu. So wars letztes Jahr auch und dann kam ein furchtbar langer, kalter, grauer Winter in Hamburg.
Im März hatte mich die Sehnsucht nach Licht, Sonne und Wärme derart gepackt, dass ich beschloss, über Ostern nach Südfrankreich zu fahren. Da mein "kleiner" Bruder (hoffentich liest er das nicht) in Lörrach wohnt, plante ich, bei ihm vorbei zu schauen und dann weiter dem Mittelmeer entgegen zu bummeln. ..
Also, hab ich erstmal Südwesten angepeilt. Es sollte nach einem Abstecher in Richtung Elsass weiter Südfrankreich, der Wärme entgegen gehn. Für die Rückfahrt hatte ich meiner XCountry und mir eine Bahnfahrt ab Narbonne gegönnt.
< Als ich in Hamburg meine Klamotten im wasserdichten Packsack aufgepackt hatte, kamen Graupelschauer vom Himmel, igitt. Ich hatte Winterhandschuhe mit Seideninnenhandschuhen an, mehrere Lagen Skiunterwäschen, Fließ und Wolle und kam mir vor wie ein Michelinmännchen, nein, -weibchen.
Aber entschlossen ist entschlossen. Ich schwang mich auf die Autobahn nach Hannover und fiel in die "Durchhalte"-Stellung, sich zusammenkauern, am Gashahn ziehn und mental einklicken lassen, Nacken steif machen (gegen den Fahrtwind) und ans Ziel denken.
Bei Hannover stieg ich durchgefroren vom KRad und suchte mir beim Aufwärmen in der Autoraststätte im Tourenfahrer-Hotelverzeichnis eine Unterkunft in der Nähe von Hildesheim raus. Netter Empfang in einem kleinen Gasthof auf dem Land mit Unterkunft für mein KRad und nach einer halben Stunde heißer Dusche und einem guten Abendessen fiel ich ins Bett. Am nächsten Tag ging es immer noch bei Eiseskälte (irgendwas zwischen 5 und 8 Grad) quer durch Mitteldeutschland Richtung süd-Westen. Immerhin schien die Sonne.
Nach einer weiteren Übernachtung bei Karlsruhe machte ich mich auf den Weg in den Elsass. Leider empfing mich die "Route de Crete" mit beständigem kalten Regen. Da Ostern vor der Tür stand und es zu meinem Bruder nicht mehr weit war, gab ich den Plan "Elsass" auf und bog auf die Autobahn nach Lörrach ab.
Wie schön, wenn man herzlich von der Familie empfangen wird, aber Mist, wenn der "kleine" Bruder Maschinenbau-Ingenieur und Motorradfahrer mit jahrzehntelanger Erfahrung ist und einem nach einer kleinen Testfahrt mit besorgter Miene mitteilt, dass die Vorderrat-Bremsbacken fast "durch" seien und er mich unmöglich so weiter fahren lassen könne.
Es folgten Telefonate in seinem Freundeskreis, aber weder BMW noch irgend jemand anders konnte über Ostern Bremsbeläge für die XCountry auftreiben. Nach einer kurzen intensiven Recherche im Internet beschloss ich, den Ostermontag dann doch für eine Fahrt nach Lyon zu nutzen, wo es erstens eine große Motorrad-Vertretung gibt und wo ich zweitens ein günstiges Hotel in der Nähe der Werkstatt buchen konnte. Ich versprach meinem Bruder auch, nur Route Nationale und vorsichtig zu fahren.
Die Werkstatt-Mitarbeiter in Lyon waren sehr nett, hatten die Bremsbeläge aber auch nicht da. Nach einigen Telefonaten hatten sie aber herausgefunden, dass die Werkstatt in Valence die Ersatzteile habe. Sie hatten mich auch schon angekündigt und die Ersatzteile reservieren lassen. Eine Stunde später war ich in Valence (und dank Navi auch gleich bei der Werkstatt) und noch eine Stunde später konnte ich die Werkstatt mit neuen Belägen vorne wieder verlassen.
Jetzt gings weiter in die Camargue. Ich wollte das Meer sehen. Das Wetter war schon sehr viel wärmer geworden, zwischen 14 und 18 Grad, also schon fast unerträgliche Hitze, könnte man sagen. Die Fahrt durch die Camargue bis nach Sainte-Marie-de-la-Mer war auch wunderschön, aber der Regen holte mich wieder ein.
Also ging es am nächsten Morgen erst mal nach Beaucaire, Tarascon und "Les-Beaux-de-Provence", Kurven fahren üben (die findet man im Norden so selten) und dabei die einmalige Landschaft der "Alpilles" auf sich wirken lassen.
Da die Mittelmeerküste um Montpellier herum großflächig verbaut ist, beschloss ich, mich ins Hinterland zu schlagen und hielt micht Richtung Uzes, Ales und Saint-Jean-du-Gard. In den Cevennen gibt es so wunderschöne "Darmschlingen"-Straßen, da wollte ich hin.
Nach einem weiteren Regentag übernachtete ich in einem kleinen französischen Gasthaus und freute mich über den Fön im Bad, um meine Handschuhe und Stiefel trocken zu föhnen.
Am nächsten Tag ließ ich mich Richtung "le Vigan" und den "Cirque de Navacelle" treiben. Mittlerweile war das Wetter angenehm warm geworden, die Sonne war wieder heraus gekommen und ich sog die südfranzösische Landschaft mit den kleinen gelblichen Steindörfern, den alten Baumalleen, den Obstbaumgärtchen und dem ersten saftigen Grün der Wiesen in mich auf. Hier und da ein Cafe au Lait, eine Tarte au Pommes oder ein Baguette mit Käse und etwas Obst reicht schon, um glücklich und zufrieden zu sein.
Am Ende des Tages lief ich das örtliche Touristenbüro an, um mir eine Unterkunft zu suchen. Ich landete am Ende der Welt, genannt "Au bout dü monde". Der Name hatte es mir angetan und ich landete in einem historischen Gehöft mit Turm. Das Turmzimmer war meins für eine königliche Nacht. Blick auf das Ende der Welt, eine halbkreisförmige Abbruchkante des Kalksteingebirges rund um den Ort mit besagtem Namen, dazwischen Obstplantagen und ein rundes Turmzimmer mit einem eingebauten Holzschrank, hellgrün mit dunkelroten Leisten abgesetzt, ein schmiedeeisernes Türschloss mit einem langen Riegel quer über die halbe Tür (die Mechanik kann ich leider nicht genauer erklären), ein nachträglich eingebautes kleines Bad mit Dusche und zum Abendessen ein Viertel Rouge aufs Zimmer, köstlich. Am Morgen parlierte ich mit Madame beim großen offenen Kaminfeuer in der Küche. Es gab selbstgemachte Marmeladensorten (unter anderem Quitte), frisch gepressten Orangensaft, einen richtig guten starken Kaffee aus einer rot-weiß-gepunkteten Viertelliter-Tasse und dazu selbst gebackenes Brot. Für 60 Euro keine schlechte Unterkunft. Die Herrschaften hatten früher in Montpellier gearbeitet, sich auf dem Land in dem historischen Gemäuer zu Ruhe gesetzt und freuten sich jetzt über nette Gäste.
Weiter gings am frühen Vormittag Richtung Cirque de Navacelle, Kurven fahren ohne Ende, und das auf leerer Straße. Außer mir war kaum jemand unterwegs. Der Cirque de Navacelle ist landschaftlich so beeindruckend, dass ich erst gar nicht versuche, das zu beschreiben. Wer einen Eindruck haben will, schaue in meine Bildergalerie.
Nach einer weiteren Nacht in einer nicht so spektakulären, aber sehr ordentlichen Pension wollte ich eigentlich noch die Kartharerburgen (oder wenigstens die eine oder andere) bei Perpignan anschauen, aber das Wetter war zu verlockend, 20 Grad, strahlende Sonne und das Meer lockte. Also nahm ich den kürzesten Weg nach Banyuls-sür-Mer und wurde nicht enttäuscht. Netter kleiner Campingplatz am Wasser, baden, sonnen, ausruhen und abends eine kleine Gesellschaft im Campingplatz-Restaurant (wenn man das so nennen kann). Die Schwester des Kochs war mit ihrem belgischen Mann, einem Maler, zu Besuch, es gab frischen gebratenen Fisch mit gebratenen Tomaten und Kartoffeln, ich wurde eingeladen, mich dazu zu setzen. Da ich ja mal Romanistik studiert habe vor vielen Jahren, konnte ich in der anschließenden tiefsinnigen Diskussion (unter anderem ging es um die Ähnlichkeit von Brecht und Rammstein) ganz gut mitmischen und hatte ordentlich Schlagseite, als ich in mein Zelt und meinen Schlafsack kroch. Am nächsten Tag wurde ich zu frischen Croissants und Kaffee eingeladen und erhielt ein wunderschönes Aquarell zum Abschied. Das hängt jetzt in meinem Flur und erinnert mich dran, dass es sich lohnt, weite Reisen zu unternehmen. Man lernt wirklich nette Leute kennen.
Am nächsten Tag nahte leider das Ende meines kurzen Ausflugs und ich begab mich entlang der Küste mit kurzen Stops zum Schwimmen in Richtung Perpignan.
Einrollen am Zug-Terminal, ungläubiges Staunen meinerseits. ich war allein, obowhl ich nur eine Stunde zu früh war. in einem Raum, über dem DB stand, saß ein Beamter, der mir mitteilte, dass die französische Bahn streike. Fassungslosigkeit, es war Samstag, am Montag morgen musste ich arbeiten. Wie lange? Man wisse es nicht. Von wo ginge der nächste Zug? Der Zug sei bis Lörrach gekommen und fahre von dort in 8 Stunden wieder zurück. Ich könne ja versuchen, den noch zu kriegen, einen Platz habe ich ja. Spinnt der, mit einer Einzylinder mit 10-Litertank in 8 Stunden von Perpignan nach Lörrach? Das sind knapp 800 km. Ich setzte mich erstmal und wurde Zeuge mehrerer Dramen, Schweden mit kleinen Kindern, die eine Anschlußfähre gebucht hatten, Leute aus Stuttgardt, die ebenfalls am Montag arbeiten mussten.
Nachdem ich mich erholt hatte, überlegte ich, wo ich den nächsten Autoreisezug von Perpignan kriegen könnte und studierte die Fahrpläne. München Sonntag abend war zu schaffen. Ich bat den Beamten, meine Fahrkarte umzubuchen und fuhr los Richtung Schweiz.
Der erste Tag war gar nicht so schlecht, bestes Wetter, so um die 20 Grad, die Autobahn relativ leer und schöne Landschaft drumherum. Ich fuhr bis nachts um 12 Uhr und kam bis an die Schweizer Grenze. Dort fand ich noch ein Hotel und fiel in tiefen Schlaf. Am nächsten Morgen ging es um 8 Uhr weiter. In der Schweiz empfing mich starker Wind und ziemliche Kälte. Auf dem Genfer See waren meterhohe grüne schaumige Wellen. An die Fahrt danach erinnere ich mich nicht mehr im Detail. Sie bestand aus der Durchhaltetaktik, klein machen, Gashand aufdrehen, einklicken lassen, Nacken steif. Wenn die Finger und Zehen taub sind, an die nächste Tankstelle fahren, tanken, einen Capuccino trinken, auf Klo gehen, Finger unter dem warmen Wasser aufwärmen und weiter. Ich glaube, ich hatte so ziemlich alles an, was ich an Kleidern dabei hatte, bis auf die Badesachen. 80 km vor München setzte Schneeregen ein, also nur noch 80 kmh fahren im Schutz der dicken Lastwagen. Pünktlich zum Verladebeginn war ich in MÜnchen am Ostbahnhof, fuhr völlig verfroren auf die Verladerampe, zurrte mit klammen Fingern mein Gepäck ab und stiefelte Richtung Liegewagen. Als ich gerade versuchte, meine umfangreichen Motorradklamotten irgendwo in dem 6-er-Abteil unterzubringen, kam die nette Dame vom Service und teilte mir mit, man habe ein Schlafwagen-Abteil als Ausgleich für die ausgefallene Fahrt von Perpignan. Es gäbe auch noch ein Abendessen und ein Frühstück umsonst und was ich denn trinken wolle. Na, einen Roten natürlich, Prost. Der Schaffner erklärte mir mehrmals, dass sie nicht mehr mit mir gerechnet hätten. Da hat er sich aber vertan.
Und wer Fotos sehen will, der muss sich meine Bildergalerie anschauen. Ich weiß mal wieder nicht, wie man die hier rein kriegt. Seitenaufrufe: 190
Im März hatte mich die Sehnsucht nach Licht, Sonne und Wärme derart gepackt, dass ich beschloss, über Ostern nach Südfrankreich zu fahren. Da mein "kleiner" Bruder (hoffentich liest er das nicht) in Lörrach wohnt, plante ich, bei ihm vorbei zu schauen und dann weiter dem Mittelmeer entgegen zu bummeln. ..
Also, hab ich erstmal Südwesten angepeilt. Es sollte nach einem Abstecher in Richtung Elsass weiter Südfrankreich, der Wärme entgegen gehn. Für die Rückfahrt hatte ich meiner XCountry und mir eine Bahnfahrt ab Narbonne gegönnt.
< Als ich in Hamburg meine Klamotten im wasserdichten Packsack aufgepackt hatte, kamen Graupelschauer vom Himmel, igitt. Ich hatte Winterhandschuhe mit Seideninnenhandschuhen an, mehrere Lagen Skiunterwäschen, Fließ und Wolle und kam mir vor wie ein Michelinmännchen, nein, -weibchen.
Aber entschlossen ist entschlossen. Ich schwang mich auf die Autobahn nach Hannover und fiel in die "Durchhalte"-Stellung, sich zusammenkauern, am Gashahn ziehn und mental einklicken lassen, Nacken steif machen (gegen den Fahrtwind) und ans Ziel denken.
Bei Hannover stieg ich durchgefroren vom KRad und suchte mir beim Aufwärmen in der Autoraststätte im Tourenfahrer-Hotelverzeichnis eine Unterkunft in der Nähe von Hildesheim raus. Netter Empfang in einem kleinen Gasthof auf dem Land mit Unterkunft für mein KRad und nach einer halben Stunde heißer Dusche und einem guten Abendessen fiel ich ins Bett. Am nächsten Tag ging es immer noch bei Eiseskälte (irgendwas zwischen 5 und 8 Grad) quer durch Mitteldeutschland Richtung süd-Westen. Immerhin schien die Sonne.
Nach einer weiteren Übernachtung bei Karlsruhe machte ich mich auf den Weg in den Elsass. Leider empfing mich die "Route de Crete" mit beständigem kalten Regen. Da Ostern vor der Tür stand und es zu meinem Bruder nicht mehr weit war, gab ich den Plan "Elsass" auf und bog auf die Autobahn nach Lörrach ab.
Wie schön, wenn man herzlich von der Familie empfangen wird, aber Mist, wenn der "kleine" Bruder Maschinenbau-Ingenieur und Motorradfahrer mit jahrzehntelanger Erfahrung ist und einem nach einer kleinen Testfahrt mit besorgter Miene mitteilt, dass die Vorderrat-Bremsbacken fast "durch" seien und er mich unmöglich so weiter fahren lassen könne.
Es folgten Telefonate in seinem Freundeskreis, aber weder BMW noch irgend jemand anders konnte über Ostern Bremsbeläge für die XCountry auftreiben. Nach einer kurzen intensiven Recherche im Internet beschloss ich, den Ostermontag dann doch für eine Fahrt nach Lyon zu nutzen, wo es erstens eine große Motorrad-Vertretung gibt und wo ich zweitens ein günstiges Hotel in der Nähe der Werkstatt buchen konnte. Ich versprach meinem Bruder auch, nur Route Nationale und vorsichtig zu fahren.
Die Werkstatt-Mitarbeiter in Lyon waren sehr nett, hatten die Bremsbeläge aber auch nicht da. Nach einigen Telefonaten hatten sie aber herausgefunden, dass die Werkstatt in Valence die Ersatzteile habe. Sie hatten mich auch schon angekündigt und die Ersatzteile reservieren lassen. Eine Stunde später war ich in Valence (und dank Navi auch gleich bei der Werkstatt) und noch eine Stunde später konnte ich die Werkstatt mit neuen Belägen vorne wieder verlassen.
Jetzt gings weiter in die Camargue. Ich wollte das Meer sehen. Das Wetter war schon sehr viel wärmer geworden, zwischen 14 und 18 Grad, also schon fast unerträgliche Hitze, könnte man sagen. Die Fahrt durch die Camargue bis nach Sainte-Marie-de-la-Mer war auch wunderschön, aber der Regen holte mich wieder ein.
Also ging es am nächsten Morgen erst mal nach Beaucaire, Tarascon und "Les-Beaux-de-Provence", Kurven fahren üben (die findet man im Norden so selten) und dabei die einmalige Landschaft der "Alpilles" auf sich wirken lassen.
Da die Mittelmeerküste um Montpellier herum großflächig verbaut ist, beschloss ich, mich ins Hinterland zu schlagen und hielt micht Richtung Uzes, Ales und Saint-Jean-du-Gard. In den Cevennen gibt es so wunderschöne "Darmschlingen"-Straßen, da wollte ich hin.
Nach einem weiteren Regentag übernachtete ich in einem kleinen französischen Gasthaus und freute mich über den Fön im Bad, um meine Handschuhe und Stiefel trocken zu föhnen.
Am nächsten Tag ließ ich mich Richtung "le Vigan" und den "Cirque de Navacelle" treiben. Mittlerweile war das Wetter angenehm warm geworden, die Sonne war wieder heraus gekommen und ich sog die südfranzösische Landschaft mit den kleinen gelblichen Steindörfern, den alten Baumalleen, den Obstbaumgärtchen und dem ersten saftigen Grün der Wiesen in mich auf. Hier und da ein Cafe au Lait, eine Tarte au Pommes oder ein Baguette mit Käse und etwas Obst reicht schon, um glücklich und zufrieden zu sein.
Am Ende des Tages lief ich das örtliche Touristenbüro an, um mir eine Unterkunft zu suchen. Ich landete am Ende der Welt, genannt "Au bout dü monde". Der Name hatte es mir angetan und ich landete in einem historischen Gehöft mit Turm. Das Turmzimmer war meins für eine königliche Nacht. Blick auf das Ende der Welt, eine halbkreisförmige Abbruchkante des Kalksteingebirges rund um den Ort mit besagtem Namen, dazwischen Obstplantagen und ein rundes Turmzimmer mit einem eingebauten Holzschrank, hellgrün mit dunkelroten Leisten abgesetzt, ein schmiedeeisernes Türschloss mit einem langen Riegel quer über die halbe Tür (die Mechanik kann ich leider nicht genauer erklären), ein nachträglich eingebautes kleines Bad mit Dusche und zum Abendessen ein Viertel Rouge aufs Zimmer, köstlich. Am Morgen parlierte ich mit Madame beim großen offenen Kaminfeuer in der Küche. Es gab selbstgemachte Marmeladensorten (unter anderem Quitte), frisch gepressten Orangensaft, einen richtig guten starken Kaffee aus einer rot-weiß-gepunkteten Viertelliter-Tasse und dazu selbst gebackenes Brot. Für 60 Euro keine schlechte Unterkunft. Die Herrschaften hatten früher in Montpellier gearbeitet, sich auf dem Land in dem historischen Gemäuer zu Ruhe gesetzt und freuten sich jetzt über nette Gäste.
Weiter gings am frühen Vormittag Richtung Cirque de Navacelle, Kurven fahren ohne Ende, und das auf leerer Straße. Außer mir war kaum jemand unterwegs. Der Cirque de Navacelle ist landschaftlich so beeindruckend, dass ich erst gar nicht versuche, das zu beschreiben. Wer einen Eindruck haben will, schaue in meine Bildergalerie.
Nach einer weiteren Nacht in einer nicht so spektakulären, aber sehr ordentlichen Pension wollte ich eigentlich noch die Kartharerburgen (oder wenigstens die eine oder andere) bei Perpignan anschauen, aber das Wetter war zu verlockend, 20 Grad, strahlende Sonne und das Meer lockte. Also nahm ich den kürzesten Weg nach Banyuls-sür-Mer und wurde nicht enttäuscht. Netter kleiner Campingplatz am Wasser, baden, sonnen, ausruhen und abends eine kleine Gesellschaft im Campingplatz-Restaurant (wenn man das so nennen kann). Die Schwester des Kochs war mit ihrem belgischen Mann, einem Maler, zu Besuch, es gab frischen gebratenen Fisch mit gebratenen Tomaten und Kartoffeln, ich wurde eingeladen, mich dazu zu setzen. Da ich ja mal Romanistik studiert habe vor vielen Jahren, konnte ich in der anschließenden tiefsinnigen Diskussion (unter anderem ging es um die Ähnlichkeit von Brecht und Rammstein) ganz gut mitmischen und hatte ordentlich Schlagseite, als ich in mein Zelt und meinen Schlafsack kroch. Am nächsten Tag wurde ich zu frischen Croissants und Kaffee eingeladen und erhielt ein wunderschönes Aquarell zum Abschied. Das hängt jetzt in meinem Flur und erinnert mich dran, dass es sich lohnt, weite Reisen zu unternehmen. Man lernt wirklich nette Leute kennen.
Am nächsten Tag nahte leider das Ende meines kurzen Ausflugs und ich begab mich entlang der Küste mit kurzen Stops zum Schwimmen in Richtung Perpignan.
Einrollen am Zug-Terminal, ungläubiges Staunen meinerseits. ich war allein, obowhl ich nur eine Stunde zu früh war. in einem Raum, über dem DB stand, saß ein Beamter, der mir mitteilte, dass die französische Bahn streike. Fassungslosigkeit, es war Samstag, am Montag morgen musste ich arbeiten. Wie lange? Man wisse es nicht. Von wo ginge der nächste Zug? Der Zug sei bis Lörrach gekommen und fahre von dort in 8 Stunden wieder zurück. Ich könne ja versuchen, den noch zu kriegen, einen Platz habe ich ja. Spinnt der, mit einer Einzylinder mit 10-Litertank in 8 Stunden von Perpignan nach Lörrach? Das sind knapp 800 km. Ich setzte mich erstmal und wurde Zeuge mehrerer Dramen, Schweden mit kleinen Kindern, die eine Anschlußfähre gebucht hatten, Leute aus Stuttgardt, die ebenfalls am Montag arbeiten mussten.
Nachdem ich mich erholt hatte, überlegte ich, wo ich den nächsten Autoreisezug von Perpignan kriegen könnte und studierte die Fahrpläne. München Sonntag abend war zu schaffen. Ich bat den Beamten, meine Fahrkarte umzubuchen und fuhr los Richtung Schweiz.
Der erste Tag war gar nicht so schlecht, bestes Wetter, so um die 20 Grad, die Autobahn relativ leer und schöne Landschaft drumherum. Ich fuhr bis nachts um 12 Uhr und kam bis an die Schweizer Grenze. Dort fand ich noch ein Hotel und fiel in tiefen Schlaf. Am nächsten Morgen ging es um 8 Uhr weiter. In der Schweiz empfing mich starker Wind und ziemliche Kälte. Auf dem Genfer See waren meterhohe grüne schaumige Wellen. An die Fahrt danach erinnere ich mich nicht mehr im Detail. Sie bestand aus der Durchhaltetaktik, klein machen, Gashand aufdrehen, einklicken lassen, Nacken steif. Wenn die Finger und Zehen taub sind, an die nächste Tankstelle fahren, tanken, einen Capuccino trinken, auf Klo gehen, Finger unter dem warmen Wasser aufwärmen und weiter. Ich glaube, ich hatte so ziemlich alles an, was ich an Kleidern dabei hatte, bis auf die Badesachen. 80 km vor München setzte Schneeregen ein, also nur noch 80 kmh fahren im Schutz der dicken Lastwagen. Pünktlich zum Verladebeginn war ich in MÜnchen am Ostbahnhof, fuhr völlig verfroren auf die Verladerampe, zurrte mit klammen Fingern mein Gepäck ab und stiefelte Richtung Liegewagen. Als ich gerade versuchte, meine umfangreichen Motorradklamotten irgendwo in dem 6-er-Abteil unterzubringen, kam die nette Dame vom Service und teilte mir mit, man habe ein Schlafwagen-Abteil als Ausgleich für die ausgefallene Fahrt von Perpignan. Es gäbe auch noch ein Abendessen und ein Frühstück umsonst und was ich denn trinken wolle. Na, einen Roten natürlich, Prost. Der Schaffner erklärte mir mehrmals, dass sie nicht mehr mit mir gerechnet hätten. Da hat er sich aber vertan.
Und wer Fotos sehen will, der muss sich meine Bildergalerie anschauen. Ich weiß mal wieder nicht, wie man die hier rein kriegt. Seitenaufrufe: 190
Kommentare zu diesem Artikel
- Von knieper, geschrieben am 12.11.2010, 14:43:28:
(ID: 729)
Hallo,
prima Geschichte aus einer schönen Gegend.
Da habe ich aus 2009 schöne Erinnerungen an Frankreich; z.T auch aus dieser Gegend. (und ein Web Log dazu geschrieben)
Neulich hatte ich auch Probleme mit "HTML und dem Bilder einfügen".
Schau mal in´s Web Log von "Dolmant" Kai hat es prima erklärt.
Viele Grüße von der Westküste SH
Karsten
- Von Norbert152, geschrieben am 26.12.2010, 04:20:51:
(ID: 772)
Hallo
Super schön beschrieben macht mich als Späteinsteiger und Anfänger nur neidisch.
Würde nur zu gern ein Mal so was machen muss einfach nur schön sein.
Lieber Gruß aus dem Münsterland
Noby