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Alpen-Tour 2007geschrieben am 22.05.2007, 17:55:05. Kategorie(n): keine Kategorie

Um einigermaßen im Zeitplan zu bleiben, fahre ich nun doch zur Autobahnabfahrt Erlangen und weiter nach Nürnberg, um mir bei LOUIS noch ein Paar wärmere Handschuhe und Funktionssocken zu kaufen. Von dort über Heilsbronn und eine gemütliche Straße durch Großobersdorf nach Oberdachstetten und ins Quartier nach Sulzbach. In der Dorfwirtschaft gibt es später noch zwei Bier und eine „original fränkische Schlachteplatte“ aus 1 Bratwurst mit Sauerkraut, einem ganzen Leberwurstring und einer ganzen Blutwurst – alles heiß, dazu drei Scheiben Brot. „Das würde ich auch nicht schaffen“, sagt die Wirtin, als ich die halbe Portion nicht aufgegessen habe. Immerhin hat alles zusammen nur 8 Euro gekostet!
525 km / 17,33 Liter / 23,38 ¤
In Hillingen bei Aalen musste ich allerdings nach dem „Motorrad-PILZ“ fragen, weil mein Handbremshebel klemmte. Ein Spritzer Öl hat das Wunder gewirkt und alles wieder gängig gemacht. Ein halber Liter Öl war auch fällig.
Wegen der verlorenen Zeit bin ich in Langenau auf die A7 gefahren und in einem eiligen Ritt die ca. 80 Kilometer bis Dietmannsried, wo ich gegen 14 Uhr in der Römerstraße 7 bei Michael Timmermanns auf eine Tasse Kaffee angemeldet bin. Michael habe ich in der NETBIKER-Community kennen gelernt. Es macht Spaß, eine Stunde lang über Motorrad-Touren zu plaudern. Zum Abschied gibt er mir noch eine Warnweste und Verbandszeug für Italien sowie den guten Rat mit auf den Weg, in Österreich wegen der Verkehrskontrollen immer einen Strich unter der erlaubten Geschwindigkeit zu bleiben, weil’s sonst schnell mal 300 ¤ kostet.
Über Kempten, Immenstadt und Oberstaufen fahre ich nach Östereich und biege in Miselbach nach links auf die B200 ab, komme so über Warth und die Hochtannspitze (1575m) nach Lech und zum Arlbergpaß (1793m) und weiter über St. Anton nach Landeck. Von dort führt der Weg die anspruchsvolle Straße hinauf zur Pillerhöhe (1558m) und wieder hinab nach Wenns, von wo es durchs Pitztal bis nach St. Leonhard und Köfels geht. Ankunft 20.30 Uhr und Abendessen im „Pfand’l“.
535 km / 42,95 Liter / 51,11 ¤
Sonntag. Der Wetterbericht kündigt einen sonnigen Tag bei 22 bis 30°C an. Morgen sollen es sogar 25 bis 32°C werden, über 2000 Meter allerdings nur zwischen 10 und 14°C. Um 8.15 Uhr gibt’s ein solides Frühstück, um 9 Uhr ist Abfahrt.
Das Pitztal hinab bis Wenns und wieder über die Pillerhöhe nach Landeck; auf der B 316 über Pians, Flirsch und St. Anton nach St. Christoph und dem Arlbergpaß. „1802 m“ steht an der Souvenirhütte.
Dann über die S 16 bis Bludenz, von dort auf der 188 über St. Bartholomäberg bis Partenau, wo eine Schranke den Weg versperrt. Die Silvretta-Hochalpenstraße ist noch bis zum 17.5. gesperrt.
Unendliche Enttäuschung! Hoffnung kommt auf, als mir ein Motorradfahrer entgegen kommt. Den frage ich, wie er das gemacht hat. Ganz einfach: Er hat seine Maschine unter der Schranke hindurch gehoben. Für mich ist das keinen Versuch wert, also kehrt!
Dann geht es zurück auf dem bekannten Weg über die Pillerhöhe wieder ins Quartier.
454 km / 21,12 Liter / 24,16 ¤
Montag. Abfahrt 9.15 Uhr. Mein Gastgeber meint, dass das Timmelsjoch wohl ebenfalls noch nicht wieder frei sei.
Ich fahre dennoch erst einmal die geplante Route das Pitztal hinab bis Arzl und auf der 171 bis zur Abfahrt Ötztal, dann das Ötztal hinauf. In Ötz verlasse ich meine geplante Route, folge dem Tipp meines Gastgebers und biege nach links auf die Straße zum Kühtaisattel ein. Ich bereue keinen Kilometer!
Dabei entsteht der Plan, über den Brenner zu fahren und so auf italienischer Seite dem Timmelsjoch so nah wie möglich zu kommen. Gedacht - gefahren! Also vom Kühtaisattel hinab bis Axams und weiter nach Mutter; von dort über Matrei nach Gries am Brenner und bis Sterzing. Der Jaufenpaß ist wenigstens frei. Also hinauf!
Dort oben komme ich mit dem Fahrer einer in München zugelassenen R1150R ins Gespräch. Wir trinken eine Tasse Kaffee zusammen und beschließen, die Fahrt gemeinsam fortzusetzen. Zunächst hinab nach St. Leonhard. Das Timmelsjoch ist tatsächlich auch von italienischer Seite her gesperrt. Mein Weggenosse hat aber einen Plan. So fahren wir zunächst nach Meran weiter und von dort über Mölten und St. Gnesio nach Bozen. Noch vor der Stadt schlagen wir einen scharfen Haken ins Valle Sarentina und dann weiter ins Pensertal.
Auf dem Penser Joch ist es schon ganz schön stürmisch, sodass wir nicht lange verweilen. Es beginnt zu regnen. Also nichts wie runter, um Sterzing von der anderen Richtung aus zu erreichen. Nach einem kurzen Tankstopp geht’s gleich weiter, zurück auf den Brenner, wo wir noch einen Cappuccino miteinander trinken. Dabei wird’s etwas persönlicher. Mein Weggefährte stammt aus Berlin, hat dort als Finanzbeamter zuletzt beim Amt für offene Vermögensfragen gearbeitet, ist nach der Frühpensionierung nach Wörgl in Österreich gezogen, wo seine Frau herstammt und hat dort ein Haus gebaut. Er hat seinen Motorradschein erst 2005 gemacht und ist jetzt viel mit seiner Maschine unterwegs, da seine Frau noch arbeitet.
487 km
Dienstag. Dieser Tag verlief ganz anders als geplant. Grund war das Wetter, das in St. Leonhard/Köfels zunächst mit Nieselregen begann, der nach einer kurzen Wetterbesserung im Inntal bei Arzl schließlich doch in einen massiven Dauerregen überging.
Ein Ausweichen gab es nicht, Saalfelden als Ziel des Quartierwechsels stand schließlich fest. Kurz hinter Innsbruck begann zu allem Überfluß auch noch die rote Ladekontrolllampe zu leuchten. In Hall gab es ein Rollerfachgeschäft und einen Mitarbeiter mit der merkwürdig inkompetenten Auskunft: „Da ist wahrscheinlich die Batterie ziemlich runter oder kaputt. Da können wir auch nicht helfen. Aber am Ortsausgang von Schwaz gibt’s den MOTORBÄR, einen großen Motorradhändler. Der kann’s bestimmt.“ Das mit der Batterie ist natürlich völliger Unsinn. Ich fahre trotzdem los - schließlich bleibt mir ja nichts anderes übrig – meistens ohne Licht, um Batteriestrom zu sparen. Den Motorradhändler finde ich, aber es ist 12.10 Uhr. Die Monteure haben gerade Mittagspause bis 13 Uhr, bedeutet mir ein Mitarbeiter hinterm Verkaufstresen, als ich ihm mein Problem schildere. Also warte ich geduldig. 10 Minuten vor ein Uhr kommt besagter Mitarbeiter wieder auf mich zu. Er hat 40 Minuten lang nachgedacht. Das Ergebnis: „Am besten, Sie fahren zum Unterberger nach Kufstein weiter. Das ist ein BMW-Händler. Der kann Ihnen wahrscheinlich schneller helfen als wir.“ – Na, Prima! „Schallgeschwindigkeit“ auf österreichisch!
Der Regen hat noch mal zugelegt. Langsam weichen die Klamotten durch. Meine nächste Anschaffung wird eine wasserdichte Überzieh-Kombi sein.
Der Unterberger hilft tatsächlich schnell und kompetent. Während ich warte und einen Kaffee trinke, weichen die Sachen endgültig durch. Nach einer halben Stunde bin ich aber wieder unterwegs. Nass ist eklig! Glücklicherweise kommt kein Wind durch, deshalb ist es auch nicht kalt. Jetzt beginnt es sogar, in den Stiefeln zu quietschen.
Von St. Johann geht’s quer durch die Landschaft über den Feistenau-Pass und Leogang nach Saalfelden. Außerhalb, in Richtung Zell am See, finde ich im Ortsteil Kehlbach im Haus Altenberger mein Quartier. Der Sohn des Hauses nimmt mir mein durchgeweichtes Outfit zum Trocknen im Heizungsraum ab. Die warme Dusche tut gut. Wenn das Wetter morgen nicht anders ist, wird wohl nichts aus der geplanten Tour. Großglockner ade! Neues Spiel, neues Glück im nächsten Jahr. Aber was mache ich dann heuer? Notfalls fahre ich nach Uffing zu Achim. Aber der Wetterbereicht lässt noch Hoffnung.
Mittwoch. Hurra, es hat doch geklappt! Ich bin die Großglockner-Hochalpenstraße gefahren. Sogar zweimal. Aber alles der Reihe nach.
Der Himmel war ja zunächst etwas Wolken verhangen und meine Wirtin riet mir, doch gleich alternative Routen zu suchen. Die Gerlosstraße bin ich ja gestern nicht gefahren. Also wird die mein erstes Ziel.
Von Mittersil bis Zell in Tirol, mit einem Halt bei den Krimmler Wasserfällen. Die Maut habe ich dabei gespart, weil ich von Wald aus die alte Gerlosstraße zum Pass hinauf gefahren bin. In Königsleiten bin ich dabei sogar in richtig verschneite Landschaft geraten.
Wieder zurück in Mittersil bin ich von Uttendorf aus in das liebliche Stubachtal zunächst bis hinauf nach Enzinger Boden und wieder zurück gefahren.
Dann wieder bis Zell am See.
Meine Wirtin hatte mir den Tipp gegeben, noch die Straße von Saalfelden über Maria Alm nach St. Johann im Pongau zu nehmen. Ich konnte aber der Versuchung nicht widerstehen, einmal ins Fuschertal hinein zu fahren. Mal sehen, wie weit man kommt in Richtung
Zunächst bis zum Fuscher Törl (2428m), dann den
Zurück zur Guttalbrücke und die Südrampe hinab nach
388 km / 31,95 Liter / 36,06 ¤
in Katzenbach vorbei an der Pension Schießl - nach Passau zu kommen. Zwischendurch hatte der Regen ja mal für kurze Zeit nachgelassen, jetzt setzt er umso stärker ein, so dass ein Halt ein müßiges Unterfangen wäre. Schade! Im Regen fahre ich auf dem schnellsten Wege nach Regen, Zwiesel und dem deutsch-tschechischen Grenzübergang Bayerisch Eisenstein entgegen, um wenige hundert Meter zuvor nach links abzubiegen. Die Straße führt über den Großen Arber im Nebel nach Lohberg und schließlich nach Lam in mein Quartier. Als erstes die nassen Klamotten vom Leib in der Hoffnung, das sie bis morgen wieder trocknen. Mein Gastgeber hat immerhin ein Einsehen und zeigt mir seinen Heizungsraum. Eine gewisse Chance besteht also. Diesmal ist es auch in einem der beiden Seitenkoffer etwas feucht geworden. Und weil ich die Plastiktüten darin leichtsinnigerweise nur flüchtig verschlossen habe, auch ein wenig darinnen. Darauf muss ich künftig gewissenhafter achten. – Wenige Häuser bergab soll es ein zünftiges Restaurant geben. Das gehe ich jetzt testen.
379 km / 14,85 Liter / 16,99 ¤
Freitag. Die Sachen sind wieder trocken, die Sonne scheint. Motorradfahrer-Herz, was willst du mehr! Zwar sind es erst 7°C, aber der Tag hat ja noch ein paar Stunden. Der Weg führt über die tschechische Grenze auf kleinen Nebenstraßen nach Domalice und weiter über Plzen nach Karlovy Vary, das sich toll rausgemacht hat! Richtung Annaberg-Buchholz finde ich noch ein gepflegtes Restaurant. Dort gönne ich mir eine Fleischbrühe mit Einlage und eine gebackene Forelle, dazu ein Pilsener Bier, alles zusammen für 199 Kronen, das sind 7 ¤. Von dort fahre ich noch nach Limbach ans Grab der Großeltern, das wieder sehr gepflegt aussieht. Dann geht’s schnurstracks über Leipzig nach Wittenberg. Die letzte Strecke bin ich vor 4 Wochen noch in 1 ½ Stunden gefahren, diesmal habe ich nur 55 Minuten gebraucht. So eine 8-Tage-Tour durch die österreichischen Alpen übt ungemein!
488 km / 41,15 Liter / 49,06 ¤
SUMMA
3486 km / 191,09 Liter / 229,76 ¤ = Ø 5,48 l/100 km
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Kommentare zu diesem Artikel
- Von MoFa, geschrieben am 22.05.2007, 19:16:30:
(ID: 171)
Hallo Leander,
ein wunderbarer Reisebericht !
Schade, daß einige Pässe noch zu waren.
Aber somit hast du einen Grund, wiederzukommen !
Auch bei Regen kann man Motorrad fahren,
vor allem wenn man innen trocken bleibt !
Sicher eine Erkenntnis dieser Reise !!
Und Motorrad fahren lernt man am besten beim Motorrad fahren !
Sicherlich am schönsten bei einer solch ausgiebigen Tour !
Bestimmt die zweite Erkenntnis !
Alles Gute und schöne Grüße aus dem Siegerland
Helmut
- Von Buerste, geschrieben am 26.05.2007, 16:32:01:
(ID: 173)
Hallo Leander,
eine schoene Reise hast Du da gemacht und auch der Bericht ist Klasse !
Mein Tip: Kauf Dir eine Regenkombi!
Nicht ist schlimmer als die mit dem Regen verbundene Kaelte auf der Haut zu spueren.
Viele Gruesse aus Westfalen
Joerg
- Von , geschrieben am 27.05.2007, 09:21:50:
(ID: 174)
Hi Leander,
ich bin die Tour auch schon gefahren, nicht genau so aber ähnlich, allerdings habe ich auch noch nicht im entferntesten so einen tollen Bericht verfassen können. Super gemacht.
Schöne Grüße aus Trier