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Die älteste bekannte Version dieser Seite wurde bearbeitet am 2008-11-14 16:50:25 von quan [ ]
Eine Geschichte zum "Gruß mit der Linken", die mir mein alter Fahrlehrer schon erzählt hat:
Es gab einmal eine Zeit (viele von uns können sich das kaum noch vorstellen), da waren Mopeds noch was für echte Abenteurer. Es war immer spannend, ob das gute Stück auch immer so funktionierte, wie man sich das vorstellte. So war auch ein Kolbenfresser jederzeit im Bereich das möglichen. Nicht auszumalen, was dann passiert wäre - der klassiche Abgang von Moped wäre die Folge gewesen.
Also sorgte man mit stets Kupplungsbereiter linker Hand dafür, daß man bei Bedarf schnell den Motor vom Rest des Fahrzeugs trennen konnte. Damit das auch keiner vergaß, grüßte man sich mit der linken Hand. So wurde der gegrüßte daran erinnert, immer Kupplungsbereit zu bleiben.
"Die linke Hand zum Gruß", so grüßen sich die Motorradfahrer untereinander beim Begegnen nicht nur auf Deutschlands Straßen. Dabei achte man auf die unterschiedlichsten Szenarien:
Wo der eine Motorradfahrer gleich den linken Arm weit von sich nach links oben hebt öffnen andere nur die Hand etwas und halten den Kontakt mit dem Lenker oder bewegen eben mal einen oder zwei Finger.
In manchen Ländern wird man selbst beim Fahren auf der Autobahn gegrüsst indem der vorbeifahrende den Fuß dazu etwas von der Raste streckt.
In kurvigen Strassen wird oftmals nicht gegrüßt, da die Sicherheit vorgeht.
Wer gerade lenkt oder kuppelt, lässt die Hand dann doch meist am Lenker und nickt eventuell freundlich mit dem Kopf.
Geschichte:
Ende der 50er und in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts waren aufgrund der schlechten Wirtschaftslage der Motorradindustrie nur eine handvoll Motorradfahrer aus Liebe zum Motorrad und aus Enthusiasmus auf unseren Straßen unterwegs. Das waren beinharte Kerle damals, die bei Wind und Wetter fuhren. Man schraubte grundsätzlich selber, kannte sein Motorrad in und auswendig. Wenn der seltene Fall eintrat mal einem anderen Motorradfahrer zu begegnen grüßte man sich. Man hatte Respekt voreinander, musste der andere ja auch so ein Kerl sein wie man selber. In dieser Zeit entwickelten sich auch die heute bekannten Wintertreffen; heute auch als Elefantentreffen bekannt. Als das Motorrad Ende der 60er langsam wieder salonfähig wurde war das Grüßen ein fester Bestandteil des Motorradfahrens.
Andere Erklärungen:
Sinn und Zweck des Motorradgrußes kann aber auch sein, die Solidarität der Motorradfahrer untereinander zu bekräftigen oder dem Gegrüßten wünschen: "Komm gut nach Hause!"...
Eine weniger romantische Version für den Bikergruß ist die Info an den Entgegenkommenden, dass keine Rennleitung in Sicht ist und man freie Fahrt hat. Es sind auch schon grüßende Biker gesehen worden, die eine langsame Auf- und Ab-Bewegung mit der Handfläche zur Fahrbahn machten. Hier sollte der Gegrüßte auf den Straßenrand acht geben. Es könnten diverse Messinstrumente auftauchen.
Noch eine ganz andere Erklärung:
Polo-Fahrer grüßen sich nie. Omega-Fahrer grüßen sich nie. Doch fahren zwei Alfa-Romeo-Fahrer aneinander vorbei, heben sie auffallend lässig einen Finger der linken Hand. Wer eine "Ente" fährt, grüßt andere Enten-Fahrer, indem er aufgeregt mit der Frischluftklappe wackelt. Selbst LKW-Fahrer kleben sich manchmal eine hin und her pendelnde rote Plastikhand an die Windschutzscheibe. Wer sich im Autoverkehr als exquisite Minderheit empfindet, grüße die Angehörigen seiner exquisiten Minderheit.
Die höchstentwickelte Grußkultur aber findet man unter Motorradfahrern. Die Ursprünge des Motorradgrußes reichen etwa bis in die Steinzeit zurück. Motorradfahrer waren damals außerordentlich rar. Es gab kaum befestigte Strassen, und die Räder waren noch aus Stein. Nur ganz harte Kerle vertrugen die Strapazen des Motorradfahrens. Begegneten sich zwei dieser Kerle, hielten sie an, zeigten einander die geöffneten Hände, um zu demonstrieren, dass sich kein Faustkeil darin verbarg. So wurde der Motorradgruß erfunden. Unter ähnlich harten Bedingungen sind heute nur noch die Winterfahrer unterwegs. Motorradfahrer sind entweder Winterfahrer oder Weicheier. Weicheier trifft man im April im Straßenverkehrsamt an, wo sie ihre über Winter stillgelegten Maschinen wieder anmelden. Winterfahrer dagegen fahren ganzjährig. Ihre Zahl ist klein. Treffen sich zwei Winterfahrer, ist die Freude groß. Sie heben dann so freudig und ausgiebig die Hände, dass sie vom Motorrad zu stürzen drohen. Ab April grüßen Winterfahrer nicht mehr. Winterfahrer grüßen keine Weicheier. Das Motorradgrüßen ist stark reglementiert und wird von Anfängern zu Recht als sehr kompliziert angesehen. Es ist umlagert von allerlei Ge- und Verboten. Das bekanntest Verbot lautet: Grüße nie, NIE, ein Einspurfahrzeug, das weniger als 100 Kubikzentimeter Hubraum hat. So etwas ist kein Motorrad! Wer fahrlässig Motorroller, Mofas, Mokicks, Kleinkrafträder oder Leichtkrafträder grüßt, verliert sein Gesicht und insbesondere jegliche Selbstachtung. Da dem Anfänger alles, was zwei Räder und einen Motor hat, von vorn betrachtet ähnlich vorkommt, bereitet dieses Verbot ihn die größten Schwierigkeiten. Ein Spezialfall: Oldtimer. Oldtimer werden grundsätzlich freudig und bewundernd gegrüßt, unabhängig vom Hubraum. Oldtimer werden meist von technisch versierten älteren Fahrern gefahren, sogenannten "alten Schraubern". Solchen wird Respekt gezollt. Trifft man alte Schrauber, wartet man, ob sie grüßen. Von Frühling bis Herbst grüßen viele nicht, weil sie Winterfahrer sind. Weil das korrekte Grüßen so schwer ist, sollten Anfänger nie voreilig von sich aus grüßen. Ungeregelt und darum praktisch nicht existent ist die Motorradgrußkultur auf der Autobahn. Nicht einmal erfahrene Motorradfahrer können sagen, ob man entgegenkommende Motorräder über sechs Spuren und einen Grünstreifen hinweg grüßen muss. Fahrtechnisch problematisch wird das Grüßen beim Überholen. Die klassische Grußhand, die linke, wird vom Überholten nicht gesehen. Grüßt man mit der Rechten und nimmt dazu die Hand vom Gasgriff, bremst die Maschine ab - fatal beim Überholen. Absurde Verrenkungen sind auf unseren Autobahnen zu beobachten, wenn Motorradfahrer versuchen, mit der Linken vorn am Körper vorbei nach rechts zu grüßen. Uneingeweihte Autofahrer tippen auf Heuschreckenschwärme oder Unterarmkrampf. Der Autobahngruß ist eben gerade mal so jung wie die Autobahn und kennt kaum Traditionslinien. Zu Konflikten kommt es auch, wenn man den deutschen Grußkulturraum verlässt. So sind deutsche Motorradfahrer in Italien verwirrt und erbost, weil dort partout nicht gegrüßt wird. Nicht einmal ein alter Schrauber. Die Erklärung: Der "italienische Gruß" besteht in einem für unser Auge nicht wahrnehmbaren Zucken des linken kleinen Fingers. Solche Missverständnisse führen zu dem Vorurteil, italienische Motorradfahrer seien unfreundlich und arrogant. Ein Desiderat der Grußkulturforschung! In Deutschland gilt das minimalistische "italienische" Grüßen als verpönt. Man verachtet das furchtsame Festhalten am Lenker. Diese Haltung ist nicht unproblematisch Wenn man beim Auto die Hand vom Lenkrad. nimmt, fährt es geradeaus weiter. Lässt der Motorradfahrer den Lenker los, fällt die Maschine über kurz oder lang um. Besonders in Kurven. Ganz besonders beim sogenannten "Heizen", dem enorm schnellen Fahren. Der "Heizergruss" in extremer Schräglage (ein Knie berührt den Asphalt) gilt als sehr riskantes Grüßen. Es wird allgemein als Nachweis hoher Fahrkunst angesehen. Wer diese Kunst nicht beherrscht und dennoch ausübt, riskiert seinen letzten, den sogenannten "Goldenen Gruß".
*Und nun noch die Vermutungen, warum Harley- und Goldwingfahrer nicht grüßen:*
Gründe, warum Harley Fahrer nicht zurückwinken:
1. die Garantie erlischt, wenn er nicht-amerikanischen Produkten zuwinkt
2. mit dem dicken Leder und den Nieten kriegt er den Arm nicht hoch
3. er grüßt prinzipiell keine Fahrer, die ihr Motorrad schon voll bezahlt haben
4. er hat Angst, daß der Lenker abvibriert, wenn er ihn losläßt
5. der Fahrtwind könnte die neuen Tätowierungen am Arm wegblasen
6. er braucht 'ne Ewigkeit um nachher wegen der Vibrationen den Griff wieder zu finden
7. er kann nicht unterscheiden, ob der andere grüßt oder sich die Ohren zuhält.
8. er hat wegen der Vibrationen einen Klettverschluß zwischen Lenkergriff und Handschuh
9. er hat gerade im Wirtschaftteil der Zeitung entdeckt, daß Honda zu 60 Prozent an Harley beteiligt ist
10.seit der Zwangsversteigerung seiner letzten Harley hasst er alle Leute, die Hände heben
11.die Rolex könnte naß werden
12.die linke Lenkerhälfte könnte geklaut werden
13.die linke Lenkerhälfte wurde bereits geklaut und er hält sich am Tacho fest
14. der ganze Lenker wurde bereits geklaut und er betet einen Rosenkranz
15. er braucht beide Hände um mit den Fingern die nächste Rate abzuzählen
16. er poliert gerade den Luftfilterdeckel
Gründe, warum Goldwing Fahrer nicht grüßen
1. laut Honda-Fahrer-Handbuch darf er den Lenker erst loslassen, wenn das Motorrad steht, der Zündschlüssel abgezogen, der Hauptständer herausgeklappt und das Radio ausgeschaltet ist
2. auf dem Armaturenbrett ist kein Knopf für "vollautomatisches Zurückwinken"
3. er ist gerade eingeschlafen
4. er kriegt den Arm wegen Altersschwäche nicht mehr hoch
5. er hat übers Handy eine Konferenzschaltung mit seinem Broker und der CityBank?.
6. Mami hat verboten, Fremde zu grüßen
7. er ist gerade mit Abzählen der Lämpchen am Christbaum beschäftigt
8. er sortiert momentan seine CD-Sammlung
9. die Hand vor der Antenne stört den Fernsehempfang
10. er räumt gerade das Kaffeegeschirr in den Spüler
11. wegen seiner Alzheimer weiß er anschließend nicht mehr, wohin mit der Hand
12. er findet nachher zwischen all den Knöpfen, Schaltern und Hebeln den Lenker nicht mehr
13. er wechselt gerade die Batterie vom Herzschrittmacher
14. er sucht gerade im Bordcomputer, was 'erhobene Hand eines fremden Motorradfahrers' bedeutet
15. er grüßt immer, aber wegen dem Geraffel um den Lenker sieht keiner die Hand
Kleine interkulturelle Ergänzung:
In England und Irland ist Linksverkehr. Da kann man ja schlecht die Hand vom Gas nehmen, um zu grüßen. Also nickt man den anderen Motorradfahrern mit dem Helm zu. Fast wie auf einem Ritterturnier.
Eine Geschichte zum "Gruß mit der Linken", die mir mein alter Fahrlehrer schon erzählt hat:
Es gab einmal eine Zeit (viele von uns können sich das kaum noch vorstellen), da waren Mopeds noch was für echte Abenteurer. Es war immer spannend, ob das gute Stück auch immer so funktionierte, wie man sich das vorstellte. So war auch ein Kolbenfresser jederzeit im Bereich das möglichen. Nicht auszumalen, was dann passiert wäre - der klassiche Abgang von Moped wäre die Folge gewesen.
Also sorgte man mit stets Kupplungsbereiter linker Hand dafür, daß man bei Bedarf schnell den Motor vom Rest des Fahrzeugs trennen konnte. Damit das auch keiner vergaß, grüßte man sich mit der linken Hand. So wurde der gegrüßte daran erinnert, immer Kupplungsbereit zu bleiben.
"Die linke Hand zum Gruß", so grüßen sich die Motorradfahrer untereinander beim Begegnen nicht nur auf Deutschlands Straßen. Dabei achte man auf die unterschiedlichsten Szenarien:
Wo der eine Motorradfahrer gleich den linken Arm weit von sich nach links oben hebt öffnen andere nur die Hand etwas und halten den Kontakt mit dem Lenker oder bewegen eben mal einen oder zwei Finger.
In manchen Ländern wird man selbst beim Fahren auf der Autobahn gegrüsst indem der vorbeifahrende den Fuß dazu etwas von der Raste streckt.
In kurvigen Strassen wird oftmals nicht gegrüßt, da die Sicherheit vorgeht.
Wer gerade lenkt oder kuppelt, lässt die Hand dann doch meist am Lenker und nickt eventuell freundlich mit dem Kopf.
Geschichte:
Ende der 50er und in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts waren aufgrund der schlechten Wirtschaftslage der Motorradindustrie nur eine handvoll Motorradfahrer aus Liebe zum Motorrad und aus Enthusiasmus auf unseren Straßen unterwegs. Das waren beinharte Kerle damals, die bei Wind und Wetter fuhren. Man schraubte grundsätzlich selber, kannte sein Motorrad in und auswendig. Wenn der seltene Fall eintrat mal einem anderen Motorradfahrer zu begegnen grüßte man sich. Man hatte Respekt voreinander, musste der andere ja auch so ein Kerl sein wie man selber. In dieser Zeit entwickelten sich auch die heute bekannten Wintertreffen; heute auch als Elefantentreffen bekannt. Als das Motorrad Ende der 60er langsam wieder salonfähig wurde war das Grüßen ein fester Bestandteil des Motorradfahrens.
Andere Erklärungen:
Sinn und Zweck des Motorradgrußes kann aber auch sein, die Solidarität der Motorradfahrer untereinander zu bekräftigen oder dem Gegrüßten wünschen: "Komm gut nach Hause!"...
Eine weniger romantische Version für den Bikergruß ist die Info an den Entgegenkommenden, dass keine Rennleitung in Sicht ist und man freie Fahrt hat. Es sind auch schon grüßende Biker gesehen worden, die eine langsame Auf- und Ab-Bewegung mit der Handfläche zur Fahrbahn machten. Hier sollte der Gegrüßte auf den Straßenrand acht geben. Es könnten diverse Messinstrumente auftauchen.
Noch eine ganz andere Erklärung:
Polo-Fahrer grüßen sich nie. Omega-Fahrer grüßen sich nie. Doch fahren zwei Alfa-Romeo-Fahrer aneinander vorbei, heben sie auffallend lässig einen Finger der linken Hand. Wer eine "Ente" fährt, grüßt andere Enten-Fahrer, indem er aufgeregt mit der Frischluftklappe wackelt. Selbst LKW-Fahrer kleben sich manchmal eine hin und her pendelnde rote Plastikhand an die Windschutzscheibe. Wer sich im Autoverkehr als exquisite Minderheit empfindet, grüße die Angehörigen seiner exquisiten Minderheit.
Die höchstentwickelte Grußkultur aber findet man unter Motorradfahrern. Die Ursprünge des Motorradgrußes reichen etwa bis in die Steinzeit zurück. Motorradfahrer waren damals außerordentlich rar. Es gab kaum befestigte Strassen, und die Räder waren noch aus Stein. Nur ganz harte Kerle vertrugen die Strapazen des Motorradfahrens. Begegneten sich zwei dieser Kerle, hielten sie an, zeigten einander die geöffneten Hände, um zu demonstrieren, dass sich kein Faustkeil darin verbarg. So wurde der Motorradgruß erfunden. Unter ähnlich harten Bedingungen sind heute nur noch die Winterfahrer unterwegs. Motorradfahrer sind entweder Winterfahrer oder Weicheier. Weicheier trifft man im April im Straßenverkehrsamt an, wo sie ihre über Winter stillgelegten Maschinen wieder anmelden. Winterfahrer dagegen fahren ganzjährig. Ihre Zahl ist klein. Treffen sich zwei Winterfahrer, ist die Freude groß. Sie heben dann so freudig und ausgiebig die Hände, dass sie vom Motorrad zu stürzen drohen. Ab April grüßen Winterfahrer nicht mehr. Winterfahrer grüßen keine Weicheier. Das Motorradgrüßen ist stark reglementiert und wird von Anfängern zu Recht als sehr kompliziert angesehen. Es ist umlagert von allerlei Ge- und Verboten. Das bekanntest Verbot lautet: Grüße nie, NIE, ein Einspurfahrzeug, das weniger als 100 Kubikzentimeter Hubraum hat. So etwas ist kein Motorrad! Wer fahrlässig Motorroller, Mofas, Mokicks, Kleinkrafträder oder Leichtkrafträder grüßt, verliert sein Gesicht und insbesondere jegliche Selbstachtung. Da dem Anfänger alles, was zwei Räder und einen Motor hat, von vorn betrachtet ähnlich vorkommt, bereitet dieses Verbot ihn die größten Schwierigkeiten. Ein Spezialfall: Oldtimer. Oldtimer werden grundsätzlich freudig und bewundernd gegrüßt, unabhängig vom Hubraum. Oldtimer werden meist von technisch versierten älteren Fahrern gefahren, sogenannten "alten Schraubern". Solchen wird Respekt gezollt. Trifft man alte Schrauber, wartet man, ob sie grüßen. Von Frühling bis Herbst grüßen viele nicht, weil sie Winterfahrer sind. Weil das korrekte Grüßen so schwer ist, sollten Anfänger nie voreilig von sich aus grüßen. Ungeregelt und darum praktisch nicht existent ist die Motorradgrußkultur auf der Autobahn. Nicht einmal erfahrene Motorradfahrer können sagen, ob man entgegenkommende Motorräder über sechs Spuren und einen Grünstreifen hinweg grüßen muss. Fahrtechnisch problematisch wird das Grüßen beim Überholen. Die klassische Grußhand, die linke, wird vom Überholten nicht gesehen. Grüßt man mit der Rechten und nimmt dazu die Hand vom Gasgriff, bremst die Maschine ab - fatal beim Überholen. Absurde Verrenkungen sind auf unseren Autobahnen zu beobachten, wenn Motorradfahrer versuchen, mit der Linken vorn am Körper vorbei nach rechts zu grüßen. Uneingeweihte Autofahrer tippen auf Heuschreckenschwärme oder Unterarmkrampf. Der Autobahngruß ist eben gerade mal so jung wie die Autobahn und kennt kaum Traditionslinien. Zu Konflikten kommt es auch, wenn man den deutschen Grußkulturraum verlässt. So sind deutsche Motorradfahrer in Italien verwirrt und erbost, weil dort partout nicht gegrüßt wird. Nicht einmal ein alter Schrauber. Die Erklärung: Der "italienische Gruß" besteht in einem für unser Auge nicht wahrnehmbaren Zucken des linken kleinen Fingers. Solche Missverständnisse führen zu dem Vorurteil, italienische Motorradfahrer seien unfreundlich und arrogant. Ein Desiderat der Grußkulturforschung! In Deutschland gilt das minimalistische "italienische" Grüßen als verpönt. Man verachtet das furchtsame Festhalten am Lenker. Diese Haltung ist nicht unproblematisch Wenn man beim Auto die Hand vom Lenkrad. nimmt, fährt es geradeaus weiter. Lässt der Motorradfahrer den Lenker los, fällt die Maschine über kurz oder lang um. Besonders in Kurven. Ganz besonders beim sogenannten "Heizen", dem enorm schnellen Fahren. Der "Heizergruss" in extremer Schräglage (ein Knie berührt den Asphalt) gilt als sehr riskantes Grüßen. Es wird allgemein als Nachweis hoher Fahrkunst angesehen. Wer diese Kunst nicht beherrscht und dennoch ausübt, riskiert seinen letzten, den sogenannten "Goldenen Gruß".
*Und nun noch die Vermutungen, warum Harley- und Goldwingfahrer nicht grüßen:*
Gründe, warum Harley Fahrer nicht zurückwinken:
1. die Garantie erlischt, wenn er nicht-amerikanischen Produkten zuwinkt
2. mit dem dicken Leder und den Nieten kriegt er den Arm nicht hoch
3. er grüßt prinzipiell keine Fahrer, die ihr Motorrad schon voll bezahlt haben
4. er hat Angst, daß der Lenker abvibriert, wenn er ihn losläßt
5. der Fahrtwind könnte die neuen Tätowierungen am Arm wegblasen
6. er braucht 'ne Ewigkeit um nachher wegen der Vibrationen den Griff wieder zu finden
7. er kann nicht unterscheiden, ob der andere grüßt oder sich die Ohren zuhält.
8. er hat wegen der Vibrationen einen Klettverschluß zwischen Lenkergriff und Handschuh
9. er hat gerade im Wirtschaftteil der Zeitung entdeckt, daß Honda zu 60 Prozent an Harley beteiligt ist
10.seit der Zwangsversteigerung seiner letzten Harley hasst er alle Leute, die Hände heben
11.die Rolex könnte naß werden
12.die linke Lenkerhälfte könnte geklaut werden
13.die linke Lenkerhälfte wurde bereits geklaut und er hält sich am Tacho fest
14. der ganze Lenker wurde bereits geklaut und er betet einen Rosenkranz
15. er braucht beide Hände um mit den Fingern die nächste Rate abzuzählen
16. er poliert gerade den Luftfilterdeckel
Gründe, warum Goldwing Fahrer nicht grüßen
1. laut Honda-Fahrer-Handbuch darf er den Lenker erst loslassen, wenn das Motorrad steht, der Zündschlüssel abgezogen, der Hauptständer herausgeklappt und das Radio ausgeschaltet ist
2. auf dem Armaturenbrett ist kein Knopf für "vollautomatisches Zurückwinken"
3. er ist gerade eingeschlafen
4. er kriegt den Arm wegen Altersschwäche nicht mehr hoch
5. er hat übers Handy eine Konferenzschaltung mit seinem Broker und der CityBank?.
6. Mami hat verboten, Fremde zu grüßen
7. er ist gerade mit Abzählen der Lämpchen am Christbaum beschäftigt
8. er sortiert momentan seine CD-Sammlung
9. die Hand vor der Antenne stört den Fernsehempfang
10. er räumt gerade das Kaffeegeschirr in den Spüler
11. wegen seiner Alzheimer weiß er anschließend nicht mehr, wohin mit der Hand
12. er findet nachher zwischen all den Knöpfen, Schaltern und Hebeln den Lenker nicht mehr
13. er wechselt gerade die Batterie vom Herzschrittmacher
14. er sucht gerade im Bordcomputer, was 'erhobene Hand eines fremden Motorradfahrers' bedeutet
15. er grüßt immer, aber wegen dem Geraffel um den Lenker sieht keiner die Hand
Kleine interkulturelle Ergänzung:
In England und Irland ist Linksverkehr. Da kann man ja schlecht die Hand vom Gas nehmen, um zu grüßen. Also nickt man den anderen Motorradfahrern mit dem Helm zu. Fast wie auf einem Ritterturnier.
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