Es muss nicht immer Motorrad sein. Eine Reise durch Island - Teil 1

Januar 2017. Im Sommer soll es mit dem Motorrad nach Island gehen. Die Fähre ist schon gebucht, Mitfahrer sind auch gefunden. Just in dem Moment reißt mir die Bizeps-Sehne. OP, 6 Wochen Schiene, monatelang keine größere Belastung. Was nun? Schnell ist ein Geländewagen gekauft und damit begleite ich die Kumpels auf ihren Motorrädern.


Auf diese Reise möchte ich euch mitnehmen. Island ist faszinierend, anstrengend, Zweirad-feindlich. Aber wenn es dich gepackt hat, lässt es dich nicht wieder los. In diesem Sinne, viel Spaß beim Lesen. Vielleicht zieht es euch danach ja auch dort hin. Würde euch glatt begleiten :-)


Warten an der Fähre. Wo bleibt die MS NORRÖNA? Endlich taucht sie auf, aber dann muss sie erst noch entladen werden. Schließlich ist es geschafft und ich kann meine Kabine beziehen. Danach geht's erst mal an die Bar um das Bier zu testen und der weiteren Beladung zuzuschauen. Bei bestem Sommerwetter laufen wir schließlich aus.


Die ersten Erfahrungen mit dem nordischen Klima machen wir bei einem Zwischenstopp auf den Färöer. Alles grün, alles feucht, herrliche Farben und tatsächlich Sonnenschein! Wenn es so auch auf Island ist, kann es ja nur ein toller Urlaub werden.




Am nächsten Tag dann die Ankunft auf Island. Die wolkenverhangenen Berge um den Hafen sind schneebedeckt. Welch ein Start. Aber kaum haben wir den für isländische Verhältnisse recht hohen Pass auf dem Weg nach Egilstadir hinter uns gelassen, wird es besser und gelegentlich kommt die Sonne hervor. Und was mache ich? Fahre zurück in die regnerischen Berge um die Gegend zu erkunden 🥶



Es geht ins Hochland. Unsere Gruppe hat sich gesplittet. Die eine Hälfte möchte zunächst Ziele an der Ringstraße anfahre, Ekki und mich gelüstet es nach Schotter und Furten. Und so fahren wir über eine weite Hochebene auf den Vatnajökull zu, den größten Gletscher Islands. Irgendwann verlassen wir die geteerte Straße. Hier wartet das erste Highlight auf uns: Ein warmer Wasserfall. Nichts wie rein. Einfach toll!



Furten, Schotter, Sand. Während wir so im Wasser chillen, besprechen wir die weitere Route. Der Schotter bremst das Motorrad ganz gut aus. Daher werden wir heute nicht wie geplant zur Askia fahren, sondern die Sigurðarskáli-Hütte ansteuern. Der Weg dahin erweist sich als beschwerlicher als gedacht. Vor allem der feine Sand setzt uns zu. Dafür erwartet uns am Ziel eine unglaubliche Mitternachtsbeleuchtung mit irrem Farbenspiel.



Den nächsten Tag lassen wir ruhig angehen. Ich packe mein Klapp-Mountainbike aus und radle zur nahe gelegenen Gletscherhöhle. Es ist kalt, das Fahren auf dem losen Schotter ist anstrengend, Einsamkeit und Weite sind ein ganz neues, faszinierendes Erlebnis. Diese kleine Radtour und das Farbenspiel der letzten Nacht werden mir nie aus dem Kopf gehen. Letztlich sind sie der Grund, dass ich mich drei Jahre später zu einer Islandumrundung mit dem Fahrrad aufmachen werde.



Der nächste Tag hat es in sich. Vor allem das lose, vollkommen ausgetrocknete Bimssteingeröll machst es sogar meinem Ssangyong schwer. An der Dreki-Hütte treffen wir den Rest der Gruppe. Der auf den letzten Kilometern tiefgründig weiche Weg war für die Motorräder hart. Alle sind mehr oder weniger oft umgekippt aber letztlich wohlbehalten angekommen.



Der nächste Morgen. Wintereinbruch. Es ist noch kälter geworden und regnet. Trotzdem mache ich mich mit dem Fahrrad auf zur Askia. Nach kurzem Anstieg geht der Regen über in Schnee. Und ich dachte es wäre Sommer! Am Wanderparkplatz angekommen, bin ich vollkommen durchnässt und bei dem Schneefall ist nichts von der Landschaft zu sehen. Ich entscheide mich umzukehren und es Morgen noch einmal zu versuchen. Eine weise Entscheidung. So schnell wie der Schneefall kam, so schnell verschwindet er und ich kann die Umgebung der Dreki-Hütte erkunden.



Dritter Tag an der Askia. Bei strahlendem Sonnenschein geht es ein zweites Mal mit dem Fahrrad zum Wanderparkplatz und dann bin ich schon mittendrin in dieser Wunderwelt aus Lava, Wasser, Schnee und Farben.



Hochwasser. Der geschmolzene Schnee hat die Flüsse anschwellen lassen. Die Ranger erklären den direkten Weg zum Myvatn aufgrund des hohen Wasserstandes in den Furten als unpassierbar für die Motorräder und bitten uns eine andere Route zu wählen. Eine Gruppe italienischer Endurofahrer will es dennoch wissen. Sie schaffen es tatsächlich, sind aber recht nass, als sie später auf dem Campingplatz am Myvatn auftauchen. Auch unsere Furten sind tiefer als bei der Hinfahrt und nur mit vereinten Kräften zu schaffen. Der Blick auf die fantastisch-urweltliche Landschaft entschädigt aber tausendmal für die Anstrengungen.



Eine Welt von Gestern. Kurz bevor wir die geteerte Ringstraße erreichen wird es grün und wir kommen in Möðrudalur vorbei, dem höchst gelegenen Bauernhof Islands. Ein wunderschönes historisches Bauwerksensemble, das mit einem netten Restaurant zur Pause einlädt. Die leider nicht mehr in Betrieb befindliche Tankstelle erinnert an längst vergangene Zeiten.



Der Myvatn ist ein See mit üppiger Fauna und Flora. Dazu wieder richtig schönes Wetter. Welch ein Anblick nach den Aschewüsten der letzten Tage! Wir beschließen einen Ruhetag einzulegen den ich nutze um die umliegenden Highlights anzuschauen. Der aktive Vulkanismus ist faszinierend. Hier driften Europa und Amerika auseinander. In den Spalten qualmt und faucht es. Dazu ein Schwefelgeruch wie in der Hölle. Herrlich!



So, das war nun der erste Teil meiner Island Dokumentation. Im zweiten Teil geht es quer durch die Insel in den Süden, wo mich eine ganz andere, aber mindestens ebenso überwältigende Landschaft fasziniert.


Fazit des ersten Teils. Die Hochlandpisten um die Askia sind für Motorradfahrer anstrengend. Ich hätte es mit dem verletzten Arm nicht geschafft. Alle anderen (Schotter-)Strecken lassen sich dagegen problemlos auch mit Straßenmaschinen bewältigen. Unangenehmer sind die krassen und häufigen Wetterwechsel. Wer mit dem Motorrad nach Island fährt, sollte auch im Sommer regenfeste und warme Kleidung dabei haben.

Kommentare 7

  • Toll! Wie immer.:):thumbup:

  • Super Reisebericht!

    Island ist echt ein schönes Land. Wollte eigentlich letztes Jahr dorthin, aber Corona...

    Naja.

    Hast du vor noch einmal eine Motorradtour in Island zu versuchen?

  • Toller Reisebericht, danke. Da bekommt man Lust auf Island - aber auf keinen Fall mit dem Moped, da ist mir doch zu viel Schotter, Wasser, Schnee... Aber mit dem Auto steht das definitiv auf meiner to-do-Liste.

    Hast Du die Fahrradtour durch Island schon gemacht?

    Schöne Grüße

    Susanne

    • Setz deine to-to-Liste um. Ist eine tolle Insel und seit dem Besuchereinbruch durch Corona gehen auch die Preise zurück.


      Ja, die Fahrradtour habe ich 2020 gemacht. Mit dem Mountainbike im Gepäck hingeflogen und dann in 3 Wochen einmal rundherum geradelt. Gepäck fast wie auf dem Motorrad. War ein tolles Erlebnis aber auch eine arge Herausforderung. Den ursprünglichen Plan einer Hochlanddurchquerung musste ich wegen Sturm und Schneefall aufgeben. Auf der Ringstraße war es wenigstens nur Regen und Sturm ;-)


      viele Grüße, Klaus


      netbiker.de/gallery/image/37297/

    • Respekt Klaus! Mit dem Fahrrad einmal ganz rum, ist schon toll. Andererseits hattest Du wahrscheinlich 2020 Glück, dass nicht so viele Autos auf der Ringstraße unterwegs waren, sonst stelle ich mir das nicht so idyllisch vor, wenn man ständig von Autos überholt wird.

      Oder gibt es da einen separaten Fahrrad-Rundweg?

      Ich war ja zwischen den beiden Corona-Hypes im Sommer auch mit dem Fahrrad von Hamburg nach Dresden unterwegs. War auch ein sehr schönes Erlebnis, aber dann überwiegend bei Sonnenschein und warmen Temperaturen. Auf Island kann es ja im Sommer auch Winter sein, wie ich Dich verstanden habe...und dann kann es wohl auch noch stellenweise recht hügelig sein, schätze ich... Also nochmals: Respekt!

    • Danke. Hamburg-Dresden war bestimmt toll. Entlang der Elbe sind ja jede Menge Naturreservate. Ich hab mir jedenfalls vorgenommen, künftig wieder mehr Reisen mit dem Fahrrad zu machen. Wenn man so langsam durch die Gegend fährt, hat man viel mehr Zeit auf Details zu achten.


      Was die Ringstraße angeht: Es war weniger Verkehr als sonst, aber an den Wochenenden fuhren viele Isländer mit ihren riesigen Geländewagen in der Gegend herum. Das wirkte Anfangs bedrohlich, aber sie fuhren sehr rücksichtsvoll. Im Südwesten und Süden konnte ich die Ringstraße auf kleinen Straßen und Pisten weitgehend vermeiden und nach Osten hin wurde der Verkehr dann ohnehin ruhiger. Im Norden und Westen war ich oft kilometerweit ganz alleine unterwegs und konnte der Ringstraße auch häufig ausweichen. Allerdings kauft man sich damit die ein oder andere Steigung ein ....

  • Schöner Reisebericht. Das Reiseziel ist ja schon speziell, für mich zu naß u. zu maikühl.

    Für euch war es bestimmt ein unvergeßliches Erlebniß.

    Weiterhin gute Fahrt.