Land unter ….

  • Wie war das damals in Italien, nach dem grossen Erdbeben....., einige Endurofahrer haben nicht lange gefackelt, sind mit Lebensmitteln etc zu den Orten gefahren, wo Hubschrauber und 4 Rad Fahrzeuge nicht mehr hinkamen.....

  • So......, nach fünf Tagen ist das Abenteuer vorerst beendet.


    War tatsächlich einiges deutlich anders als bei diversen Einsätzen dieser Sorte die ich bislang mitgemacht habe.


    Einiges war leider aber auch wie gewohnt, wobei das oft wenig mit der Ursache des Einsatzes, sondern eher was mit mit den Leistungen und Fähigkeiten der Beteiligten zu tun hat.....


    Unsere Kreisbereitschaft wurde ja am Freitag alarmiert und Abmarsch vorerst Richtung D-Dorf war für die Nacht auf Samstag geplant.


    Pro Ortswehr geht da dann normalerweise immer nur ein Fahrzeug mit, damit die Einsatzbereitschaft im Ort weiterhin gewährleistet ist.


    Wir hatten zusätzlich zu unserer Staffel aber noch fünf Freiwillige, die sowieso Zeit hatten und die dann eben auf eigene Faust mitfahren, bzw. sich offiziell anschließen wollten.

    Wir sind dann zeitig am Freitag schon los mit zwei Autos mit Hänger, um zusätzliches an Ausrüstung was nicht mehr auf dem TLF Platz gefunden hätte und einiges an Gepäck, Verpflegung und z.B. auch ein größeres Zelt transportieren zu können.


    Irgendwo bei Siegen haben wir dann erst mal unser Lager aufgeschlagen, weil wir abwarten wollten, wohin es denn nun konkret gehen sollte.

    Gegen 22 Uhr kam dann die Ernüchterung...: der Einsatz für die niedersächsischen Bereitschaften ( ich weiß nicht ob für alle...) war abgeblasen worden.


    Wir haben dann erst mal beratschlagt, was wir nun weiter tun sollten und haben dann beschlossen zu versuchen, uns einer Feuerwehr- oder THW Einheit anzuschließen.

    Im zweiten Bereitstellungsraum den wir angefahren haben ist uns das auch gelungen, allerdings tatsächlich passiert ist dann den ganzen Samstag Vormittag nichts.

    Wir haben mit zig anderen Helfern diverser Organisationen über Stunden herumgesessen, ohne das wir irgendwo eingesetz worden sind, insbesondere für die jungen Kameraden die quasi drauf brennen endlich was tun zu können ist das ziemlich zermürbend.


    Als es gegen Mittag immer noch nicht danach aussah, daß wir irgendwo eingesetzt würden haben wir uns dann abgemelden, weil wir versuchen wollten auf eigene Faust irgendo was zu tun.


    Das war aber gar nicht so einfach, weil wir ger nicht wußten wohin. Mit stundenlangen rumtelefonieren ( da wo es noch ein Netz gab ) haben wir dann einen Kontakt irgendwo südlich von Bad Münstereifel bekommen, allerdings war es gar nicht so einfach, da hinzukommen.


    Drei oder vier Polizeisperren haben uns durchgelassen, aber bloß weil wir zum Glück unsere Feuerwehrklamotten an hatten. An zwei weiteren Stellen ging dann nix mehr, da hat uns dann aber ein Einheimischer mit einer alten Kreidler quasi durch den Wald und über die Felder gelotst.


    Ich hatt zu Hause noch überlegt, ob ich mein Alltagsauto oder den Jeep mitnehmen sollte...., zum Glück hab ich den Jeep genommen weil der Hänger doch ziemlich voll war.


    Erschreckend war, daß man zwar haufenweise Polizei gesehen hat, aber in manchen kleinen Orten so gut wie keine " offiziellen " Helfer. Wir waren über die Tage in mehreren Ortschaften und in einigen hatte man bis Sonntag noch niemanden von THW, Bundeswehr oder sonst einer HiOrg gesehen ( kann allerdings auch ein eher subjektiver Eindruck der Anwohner gewesen sein ).


    Interessant auch, vor was für eigentlich simplen Aufgaben man da dann plötzlich steht...: in einem Ort waren die Zerstörungen nicht sehr groß, aber die Erdgeschosse diverser Häuser waren voller Schlamm.

    Normalerweise könnte man den einfach rausspülen, aber es gab kein Wasser dafür. Und Strom für einen Hochdruckreiniger gab es auch nicht.

    Wir hatten zum Glück ein zusätzliches Standrohr dabei und sind damit dann mit mehreren Landwirten rüber nach RLP zum Wasser klauen am nächsten funktionierenden Hydranten gefahren.


    Den Rest vom Samstag haben wir dann damit verbracht, mit Stromerzeuger, Kärcher und einem IBC voll Wasser auf dem Hänger von Haus zu Haus zu ziehen.


    Teilweise schlimme Erlebnisse....: in einer Tierarztpraxis im Keller dutzend Käfige mit ertrunkenen Pflegetieren....., oder auch tote Ponys auf einem Reiterhof. Zum Glück keine menschlichen Opfer mehr....


    Wir wären aber nicht weit gekommen, wenn wir nicht den Tag vorher noch alle verfügberen Kanister die wir dabei hatten vollgetankt hätten...: ich hab in den fünf Tagen für Motorsägen, Stromerzeuger und Pumpe über 150 Liter Sprit verbraucht.


    Wirklich erschreckend auch überhaupt, wie schnell man in solchen Situationen bei den elementaren Bedürfnissen landet, die normalerweise selbstverständlich sind....: Wasser, Strom, Treibstoff, Kommunikation.


    Und man glaubt gar nicht, wie sehr man sich nach einem Tag unter solchen extremen Bedingungen auf eine heiße Dusche freuen kann....: auch wenn die Dusche aus einem Segeltucheimer mit Messingbrause besteht, den man an einen Baum hängen muß und wo man das heiße Wasser erst mit dem Benzinkocher produzieren muß.


    Zusammengefasst.....: die Zerstörungen in den Orten die wir gesehen haben waren schon enorm....., allerdings wird das Ereignis was zu diesen Schäden geführt hat nicht wesentlich größer gewesen sein, als z.B. damals in Sachsen oder an der Elbe.

    Der Unterschied hier ist...: die Region ist deutlich dichter besiedelt, die alten Stadtkerne mit den neuen Innenstadtstrukturen sind enger, teuerer und empfindlicher...., die Schäden demnach höher.

    Auch in Sachsen 2003 wurden Autos durch die Gegend gespült und Straßen weggerissen, aber bei vielleicht gleicher Wassergewalt deutlich weniger.


    Die positive Seite....: durch die Lage in einem deutlich dichter besiedelten Gebiet waren natürlich auch sehr schnell entsprechende Ressourcen zur Hilfe verfügbar.

    Die Massen an Bauern mit Traktoren, an Baudienstleistern mit Radladern und Baggern und an sonstigen Helfern aller Art hab ich damals im Osten nicht gesehen, oder es hat entsprechend deutlich länger gedauert.


    Inzwischen ist aber auch deutlich geworden, daß vieles in den Organisationsstufen der offiziellen Hilfskräfte bei solchen Großschadensereignissen nicht funktioniert. Es gab z.B. reichlich Helfer, die aus wer weiß woher angefordert wurden, dann stunden- oder sogar tagelang untätig in den Bereitstellungsräumen rumhockten, während in nicht wenigen Ortschaften tatsächlich noch keine Helfer aufgetaucht waren.

    Insbesondere diese massiven Probleme bei der sinnvollen Verteilung der Kräfte sind aber eigentlich landläufig schon von deutlich kleineren " großen " Einsätzen bekannt, woran sich aber offenbar immer noch nix geändert hat.


    Unverständlich z.B. dabei, daß eben tatsächlich niedersächsische Kräfte wieder abbestellt wurden, während jetzt plötzlich die Bereitschaften aus SH in Marsch gesetzt werden.


    Wir sind jedenfalls fürs erst damit durch.....: Akku leer, keine Urlaubstage mehr übrig, alle Sägeketten stumpf, zwei platte Reifen und ein gebrochener Zeh bei einem von uns.

  • Ergänzung.......


    Im Fuhrpark unserer Gemeindefeuerwehr befindet sich unter anderem auch ein Motorrad....: zur Zeit eine Suzuki V-Strom 650 von ich glaube 2011.

    Das Mopped ist der regionalen technischen Einsatzleitung zugeteilt und wird selten bewegt.


    Viele bei uns in der Wehr haben sich immer schon gefragt, was man im Zeitalter des Digitalfunks eigentlich heutzutage noch mit einem Motorrad bei der Feuerwehr will.


    Nun....: die Frage beantwortet sich plötzlich ganz schnell, wenn in einer Region wegen einem Naturereignis der Strom ausgefallen ist, das Mobilfunknetz gestört- , und / oder die Straßen z.T. nicht passierbar sind.

  • LieberTee:

    Nach 10 oddr boch nehr Jahren bei Netbiker bekommst Du jetzt das größte DANKE das ich huer he ausgeaprochen habe!


    Zum Thema WER WAS WO:

    Ich bin Helfer bei eibem Pfadfinderstamm. Die sind jetzt im Sommerlager.

    Sie wören bereit gewesen irgendwo zu helfen.

    Nahezu völlig autak. Zelt, Lebensmittel, Küche - alles dabei.


    Bis jetzt war es nicht möglich eine Stelle zu finden, wo 9 Leute gemeinsam etwas tun können.


    Die Koordination der Leistungen scheint das größte Problem zu sein, weil es an Überblick fehlt.

    Und den zu bekommen ist grad unendlich schwer

  • Was mich wundert, ist, ob da nicht Drohnen eingesetzt werden.


    Hubschrauber sind unterwegs zur Versorgung.


    Von oben müßten die Einsätzmöglichkeiten doch erkennbar sein?

    Loggär bleiben - bis danne!

  • Für die Koordination müsste sich jemand verantwortlich zeigen und in die Hand nehmen. Aber strukturiert arbeiten ist in der heutigen Zeit nicht mehr möglich. Ducken sich alle weg, wenn es heißt anpacken und Verantwortung übernehmen. Man könnte kurz vor der Wahl ja noch Fehler machen. Nur wer Nichts macht, macht auch keine Fehler.

    Unsere Politiker stehen auch noch da und lachen sich kaputt! (Landrat Erftkreis Rock und MP Laschet.)

    Liebe Grüße aus Hürth

    Dietmar



    Mit dem, was ich nicht weiß, könnten ganze Schulklassen sitzen bleiben.

  • Für die Koordination müsste sich jemand verantwortlich zeigen und in die Hand nehmen. Aber strukturiert arbeiten ist in der heutigen Zeit nicht mehr möglich. Ducken sich alle weg, wenn es heißt anpacken und Verantwortung übernehmen. Man könnte kurz vor der Wahl ja noch Fehler machen ...

    Danke - ich vermisse solche Statements sehr!


    Erinnert mich an die realen Stammtische von früher, als man zu fortgeschrittener Stunde noch einen Spruch abließ, bevor man sich schwankenden Schrittes auf den Heimweg machte.

  • Es gibt hier Menschen die vergraulen einem den Spaß am posten.

    Herzlichen Dank dem Oberschlauen.

    Liebe Grüße aus Hürth

    Dietmar



    Mit dem, was ich nicht weiß, könnten ganze Schulklassen sitzen bleiben.

  • Ihr Spaßvögel. Ich zeige euch deeskalieren ...


    Aber im Ernst, es gibt Zeiten, da liebe ich unser Deutschland.


    Wenn angesichts einer der schrecklichsten Katastrophen eine Welle der Hilfsbereitschaft aus dem Volk kommt, unsere verschiedene Hilfsdienste aufopfernd einen tollen Job machen, unsere Bundeswehr zur Stelle ist, dann ist das einfach toll und macht mich stolz auf unser Land.


    Alles passiert meines Erachtens weil es gute und engagierte Menschen sind, die da beitragen, nicht wegen der Politik, teilweise sogar trotz Politik..


    Manches braucht nur eben Zeit. Wenn eine Autobahn weg ist, ist klar, dass damit eben auch ein Versorgungsweg weg ist. Aber da sind viele, die mitdenken und handeln. Mit Heliluftbrücken, Endurohelden, Behelfsbrücken usw. werden Möglichkeiten gefunden.


    Das geht alles weitgehend ohne Politiker. Manchen kann man die Betroffenheit glauben, andere überbieten sich mit öffentlicher Präsentation ihrer tiefen Empathie, die sind schnell beim Budgets herbei-reden usw.


    Nur nicht einer, der heißt Laschet. Der amüsiert sich wie bei einer Büttenrede, wenn der Bundespräsident der Toten gedenkt. Für mich war das das Schäbigste, was je ein Politiker gebracht hat. Wie die CDU aus der Nummer raus kommen will, bin ich gespannt, ist aber hier nur nebensächlich.


    Das, was da gerade großartiges angesichts dieses schrecklichen Ereignisses passiert, lässt vieles nebensächlich werden.

    sollte es oben nicht stehen, ich grüße immer herzlich.

  • Mit der Koordination Organisation ist das so eine Sache, wenn ständig etwas dazwischen kommt, wo man den geplanten Weg aufgeben und einen neuen gehen muss.


    Nur ein Beispiel: Vorgestern sah ich bei Kreuzberg gewaltige Berge von Schutt. Ein paar Meter entfernt stand schweres Gerät von Bundeswehr und THW. Scheinbar untätig. Mein Freund und ich waren beide der Meinung, den könnten die Panzer doch mal eben wegschieben um die Straße etwas breiter zu machen. Etwas später wurden wir von Freunden, die dort im Einsatz waren, aufgeklärt: Leichenspürhunde hatten angeschlagen und dann heißt es vor dem Räumen erstmal Suchen

  • LieberTee


    Hättest gesagt, daß Du Dich nach Bad Münstereifel aufmachst,

    hätt ich Dir sagen können,

    „nur über Nöthen und Nöthener Tannen erreichbar“.

    Die einzige Zufahrt.

    Vielleicht sind wir uns ja unbekannterweise begegnet.93B49AEE-DA7B-4CD4-A07A-D0702E359479.jpg


    Vielen Dank, daß Ihr da wart, geholfen habt.

    Mit Gold nicht aufzuwiegen.

    Bad Münstereifel ist meine Heimat.

    Da bin ich aufgewachsen, zur Schule gegangen.

    Meine ganze Familie lebt dort.

    Und morgen auf ein Neues.

  • Was mich wundert, ist, ob da nicht Drohnen eingesetzt werden.


    Hubschrauber sind unterwegs zur Versorgung.


    Von oben müßten die Einsätzmöglichkeiten doch erkennbar sein?

    hier Drohnenaufnahmen vom 25.07.2021 (Ortsteil Erftstadt Blessem) - In den betroffenen Städten und Dörfern und waren solche "High-Tech-Materialien" (Internet ist ja "Neuland" für uns...) wenn überhaupt, dann nur "privat" nach der Wasserflut verfügbar. Viele Orte sehen ähnlich aus. Die "offiziellen Stellen" brauchen da auch immer etwas...


    Die in den Medien erwähnten Orte wurden auch meist sehr schnell versorgt. Vergessen hat man allerdings die nicht so häufig erwähnten...


    Das haben dann Privatleute geregelt. U.a. Motorradgruppen aus der Region - Versorgen, trösten, schippen...


    Lasst die Bilder einmal auf euch wirken


    KLICK

    Träume nicht Dein Leben - lebe Deinen Traum

  • In den betroffenen Städten und Dörfern und waren solche "High-Tech-Materialien" (Internet ist ja "Neuland" für uns...) wenn überhaupt, dann nur "privat" nach der Wasserflut verfügbar.


    KLICK

    Danke.

    Diese Aufnahmen hat ja offenbar jemand von der Bundeswehr mehr oder weniger privat gemacht. - Ich hätte eigentlich erwartet, dass das THW, die Feuerwehr, die Aufklärung der Bundeswehr - also die offiziellen Leitstellen zur Organisation der Einsätze hier Drohnen zur Aufklärung genutzt hätten.

    Es hat mich - zumindest hier weit ab - gewundert, dass die Koordination der Kräfte solche Mühe machte. Hier wurde berichtet, dass manche Hilfstruppen tageweise warten mußten, bis sie beginnen konnten.

    (Kein Strom, kein Telefon - ist klar, dass es nicht mal eben so geht.

    Luftaufklärung wäre doch hilfreich gewesen. War vielleicht auch, wurde aber nicht berichtet.)

    Loggär bleiben - bis danne!

  • (Kein Strom, kein Telefon - ist klar, dass es nicht mal eben so geht.

    Luftaufklärung wäre doch hilfreich gewesen. War vielleicht auch, wurde aber nicht berichtet.)


    Ich habe gelesen, die Bundeswehr hat alle Überschwemmungsgebiete mit Tornados überflogen, die mit hochauflösenden Cameras ausgestattet waren. Diese Bilder wurden von der Bundeswehr ausgewertet und den Pioniereinheiten und den anderen Hilfskräften zur Verfügung gestellt.

    sollte es oben nicht stehen, ich grüße immer herzlich.

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