1. Startseite
  2. Blog
    1. Alle Artikel / alle Blogs
    2. Netbiker-News
    3. User-Blog: Tourenberichte und Reisetipps
    4. User-Blog: Netbiker-Touren und Netbiker-Events
    5. User-Blog: Anleitung fürs Artikel schreiben
  3. Forum
    1. Alle Diskussionsforen
    2. nur interne Support-Foren
    3. nur allgemeine Foren / Hauptforen
    4. nur regionale Foren
    5. nur Gruppen / Stammtische
    6. Wissenswertes zu Gruppen / Stammtischen
    7. Unerledigte Themen
    8. Moderatorencharta
  4. Mitglieder
    1. Mitgliederkarte
    2. Letzte Aktivitäten
    3. Mitgliedersuche
  5. Galerie
    1. Alle Alben
  6. Kalender
    1. Allgemeine Informationen
    2. Alle Termine
  • Anmelden
  • Registrieren
  • Suche
Blog-Artikel
  • Alles
  • Artikel
  • Seiten
  • Forum
  • Blog-Artikel
  • Galerie
  • Termine
  • Erweiterte Suche
  1. Netbiker.de - die online biker community!
  2. Blog
  3. User-Blog: Tourenberichte und Reisetipps

Erinnerungen an die „Route des Grandes Alpes“

  • Katko
  • 21. März 2026 um 13:04
  • 146 Mal gelesen
Inhaltsverzeichnis [VerbergenAnzeigen]
  1. Tag 1.
  2. Tag 2.
  3. Tag 3.
  4. Tag 4.
  5. Tag 5.
  6. Tag 6.
  7. Tag 7.

Nach bald 2 Jahren kommen die Erinnerungen wieder. Vermutlich weil ich gerade mal wieder meine Diva getüvt habe (selbstverständlich problemlos) und mich schon darauf freue, dieses Jahr Richtung Portugal aufzubrechen. Wann? Nun, geplant war Juni, kann aber auch Juli, August oder September werden. Nur Oktober nicht. Da bin ich dann mit Sohnemann in Andalusien, dem mal einen anderen Kulturschock versetzen. Bin ja auch so ein bisschen Flamenco-verrückt und wollte auch mal schauen, ob die Spananier in den letzten 35 Jahren meine beauftragten Bauarbeiten an der Alhambra weitergebracht haben.

Da ich nicht so der Fotofreak bin, gibt´s hier jetzt auch nicht viele Bilder. Die besten Bilder und Begegnungen bleiben eh in Kopf und Herz. Die Tour dürften vermutlich auch die meisten von euch eh schon kennen. Ich meinerseits hab die fast 30 Jahre vor mir hergeschoben. Warum? Weil ich doof bin! Na gut, mit den Franzmännern und deren Essgewohnheiten hab ich´s jetzt auch nicht so. Die so oft zitierten Französinnen? 🙄 Warum bin ich bloß nicht früher gefahren 😁?

Seht´s mir nach, wenn ihr Fehler findet oder die Formatierung Schrott ist. Bin "alt", hab keine Ahnung und es sind halt nur Erinnerungen. Die geplanten Strecken als GPX-Dateien findet ihr notfalls über den Link in meinem Profil

Aber gut, wie war das jetzt mit der RdGA?

Komisch, früher hab ich mich nen feuchten Kehricht drum geschert, was unterwegs so passieren kann. Kaum geht´s auf die 60, fang ich an zu grübeln, was ich mache, wenn mir z.B. irgendwo auf einer kleiner Nebenstrecke der Bock umfällt oder so. 280 kg sind ja jetzt auch nicht gerade Federgewichtsklasse. Ach egal, wird schon geil werden. Heutzutage hat man ja vom Handy über vorteilhafte Versicherungen alles, was einen mehr Sicherheit fühlen lässt. Ob´s so ist?

Zum Glück hab ich die 60 jetzt hinter mir, brauche mir also keine Gedanken mehr machen 😂

Tag 1.

Also ab auf die Diva und von Mainz erstmal flux die Anfahrt hinter mich bringen. Auf der Autobahn bis Montreux, dann mit nem Schlenker um den Genfer See nach St. Jean d’Alps zu Soléne und Karim.
Jo, drauf geschi****. War wohl nix mit „flux“ (hatte aber auch keinen Fluxkompensator). Ab Karlsruhe strömender Regen bis St. Jean d’Alps.
Da kommt schon mal der Gedanke „Schnauze voll, umdrehen!““.
Aber „Nö“, so bin ich dann doch nicht gestrickt. Also nach Ankunft raus aus den Klamotten, unter die Dusche und ab in die Pizzeria um die Ecke. Man war ich froh, dass der Pizzabäcker Italiener war. Da sollte die Pizza doch wenigstens schmecken. War auch so. Zwar nicht gerade günstig, geschweige denn billig, aber mit 3 Blondes lies sich das dann verkraften.

Seltsame Schlafsofa-/Bettkonstruktion hatte ich da. Auseinander bekomme ich ja alles (normal auch wieder zusammen), aber hier musste ich dann aufgeben. Hab Karim angerufen und der lacht mich aus 😛. Danke dafür.

Tag 2.

Heute geht´s nach Val Claret bei Tignes. Na klingelts. Ja, das ist eines der größten Skigebiete Europas. Fragt mich nicht, wo ich überall rumgeeiert bin und was für „Cols“ ich gefahren bin, bis ich da war. Ich fahre, genieße und staune. Nur so viel: St. Jean d’Alps -> Cluses -> La Clusaz -> Flumet -> Beaufort -> Val Claret
Die Ankunft in Val Claret war schon was ganz Besonderes. Menschenleer. Ah, doch, da ist jemand, sogar ein paar Autos. Erstmal die Unterkunft suchen. Ganz ehrlich „Zimmer“ wär zu viel des Guten, Kammer trifft´s eher. Mit nem Koffer geht´s da nur seitlich durch die Tür. Egal war „billig“, wobei die Bezeichnung hier eine vollkommen neue Bedeutung bekam. Aber der Kontakt war nett.
Nur mal so erwähnt: Ca. 12m² mit zwei Doppelstöckern, Schrank, Küche und inkl. „Bad“! In der Saison ca. 200,-€/Nacht.
So, und weil ich nach der ganzen Kurverei mächtig Kohldampf hab, guck ich doch mal, wo ich da was futtern kann.
Glaubst du nicht. In einem Ort, wo sich in der Saison täglich bis zu 30k Menschen tummeln, hat jetzt gerade ein einziges Geschäft auf. Nein, nix zum Essen. Ein Wintersportgeschäft im Juni (Mitte hinten im Bild, roter Außenstand).

Bei einem kurzen Gespräch mit der Angestellten stellte sich heraus, dass ich mich wohl oder übel wieder auf meine Diva setzen und nach Tignes fahren müsste. Da hätte ich zumindest Chancen. Na super.
Was tun? Ich entschied mich, das eine Kakaotrinkpäckchen und die letzten Madeleines, die ich noch hatte, zu meinem Abendessen zu deklarieren. Heißt also früh raus und Frühstück suchen.
Vorher guck ich mir den Ort aber noch an. Alles vernagelt, nur ein paar Leute, die wohl die Hotels sicherten. Auf dem Rückweg von den Liften bekomme ich noch mit, wie die Angestellte doch tatsächlich eine Skijacke für 350 Öcken an den einzigen weithin sichtbaren Menschen verkauft. Knaller!

Tag 3.

Zum Glück sind das nur ein paar Kilometer bis zur Auffahrt des Col d’Iseran. Ich wollte extra früh da sein, um mich nicht in eine Kolonne pressen zu müssen.
Seltsam die Schilder. Pass offen, Pass zu, Pass offen, Pass zu, Pass offen, Pass zu, Pass zu, Pass zu.
Was tun? Weiterfahren natürlich. Schließlich ist vor mir ne Gruppe Tschechen, die sich auch von nix beirren lassen. Irgendwann kommt mir das aber spanisch von und ich denke mir: „Fahr lieber noch mal runter, setz dich in ein Café und klär mal die Möglichkeiten ab!“
Wie ich dann so da unten in Val d’Isere einfahre, winken mir zwei Biker von einem Parkplatz.
Ich natürlich voll in die Eisen, mit Flickflack, Rolle rückwärts und einer Pirouette neben denen zum Stehen gekommen und gefragt: „Kann ich helfen?“

Dann:

„Warst du schon oben?“
„Ääh, nein, kam mir doch irgendwie spanisch vor wegen der Schilder.“
„Ist jetzt aber blöd mit den Schildern und das der Umweg nochmal locker 150 km machen würde.“
„Und nu?“
„Fahr´n wir?“
„Klar, zu dritt wird´s bestimmt besser 🤣!“

Ein Umweg von ca. 150 km in dieser Gegend sind halt auch mal schnell 3 Std. zusätzliche Fahrzeit.

Also, ab geht´s. Wieder nach oben. Dieses mal aber ganz hoch.
Toll, hat sich echt gelohnt. Hier sammeln sich die Biker und diskutieren auf französisch, italienisch, englisch und so wie es sich anhört auch so was wie turkmenistanisch oder so.
Außerdem fängt´s gerade wieder an zu schütten.
Nach etlichem Hin und Her kristallisiert sich heraus, dass vor ein paar Tagen ein Erdrutsch stattgefunden hat und die Straße wohl kaum zu schaffen wäre.
Und was sehen dann meine alten Augen? Die Tschechen mit ihren Enduros haben sich um die quer gestellten Bagger und Raupen geschlängelt (waren wohl als Straßensperre gedacht) und fahren auf der anderen Seite runter.

Was die können, können wir ja wohl auch. Also los. Um die Bagger rum und abwärts.
Das mit dem „abwärts“ hätte um ein Haar aber ganz andere Konsequenzen gehabt.
Wir kommen an die Stelle des Erdrutsches. Jepp, die Steine waren weg, aber die Schlammschicht auf der Straße locker 10 cm dick. Also Füße als Stützräder eingesetzt und gaaaanz vorsichtig da durch.
Bei jedem war es das ein oder andere Mal knapp mit einem Abschlag.
Unten angekommen haben wohl irgendwelche Biker den Absperrzaun etwas verrückt 😁
Egal, wir sind unten. Ganz ehrlich. Diesen Col brauche ich selbst bei super Wetter und optimalen Straßenbedingungen nicht. Soll man mal oben gewesen sein. Ich frag mich nur „Warum?“

Nu gut, wir fahren mal weiter (nach 500m kommt uns die Rennleitung entgegen) und suchen uns ein Café. Wieder auf irgendeinem Col ist eines genau in der Kurve. Coole Location mit direktem Blick auf die Knieschleifer, die die Augen aufreißen wenn ihnen ein V8-Treffen entgegen kommt.
Der Kaffe war lecker. „Hey Leute (Thomas und Thomas), könnt ihr nen Moment warten, ich muss noch mal für Königstiger?“ Ein „Natürlich“ bekomme ich zu hören und eile, weil so ´ne Blase auch nur ne bestimmte Kapazität hat. Ich glaub, ich hab mir ne Blasendehnung zugezogen.
Als ich wiederkomme, sitzen die Zwei auf ihren Bikes, winken mir freundlich zu und fahren los.
Da war ich wohl nicht so deren Fall. Na, hoffentlich ist noch alles da. Alles noch da und als ich bezahlen will, war das auch schon erledigt. Vielen dank nochmal an die zwei Thomasse 👍

Ok, fahre ich mal nach Guillestre zu Stephanie und Raphael. Tolles Zimmer mit nem riesigen Bad ganz für mich alleine. Direkt (15m) am kleinen Stausee des Le Guil. Herrlich hier.

Als ich dann die etwas chaotische Familie kennenlerne, lerne ich auch wieder, wie gut man sich verstehen kann ohne die gleiche Sprache zu sprechen. Es war echt lustig mit Händen und Füßen.
Kam mir fast wieder vor wie mit Anfang 20. Und geschlafen hab ich wie Gott in Fr… 😴

Tag 4.

Morgens noch ein gemeinsamer Kaffee, die Diva gepackt und weiter. Ab heute sollte das Wetter dann auch durchgehend trocken bleiben.

Wo geht´s heute hin? La Bollène-Vésubie. Wo issen dat. Egal die Strecke dahin sieht jedenfalls schon interessant aus.
Unterwegs treffe ich irgendwo auf Oliver und kurz später treffen wir auch noch auf Alex.
Ach ja, die zwei Thomasse hab ich vorher auch noch mal getroffen. Kurzer Talk, weil sie dachten, ich hätte Probleme. War, glaube ich, kurz vor dem Col de la Cayolle.

Oliver wohnt eigentlich sozusagen bei mir um´s Eck (vielleicht 15 km) und verbindet die Motorradtour mit einem Geschäftstermin. Tja, den richtigen Job muss man haben. Zu ins Auge gefassten späteren Treffen kommt es aber nicht mehr. Die Zeitfenster passen irgendwie nie, obwohl er ab und zu direkt an meiner Hütte vorbei fährt.
Alex könnte man für einen Klischeeskandinavier halten. Hüne mit blonden Haaren, blauen Augen und kaltem Blick, aber ein äußerst zurückhaltender sympathischer und warmherziger Mensch.
Auch mit den Zweien geht´s in ein Café und weil wir alle so gerne teilen, teilen wir auch unsere Kuchen.

Oliver verabschiedet sich dann bald, weil er seinen Zeitplan unbedingt einhalten muss. Er scheint unverzichtbar zu sein.
Mit Alex unterhalte ich mich noch und wir kommen überein, zusammen bis La Bollène-Sowieso zu fahren.

Er muss noch bis nach Menton.

In La-was-weiß-ich (Hôtel Les Chamois) angekommen, wird noch ein bisschen geschwätzt und weil es schon dämmerte machte sich Alex auf den Weg mit dem guten Rat des Wirtes, dass es zwei Tage vorher geregnet hat und typischerweise immer in den Kurven die Steine liegen. Ich versichere mich, dass er gut angekommen ist und setze mich nach Dusche, Kippchen und Begrüßung meiner Brüder

anschließend in den Wirtsraum, weil ich schon wieder Kohldampf habe und ne halbe Sau mit Sahne im Brötchen als Vorspeise verdrücken könnte.
Geben tut es dann Wildschweingulasch (Sau vom Wirt erlegt) mit Nudels und die Brüllecreme als Nachtisch. Und zwar von Allem reichlich. Die 3 Baden-Württemberger gegenüber haben die ganze Zeit die Schnauze gehalten als ich mit Händen und Füßen das Essen geklärt hatte. Dann hat sich einer auf französisch mit dem Wirt unterhalten und sich köstlich amüsiert. Wenn meine ganze Verwandtschaft nicht aus BW käme, wär ich vermutlich ein bisschen angefressen gewesen. So war es einfach nur typisch 😉. Ein paar Bier später war meine Essensbestellung der Aufhänger des Abends 🤣.

Wenn man mal da ist, sollte man sich dort zumindest mal eine Pause gönnen. Den Wirtsraum und den Wirt, ein echtes Stück Zeitgeschichte, muss man live erlebt haben. Wie der davon schwärmt, als die Rallye Monte Carlo noch an seinem Hotel vorbei ging.

Ein paar Bilder hier: HOTEL RESTAURANT LES CHAMOIS, La Bollene Vesubie - Ristorante Recensioni, Numero di Telefono & Foto - Tripadvisor

Tag 5.

Heute steht das längste Teilstück auf dem Plan. Von La-was-weiß-ich nach Riez. Da das Frühstück genauso reichlich wie das Abendessen war, konnte ich gut gestärkt nach Menton. Irgendwo erhasche ich dann einen Blick auf´s Meer (Yes, ich hab´s geschafft).

In Menton angekommen, will ich natürlich an den Strand, aber schwieriger als gedacht. Ich finde eine kleine, wie nennt man das, so ´ne künstliche Landzunge mit kleinem Platz zum Gucken. Und weil da keine Verbotsschilder stehen, denke ich mir so: „Wenn ich das Mopped richtig platziere, sieht das auf dem Foto aus als wenn es auf dem Wasser stehen würde. Will also das Mopped zu dem kleinen Platz am Wasser, nein nicht fahren, schieben, weil da Leute rumgelaufen sind.
Ich mach mich gerade dran, fragt hinter mir jemand, was ich denn vor hätte. Und zwar in astreinem Deutsch. Dreh mich um und da steht ein Polizist vor mir mit erhobenem Finger. Ich erklär ihm mein Anliegen und mache mir irgendwie gar keine Gedanken, dass der so akzentfrei Deutsch spricht.
Er meinte, ob mir das Bild 50 € wert wäre. Ich so „Ja“, nehm´ ich!“ Er so. „Ok, machen wir 100 € draus!“ Da war ich dann raus. Nicht weil mir 100 € zu teuer gewesen wären, eher weil ich dachte, das wird noch teurer, wenn ich es wirklich versuche.
Ich konnte dann aber nicht umhin zu fragen, warum er so gut Deutsch spricht. Erklärung: Er war in Deutschland Polizist, hat dann in Menton eine Polizistin geheiratet und es geschafft auch dort als Polizist arbeiten zu können. Irgendwie cool, oder?

Mal ganz ehrlich, das Gewusel in diesen Orten ist einfach nicht mein Ding. Deswegen wollte ich schnell die Blinden drücken und noch schnell in Monaco einen Cappuccino mit Meerblick trinken.
Jo, hab ein Café gefunden, aber 7,50 € für nen Cappuccino? Haben die sie noch alle?
Nix wie weg hier. Zumal hier gefahren wurde als wäre gerade Renntag. Ich fand´s lebensgefährlich.

Ich wollte nur noch raus da, weswegen ich auf Nizza dann auch gleich verzichtet und mich gen Norden Richtung Gilette aufgemacht hab. Nicht wie wohl die meisten Biker über Grasse nach Castellane und dann in die Verdonschlucht. Sondern von Gilette (kommen da die Rasierer her?) nach Roquestéron und dann quer nach Castellane. War vermutlich die beste Entscheidung auf der ganzen Tour.
Einfach sagenhafte Strecke. Alle Landschaftsbilder und inklusive Balcony Road. Außerdem auf ca. 80 km nur 2 Autos.

Von Castellane über die Route des Cretes

Auf ein kleines Päuschen mit Wasserwaten im Verdon

Dann nach Riez. Riez ist ein Nest (1600 Einwohner), dass lediglich durch ein jährliches Festival (nicht das Riez-Festival in D) eine gewisse Bekanntheit hat.
Mannoman, was hab ich hier die Unterkunft gesucht. Kein Handyempfang oder Internet. Also was tun. Da ich die Adresse zwar hatte, aber scheinbar das ganze Nest eine Baustelle war, hab ich mich durchgefragt (ja, mit Händen und Füßen), dann in der Nachbarschaft so lange geklingelt, bis mir eine Dame verständlich machte, dass sie die Vermieterin kenne und ihre Nummer hätte. Sie rief an und lies mich dann mit ihr reden, weil ich nicht wusste, wie ich in die Unterkunft komme. Zum Glück war sie Englischlehrerin und konnte mit meinen 3 Brocken von vor 40 Jahren was anfangen.
Hättet ihr das Haus von außen gesehen (total vergammelt mit wild „verlegten“ Kabelsträngen), wäre eure Erwartung ans Innere sicher ins Bodenlose gesunken. Weit gefehlt. Die Bude war einfach nur der Hammer.

Wenn aber in einem so kleinen Kaff die billigste Pizza (Magherita) 12 Öcken kosten soll, dann „Nö, danke“. Imbiss gesucht, fündig geworden bei nem Vietnamesen. Auch nicht billig, aber große Portion und gut. So viel zu Essen in Frankreich.

Tag 6.

Heute geht es wieder Richtung Heimat, aber ein kleines Stück Italien nehm ich auch noch mit.
Über den Lac de Serre-Poncon nach Briancon, dann an Turin vorbei nach Lessolo. Schon wieder so ein Nest. Aber auch schon wieder eine tolle Bude (3 Zimmer mit Wahnsinnsbad/-küche/- schlafzimmer und -terasse für 50 €. Das Ganze dann von einer Künstlerfamilie, die ingesamt 6 oder 7 Sprachen gesprochen haben (nein, Deutsch natürlich nicht), weil sie schon überall auf der Welt gearbeitet haben.

Ich muss sagen, mittlerweile war ich so geschlaucht, dass ich diese Strecke gar nicht so richtig wahrgenommen habe. An den Col du Fanget kann ich mich noch gut erinnern, weil ich aus einer Kurve kam und sich die Landschaft dermaßen öffnete, dass ich fast froh war mal wieder nicht mehr direkt von Bergen umgeben zu sein.

Tag 7.

Heute noch über Aosta und den St. Bernadino nach Barbareche zu Elsbeth und Bärhardt (selbst auch Biker) am Schiffenensee auf deren Bauernhof zum Entspannen. Bis auf die Heimetappe war´s das dann.

Bei der Auffahrt zum St. Bernadino dachte ich mir noch: „Junge, du bist früh dran, nimm dir Zeit für nen Kaffee und ein Wurschtbrot“. Hab ich dann auch gemacht. 2 Kaffee und eine Schinkenplatte für zusammen 10 €. Am St. Bernadino, echt jetzt? Ja, mir fällt´s auch immer noch schwer zu glauben.

Funfact. Wusstest du eigentlich, dass jeder Bernhardiner, der aus dieser Zucht stammt, ein lebenslanges Recht auf 6 Wochen Erholung dort oben hat?

In Barbareche (Petit Vivy) angekommen, empfängt mich Elsbeth, als würde sie mich schon ewig kennen. Cool. Direkt mal ab in die Küche. Hier gibt´s dann selbstgebackenes Brot, selbstgemachte Kräutermarmelade (kannte ich auch nicht), Käse usw. Das Beste für mich war aber wieder die Milch direkt von der Kuh. Einfach saulecker so unbehandelt und noch leibwarm.
So mancher kann ja vielleicht nicht so gut mit der Landluft. Ja, ich habe den Stallgeruch in meinem Zimmer deutlich wahrgenommen. Nachdem ich aber mit Elsbeth und Bärhardt (find ich heute noch lustig den Namen 😀) noch Essen war und wir da sogar ein kleines Privatkonzert bekommen haben, habe ich geschlafen wie ein Stein. Ich meine, ich wäre in gleicher Position wieder aufgewacht wie ich eingeschlafen bin.

Was war denn noch?

Ach ja. Wenn man, wie ich, mit nem alten Mopped, das keine Crit’Air bekommt, unterwegs ist und die Departements unterschiedliche Handhabungen bezogen auf Fahrverbote wegen der Umweltbelastung haben, sollte man gut planen und sich informieren wie das Wetter und die Luftverschmutzung sich macht.
Steht man in einem Departement, in dem dann wegen der Luftverschmutzung spontan (es genügt eine Radiodurchsage, was toll ist, wenn man kein frankreicherisch spricht) ein Fahrverbot verhängt wird, muss man es entweder riskieren oder sich ne Bleibe suchen. Strafe laut Anwohner ab 300 €. Und da wir Deutschen ja sowieso nicht sonderlich beliebt sind (irgendwann ist doch mal gut, oder?), wird´s bestimmt auch schnell mal teurer.
Ich hatte mir ne App geladen, die vom frankreichischen Umweltverschmutzungministerium zur Verfügung gestellt wurde und eine Website gebookmarkt, wo ich dann alle nötigen Informationen bekam. Also nur wie die Entwicklung der Luftwerte ist. Der jeweilige Präfekt kann das auch ignorieren und selbst entscheiden.

Noch was. Ich habe es gelesen und es wurde mir auch gesagt (Bekannter Reisebüro), dass Frankreich zum 01.01.2024 angeblich 150 Polizeifahrzeuge nur für die Kontrolle der typischen Routen abgestellt hätte. Was ich gesehen habe: 1 Motorradpolizist beim Tanken in Guillestre (junger Kerl und trotzdem kein Englisch 😲, die Jungs in Menton und auf freier Strecke, sozusagen in freier Wildbahn, 2 Polizeiautos.

Bei rund 3000 km, die ich gefahren bin, halte ich das durchaus für überschaubar. War ja auch auf dem Land unterwegs.

Autobahn bei Grenoble: Laut Doku für 4 Fahrspuren 8 Kameras (vor- u. rückwärts) inklusive Vernetzung/direkter Meldung bis an die Grenzen.

Was ist jetzt eigentlich mein Fazit der ganzen Tour?

Ja, so´n Mopped hat schon gewisse Nachteile bei starkem Regen, aber gleichen die trockenen Tage und die Erfahrungen, die man macht, das nicht locker aus auf so einer Tour? Es soll ja Leute geben, die von 10 Tourtagen 11 Tage Regen hatten 😳
Das Einzige, was mich am Regen wirklich stört, ist die Putzerei vom Mopped. Ich liebe saubere Moppeds. Und meine Diva ist so ein tolles Mopped 😉 Hübsch (für mich immer noch eine der Schönsten), vollkommen anspruchslos, sparsam, treu, muckt nie auf, immer zuverlässig und mit wenig Geld zu halten. Gibt´s von dem Schlag eigentlich auch Frauen 😜?

Was mich wieder wahnsinnig beeindruckt hat, wie sich die meisten Menschen trotz Sprachbarrieren, kultureller Unterschiede und was weiß ich noch die Mühe machen, mit einem zu kommunizieren und, wenn nötig, zu helfen. Aller Unterschiede zum Trotz, hatte ich nie das Gefühl unerwünscht zu sein. OK, das kommt vermutlich auch darauf an, wie man sich verhält. „Wie es in den Wald hineinruft, ….“ Vielleicht schnallen das die Politiker dieser Welt ja auch irgendwann, dass gar nicht die Völker das Problem sind.

Was mich auch wahnsinnig beeindruckt hat, sind so manche Essgewohnheiten, die an Kotzreiz nicht zu überbieten sind, die sich aber viele immer wieder freiwillig antun.

Wenn man es nicht ganz speziell darauf anlegt, ist man auf so einer Tour eigentlich auch nie wirklich alleine. Es hat was, wenn man sich vollkommen zwanglos zusammenfindet und auch wieder trennt.

Ja, andere Länder haben schöne Straßen, haben wir aber auch. Das für mich Wichtigste aber waren mal wieder die Begegnungen mit oft so fremden, aber gleichzeitig auch so nahen Menschen.

Was ich schade, fast traurig finde, dass man viele neue Kontakte einfach schwer auf Dauer halten kann. Dafür ist die Zeit schon oft zu knapp. Und die Menschen sind scheinbar auch nicht mehr so gepolt.

Vermutlich würde ich zukünftig eher nur zwei oder drei Unterkünfte raussuchen und von dort aus Tagestouren fahren und die typischen Bikerrouten auslassen. Außerdem mehr Zeit nehmen. Ist, glaube ich, entspannter und man hat auch mehr Zeit die Menschen, bei denen man unterkommt, kennenzulernen.

Mit Alex dem hünenhaften Kasachen geht´s dann demnächst wieder auf Tagestour. Da müssen wir nur aufpassen, dass wir beim Abschlussimbiss nicht wieder die Zeit verquatschen. Ich wäre das letzte Mal fast nicht mehr in das Hotel gekommen 😂

Wer heute denkt, er könnte morgen zu spät kommen, sollte sich besser gestern auf den Weg machen!

  • Vorheriger Artikel Italien-Umrundung (*mit Extras)

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!

Benutzerkonto erstellen Anmelden

Kategorien

  • Standard-Kategorie

Archiv

  1. 2026 (1)
    1. März (1)
      • Erinnerungen an die „Route des Grandes Alpes“
  2. 2025 (7)
    1. Oktober (1)
    2. August (1)
    3. Juni (2)
    4. Mai (1)
    5. Januar (2)
  3. 2024 (15)
    1. Dezember (1)
    2. November (1)
    3. Oktober (4)
    4. September (2)
    5. März (3)
    6. Februar (2)
    7. Januar (2)
  4. 2023 (14)
    1. Dezember (1)
    2. November (1)
    3. August (2)
    4. Juli (1)
    5. Juni (2)
    6. Mai (4)
    7. April (2)
    8. März (1)
  5. 2022 (21)
    1. November (1)
    2. Oktober (2)
    3. September (2)
    4. August (5)
    5. Juli (7)
    6. Juni (2)
    7. Februar (2)
  6. 2021 (4)
    1. Oktober (1)
    2. September (2)
    3. Januar (1)
  7. 2020 (6)
    1. Oktober (2)
    2. August (2)
    3. April (1)
    4. Februar (1)
  8. 2019 (3)
    1. Dezember (2)
    2. August (1)
  9. 2018 (7)
    1. November (3)
    2. September (1)
    3. Juni (1)
    4. Februar (2)
  10. 2017 (5)
    1. November (1)
    2. August (1)
    3. Juli (1)
    4. Januar (2)
  11. 2016 (3)
    1. August (1)
    2. Juli (1)
    3. Februar (1)
  12. 2015 (7)
    1. November (3)
    2. Juli (1)
    3. Juni (1)
    4. März (1)
    5. Januar (1)
  13. 2014 (8)
    1. Dezember (1)
    2. November (1)
    3. September (1)
    4. Mai (2)
    5. Februar (2)
    6. Januar (1)
  14. 2013 (6)
    1. November (2)
    2. Oktober (1)
    3. September (1)
    4. August (2)
  15. 2005 (1)
    1. August (1)

Registrierung

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!

Benutzerkonto erstellen

Blogge mit!

Die User-Blogs leben davon, dass Benutzer hier selbst Artikel schreiben, Bilder hochladen usw. und ihre Empfehlungen, Berichte und Bilder mit der Community teilen. Um mitschreiben zu können, müssen wir Dich freischalten.

Willst Du mitmachen?

Dann erfasse eine Anfrage in unseren Support-System und wir setzen uns mit Dir in Verbindung!

Linktipp

Tipp: Kostenfreie QR-Code-Generierung inklusive Verwendung eigener Logos auf qrcode.wuxbux.com!

  1. Support / Hilfe
  2. Hausordnung
  3. Unterstütze Netbiker!
  4. Werbung
  5. Datenschutzerklärung
  6. Impressum
x
Community-Software: WoltLab Suite™