Noch ein Update:
Heute früh bei strahlendem Sonnenschein und Frühstück unter meinem Vordach, es ist der letzte Urlaubstag von einem verlängerten Wochenende, packte mich die Sehnsucht. Was macht Spencer wohl?
Sind die Teile schon geliefert, um ihn provisorisch fahrfertig zu machen?
Telefonieren wollte ich nicht. Toby, der Mann am Thresen beim MZB, kann genervt reagieren wie ein Vater am Steuer seines Autos, wenn die Kinder von der Rückbank zum einundelfzigsten mal fragen: "Wann sind wir dahaaaa?"
Ich hatte ja letzte Woche schon mehrmals ganz unaufdringlich nachgefragt, wie denn der Fortschritt sei und eine Prognose erbeten, wann ich Spencer endlich abholen kann. Jedesmal erhielt ich die Antwort: "Ich ruf Dich an, wenn es soweit ist."
Letzten Samstag war ich mir fast sicher, einen leicht genervten Unterton in seiner Stimme wahrzunehmen.
So überlegte ich mir beim Kaffee, so ganz zufällig in der Werkstatt zu erscheinen und vielleich einen unbemerkten Blick auf ihn werfen zu können. Ich schwang mich in meinen Bus und rollte los. Auf halber Strecke fiel mir die Feder ein, die den Seitenständer in Position hält, wenn er hochgeklappt ist. Die hatte ich letzte Woche vergessen, in der Werkstatt mit den anderen Teilen abzugeben.
Also drehte ich um, suchte nur eine kleine Weile im Chaos unter meinem Vordach nach der Feder und fand sie. Unter dem Holzspalter lag sie. Keine Ahnung, wie sie dahin gekommen ist...
Ich wollte sie auf jeden Fall mitnehmen für den Fall, dass der Abholung nur dieses kleine Teil im Weg liegt.
Einem Impuls folgend, packe ich auch noch meinen alten Helm und ein paar Handschuhe ins Auto. Man weiß ja nie, dachte ich.
Zehn Minuten später rollte ich in den Hof der Werkstatt und was blinkte und blitzte mir in schelmischem Feuerwehrrot entgegen, mitten in der Reihe der abholbereiten Fahrzeuge?
Spencer! Spencer stand auf seinem nagelneuen Seitenständer und auch der neue Kupplunghebel war auf den ersten Blick zu erkennen. Toby kam mir zufällig entgegen und meinte: "Ich wollte Dich grade anrufen."
Er drückte mir Schlüssel und Fahrzeugschein in die Hand und wünschte mir "Gute Fahrt".
Jiiiihaaaaa, nur denkend nicht laut brüllend, stülpte ich Helm und Handschuhe über, schloss den Bus ab und schwang mich auf Spencer. Der Dreizylinder sprang sofort an und mit freudigem Knurren ging es Richtung heimischem Vordach. Dort schwang ich mich auf mein Fahrrad, nachdem ich Motorradhelm gegen Fahrradhelm getauscht hatte, zog mir vorher noch die Handschuhe aus und fuhr los, den Bus abzuholen.
Das Weitere muss nicht erläutert werden. Ich beende jetzt dieses Update, ziehe mir die komplette Moppedkluft an und mache mich auf zu einer kleinen Abschlussrunde meines Kurzurlaubes. Auf Spencer.
Nachtrag: Eben kam das Okay der Versicherung per Mail, dass die Reparatur jetzt frei gegeben sei. Dese Mail habe ich gleich an Toby weitergeleitet.