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Irland mit dem Dampfer

  • joey
  • 11. November 2018 um 15:18
  • 3.891 Mal gelesen
  • 11 Kommentare

Ende September, Traumwetter, was liegt da näher als noch eine kleine Reise nach Irland zu unternehmen.

Der Dampfer ist die K1600 GT mit allen nötigen Extras - es kann ja auch mal kalt werden oder regnen, auch der Rückwärtsgang ist bei dem schweren Gerät gar nicht übel. Es gibt unglaublich viel Platz in den Seitenkoffern und im Topcase. Von Prien über Münster (da lasse ich neue Reifen aufziehen) fahre ich nach Dünnkirchen, von dort mit der Fähre nach Dover. Etwas mehr als 1.400 km davon ca. ein Drittel Landstrasse vor allem in Bayern, in der Rhön und im Sauerland, das geht entspannt in 2 Tagen.

Von Dover fahre ich über kleine Landstrassen durch Südengland und Wales nach Fishguard.



Landstrasse in Wales

Diese Strassen sehen oft aus wie grüne Tunnels, da die Bäume oben wieder zusammen wachsen. Auffällig ist auch die Einfriedung der Felder und Grundstücke durch Hecken, dadurch erhält die Landschaft einen besonders gepflegten Anblick.

In Fishguard übernachte ich im James John Hamilton House, einem sehr empfehlenswerten B&B (http://www.jamesjohnhamilton.co.uk).

Besitzer ist Harleyfahrer Steve, der selbst nebenan in einem alten Wohnmobil wohnt. Steve hat das alte Gebäude selbst renoviert, innen richtig nett und komfortabel. Die Gemeinschaftsküche, in der man sich sein Frühstück selbst zubereitet, ist mit allen notwendigen Utensilien ausgestattet, sogar Spiegel- oder Rührei kann man sich zubereiten.

James John Hamilton House

Gerade bei kleineren Hostels oder B&Bs macht es ausserhalb der Saison durchaus Sinn, einfach hinzufahren oder direkt anzurufen, ohne vorher über ein Internetportal zu buchen, das gibt oft deutlich günstigere Übernachtungspreise.

Bis zur Abfahrt der Fähre nach Rosslare, Irland, bleibt noch Zeit, so schaue ich mir den Dolmen (Wort abgeleitet aus alter keltischer Sprache, auf deutsch: Steintisch) Carreg Samson an. Es handelt sich um Reste einer ca. 5000 Jahre alten neolithischen Grabstätte. Die grosse Deckplatte ruht auf dreien der sieben senkrechten Steine.

Carreg ist das walisische Wort für "stone" und Samson? Schöne Geschichte, die sich nicht ganz mit dem Alter der Steingruppe deckt: der heilige Samson o Dol, einer der sieben Gründerheiligen der Bretagne, geboren in Südwales, hat angeblich den Deckstein mit seinem kleinen Finger platziert. Samson ist im späten 5. Jahrhundert nach Christus geboren und war als bedeutender Missionar aus Wales vor allem in der Bretagne aktiv. Damit ist der Kulturteil des Tages gut ausgefüllt.



Küste von Wales

Carreg Samson

"New Flame" neben "Old Flame"

Beim anschliessenden zweiten Frühstück im Diner von Fishguard direkt gegenüber der Fähranlegestelle (sehr empfehlenswert) parke ich meinen Dampfer neben einem Oldtimer mit der passenden Aufschrift "Old Flame".

Mit der Fähre dauert es etwas mehr als 3 Stunden und damit betrete ich am vierten Fahrtag irischen Boden. Am späten Nachmittag fahre ich noch über kleine kurvenreiche Strassen nach Waterford, wo ich im Dyehouse, einem kleinen versteckten dennoch zentralen B&B übernachte. Den Abend verbringe ich bei toller Live-Musik im "The Reg", einem der vielen irischen Pubs in dem Studentenstädtchen.

Das Alleinreisen ist für manche sicher gewöhnungsbedürftig, es hat auf jeden Fall den Vorteil, dass man leicht mit anderen ins Gespräch kommt: beim Frühstück am nächsten Morgen rede ich mit Glenda, die für 3 Monate in Waterford als Environmental Consultant arbeitet und den Rückbau eines ehemaligen Firmengeländes umwelttechnisch begleitet.

Bucht von Glengarriff

Sie ist in Pennsylvania, USA, geboren, hat 3 Jahre in London gelebt und lebt jetzt mit ihrer Familie seit 17 Jahren in der Nähe von Dublin in einem schönen Haus mit Blick auf die Berge. Es ergeben sich Interessante Einblicke in die Unterschiede zwischen irischer und englischer Mentalität., die Republik Irland ist katholisch geprägt, die Engländer etwas steifer protestantisch (so zumindest die Erfahrung von Glenda).

Der nächste Tag wird ein Traumfahrtag: von Waterford an der Südküste entlang Richtung Skibbereen. Südlich von Cork in Kinsale beginnt der Wild Atlantic Way (WAW), die längste Küstenstrasse der Welt (2.500 km) und sicher auch eine der schönsten. Der WAW wurde am 1.April 2014 eröffnet, er erstreckt sich über die gesamte westliche Küste und hat viele Abzweigungen zu tollen Aussichtspunkten und Sehenswürdigkeiten.

bei Moll's Gap

Unterwegs in der Nähe von Skibbereen treffe ich auf einem Parkplatz noch einen Harley Fahrer, der Lust hat, mir bei dem Superwetter die Umgebung zu zeigen. Fast kein Verkehr, wilde zerklüftete kurvige Küstenlandschaft, kleine Strassen, klare Seeluft, viel schöner kann's nicht werden.

Weiter geht es dann alleine über Moll's Gap nach Killarney, wo ich den Tag nach 400 Genusskilometern ausklingen lasse.

Die nächsten 2 Nächte verbringe ich bei Conor und Bridget in einem sehr empfehlenswerten komfortablen B&B (http://www.gleannfia.com), um am folgenden Tag den Ring of Kerry, den Ring of Beara mit Gap of Dunlop und dem Healy Pass abzufahren.

McCarthey's in Castletownbere

Conor gibt mir noch den Tipp auf jeden Fall eine Pause bei McCarthy's einem berühmten Pub in Castletownbere einzulegen.

drinnen bei MacCarthey's


Wild Atlantic Way

Wie viele Pubs ist MacCarthey's ein Mix aus Tante Emma - Laden, Dorfcafe, Whiskey- und Guiness- Kneipe. Bei manchen Pubs, die ich unterwegs sehe, ist sogar noch die Tankstelle dabei.

Vollsortimenter (mit interessanter Preisanzeige)

Heute ist das Wetter typisch: strahlender Sonnenschein mit unglaublichen Farben und Ausblicken wechseln sich ab mit Nebel und Regen. Dies tut dem Fahrspass und der Entdeckerlust keinen Abbruch. Einige Eindrücke der 345 km - Tour:


bei Charlie in Waterville


der grüne Mittelstreifen

unterwegs auf dem Ring of Beara

Aufwärmpause

Der folgende Tag führt über die Dingle Halbinsel, den Connor Pass, eine kurze Überfahrt über den Shannon Richtung Galway.

Der Connor Pass ist mit 456 m der höchste Pass Irlands und trotz der verhältnismässig niedrigen Höhe gibt es alpine Verhältnisse.

Es regnet fast während der gesamten 368 km - Tour, die Fahrt bietet dennoch eine Fülle von Eindrücken, selbst wenn die Cliffs of Moher im Nebel verschwinden.

So bietet der Tag einen guten Grund, die tolle Insel demnächst wieder zu besuchen.


Urlaub mal anders

Weiter Richtung Norden wird es etwas kühler, auf der 410 km - Tour von Galway nach Sligo begleitet mich strahlender Sonnenschein bei Temperaturen von 9 bis 12°. Vom Süden der Insel bis nach Sligo bin ich meistens über den WAW gefahren, der ist super ausgeschildert, man sieht wirklich aussergewöhnlich schöne Küstenstreifen, Sehenswürdigkeiten und hat wunderbare Ausblicke.

Und um diese Jahreszeit gibt es kaum Verkehr, dennoch haben viele B&Bs noch geöffnet. Wie die Bilder zeigen, findet die K1600 GT immer neue Bewunderer.



und noch ein Fan


Fans des Dampfers


bemalte Verkehrsteilnehmer



Von Sligo fahre ich dann einmal quer durch Irland, um auch vom Inland etwas mitzubekommen. Die Bilder zeigen die Liebe der Iren zu ihrem Nationalgetränk. und macht sogar stark


Guiness hilft immer

Auch im Inland gibt es wunderschöne Seen:

Lough Arrow (See im County Sligo)

Ich erwische die Abendfähre in Rosslare und übernachte auf Grund des sehr positiven Eindrucks der Hinfahrt wieder bei Steve in Fishguard. Da ich dort jetzt Stammkunde bin, nimmt mich Steve am späten Abend noch mit in seinen Pub, der von aussen wie ein normales Wohnhaus aussieht. Kurz vor Mitternacht nach ein paar Bieren verabschiede ich mich, am nächsten Tag geht es dann weiter auf die Rückfahrt.

Nach der Durchquerung von England und der Rückkehr nach Bayern habe ich 6000 km mehr auf der Uhr, verbunden mit vielen Eindrücken. Besonders aufgefallen sind mir die Gastfreundschaft und die Lockerheit der Iren und der Waliser, die Engländer scheinen ein wenig konservativer zu sein. Im Strassenverkehr geht es vor allem in Irland ein wenig ruhiger und angenehmer zu, an den Linksverkehr kann man sich leicht gewöhnen. Nur ab und zu, wenn ich auf einer kleinen Strasse ohne Mittelstreifen nach einer Pause wieder angefahren bin, habe ich mich manchmal auf der falschen Seite erwischt, da ich noch eines der beeindruckenden Bilder im Kopf hatte. Jetzt weiss ich, warum Charlie Chaplin über viele Jahre seinen Urlaub in Irland verbracht hat.

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Kommentare 11

stahlsau
25. Juni 2024 um 19:25

schöner Bericht, inspiriert mich. Da ich mittlerweile nicht mehr viele Mitfahrer habe (viele haben aufgegeben wegen diverser Gebrechen), und mein Tourbuddy nur 1x im Jahr kann, werd ich das vielleicht auch mal als Alleinfahrer angehen.

Beim fahren ist das ja egal, aber abends ists doch schön wenn man noch mit jemandem über die Tour quatschen kann...

Ralf53
24. Oktober 2020 um 13:07

Ein schöner Bericht!!!
Passt gut, da ich 2021 - wenn es Corona erlaubt - vorhabe, Fall eine Tour nach Irland machen.

Viele Grüße
Ralf

Ralf53
22. Februar 2022 um 10:36

Irland steht jetzt mitte Juni fest (!) auf dem Programm :) , freu mich schon !

ducthomas
10. Dezember 2018 um 17:47

Schöner Bericht, schöne Bilder , Danke !! Gruß Thomas

bulli
21. November 2018 um 11:42

Super Bericht. Ich hatte Freude am lesen. Danke

wmueller
14. November 2018 um 08:56

Juuih, so täglich 380 Kilometer ab zu spulen ist auch bei einem kleinen Dampfer ohne Crew nicht so ohne. Ich habe nach dem dritten Tag meistens das Fonduekächeli gestrichen voll. Will nicht mehr, brauche Erholung, Urlaub. Und siehe da, Jürgen hat diesen Effekt versteckt. Das Berichtenswerte wird nach den ersten Tagen dünner, da macht er einfach Urlaub ohne uns das zu berichten. Witzig ist da noch der Kontrast, wenn man anschließend die ganzen Fotos ansieht. Hello Lonlyness. :yahoo: Schaun wir einmal, ob ich nächstes Jahr so eine Leistung oder ein bischen weniger hinkriege.

Rike97
14. November 2018 um 07:33

hey Jürgen, welch schöner Trip :good: , da bekommt man/frau ja direkt Lust loszufahren und mancher Kilometerfresser wird neidisch :yes: B-) Danke und liebe Grüße :bye:

Snorre
13. November 2018 um 14:00

Hallo Joey, danke für die klasse geschriebene Reportage! 6000 Kilometer sind kein Pappenstiel :good:

sualkbn
11. November 2018 um 21:43

Wieder mal toll geschrieben :good:

Markus
11. November 2018 um 21:26

Eine Reise wert :scratch: .merci für deinen netten Bericht :good:

quan
11. November 2018 um 15:20

Interessante Reise mit schönen Eindrücken - Danke für deinen Bericht Jürgen!

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