Eine Tour durchs Oberbergische mit einer Sozia aus der Sicht des Fahrers
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Rick -
25. April 2023 um 11:41 -
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Am Samstagmorgen, den 15. April gegen 9Uhr nach einem ausgiebigen Frühstück schreibe ich meine Sozia, die noch keine ist, aber schon mal eine war, an, um ihr GO zu bekommen, wann ich losfahren soll. Bis zu ihr braucht es ca 1 Stunde über Landstraßen. Ein paar Wochen zuvor hatten wir uns zu einer ersten gemeinsamen Ausfahrt verabredet. So gerne ich auch alleine fahre, so schön ist es, einen Mitfahrer zu haben, der das flüssige Gleiten und die wunderschönen Ausblicke mit mir genießt und einen Austausch über das Erlebte ermöglicht.
Vor der ersten Fahrt hatte ich etwas Respekt, da Majoon ein paar Gramm mehr auf die Waage bringt als ich. Ich kenne mich mit Soziafahrten aus, aber diese Sozias waren bisher immer leichter und Fehler in ihrem Bewegungsablauf konnte ich gut ausgleichen.
Ein gebranntes Kind war ich von einer Erfahrung im Zweierkajak. Vor gut 30 Jahren, ich war noch Anfänger in dieser Sportart, setzte man beim Tag der offenen Tür unseres Kanuclubs einen Zweimetermann mit fast dem doppelten Gewicht von mir vorne ins Boot zu einer Schnupperpaddelrunde auf dem Rhein.
Es ging soweit alles gut, bis wir ein Kehrwasser, d.h. eine Gegenströmung, wie sie in einem Fluss hinter den Buhnen vorkommt, kreuzen mussten. Damit die Gegenströmung unter das Boot fließt, muss man sich wie mit einem Zweirad in die Kurve legen und sich mit dem Paddel in der Kurveninnenseite auf der Wasseroberfläche abstützen. Meinen Sozius hatte ich zuvor entsprechend instruiert. Instinktiv richtete er sich genau in dem Moment auf und die Gegenströmung drückte von oben auf das Boot. Die gnadenlose Kenterung war nicht mehr zu vermeiden.
Meine Haare wurden kaum nass, so schnell war ich aus dem Boot raus. Ich hielt mich am Boot fest und suchte den Mann. Der tauchte erst mal nicht auf. Meine Hand suchte ihn unter Wasser. Er trug eine Lederkombi und klebte regelrecht fest in der engen Sitzöffnung. Irgendwann hatte ich ihn am Kragen gepackt und zog ihn nach unten heraus. Panisch nach Luft schnappend tauchte er an der Wasseroberfläche auf. Die ganze Geschichte hatte nur ein paar Sekunden gedauert, aber gefühlt war es eine Ewigkeit. Wir schwammen dann ans Ufer, das nur ein paar Meter entfernt war. Wie diese Story weiter ging, soll an dieser Stelle nicht erzählt werden. Ich wollte nur erläutern, warum ich vor Fahrten mit einem Sozius, der schwerer ist als ich, solchen Respekt habe..
Meine Befürchtungen waren überflüssig. Bei der ersten Tour mit Carsten und seinem Sohn spürte ich Marion so gut wie gar nicht. Außer beim Bremsen hatte ich etwas mehr Druck auf den Handgelenken. Sie hielt sich mit einer Hand an mir fest und machte alle meine Bewegungen mit. Nicht einmal spürte ich eine Verkrampfung bei ihr, die auf Angst oder Unsicherheit hingedeutet hätte. Wir waren eine Einheit auf der Tracer. Die Straßenlage war deutlich satter und einmal setzte die rechte Fußraste leicht auf, was mir nur signalisierte, dass unsere Welt in Ordnung war.
An diesem Samstg, in Kürten angekommen, tranken wir noch einen Kaffee zusammen, brachten das Auto ihrer Freundin nach Hause und düsten los. Das vertraute Gefühl von der Einheit zweier Menschen auf einer Maschine stellte sich augenblicklich ein. Wir genossen die flotte Fahrt, den Wind, die Schräglagen in den Kurven und die Ausblicke auf die Landschaft und zwei streitende Greifvögel. Bei dieser Fahrt klebte mein Blick nicht ständig im Rückspiegel, um zu kontrollieren, ob die Gruppe hinter mir dranbleibt. Es gab keine Gruppe hinter uns. Diese Tatsache erhöhte nochmal meinen Spaßanteil.
Nun ja, Majoon hat unsere Erlebnisse schon ausgiebig beschrieben und ich möchte die geneigte Leserschaft nicht mit Wiederholungen langweilen.
Es war ein Highlight mit ihr zu fahren. Eine einzige Optimierungsmöglichkeit gibt es dennoch:
Wenn Sozius oder Sozia immer über die kurveninnere Schulter des Fahrers schaut, gelingt die Kurvenfahrt noch geschmeidiger. Das zu beherzigen hat sie mir für die nächste Tour fest versprochen.
Danke an die Sozia und an die Leserschaft für ihre Geduld.
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