Rodeo über die Ruta 40... Teil 2 ...und weiter über die Panamericana
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390 Adventure -
1. März 2024 um 14:46 -
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7 Kommentare
Hier erstmal die coolen Fotos von Rolf und Johannes als Kobolde:
Währenddessen habe ich mich mit meiner Adventure auf die wunderbar ausgebaute, menschenleere Panamericana gesetzt und bin
Währenddessen habe ich mich mit meiner Adventure auf die wunderbar ausgebaute, menschenleere Panamericana gesetzt und binzwei Tage durch die unbeschreiblich schöne, einsame und nicht fünf Minuten langweilige Atacama gefahren. Mit Abstecher zur Küstenstadt Iquique, auch, um einen Blick auf die Müllberge zu werfen. (https://www.nationalgeographic.de/umwelt/2023/04…-friedhof-wurde).
Einziger Wermutstropfen auf dem Weg: Es gibt zu wenig Tankstellen und zum ersten mal auf dieser Reise geht mir der Sprit aus. Gleich zweimal hintereinander. Und beide Male lassen sich meine Kanister nicht abschrauben. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie blöde frau sich dann fühlt, aber auch die Lkw-Fahrer, die helfen wollten, bekamen die Schrauben nicht gelöst! Aber sie kannten eine alte Frau, die mir fünf Liter Sprit verkaufte. Und beim zweiten Mal schenkte mir die Polizei sogar fünf Liter. Genau die Polizei, die wegen ihrer militärischen Struktur und rigorosem Vorgehen kein besonders gutes Image hat. An den Kanistern haben sich Tage später noch drei Mechaniker geduldig abgearbeitet, bis deutlich wurde: Die Gewindestangen waren nicht gefettet und total verbacken.
Auch die Jungs verbringen oben auf dem Altiplano viel Zeit in der Werkstatt. Bei der xCountry war das bolivianische Altiplano zu viel für das Federbein: Es hat alles Öl verloren und ist gebrochen. An der Honda sind die Simmeringe der Gabel undicht. Die können relativ leicht getauscht werden, das Federbein muss behelfsmäßig in Uyuni repariert werden.
Ich tanze derweil beim Anblick der 1000 Kurven auf dem Weg zum Titicacasee durch mein Hotelzimmer in Arica. Natürlich weiß ich, dass 425 km zu viel sind für die Tagestour morgen mit zwei- bis dreistündigem Grenzübergang. Aber vielleicht findet sich unterwegs ja doch noch eine Unterkunft… ?
Denkste! Von der Schönheit der Atacama erneut überwältigt, die fast unmerklich in die grünere, schroffere Kordillerenkette übergeht, mache ich viel zu viele Fotostopps. Entwöhnt vom Kurvenfahren, gepusht von abenteuerlichen Schräglagen, fahre ich eher träumend und tanzend als konzentriert. Und zack übersehe ich eine Bergkuppe, die hinter dem höchsten Punkt so steil abfällt, dass ich meterweit durch die Luft fliege… Ich fang den Sprung gerade noch so auf und werde von nun an vorsichtiger sein. Für das nächste Problem sorgt dann mein TomTom. Es versucht, mich auf jeden Eselspfad und durch jedes Bachbett zu schicken. Normalerweise mache ich den Gegencheck mit Google Maps, aber hier oben - ich bin schon wieder auf 4000 m Höhe - ist keinerlei Empfang. Wieder und wieder bleibe ich einfach auf der geteerten Fahrbahn und irre durch die Berge, auch wenn ich laut Navi abbiegen soll. Kleinlaut erreiche ich Puna, abends um 8 Uhr, im Dunkeln, mit 550 km mehr auf dem Tacho, müde und durchgefroren.
Eine Attraktion hier sind drei Meter hohe schwimmende Inseln aus Schilfrohr, auf denen die Indios seit Jahrhunderten ihre Schilfhütten bauen, um vor Feinden sicher zu sein. Der Tagesausflug mit dem Schiff macht Spaß, auch der Abstecher zu einem weiteren Stamm, der für seine strickenden Männer als Weltkulturerbe anerkannt ist. Aber es zieht mich weiter zum Colca-Canyon, den wir zu dritt sicher nicht mehr ansteuern werden, weil Cusco auf der to-go-liste steht und Rolf und ich danach den Rückweg nach Valparaiso antreten müssen.
Eine Tagesreise südwestlich von Puno, in Chivay, cruise ich schon um sieben Uhr früh über die 55 km lange Strecke am Colca entlang, mit Blick auf gigantisch steil aufragende Felsen, über 6000 m hohe Bergrücken, 3400 m tiefe Täler. Und wer bei schönem Wetter vor 8 Uhr unterwegs ist, darf erleben, wie am Cruz del Condor fünf Kondore die morgendlichen Aufwinde nutzen und ihre Kreise drehen. Hoch oben, weit über allen Wipfeln, in den Wolken! Unbeschreiblich!
Meine Compañeros fehlen mir! Und meine Enttäuschung ist riesig, als Rolf schreibt: Das Federbein ist geschweißt, verliert aber weiter Öl. „Da weder Medikamente noch Spritzen meinem Ischias helfen konnten, treten ich den vorzeitigen Rückweg an, schweren Herzens…“ Traurig schlendere ich durch das beeindruckende Weltkulturerbe Arequipa, von den Spaniern im 16. Jahrhundert gegründet und aus weißem Vulkangestein erbaut. Eine riesige Kathedrale und ein 20.000 qm umfassendes Kloster zählen zu den wichtigsten Bauwerken aus der Kolonialzeit. Aber Rolfs Nachricht überschattet mein Erleben, und ich bin schlecht drauf.
Auf der Straße zurück zum Titicacasee - wo ich Johannes treffen kann - stauen sich Zehntausende Lkw in Richtung Norden. Schon auf dem Hinweg hatte ich jeden einzelnen auf der schmalen kurvenreichen Landstraße überholt. TomTom schlägt den direkten Weg über den Pass vor - eine schmale Straße über den Vulkan Chachani, dessen weiße Kuppe schon seit Tagen meine Blicke aus der Stadt anzieht. Als nach über einer Stunde hinreißend schöner Kurvenfahrt kurz vor dem Gipfel abrupt der Asphalt aufhört und mein TomTom mir mal wieder mehrere Pfade nach oben vorschlägt und es keinen Empfang für einen Gegencheck mit Google gibt, kehre ich entgegen allen guten Vorsätzen nicht um, sondern rede mir ein: „Es ist ja erst später Vormittag. Schau erstmal, wie es hinter dem Pass weitergeht…“
Den Pass habe ich bis heute nicht gesehen. Ich habe vorher für Fotos angehalten, mit den Füßen im buckeligen Gelände keinen Halt gefunden, Gas gegeben, um ein paar Zentimeter vorzusetzen… Leider kam kein Gas. Wir sind umgekippt wie blutige Anfänger, die KTM und ich.
Drei Stunden musste ich warten, bis ein Jeep anhielt und versprach, die Bergretter zu rufen, sobald er im Tal wieder Empfang habe. Mitfahren und das Motorrad hier oben alleine lassen, solle ich mal besser nicht. Die Policia de Alta Montaña kam dann auch ziemlich schnell. Sie hat die KTM zu PeruMotors gefahren, wo sie samt Gepäck bis nächstes Jahr stehen bleiben kann - auch dank der Hilfe von Lars bei den komplizierten Zollformalitäten. Mit angebrochenem, eingegipsten Handgelenk bin ich dann mit dem Linienbus weitergefahren nach Copacabana in Bolivien, um Abschied von Johannes zu nehmen. Für ihn ging’s dann weiter Richtung Norden. Los Angeles ist noch weit …
Und ich habe mir einen Rollkoffer besorgt und bin mit Reisebus und Fähre losgezockelt nach La Paz.
Und habe mit Detlev in seinem Landcruiser weitere kleine Abenteuer auf dem Weg nach Paraguay erlebt... Im Herbst will ich zurück nach Peru und die KTM erlösen. Hat jemand Lust bekommen, die nächste Etappe oder ein Stück mit mir zu fahren? Motorräder lassen sich mieten, kaufen, verschiffen… Bitte melden!
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