René McGyver oder eine Windel für die Harley
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double d -
13. Oktober 2024 um 21:59 -
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Hallo Zusammen.
Schön dass Ihr da seid. Ich habe schon mal Feuer gemacht, da es irgendwie gemütlicher ist sich im Feuerschein Geschichten zu erzählen. Nehmt Platz und macht es Euch schon mal gemütlich. Wenn Ihr was zu trinken dabei habt, dann macht schon mal Eure Getränke auf. Wenn sich alle entspannt haben, dann lege ich mal los. Ich stecke mir nur noch meine Pfeife an.
Kennt Ihr eigentlich schon meinen Patenjungen René? Wie ich habe Euch noch nichts von René erzählt? Na dann wird es aber Zeit. René ist schon als kleiner Stepke bei mir auf dem Motorrad gesessen und liebte es mit mir auf dem Motorrad die Straße rauf und wieder runter zu fahren. Als er dann älter wurde organisierten wir ihm eine Kinderkombi, Helm und Handschuhe und er ging dann ab und an mit mir auf Motorradtreffen des BikeForums und hatte seinen Spass daran.
Nachdem er Abitur machte beschloss er Chemie zu studieren. Endlich hatte er seinen Bachelor in der Tasche und das sollte mit einer Nordkap Tour gefeiert werden. Nach entsprechender Planung gings dann am 31.05.2019 los.
Für die ersten Tage hatten wir ein Packet über ein Reisebüro gebucht. Abends um 23.:00 Uhr gings dann auf die Fähre von Travemünde nach Helsinki, danach mit dem Autozug bis Rovaniemi und weiter über Inari nach Kirkenes. Aber ich will nicht allzu stark abschweifen.
Also wir kamen in Kirkenes an, die Motorräder waren direkt vor dem Eingang abgestellt und das Zimmer wurde bezogen. René ging auf Sauna suche und ich schnappte mir meine Kamera und machte einige Bilder. Das Wetter war premium und Mitternachtssonne satt!
Ein paar Kostproben nur damit Ihr eine Ahnung von diesem schönen Abend habt. Wie gesagt es war Mitternachtssonne und es war völlig still. Kein Mensch störte mich und so konnte ich ganz entspannt mit einem Graufilter experimentieren....
Jedenfalls die Nacht war ruhig und am nächsten morgen konnten wir uns Zeit lassen. Wir hatten unser Randezvous mit dem Hurtigrutenschiff erst um 22:00. Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es dann ans Packen und aufsatteln.
Als ich mit meinem Gepäck an das Motorrad ging, kam mir da etwas komisch vor.... Ich schaute genauer hin und da sah ich es! Mein Krad hatte eine Stressreaktion...
Ich schaute mir das etwas genauer an und machte die Zündung an. Und schon ließ mein geliebtes Eisen unter sich. Na super! Zimperliche Diven kann ich überhaupt nicht leiden und wenn sie mir dann noch so kommen, dann erfordert es einiges an Psychologie und gutes Zureden. Schließlicht ist so ein Krad halt auch nur ein Mensch.....
Ich sah auf die Uhr und mein heimischer Harleyschrauber hatte schon geöffnet. Mal hören was der so meint.
dd: Grüß Dich Günter, woran kann es liegen wenn die Harley Sprit verliert?
Günter: Oh je, da kommst Du am bester vorbei und ich schau mal nach...
dd: Geht nicht ich bin in Kirkenes Norwegen an der russischen Grenze.
Günter: Wo??? Was machst denn da!?
dd: Urlaub und will zum Nordkap.
Das ging dann noch etwas weiter und ich schoß mit dem Smartphone noch ein Bildchen, das dann als Diagnosehilfe diente.
Die Diagnose kam prompt. Der Spritschlauch ist mit einem Bajonettverschuss an den Tank festgemacht. Da drin sitzt eine Dichtung die wahrscheinlich nach 10 Jahren den Geist aufgegeben hat. Die Dichtung muss nur gewechselt werden und dann geht alles wieder....
Nachteil 1: Diese Ohringdichtung ist in Inch und somit kann mir der gegoogelte Yamaha Händler in Kirkenes nicht helfen!
Nachteil 2: Die nächste Harley Werkstatt ist in Tromsö! ![]()
Mittlerweile hatte René sein ausgiebiges Frühstück beendet und wunderte sich schon wo ich war....
Ich glaube ich lege noch mal ein paar Scheite aufs Feuer und stopfe schnell die Pfeife nach. Muss wer aufs Klo!?
Also wo war ich? Achja René in seiner unbeschreiblichen Ruhe schaute sich das ganze an. Lauschte meiner Erklärung und dann ging es los....
René: Gedde (Anmerkung der Redaktion Patenonkel auf schwäbisch) B'sorg mol a Schär!
Ich rein an die Rezeption und nach einer Schere gefragt. Der Blick war etwas befremdlich aber nachdem ich erklärt hatte, was das Problem ist, gab die Rezeptionistin mir die Schere.
Zwischenzeitlich stand Renè draußen und machte Pressbetankung mit einem Apfelsaftschorle... Er exte die ganzen 0,5 l innerhalb von 3 Minuten!
Renè: Wo hosch des Tape nei packt, des breicht i jetzt auch glei! (Anmerkung: er brauchte das Duct Tape)
Ich reichte ihm das Tape.
Renè: Tempo wär it schlecht!
dd: Bin ich Dir zu langsam?
René: Sackdiacher meine ich! (oha, wenn er hochdeutsch wird, dann könnte er genervt sein... Achja Sacktücher sind Taschentücher)
Zwischenzeitlich entstand ein Auflauf von Hotelgästen. Alle uniformiert und aus den drei Baltikum Staaten. Eine norwegische Verbindungsoffizierin war auch dabei, die die Damen und Herren versuchte in das Taxi zu bugsieren, was nicht gelang. Sie wollten wissen wie das ganze ausgeht.
Ich kam mir vor wie Sauerbruchs Student im OP, wobei der Sauerbruch René hieß und mich durch das Hotel schickte um passende Kabelbinder zu besorgen. Warum ihm meine Kabelbinder nicht gefielen weiß ich nicht mehr.... ![]()
Nun lag alles bereit:
Mit der Schere wurde die Plastikflasche im Verhältnis 1/3 zu 2/3 auseinander geschnitten. Das 1/3 Stück mit Tempos vollgestopft. Zwei Einschnitte reingemacht damit der Spritschlauch aus der Flasche wieder rauskonnte. Dann jede Menge Tape um den Schnittbereich und Löcher reingebort. Dann das Ganze um den Tankabgang getüddelt und mit Kabelbinder fixiert. So schaut das dann am Motorrad aus.
Renè: Lass laufa!
Ich startete die Maschine und alles war dicht!
Jetzt kam einer der Offiziere und sprach mich an. Er war Lette
Offizier: He is a genius! In Latvia we call him MacGyver! Do you know MacGyver?
Was macht Renè? Grinst breit und holt sein Schweizer Taschenmesser aus der Hosentasche.
Gejohle bei den Offizieren und Applaus für die super Show! Ein Offizier aus Litauen wollte ihn gleich für das Militär verpflichten, aber daran wurde er durch die norwegische Verbindungsoffizierin gehindert. Achja die norwegische Polizei stand auch noch da und sorgten dafür, dass sich der Menschenauflauf verflüchtigte.
Epilog: Nichts hält besser als ein Provisorium! Der HD Händler in Tromsö hatte wegen Pfingsten geschlossen und der nächste Händler in Borlänge (südl. von Narvik) meinte wir sollen versuchen heimzufahren, da die Reparatur bei ihm recht teuer würde....
Ich war leider so mit meiner HiWi Tätigkeit beschäftigt, dass ich von dem Auflauf kein Foto machen konnte.
Das Ganze passierte am 04.06.2019 und das Provisorium hielt bis zum 04.10.2020 ![]()
Was schon so spät!?
Wenn ich Euch nicht gelangweilt habe, dann kommt mal wieder vorbei. Wenn man 20 Jahre auf der Straße ist, da kommen viele Geschichten zusammen.
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