
Ich war noch nicht in Schottland, habe ein wenig Zeit, also buche ich am Donnerstag, den 24.7.25, die Fähre Dunkerque - Dover für den nächsten Tag und schon geht's los.
am Fährterminal
Am ersten Tag fahre ich bis Harleston südlich von Norwich in Norfolk zu David und Carrol, sehr ländlich gelegen ins Wisteria Barn (Wisteria = Blauregen). Die ersten 750 km sind geschafft, und ich freue mich sehr, dass mit Carrol noch ein ungeplantes Abendessen serviert.
Blick in den Garten vom Wisteria Barn
Eigentlich wollte ich am zweiten Tag gleich bis nach Schottland fahren, doch Carrol empfiehlt mir, noch einen Zwischenstopp in Northumberland zu machen. Nach einem ausgiebigen Frühstück und der Buchung einer Unterkunft für die kommende Nacht fahre ich am Tag 2 bis nach Bellingham im Northumberland National Park.
English breakfast (Müsli, Toast sind noch auf dem Nebentisch 😉)
Die Fahrt dorthin ist eher langwierig, ein round-about nach dem anderen, häufige Ortsdurchfahrten, viele Radarkontrollen. Northumberland hingegen ist landschaftlich äusserst reizvoll und über kleine Landstrassen gut zu erkunden. In Bellingham übernachte ich in einer ehemaligen Schule aus den 30er Jahren.
Brown Rigg Lodges in Bellingham (ehemalige Schule)
Von dort ist es ein kleiner Spaziergang zum idyllischen Ortskern mit Pub, Krims-Krams-Laden (da kann ich endlich einen Adapter kaufen, um meinen Laptop zu laden) und Tankstelle.
das sieht schon ein wenig nach Schottland aus
The Cheviot (Schafsrasse) in Bellingham
Hähnchenschnitzel mit kräftiger Sauce...
Kleiner Spaziergang am North Tyne
Am Tag 3 fahre ich eine Traumtour (wieder ca. 500 km) nach Dingwall nördlich von Inverness. Unterwegs überquere ich den Fluss Tummel auf einer privaten Brücke.
Private Tummel bridge
In Dingwall buche ich bei Margareth ein kleines Zimmer mit Bad auf dem Flur und mit herrlichem Blick auf den Cromarty Firth und die Black Island für die kommenden 3 Nächte. Da gibt es dann jeden Tag eine tolle Tour durch die Highlands.
Blick aus meinem Zimmer in Dingwall
Loch Shin, Loch Berkland, Loch Eriball, Loch Hope, die Orte Thurso und Wick - jeden Tag fahre ich 400 - 500km häufig über die kleinen single trail roads. Gefühlt wird jede Strasse der Highlands einmal befahren.
Africa Twin vor blühenden Weidenröschen vor Kyle of Sutherland
Dann gibt mir Margareth den Tipp, dass man auf der Black Isle am Leuchtturm Chanonry Point zu bestimmten Zeiten Delphine sehen kann. Das lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Und tatsächlich, neben einigen anderen Delphinschauern kann ich ca. eine halbe Stunde nach Ebbe Dephine in grösserer Zahl live sehen. Das Fotografieren der Tiere ist nicht so einfach, aber ich habe tatsächlich auch echte Sprünge der Wassersäuger gesehen...
Chanonry Point
Delphine im Moray Firth
Natürlich befahre ich auch den etwas kniffeligen Pass Bealach na Bà, der zwar nur wenige Kehren aufweist, die es jedoch auf der besonders schmalen und in den Kehren steilen Passstrasse in sich haben.
Auffahrt zum Bealach na Bà
oben angekommen
Abwärts geht es dann Richtung Applecross, wo ich im zentralen Kaufladen eine kleine Stärkung zu mir nehme.
Zentraler Kaufladen von Applecross
gemeint ist natürlich "Heil der Krone"
Bester Fish and Chips von Dingwall
üppige Portion 😃
Nach diesen Touren ist der Hinterradreifen doch früher fertig als gedacht, und ich bin sehr froh, noch einen passenden Reifen bei Mitchells Motorcycles in Inverness zu bekommen. Das wird ohne Voranmeldung am Dienstag Morgen innerhalb von 2 Stunden erledigt. Das "passend" bezieht sich auf die Grösse, das Profil ist eher geländegeeignet, der Hersteller ist auch ein anderer (Pirelli Scorpion Rally STR). Aber diese "Mischbereifung" (vorne Bridgestone A41) fährt sich ebenso gut.
neuer Hinterradreifen (Pirelli Scorpion Rally)
An dieser Stelle ein kurzer Werbeblock zu meiner Honda CRF1100L Africa Twin Adventure Sports ES (so lautet die korrekte Kurzbezeichnung 😉): das elektronische Fahrwerk EERA von Showa (Electronic Enhanced Riding Assistance) lässt sich nicht nur sehr differenziert vorne und hinten einstellen sondern es bügelt auch durch strassenzustandsabhängige Dämpfungsverstellung innerhalb von 15 ms Strassenunebenheiten sehr wirkungsvoll aus. Nach meiner Meinung besser als andere elektronische Fahrwerke - ich möchte ja keine Namen nennen. Von daher kann ich tägliche Landstrassenfahrten von 400 bis 500 km auch mehrfach hintereinander gut absolvieren.
Jetzt möchte ich mir noch den Süden Schottlands ein wenig anschauen. Von Mitchells fahre ich zur Edenmill Farm in der Nähe von Loch Lomond, nördlich von Glasgow, wo ich 2 Nächte bleibe. Unterwegs geht es noch kurz an Loch Ness vorbei; wer grössere Touristenansammlungen liebt, ist hier gut aufgehoben.
Werbehumor bei Loch Ness
In Inveraray am Loch Fyne. Heute nur schönes Wetter - fast heiss (17 - 19 °C)...
ab und zu brauch man sogar die Sonnenbrille
Jerry, der Chef der Farm, serviert mir morgens ein wohlschmeckendes Frühstück, relativ kompakt, aber äusserst nahrhaft.
Frühstück auf der Edenmill Farm (Toast, Avocado, Lachs, Rührei, Tomaten)
Auf meiner Tagestour auf kleinen Strassen entlang dem Loch Lomond, dem Loch Fyne und dem Loch Gilp komme ich auch nach Campbeltown, wo ich zufällig einen kurzen Kulturabstecher in die Destillerie Glen Scotia mache und auch ideale Mitbringsel finde.
eine der 3 Destillerien von Campbeltown
grosse Auswahl 🙃
Seife mit Whisky und Honig...
Argyll's Secret Coast
Mein eigentliches Ziel der heutigen Tour ist der südliche Zipfel der Halbinsel Kintyre, dem Mull of Kintyre. Die Strassen in der Grafschaft Argyll sind schmal und einsam, die Landschaft grandios und ich denke an das Lied von Paul McCartney und den Wings von 1977, eine Hommage an diese Gegend, in der Paul McCartney einige Jahre auf einem Bauernhof gelebt hat.
bitte Motorradfahrer überholen lassen 😎...
Mull of Kintyre
tolle Strassen, nicht überfüllt
am Ende der Zufahrtstrasse
Der nächste Tag ist bereits der letzte im Traumland. Nochmal ein ungewöhnliches Frühstück auf der Edenmill Farm.
French Toast (?!), in Ei gewendete Toastscheiben mit Schinken usw. und dann das Ganze mit Honig abgstimmt
Jerry gibt mir noch den Hinweis, unbedingt die benachbarte Destillerie Glengoyne zu besuchen. Diese macht zwar erst um 10 Uhr auf, vorher darf absolut kein Whisky verkauft werden. So komme ich mit einigen Mitarbeitern ins Gespräch, die mit ein paar Geschichten zum Unternehmen und zur Whisky-Herstellung erzählen. Nach kurzem Einkauf - viel Platz ist ja nicht - fahre ich wieder über kleine und mittlere Landstrassen nach Newcastle upon Tyne, von wo aus ich die Nachtfähre nach Amsterdam nehme.
Distillery Glencoyne
auf Wunsch geht es natürlich auch etwas teurer
Und wie war das Wetter? Immer so zwischen 13 und 20 °C, meist trocken, oft bewölkt, manchmal sonnig - ideal zum Motorradfahren. Ca. 4.000 km in 8 Tagen, weitläufige schottische Landschaften, entspannte Zeitgenossen, das hat einfach nur Spass gemacht. Tìoraidh an-dràsda.
Letzter Blick auf Schottland
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