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Reise nach Georgien

  • joey
  • 26. Juli 2017 um 17:32
  • 1.303 Mal gelesen
  • 11 Kommentare

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Rudi und ich auf der Fahrt zum Hengstpass

Eigentlich wollte ich ja in den Iran, aber dann war es mir Ende Juni viel zu heiss (Isfahan von 40 bis 48 °C) und Georgien war bergig und wild, so dass ich mich erst einmal dort umgeschaut habe.

Doch von Anfang an: vom Weltreisenden Klaus (klausmotorreise.com) wusste ich, dass er mal wieder mit seiner Transalp in die Mongolei fahren wollte, diesmal über Georgien, Pamir, Russland, und ich konnte ein Stück mitfahren. Mitte Juni ging es zunächst von Prien am Chiemsee nach Kottingbrunn.
Bis zum Hengstpass haben mich Rudi und Klaus-Peter vom GS-Club begleitet.

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Segnung der Motorräder


Dann fahre ich weiter über die Kalkalpen, die Wildalpen, an der wunderschönen Rax entlang zu Geli und Klaus, 430 entspannte Landstrassen km bei herrlichstem Wetter. Geli ist Mongolin und Buddhistin und hat am nächsten Morgen uns, unsere Bekleidung, unsere Motorräder und unser Gepäck geweiht bzw. gesegnet; auf jeden Fall ist damit ein wirksamer Schutz gegen mögliche Schäden oder andere mishappenings sichSegnung der Motorräderer gewährleistet. Tatsächlich gab es dann Situationen, wo dies sich als hilfreich erwiesen haben kann - später mehr.

Südlich von Wien haben wir dann noch Roland eingesammelt, der mit Klaus die ganze Strecke auf seiner nagelneuen Afrika Twin mit DCT-Getriebe mitfährt.

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von links: Roland, ich, Klaus

Klaus bekommt regelmässig den sich permanent ändernden Abfahrtstermin der Fähre von Odessa (Ukraine) nach Poti (Georgien) aufs Handy, so dass es für uns immer ein wenig unsicher ist, wann wir spätestens in Odessa sein müssen. Der erste gemeinsame Fahrtag wird daher etwas länger: 400 km ungarische Autobahnen, nach dem Grenzübergang noch 400 km rumänische Landstrassen. Gut das wir bereits um 6 Uhr bei Klaus gestartet sind, dennoch sind wir froh, als wir im schicken Nordhotel in Borca, Rumänien, unser Abendessen und das Feierabendbier geniessen.

Am nächsten Tag machen wir eine traumhafte Tour durch Rumänien, immer an der Bistriz entlang und dann bei Giurgiulesti über die Grenze nach Moldawien und durch Vulcanesti rein in die Ukraine. Nach 12 Stunden Fahrt gegen 21 Uhr (550 Landstrassen km plus 2 längere Grenzübergänge) sind wir einigermassen fertig und freuen uns, dass wir im einzigen Hotel in Bolhrad Zimmer finden, im Innenhof parken können und dort auch gemütlich essen können.

Von Bolhrad nach Odessa sind es nur 252 km, da mache ich unserem Guide Klaus den verhängnisvollen Vorschlag meinem Garmin (OSM - Open Street Map) zu folgen, und über Nebenstrassen zu fahren, da könne man 20 oder 30 min einsparen. Schwupps, schon darf ich vorfahren und meinen Supervorschlag in die Tat umsetzen. Die Strassen wurden schlechter und schlechter, von normaler ukrainischer Schlaglochpiste in Richtung Sandweg, von Sandweg in Richtung Lehmweg. Meine beiden Hinterherfahrer haben dann angehalten und mich freundlich gebeten, wieder einigermassen befahrbare Strassen aufzusuchen. Leicht gesagt - die waren jetzt nicht mehr da. Also habe ich gedreht und einen besseren Weg gesucht.

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ukrainisches Einparken meiner GS

Ich bin dann einmal zur Orientierung rechts rangefahren und habe unter dem Gras ein Loch übersehen. Leider gibt es bei BMW - Motorrädern immer noch kein System zum automatischen Einparken, obwohl der Bedarf sicher da ist. Wir haben die GS herausgezogen und keinerlei Schäden festgestellt - das Motorrad war schliesslich gesegnet...

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Übergabe der Fährtickets (Motorrad 150 USD, Person in der 4er Kabine 110 USD)

Da die Abfahrt der Fähre sich entgegen der letzten Aussageum einen Tag nach hinten verschiebt, hat die Nebenstrassentour (in der Ukraine überhaupt nicht empfehlenswert!) keine Auswirkungen und wir freuen uns, als der Angestellte der Fährgesellschaft uns unsere Tickets ausstellt - wir waren ja auch gesegnet...

Die übrigen Fährpassagiere sind vor allem LKW-Fahrer, die unterschiedliche Produkte (z.B. lebende Schweine, gefrorene Hühner) nach Georgien bringen. Wir drei sind die einzigen Motorradfahrer. Die LKW-Fahrer sind freundlich und neugierig und laden uns zum gemeinsamen Wodkatrinken ein.

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Abfahrt in Odessa


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Sergej und ich im Gespräch


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Sergej und Klaus sind sich einig

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Wodka, Wurst und Gurken für alle

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72 jähriger ukrainischer LKW Fahrer (Klaus im Hintergrund...)

Die Fähre fährt absichtlich langsam, ob die offizielle Aussage, dass der Hafen in Poti die Aufnahmekapazität nicht hat (wie bitte?) oder unsere Vermutung, dass die Herrschaften Sprit sparen wollen, richtig ist, wissen wir natürlich nicht. Jedenfalls dauert es 3 Tage statt wie geplant 2 Tage.

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Geld wechseln in Georgien

Wir legen gegen 10 Uhr im Hafen von Poti an (statt am Tag zuvor um :) und verlassen die Fähre gegen Mittag. Man merkt, hier wird nicht in Stunden sondern in Tagen gerechnet. Zunächst wird in Poti auf dem Bazar bei dem Herrn mit Weste noch Geld gewechselt, ein paar Lari sollte man schon haben. Alles geht mündlich, ist aber ok. Dann fahren wir von Poti nach Batumi zu dem genialen Schotterpass Goderdzi.

50 km Schotterpiste mit einer kniffligen Wasserdurchfahrt (nicht tief aber besonders glitschig) machen Spass, allerdings müssen wir ziemlich aufpassen. Belohnt werden wir durch traumhafte Ausblicke und einem sehr wohlschmeckenden Adscharuli (georgisches Nationalgericht, das es in verschiedenen Ausführungen gibt).

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Goderdzi Monument


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Edelweisshütte auf dem Goderdzi

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Adscharuli in der Edelweisshütte

Die Abfahrt vom Goderdzi:

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Auf traumhafter kurvenreichter Strecke fahren wir weiter nach Ninozminda an der armenischen Grenze. Dort übernachten wir in einer recht heruntergekommenen Pension. Ich entscheide mich, alleine weiter zu fahren, um mich nicht der sicher zu erwartenden Hitze im Iran auszusetzen. Die Kollegen fahren weiter, ihre Reise ist auch heute noch nicht zu Ende und kann auf Klaus' homepage verfolgt werden.

Über einsame spektakuläre Strassen (schneebedeckte Berge, Seen, Weite) fahre ich nach Tbilisi, der Hauptstadt. Im Cafe Alani esse ich Shkmeruli (Hühnchen in Knoblauchsauce) und trinke selbstgebrautes Bier. Unterwegs noch ein kleines Kachapuri Imeruli (ist eher heftig) an einer gemütlichen Raststätte.

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auf dem Weg nach Tbilisi

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georgische Raststätte

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Adscharuli Imeruli und Chail

Nach Übernachtung in Tbilisi fahre ich weiter nach Stepansminda um den Mt. Kasbeki zu sehen und um im angeblich besten Hotel Georgiens zu übernachten (Rooms Hotel). Es ist einigermassen teuer, es ist sehr komfortabel und es gibt einen super Ausblick vom Zimmer auf den Mt. Kasbeki. Ich muss zugeben, dass mich die sehr nette Postlerin in der alten verfallenen Post von Stepansminda mehr beeindruckt hat.

Später lerne ich dann die Türkin Sule kennen, die alleine mit ihrer 250er Honda aus Westanatolien (Afyonkarhisar) nach Moskau fährt, um dort Freunde zu besuchen. Sie berichtet, dass sie wenig Reiseerfahrung hat, erst einmal in Nepal war und dass ihre Reise durch Pakistan recht ereignisreich war...

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Sule und ich

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Sule und ihre Honda

Ich fahre am nächsten Tag weiter nach Mestea, einer Hochburg für Wanderer. Die Strecke dorthin ist wie viele Strecken in Georgien: kurvenreich, abenteuerlich, wild. Ein Traum für jeden Motorradfahrer.

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auf dem Weg nach Mestea


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auf dem Weg nach Mestea

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auf dem Weg nach Mestea

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am Uzungöl-See in der Nähe von Trapzon

Dann geht es über Batumi in die Türkei, um in Trapzon meinen neuen Freund Seyfetin zu besuchen und meine Reifen zu wechseln. Es gibt einen Pausentag, den ich nutze, um das türkische Ausflugsziel Uzungöl-See zu besuchen. Die Strecke dorthin: ein einziger Traum. Der Ort überraschend voll mit einheimischen Touristen (überraschend wegen der für den Motorradfahrer angenehm kurvenreichen Anfahrt); die Umgebung lädt ein zum ausgiebigen Endurowandern.

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mein Freund Igor und ich


Jetzt fahre ich zügig durch die Türkei über den Badeort Sinob an der Schwarzmeerküste entlang Richtung Istanbul. Der Verkehr in der Umgebung Istanbuls erinnert an Nahkampfsportarten, es bedarf eines abgeklärten kämpferischen Fahrstils, um zu überleben. Nach dem diese etwa 150 km überstanden waren, ging es normal weiter Richtung Edirne. Die Übernachtung im Grenzbereich nach Bulgarien war wieder einmal geprägt durch überraschende türkische Gastfreundschaft: ein junger Mann (Mathestudent) spricht mich im Restaurant auf englisch an - englisch ist in der Türkei eher die Ausnahme - alle anderen Sprachen ausser türkisch im übrigen auch. Jedenfalls besteht der junge Student darauf, mein Essen zu bezahlen und lädt mich zu sich nach Hause ein, damit ich mit ihm Whiskey trinke und bei ihm übernachte. Wie ich vermute, ohne spezielle Hintergedanken, da seine Freundin auch dort sei. Dennoch habe ich freundlich abgelehnt, da ich bereits im Hotel eingecheckt bin.

Am nächsten Tag fahre ich bis Belgrad, einer besonders lebendigen Stadt mit vielen Studenten und internationalem Publikum. Danach geht es dann über Ljubljana, wo ich noch meinen alten Freund Igor besuche, wieder nach Prien.

7200 ereignisreiche km in weniger als 3 Wochen - mein Carnet für den Iran hat immerhin noch ein Jahr Gültigkeit.

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Kommentare 11

MS_MagnaR43
17. August 2017 um 07:28

Tolle Tour B-)

sualkbn
31. Juli 2017 um 23:18

Toller Bericht. Nächstes Jahr die Hitze im Iran testen?

Thomas
29. Juli 2017 um 11:34

Schöner Bericht, macht einfach Spaß deine Zeilen zu lesen. Man kann sich wunderbar in die Szenerie hineinversetzen und fährt sozusagen als Sozius mit :good:

Dagobert
28. Juli 2017 um 10:51

Klasse Bericht, da bekommt man Fernweh..... Grüße Dagobert

susi
28. Juli 2017 um 08:42

Wow, Jürgen, sehr schön beschrieben, da kommt echter Neid auf.... :good: :bye: & bis bald mal wieder

Reise nach Georgien
27. Juli 2017 um 14:20

[…] […]

stromio
27. Juli 2017 um 11:57

Schön verfasst, macht Laune zu Lesen und weckt den Entdeckergeist ! Mutig mit einem elektronik Bike die Reise zu machen....

Herbert-HH
27. Juli 2017 um 11:40

Hallo Jürgen, sehr schön! Deine beiden Filme zeigen mir jedoch ganz deutlich, dass meine CBF da nicht hin will. Wir werden lieber demnächst nach Korsika fahren. Aber gemessen an deiner Russlandtour, waren die Herausforderungen doch wohl eher bescheiden oder täusche ich mich? ;) Danke für den Bericht, weiter viel Spass mit dem Motorrad und überhaupt. Liebe Grüße aus HH Herbert :good:

Christian
26. Juli 2017 um 20:13

Klasse, mir wärs aber ein bisschen zu viel Abenteuer :wacko:

Strolch
26. Juli 2017 um 18:59

Von Klausmotorreise habe ich zufällig heute den Reiseblock gelesen, da waren die beiden gerade in Tadschikistan angekommen. Auch sehr spannend und lesenswert. Dein Bericht ist auch klasse. Ich kenne Leute, die dies Jahr schon zum dritten Mal nach Georgien fahren, soll diesmal aber auch in den Iran gehen. Danke für den Reisebericht. Gruß Thorsten

gseva
26. Juli 2017 um 18:15

Wieder mal ein super toller Bericht von dir Jürgen! Danke. Viele Grüße Eva

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