
Wir haben das Jahr 2016: Diese Geschichte ist eine Geschichte wie sie in ähnlicher Form stattgefunden haben könnte. Die Personen wurden vom Autor verfremdet. Es wurden keine Tiere gequält, verletzt oder getötet.
Einleitung:
Es beginnt in einem kleinen Dorf, deren Großteil der Bevölkerung christlichen Glaubens ist. Protagonisten: Ulrike 9 Jahre; Ayla 9 Jahre, Bruno (11), Mama und Papa.
Ulrike: Mama, meine Freundin Ayla trägt jetzt ein Kopftuch und stolz darauf, da sie endlich ihren muslimischen Glauben voll ausleben kann. Ich fragte sie was das bedeutet und die Ayla meinte, dass sie endlich mit den Großen Ramadan feiern darf. – Was ist Ramadan?
Mama: Ramadan ist eine Zeit in der viele Menschen muslimischen Glaubens fasten. Also sie dürfen zwischen Sonnenaufgang und Untergang nichts Essen und Trinken. Erst mit Sonnenuntergang dürfen die Gläubigen das Fasten brechen und das feiert die ganze Familie mit Essen und Trinken.
Ulrike: Und wann ist Ramadan?
Mama: Keine Ahnung. Das ist jedes Jahr unterschiedlich
Bruno kommt in die Küche und will wissen was gesprochen wird. Nachdem Bruno das gehört hat entfährt folgende Feststellung.
Bruno: Wir haben in Erdkunde gelernt, dass es in nördlichen Ländern im Sommer keinen Sonnenuntergang gibt und dafür im Winter es fast 6 Monate dunkel ist. Ganz schön hart für die da oben, wenn da alle paar Jahre ganze Familien verhungern müssen!
Ulrike findet das nicht lustig.
Ulrike: Du bist doof!
Bruno: Bin ich nicht!
Ulrike: Bist Du wohl!
Dieser Austausch von gut ausformulierten Diskussionsbeiträgen, könnte sich über Stunden hinziehen und möglicherweise durch schlagkräftige Argumente erweitert werden, aber glücklicherweise wird die Diskussion durch das Abendessen unterbrochen. Mama ist genervt, zwei Kinder die mit allen Mitteln sich gegenseitig das Abendessen sabotieren, weil Bruno Ulrikes Bärchenwurst verputzt und Ulrike Bruno den Saft über den Teller schüttet. Ja und da ist noch Papa, der krampfhaft versucht sich auf die Tagesschau zu freuen, denn dann sind die Minipartisanen endlich im Bett!
Dieses Mal kommt er nicht damit durch, da Mama die brillante Idee hat ihn in diese Diskussion miteinzubringen. Leider hat er selbst auch keine Lösung und kommt auf folgende Idee.
Papa: Ihr schaut doch jeden Sonntag diese Sendung mit dem komischen Tier an. Wie heißt die doch gleich?! Achja „Die Sendung mit der Meersau.
Ulrike und Bruno entrüstet: Das heißt die Sendung mit dem Meerschwein, Papa!
Papa: Ist doch jetzt egal!
Kinder: Ist nicht egal!
Papa gereizt: Jedenfalls wäre das doch eine Frage an die Meer … Meer… halt die Sauenredaktion. Schreibt doch diesem Alwin oder dem mit dem gelb/blauen Pullover, oder dem Seppl. Die können das doch recherchieren und dann eine Antwort liefern.
Der Auftrag
Dieser Plan war gut und die Kinder schreiben einen Brief an die Meerschwein Redaktion des Wisigodischen Rundfunks.
Tage später klingelt das orange Telefon in der Oberschwäbischen Zentrale für Bildungsauftrag.
dd: Oberschwäbische Zentrale für Bildungsauftrag, double d am Apparat.
Alwin Junischonung: Hallo hier ist Alwin von der Sendung mit dem Meerschwein.
dd: Hallo Herr Junischonung. Was kann ich für sie tun?
Alwin: Ach nenn mich doch Alwin, die Kinder duzen mich doch auch. Ich komme gleich zur Sache. Wir, also Christian, Rolf Seppl und ich haben da einen Brief von Ulrike und Bruno bekommen. Die beiden wollen wissen wie das mit Ramadan in Skandinavien oberhalb des Polarkreises ist. Da wir wissen, dass Du öfters dort oben unterwegs bist, dachten wir, den Auftrag an Dich zu übergeben. Unser Sender der WdR hat kein großes Budget, aber Du bist ja Fan der Sendung seit fast der ersten Stunde und hofften, Dich dafür zu begeistern.“
dd: Das Thema ist recht interessant und da ich dieses Jahr eh eine Motorradtour geplant habe, mache ich das doch gerne!“
Die Tour und der Tourenverlauf
Ich will die Leserschaft nicht mit den Details zu Tour langweilen, aber ein bisschen sollte ich schon darauf eingehen. Das ist ja schließlich ein Motorradforum mit Bildungsauftrag.
Die Strecke war so geplant, dass ich immer zwischen Schweden und Norwegen hin und her fuhr und mich dem Polarkreis auf Norwegischer Seite annäherte. Zuerst folgte ich von Göteborg aus auf dem Inlandvägen (E45) mit Abstechern bis Sveg.
Dann wechselte ich von Sveg
über das Fjell auf die norwegische Seite und fuhr bis Trodheim.
Dort verbrachte ich zwei Nächte und ein Tag auf dem Campingplatz
und wechselte über die E14 zurück nach Schweden und fuhr bis Lit bei Östersund.
Die Tour hinterließ sehr viele Eindrücke und dadurch, dass ich alleine unterwegs war hatte ich die Chance auf sehr viele Begegnungen mit Menschen, die Spuren in meinen Erinnerungen hinterließen. Von zwei dieser bemerkenswerten Menschen werde ich nun berichten….
Leif der hypothetische Axtmörder
Den Campingplatzbesitzer in Bjerka lernte ich am 05.06.2016 kennen. Ich kam an diesem Platz an und wusste, dass es wieder eine dieser kalten Nächte wird. Das Wetter hatte sich vor 2 Tagen verändert und stand unter dem Einfluss einer Nordfront. Die Temperaturen sanken innerhalb eines Tages von über 30 Grad auf 12 Grad und in den Nächten wurde es frostig. So dass morgens Reif meine treue California bedeckte. Nun da war ich in Bjerka angekommen und die Rezeption war geschlossen. Ein Schild verriet mir, dass ich eine Mobilnummer anrufen solle und dann mir einen Platz suchen. Der Betreiber würde mich dann schon aufsuchen. Ich machte schon am Telefon eine kleine Hütte klar und er war 20 Min. später vor Ort und übergab mir den Schlüssel zu meinem kleinen Häuschen.
Nun saß ich da und erkundete zuerst den Platz, Waschraum ca. 50 m entfernt, offene Küche mit Abwaschgelegenheit passt auch.
Dann zurück zur Hütte und noch etwas den Sonnenschein genießen. Da kam eine Gruppe von ca 10 Jungen im Alter zwischen 10 und 15 Jahre. Zuerst spielten sie auf der Wiese etwas Fußball, dann wurden die Schaukeln und die Wippe erstürmt. Dann mussten sie ganz zufällig den verschossenen Ball der auf mich zu rollte zurückholen. Mit schlecht gespieltem Desinnteresse kamen sie dann näher und bauten sich im Halbkreis um die MotoGuzzi auf. Ich erkannte sofort, dass diese Jungen keine Norweger waren und sich schwer taten mit der Sprache. Urplötzlich tauchte der Campingplatzbesiter auf und die Jungs rannte wie die Hasen davon. Er empfand die Jungen als lästige Quälgeister, die die Urlauber belästigen könnten. Ich versicherte ihm dass dieses nicht der Fall sei und sie sich nur das Motorrad anschauen wollten. Nun erfuhr ich von dem Schicksal der Jungen. Sie flüchteten aus Syrien und wurden über Schleuser an die Norwegische Grenze bei Kirkenes gebracht und da standen sie mit Schrottfahrrädern an der Grenze. Die Norweger hatten sehr viele Flüchtlinge aufgenommen und so auch die elternlosen Jungen, die in Bjerka in einer Art Kinderheim untergebracht wurden. Nun hingen sie ständig auf dem Camping Platz herum. Da ich früher ehrenamtlich mit dieser Altersgruppe in Zeltlagern zu tun hatte. Meinte ich, dass die Jungen Beschäftigung brauchen, da sonst Blödsinn vorprogrammiert wäre. Gäbe es denn keine Möglichkeit die Jungs ein bisschen mit kleinen Tätigkeiten einzuspannen? Die Rasenflächen sind doch groß und wenn sie ein bisschen hier für etwas Taschengeld mithelfen würden, dann kämen sie nicht auf dumme Gedanken und fühlten sich willkommen.
Man merkte wie es im Kopf des Betreibers arbeitete. Dann wurde es interessant und ein unvergesslicher Abend….
Der Betreiber stellte sich mir als Leif vor und fragte mich ob ich Lust hätte mit ihm etwas zu unternehmen? Er wollte mir sein Boot zeigen. Na warum eigentlich nicht. Leider war ich so unvorbereitet, dass ich meine Kamera in der Hütte vergaß. Wir fuhren mit seinem Auto zum Anleger und da lag eine große hochseetaugliche Kabinenjacht. Lust etwas auf dem „See“ zu schippern hätte schon etwas. Leif war irritiert und meinte das dieses ein Fjord ist und es per Boot ca. 90 min. bis zum Meer wäre. Aber da wollte er mit mir nicht hin.
Zwischendurch kamen mir dann doch etwas Zweifel, ob das so eine gute Idee war…Ich hatte Ahornblättchens (Über-)Lebensregel vergessen!
„If strangers want to you take for a ride, don‘t forget to ask them if they are axe murderers before you start!” Nun saß ich auf dem Boot fest und im Rhythmus des Motors war dieses bedrohliche Flüstern in meinem Kopf: Axtmörder, Axtmörder, Axtmörder….
Angriff ist die beste Verteidigung! „Leif, I forgot to ask you if you are an axe murderer. My wife does not want me to hang around with axe murderers. She thinks it is not healthy for me.” Leif musste derart lachen und dann fuhren wir einen Hafen an wo wir mit anderen Norwegern ein paar Bier tranken. Ich fand es ausgesprochen generös, dass er die Zeche für mich auch noch bezahlte. Auf der Heimfahrt erzählte er mir, dass er fast ein Jahr deutsche Monteure auf dem Platz hatte, die Stromleitungen verlegten. Als Dank wurde er von deren Chef zum 60. Geburtstag eingeladen. Die Firma war südlich von Frankfurt und die Firma hieß Alstom. Hallo??? Das ist das Werk an dem ich täglich auf dem Weg zur Arbeit vorbeifahre und das liegt in Mannheim! Diese Zufälligkeit war klasse!
Am nächsten Tag ging es über den Polarkreis, jedoch war ich dem Ziel meines Auftrags noch keinen Kilometer nähergekommen. Die Syrischen Kinder konnte ich mangels der Sprachkenntnisse nicht fragen
Die nächsten Tage wurden noch kälter und ich musste noch über über die Berge nach Kiruna. Dort war der Wendepunkt meiner Reise.
Der "Wikinger von Kiruna"
Bei typischen „Aprilwetter“ im Juni mit Wechsel von Sonne, Graupelregen, Windböen erreichte ich Kiruna. Ich war dermaßen durchgefroren, so dass mir jede Unterkunft recht war so lange sie keine fahrtechnischen Besonderheiten bei der Anfahrt bot. Mir reichte dieser Kreisverkehr durch den ich mich zitternd vor Kälte durcheierte um das Hotel mit dem Namen E10 zu erreichen, völlig. Die Strecke selbst nach Kiruna ist auch nicht ein Hochlicht der Motorradstrecken. Außer dem Eisenerz Zug, der 10 Min lang an mir vorbeifuhr, war auf der Strecke nichts Spektakuläres. Seit zwei Tagen hatte sich ein Lied in meinem Kopf festgefressen. Ein Lied von Pur über Indianer… Nur das der Text sich zu „Wo sind all die Mu-huslime hin“ verändert hat. Auch war frustrierend, dass ich bisher noch keine Mitternachtssonne erlebt hatte. Es war nachts dick bewölkt und regnete. Das Licht glich eher einer klaren Vollmondnacht als Mitternachtssonne… Mittlerweile hatte ich mich von so manchen Stereotypen wie Elche an allen Strecken äsend oder Rentiere die im lustigen Reigen tanzen verabschiedet. Bisher hatte ich außer einem Polarhühnchen weder Elch noch Ren gesehen.
Alles doof hier! Ihr merkt liebe Leser, man kann während einer mehrwöchigen Tour auch mal an den mentalen Tiefpunkt kommen.
Ich betrat den leicht überwärmten Vorraum des Hotels und steuerte die Rezeption an. Da stand er. Ein großgewachsener Mann, mit … Moment keine roten Haare, keinen roten Bart und schaut auch nicht verwegen aus! Der erwartete Wikinger war wohl eher ein sonnenverbrannter Südschwede mit einer Haut so schwarz wie die eine Krähe. Okeeh? Warum sollen Afrikaner nicht im schönen Schweden leben, aber so weit im Norden? Mit diesen Temperaturen…. Mir fielen die Süderopäer ein, die bei 20 Grad mit Winterklamotten durch die Gegend laufen. Noch ein Vorurteil das sich aus meinem Mosaik der Lebenserfahrungen verabschiedete. Mein aufopferungsvoll gepflegtes urschwäbisches Weltbild fing sich mehr und mehr in Staub zu verwandeln. Jetzt haben die hier noch nicht mal Wikingertypen! Von den hübschen blonden Schwedinnen hatte ich mich schon drei Jahre früher verabschiedet.
Der freundlich lächelnde Rezeptionist gab mir meinen Schlüssel und ich bezog mein Zimmer. Danach hatte ich Lust auf ein Bier. Der Rezeptionist war sozusagen „der Mann für alle Fälle“ neben der Rezeption war er für die Bar zuständig und das Abendessen. Moderne Menschen sagen ja Multitasker zu so einer Arbeitsplatzbeschreibung. Er gab mir eine Liste der Biere die er ausschenken konnte. Da viel der Blick auf Guinness. Hah! Ein gescheites Bier hier oben in Lappland und auch noch erschwinglich. Was jetzt kam, wieder eine Lehrstunde. Der Rezeptionist holte eine Dose Guinness aus dem Kühlschrank. Ach Du heiliger St. Patrick! Büchsenbier!!! Jetzt begann das Wunder der Guinnesszubereitung. Er holte ein Pint Glas aus dem Schrank und baute dann ein Gerät auf, das wie eine Herdplatte aussah. Will der jetzt mein Bier kochen?! Er träufelte etwas Wasser auf die Platte und stellte das Glas darauf. Er kocht mein Bier! Kreischte die hysterische Stimme in meinem Kopf. Dann goss er das Bier aus der Büchse in das Glas und legte einen kleinen Kippschalter um. Es begann zu surren „Rrrrrrrrr“ Das war eine Art Biervibrator, der das Glas in einer Mikrofrequenz schüttelte und dadurch den wohlbekannten Guinness Schaum erzeugte. Welch ein Gedicht, schmeckt als wäre es fresh stout! Barkeeper noch ein Pint, bitte!
Wir unterhielten uns eine ganze Weile und er erzählte mir, dass er aus Somalia komme und schon recht lange hier oben lebe. Er meinte weiter, dass es schon eine Umstellung war hierherzukommen. Hauptsächlich machten ihm anfänglich die Temperaturen zu schaffen, aber das sei jetzt seine Heimat und er liebe das Land und die Leute.
Später begleitete er mich vor die Türe, da ich eine Zigarette rauchen wollte. Als ich ihm auch eine Zigarette anbot, lehnte er dankend ab. Es sei gerade Ramadan und bis zum Fastenbrechen dürfe er nicht rauchen. Heureka!!! So viel Glück das gibt es doch nicht! Und so konnte ich ihn fragen wie das denn mit dem Fastenbrechen funktioniere, da doch im Juni Mitternachtssonne herrsche. Er lachte köstlich und versicherte mir, er müsste nicht verhungern. Nun erklärte er mir, dass die Imame oberhalb des Polarkreises sich zusammensetzen und einen hypothetischen Sonnenuntergang und Aufgang festlegen. Ich war überrascht, da ich eher dachte, dass sich die Muslime vielleicht an den Zeiten von Mekka als Zentrale Zeit orientieren könnten. Den Einwand fand er gut, jedoch sei das wegen der Zeitverschiebung nicht überall möglich, da sonst die Muslime oberhalb des Polarkreises an anderen Orten nachts ihre Fastenzeiten hätten. Das leuchtete sogar einem Globetrottel wie mir ein!
Punkt 20:00 Uhr hatte er es dann eilig mit mir vor die Tür zu kommen. Die spendierte Zigarette war für ihn ein Genuss und ich freute mich riesig. Als ich zu Bett ging war ich über den Ausgang des Tages sehr zu frieden und um 3:00 Uhr sah ich meine erste Mitternachtssonne. Der Himmel riss auf und sie strahlte mir direkt ins Gesicht, was mich dann auch weckte.
Am nächsten Morgen packte ich die Cali und fuhr nach einem ausgiebigen Frühstück Richtung Jokkmokk um weitere Abenteuer und Überraschungen zu erleben. Aber darum geht es in einer der nächsten Geschichten, Wenn ich Euch von Annette, Volker und Beat erzähle.
Als ich wieder zu Hause war, rief ich nach einer regenerativen Nacht im eigenen Bett. Alwin zurück und berichtete über das Ergebnis meiner Recherche.
Ich weiß zwar nicht was Ulrike, Bruno und deren Eltern noch im pädagogischen Dschungel einer ausgewogenen Kindererziehung erleben werden, aber hoffentlich werden diese Streitereien ohne Hieb-, Stich- oder Schlagwaffen ausgefochten.
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