Kuba und wie man die schönsten Hobbys miteinander verbindet.
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Jule6065 -
5. Dezember 2024 um 21:26 -
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Ich weiß auch nicht mehr welcher Teufel mich geritten hat 🤣…… aber nun war ich in Havanna.
Mehr als urlaubsreif sind mir 2 Tage in der Stadt zum akklimatisieren sehr willkommen.
Einen ersten Eindruck der Strassenverhältnisse bekam ich schon auf dem Weg vom Flughafen zur Unterkunft in meiner Casa patricular nahe der Altstadt, wo ich herzlich empfangen wurde.
Am nächsten Morgen gestärkt durch ein etwas anderes, aber sehr schmackhaftes Frühstück machte ich mich auf den Weg die Stadt zu Fuß zu erkunden und mir die typischen touristischen Highlights wie den Malecon, das Capitol, die La Bodeguita del Medio, die alte Apotheke Drugeria Johnson…..etc. anzusehen.
Nach einer Siesta lasse ich den Abend bei einem Mojito an einem belebten Platz mit Musik (in Kuba immer, laut, überall und möglichst 24 Stunden, so der erste Eindruck) ausklingen.
An Tag 2 traf ich mittags meinen Guide Louis zu einer kleinen Einführungsrunde durch Havanna um mich mit der F 700 GS vertraut zu machen. Kleine Schlaglöcher nimmt sie mir nicht übel, jedoch den Größeren, die eher einem Bombenkrater 🙈 gleichen weiche ich dann doch lieber aus. Glücklicherweise sind die Straßen sehr breit und es herrscht wenig Verkehr, was dann doch eher traurig für die Kubaner ist, da derzeit der Treibstoff teuer und Mangelware ist
Tag 3 beginnt mit einer Fahrt über den Malecon entlang der Küste Richtung Las Terrazas. Langsam gewöhnen sich die GS und ich uns an die wechselnden Straßenverhältnisse….. besser gesagt ich gewöhne mich an die GS und merke, dass ich ihr vertrauen kann. Onroad ist hier auf Kuba fast schon „Offroad light“. 😉 Die Landschaft wird immer atemberaubender und man könnte alle 100 Meter einen Fotostop machen. Mein Guide hat ein grandioses Wissen über Flora und Fauna, welches er mir bei den kurzen Stopps leidenschaftlich vermittelt. Jedoch hat der letzte Hurrikan deutliche spuren in der Natur hinterlassen, einige Gebiete waren hier lange ohne Strom. Der Tag endet in einer im Paradies gelegenen Casa patricular, wo die Stromversorgung immer noch über einen Generator laufen muss.
Tag 4: Gestern hatte Louis technische Probleme mit seiner GS, die er selbst trotz ausreichendem Know-how und Ausrüstung (Topcase mit Werkzeug/Ersatzteilen) nicht beseitigen konnte und so wurde die GS am gestrigen Abend noch ausgetauscht. Beide Seitenkoffer sind für Reservebenzin.
Unsere Fahrt ging heute nach Vinales über wenig bis garnicht durch Autos befahrene Straßen und durch eine faszinierende Landschaft. Allerdings musste ich auch meine Definition „Onroad, Schlaglöcher, schlechte Straßen“ auf Kuba erneuern. Denn es kann doch vorkommen, dass die Strasse plötzlich weg und auf eine längere Distanz quasi nicht mehr vorhanden ist. Vorgewarnt durch meinen Guide war nun die Schotterpiste harmlos. Es ging über Geröll und ausgewaschene Pfade wo mal eine Straße war. Merkwürdigerweise (eine einzelne Person mag mir dies verzeihen) kam mir der Gedanke meine GS „Gisela“ zu taufen 😂 und wir haben die Strecke gut gemeistert. Ich war dankbar in weiser Voraussicht ein Offroadtraining für Großenduros gemacht zu haben und hatte zu meiner eigenen Überraschung sogar heute Spaß daran.
Da mein Guide gefühlt alle Menschen hier kennt, gab es nette Stopps bei Einheimischen zum Kaffee trinken oder zum plaudern. Die geernteten Kaffeebohnen werden einfach am Straßenrand zum trocknen ausgelegt (es fährt eh kaum ein Auto dort lang). Überall begegnen einem die Menschen mit ausgesprochener Herzlichkeit.
Tag 5 beginnt bei einem Frühstück auf der Dachterasse der Casa patricular mit Ausblick. Heute steht nur eine entspannte Rundtour durch das Vinales-Tal, einer urzeitlichen Landschaft mit grün überwucherten Kalksteinfelsen und etwas Sightseeing an. Natürlich 😂👍 führen die schönsten Wege vorbei an Trockenschuppen für den Tabak und Feldern die noch mit dem Ochsenpflug bestellt werden abseits der Hauptstraße auf Schotter oder auch mal über die Wiese zum Ziel. Meine „Gisela-Kuban“ habe ich echt lieb gewonnen, denn sie macht alles mit. Ich versuche alle Eindrücke der Natur und Begegnungen mit den Menschen in mein Herz einzubrennen, damit ich mich später an alles erinnern kann.
An Tag 6 geht unsere Fahrt durch Pinar del Rio zum Tanken und weiter nach Maria la Corda fast am westlichsten Ende von Kuba an‘s Meer. In den kleineren Provinzstädtchen schlängeln wir uns über die gewohnt schlechten Straßen zwischen Scootern, Rollern, Tuk-Tuk‘s, 125ern, Fahrrädern, Eselkarren, Reitern, Fußgängern und ab und zu einem klapprigen stinkenden LKW hindurch. Am besten hält man den Daumen ständig auf der Hupe. Wenn die Strasse mal etwas besser ist, ist es angenehm auch etwas schneller zu fahren, da das Thermometer mittlerweile auf 30 Grad geklettert und jede schattenspendende Wolke willkommen ist.
Wir werden von der Polizei an einer Kontrollstation angehalten. Nicht etwa, dass es etwas zu kontrollieren gibt, aber eine BMW GS ist nun mal hier eine Seltenheit und wird von den Polizisten bestaunt.
Hier im Gebiet des Tabakanbau ist die Landschaft derzeit weniger reizvoll, den die Saison zum Tabakpflanzen hat gerade erst begonnen. Da einige Restaurants geschlossen sind (mangelnder Tourismus und viele Kubaner verlassen das Land) organisiert Louis einen Stopp mit Verpflegung bei Freunden. Ein Vorteil für ihn diese zu sehen und zu plaudern, für mich ein weiterer Einblick in das wirkliche Leben der Kubaner. Spät setzen wir die Fahrt fort und Louis legt ein ordentliches Tempo vor. Ich empfinde diese Fahrt, die untergehende Sonne im Gesicht mit null Sicht auf die Schlaglöcher etwas freudlos und denke - dann doch besser Offroad ….. Kaum gedacht geht es an der Küste durch losen Korallensand 🤨. Gerade noch rechtzeitig zum Sonnenuntergang erreichen wir Maria la Corda. Der Ausblick entschädigt für die etwas heruntergekommene AI-Hotelanlage im Sowjet-Style. Am Abend wähle ich den Lobster, hier eine völlig normale gängige Speise.
Am Tag 7 lasse ich mir natürlich wieder den Sonnenaufgang nicht entgehen und kann diesen in aller Stille am Strand genießen bevor ich mich in die Fluten stürze. Wir brechen wie gewohnt gegen 10:00 Uhr auf und nach dem Korallensand und der freudlosen Straße werde ich mit einer wunderschönen Strecke durch das „Gebirge“ entschädigt und freue mich, dass Gisela mich auch in Schräglage bei den Straßenverhältnissen nicht im Stich lässt.
Später jedoch in einem unaufmerksamen und verträumten Moment auf gerade Strecke werde ich sofort bestraft und messe einmal die Straße aus 🥵😩🫣. Gisela ist nichts passiert, meine Schutzkleidung hat auch getan was sie soll und ist sogar bis auf ein paar Kratzer heil geblieben, jedoch steht sie nun vor Dreck auch von allein 🤭. Ein ordentlicher blauer Fleck ziert mein linkes Knie auf der Innenseite wie ich abends feststelle.
Um den Schreck zu verdauen steht mir jedoch der Sinn nach Kaffee und Zigarette. Wir fahren nun zu Freunden von Louis (ebenfalls Harley-Fan und Besitzer einer solchen).
Danach ist gestärkt wieder ein bisschen Speed bei relativ guten Straßenverhältnissen angesagt um das letzte Tageslicht zum Hotel zu nutzen.
Tag 8 ist der letzte Tag mit Guide und Gisela der uns wieder zurück nach Havanna bringt. Der Weg führt uns erneut durch das Gebiet, in dem der letzte Hurrikan gewütet hat. Stromleitungen hängen tief über der Straße herab und wir fahren geduckt darunter her, da die Reparaturen immer noch andauern. Erster Zwischenstopp am Straßenrand mit einem kleinen dahinter gelegen privaten ökologischen Nutzgarten. Hier erfahre ich wieder einiges über heimische Nutzpflanzen.
Im weiteren Verlauf haben wir einen weiteren Stopp zum Lunch und nutze diesmal die Gelegenheit Krebsfleisch zu probieren, ebenfalls hier ein völlig normales Gericht. Ich habe die Möglichkeit ein friedliches Bienenvolk zu bestaunen, den frischen Honig zu kosten und ein wenig die Gegend zu erkunden.
Wieder zurück in Havanna lassen wir den Tag auf der Terrasse von Louis ausklingen und ich freue mich so garnicht auf die Heimreise.
Tag 9: Da ich für meinen Rückflug am Abend erst nachmittags abgeholt werde nutze ich die Zeit zum Relaxen, mit den 3 Weimaranern zu spielen und mich in Louis Garage zwischen den alten Harleys umzusehen, die er in seiner Freizeit restauriert. Durch das Embargo werden die benötigten Ersatzteile selbstgemacht. Hierfür stehen jede Menge funktionierende große alte Maschinen zur Verfügung. Improvisationstalent ist nun mal erforderlich, für die Kubaner selbstverständlich und lebensnotwendig. Viele Oldtimer sind nur deshalb noch fahrtüchtig, da hier auch mal ein Dieselmotor, eine KIA-Bremse, irgendetwas von Mercedes, Honda, Seat …. oder von sonstigen Fahrzeugen entnommene Teile modifiziert und verbaut werden.
Fazit: Es war ein traumhaftes Erlebnis 🥰 und ich hatte Kuba‘s Westen gewählt, da ich bereits vor 30 Jahren die Mitte und den Osten bei einer Busrundreise kennengelernt habe.
Vor Reiseantritt habe ich etwas skeptisch zu Kenntnis genommen, dass ich die einzige Teilnehmerin bin. Dies hat sich in jeder Hinsicht als Glücksfall erwiesen und hätte nicht besser sein können.
Ich war mir im klaren über schlechte Strassenverhältnisse, aber dennoch überrascht und bin glücklich die ca. 1100 km dank „Gisela-Kuban“ gemeistert zu haben. Den ein oder anderen Muskel merkte ich am Ende der Tour mittlerweile doch 😇🤣.
Stromausfälle und daraus resultierende kalte Duschen, schlechte oder keine Internetverbindung und mein Ausrutscher haben mich nicht daran gehindert diese Reise im vollen Zügen zu genießen.
Meine leichte Onroad-Tour „Havanna und der Westen“ November 2024.
Kann man das noch toppen? Mal sehen was mir als nächstes einfällt….. 😂😇😂 vielleicht doch nochmal Kuba‘s Osten? …. ?
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