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Saisonstart 2011

  • Svendura
  • 6. März 2011 um 18:30
  • Svendura
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    3
    • 6. März 2011 um 18:30
    • #1

    Behutsam ziehe ich die staubige Plane von der kleinen Kawasaki. Mit jeder Bewegung erheben sich dicke graue Staubwolken im trüben Licht der Tiefgarage. Ich drehe den kleinen schwarzen Schlüssel, höre das aufgeregte Summen der Benzinpumpe und mit einem kurzen Druck auf den roten Startknopf lasse ich den Motor an. Ruhig und gleichmäßig bollert der kleine Einzylinder im Stand vor sich hin. Langsam rolle ich der Ausfahrt entgegen und ziehe im Vorbeifahren an dem dicken Seil, mit dem das große Rolltor geöffnet wird. Einen Augenblick später fahre ich hinaus ins gleißend helle Sonnenlicht und muss für einen Moment die Augen zusammenkneifen, so strahlend hell scheint die Sonne in meinen Helm. Trotzdem ist es noch immer leicht unter 0°C an diesem wunderschönen Kieler Morgen. Langsam fahre ich die wenigen hundert Meter hinunter zum Hafen und folge der Werftstraße um die Kieler Innenförde herum. Dritter, vierter Gang, höher komme ich im Stadtverkehr noch nicht. Es ist kalt und die Stadt sieht noch ganz verschlafen aus. Als ich an der Werft vorbeifahre, nimmt ein silberner Opel mir die Vorfahrt und ich kriege einen Riesenschreck. Das war knapp. Der Digitaltacho der Kawa zeigt 55 km/h. Ich sehe in den Rückspiegel, wo der Opel sich eilig entfernt, dabei ist hinter mir alles frei. Welch ein Hirni. Zwei Sekunden später wäre ich vorbei gewesen, aber soviel Zeit hatte der Herr wohl nicht. Motorradsaison 2011 und alles ist wie immer. Ich erreiche die Kieler Stadtgrenze und erhöhe langsam die Drehzahl. Ich schalte den fünfen, dann den sechsten Gang und düse im strahlenden Sonnenschein in Richtung Raisdorf. Wie ich das vermisst habe, dieses vertraute Gefühl von Freiheit auf meiner Enduro. Ich schalte zwei Gänge runter, reiße das Gas auf und die Kawasaki trompetet fröhlich in die eiskalte Morgenluft. Welch ein tolles Gefühl. Im Gewerbegebiet Raisdorf kenne ich einen alten, verlassenen Parkplatz, dessen einzelne Parkebenen durch steile Treppen verbunden sind. Ob ich das noch kann? Die green cow kann es ganz sicher. Ich sehe mich noch einmal um, ob auch keine Zuschauer da sind, die sich totlachen, falls ich es vermassele, aber ich bin ganz allein. In den Fußrasten stehend fahre ich im ersten Gang noch etwas ängstlich auf die erste Treppe zu. Kurz bevor das Vorderrad die unterste Stufe erreicht, gebe ich Gas, hebe das Vorderrad an und lasse den Rest das Motorrad erledigen. Mit ihren langen Federwegen klettert die leichte Kawa mühelos die 16 Stufen hinauf. Nur nicht zu langsam werden. Wenn jetzt der Motor abstirbt, liege ich auf der Seite. Ich gebe etwas Gas und lande nach dem letzten Treppenabsatz mit einem kleinen Hüpfer sicher auf den beiden Stollenreifen. Das hat Spaß gemacht, aber ich merke auch, wie unsicher ich noch bin. Soviele Jahre habe ich das schon nicht mehr gemacht. Ich muss wieder häufiger üben. Mit knapp 100 km/h fahre ich auf der alten B4 weiter in Richtung Süden. Der Asphalt trocknet nur langsam in der Wintersonne und in den Vorgärten und an den Straßenrändern liegt noch Schnee. Die Wettervorhersage hat für heute 4°C versprochen, aber davon sind wir noch weit entfernt. Kurz vorm Einfelder Sees tun mir die Hände vor Kälte so weh, dass ich mich entscheide, umzukehren und auf Umwegen über Flintbek langsam nach Hause zu fahren. Zwei Stunden sind für heute genug. An der SHELL Tankstelle in der Hamburger Chaussee fülle ich den siebeneinhalb Liter Tank der Kawa mit dem guten V-Power auf. Beim Bezahlen lasse ich mir endlos Zeit, weil es im Kassenraum so kuschelig warm ist. Ich versuche, den Kassierer in ein Gespräch zu verwickeln, aber er ist eher der muffelige Typ. Dafür vertippe ich mich bei der Geheimzahl, weil meine Hände so zittern, dass ich die 7 nicht richtig treffe. Um noch etwas Zeit zu schinden, drücke ich mich noch einen Moment vorm Zeitschriftenregal herum, bis ich plötzlich merke, dass ich die ganze Zeit vor den Tittenblättern stehe, die einzeln in Plastiktüten verpackt sind. Entschlossenen Schrittes verlasse ich den Kassen­raum und mache mich daran, den Reifendruck der cow zu checken, aber mit meinen klammen Aua-Fingern kriege ich die Ventilkappen nicht abgedreht und verschiebe die Kontrolle aufs nächste Mal. Bevor ich den Helm aufsetze, rufe ich Claudia an, ob sie nicht Lust hätte, ein Frühstück für uns zu machen. Sie hat und ich freue mich schon auf ihr leckeres Essen mit Spiegeleiern, Nürnberger Bratwürstchen und mit ohne Brot. Fazit: Als ich die Maschine in der Tiefgarage abstelle und die Sturmhaube vom Kopf ziehe, bin ich total aufgekratzt, zufrieden und glücklich. Es geht wieder los. Dieses vertraute Gefühl, das aber zugleich so aufregend, spannend und immer wieder neu ist, nutzt sich niemals ab. Es ist so stark wie es immer gewesen ist und zu Beginn einer Saison überwältigt es mich so sehr, dass nur die eisige Kälte mich davon abhält, gleich morgen mit Zelt und Schlafsack auf eine lange Tour zu starten. Aber bis dahin sind es ja nur noch ein paar Wochen...

  • Gelöschter Benutzer
    Gast
    • 6. März 2011 um 18:38
    • #2

    :top:

  • Hans_BHV
    Gast
    • 6. März 2011 um 18:59
    • #3

    Hallo Svenja, tolle Geschichte .... als wäre man/frau selbst dabei gewesen, aber sach mal, dieses weiße Zeugs, ist das wirklich Schnee ?? Brrrrrrrrr.....

  • Silbermoeve
    Gast
    • 6. März 2011 um 19:16
    • #4

    Wow - wie immer ein toller Bericht. Ich kann Hans nur zustimmen: als wäre man dabei gewesen. Immer wieder das Lesen wert, wenn Svenja was schreibt! Hoffe, dich auch mal persönlich kennenzulernen! Kerstin

  • Dada
    Gast
    • 6. März 2011 um 21:35
    • #5

    Sehr schön :) Grüße aus dem Odenwald Dada

  • DR650
    Gast
    • 6. März 2011 um 23:27
    • #6

    Ja, herrlich wars heute! Beim Frühstück grinste die Sonne durchs Fenster, ich musste nach Rendsburg zur "Bulldog-Messe", da wurde kurzerhand die olle DR als Transportmittel gewählt! Warm eingemummelt wurde die dicke aus der Garage geholt, es war nicht ihre erste Tour diese Woche und sie war sofort willig :D Einige schattige Straßen waren noch etwas reifglatt und die abgefahrenen Tourance sorgen auch hin und wieder mal für nen Adrenalinkick... Bei Neumünster mal kurz runter von der 205 und die normalen Handschuhe gegen Schweinepfoten gewechselt da die Fingerspitzen schon recht taub waren, dann ab auf die A7 bis Rendsburg... Svenja, da wären wir uns wohl fast übern Weg gefahren ;) Zurück gings nonstop von Rendsburg nach Hause, gleich mit Schweinepfoten bewaffnet :lol:

  • Gelöschter Benutzer
    Gast
    • 7. März 2011 um 06:38
    • #7

    Thermoboy von Polo + Schweinepfoten+Griffheizung ist schon ein großer Vorteil. 8-) Ich hab nur noch das falsche Motorrad :( . Tscharlie EDIT: Noch nicht wach! Toller Beitrag, Danke!



    Bearbeitet von tscharlie am 07. Mär 2011 - 06:43 Uhr.

  • goetz
    Gast
    • 7. März 2011 um 14:48
    • #8

    Ich war am Sonntag mit einigen Elbe-Bikern im Alten Land unterwegs. Herrlich, die erste Tour dieses Jahres mit knapp über 0 Grad im Schatten und frühlingshafter Sonne. Danke für Deinen lesenswerten Bericht, der wie immer ein einnehmendes Vergnügen war. Götz :)

  • Gelöschter Benutzer
    Gast
    • 7. März 2011 um 14:56
    • #9
    Zitat von Goetz

    Ich war am Sonntag mit einigen Elbe-Bikern im Alten Land unterwegs. Götz :)

    Mit den Elbebikern, soso!?

  • Gelöschter Benutzer
    Gast
    • 7. März 2011 um 21:31
    • #10

    klasse bericht-cool geschrieben :top:

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