Also, wie bin ich zum Motorradfahren gekommen? Das ist eine laaaaaaaaaaaaaaaange Geschichte - und eine lange Zeit des Nichtfahrens.
Ich habe in meiner Kindheit ja in der Nähe des Nürburgrings gewohnt, in Drees. Wir hatten einen kleinen Bauernhof mit Landwirtschaft im Nebenerwerb. Und wie fast alle kleinen Bäuerchen mit Platz im Haus, da haben wir an Renntagen auf dem Nürburgring, 1-2 Fremdenzimmer vermietet. Da kam dann etwas zusätzliches Bargeld in die Familie. Unsere Übernachtungsgäste waren Wiederkehrer und hatten sowas wie Familienanschluss bei uns. Die meisten waren Motorrad-Gespann-Fahrer. Am Abend versammelten sie sich in unserer guten Stube, und packten ihre Musikinstrumente aus. Gitarre, Banjo, Querflöte und auch eine Mundharmonika waren am Start. Als kleines Kind lauschte ich den Menschen aus der mir so fremden Welt fasziniert zu. Sie sprachen Hochdeutsch - und ich Eifeler Platt . Sie machten Musik zusammen und sangen. Wowwwwwwwwwwwwwww.
Ich versuchte natürlich so lange wie möglich am Abend aufbleiben zu dürfen, damit ich zuhören konnte. Wurde ich ins Bett geschickt erfand ich die "Ich-habe-noch-Hunger-Ausrede" und meine Mama schmierte mir noch ein Butterbrot. Damit verzog ich mich dann unter den Küchentisch und ward bald vergessen. Bis es denn dann irgendwann wieder hieß: "Ja Renate, bist du denn immer noch da? Jetzt aber ab ins Bett".
Für mich war klar, dass das richtig tolle Leben hinter meinem Bretterzaun im Dorf stattfindet und das musste einfach etwas mit Motorradfahren und Musikmachen zu tun haben. Ich wollte beides irgendwann können.
Die Jahre zogen dahin - wir gaben die Landwirtschaft auf und haben Drees verlassen um näher an Papas Arbeitsplatz zu wohnen. Und ich wollte Motorradfahren und Musikmachen.
Noch ehe ich einen Kassettenrecorder oder einen Plattenspieler bekam, da wurde mir der Wunsch nach einer Gitarre erfüllt und ich durfte sogar Gitarrenspielunterricht nehmen. - Nichts Dolles, aber ich kann heute ein paar Liedchen schrammeln.
Endlich 18, Zeit den Führerschein zu machen. Aber nur Auto-Führerschein, der Rest war verboten. Und so viel eigenes Geld, dass ich beide Führerscheine hätte bezahlen können, das hatte ich natürlich nicht.
Fazit: das mache ich später.
Dann kam es, wie es nun mal im Leben so kommt: Schule, Ausbildung, Hochzeit, Beruf, Kind. Schöne Sachen, aber nicht wirklich Platz und Zeit um den Motorradführerschein endlich zu machen.
Fazit: da warte ich noch ein paar Jährchen.
Irgendwann wollte ich Anlauf nehmen, um es zu tun. OK.- da wurde ich wieder schwanger - und da lernt man nicht wirklich ausgerechnet Motorrad fahren.
Fazit: Also später.
So gingen die Jahre dahin. Der Wunsch blieb immer im Hinterkopf und ich habe auch immer weiter Geld gespart, damit ich mir irgendwann meinen Traum erfüllen kann. Eines Tages reichte es mit dem Ersparten. Aber dann - wir hatten uns gerade selbständig gemacht - ging unser einziger, dringend benötigter, Computer kaputt. Katastrophe. Ich sagte zu Göga, dass ich Geld für einen neuen Rechner habe und wir den kaufen können.
Göga wollte das nicht, es sei ja schließlich mein Erspartes für den Motorradführerschein und ein Motorrad. Ich konnte ihn jedoch überzeugen, dass der Job jetzt erstmal wichtiger ist.
Fazit: also später.
Es nahte Gögas und mein Hochzeitstag. Er drückte mir einen Umschlag in die Hand mir Herzlichen Glückwunsch. So innerlich dachte ich mir noch: "Na toll, ein Gutschein". Ich öffnete das Kuvert und was fand ich??? Mein Mann hatte mich in einer Motorrad-Fahrschule angemeldet und den Grundkurs schon bezahlt. Ich musste nur noch zum Sehtest und zur Führerscheinstelle - und dann die Fahrstunden nehmen. Ihr könnt euch vorstellen, wie geplättet ich war.
Und ich habe alle Formalitäten noch am gleichen Tag erledigt, damit ich ja nicht "umfalle".
So startete also meine Motorradzeit - mit 40 Jahren.
LG
René