Mit der Kati zum Kap

Es ist meine erste längere Skandinavienreise, da bin ich froh mit den beiden Kennern Jörg und Bruno fahren zu können. Beide sind seit vielen Jahren in Skandinavien unterwegs und kennen nicht nur tolle Motorradstrecken und interessante Wegpunkte sondern auch schöne Campgrounds, und sie haben viele Informationen über Land und Leute. Rolf und ich fahren zwar schon eine gefühlte Ewigkeit Motorrad, aber eben nicht in Skandinavien.



Jörg, Rolf, ich und Bruno


Am 12. August geht's los, Jörg und Bruno mit 2 älteren Africa Twins (eine mit knapp 100 Tsd. km, eine mit weit über 200 Tsd. km) mit jeweils 60 PS, Rolf mit seiner neuen Africa Twin Adventure mit etwas über 100 PS und ich mit meiner KTM 890 Adv. mit etwa gleicher Leistung. Alle mit Geländereifen "light" unterwegs, die beiden älteren Hondas und meine KTM mit dem für längere Reisen sehr empfehlenswerten Heidenau Scout. Vom Ruhrgebiet bzw. von Münster bis Kiel knapp 480 km bis zur Fähre nach Göteborg, das geht bequem am ersten Tag. Auf der Nachtfähre das maritime Abendmenü und am nächsten Morgen ein gutes Frühstück kann man von vorneherein am besten mitbuchen.



Erste Pause auf dem Weg zum Campingplatz


Da wir bis zum Nordkap wollen, machen wir bis zur nächsten Fähre von Stockholm nach Helsinki nur eine kurze Übernachtungspause auf dem idyllisch gelegenen Campingplatz Tiveden am malerischen Unden - See, einem der 96.000 Seen Schwedens. Eine schöne kurvige Tagestour von knapp 280 km, abends Zeltaufbau, am nächsten Tag ebenfalls ca. 280 km bis Stockholm.



Blick vom Campground auf den Unden



Schärenlandschaft vor Stockholm (Fähre Stockholm - Helsinki)


Von Helsinki geht es Richtung russische Grenze durch die finnische Seenlandschaft auf die Insel Tuunaansaari auf den Punkaharju Campground. Ich möchte die Zahl gar nicht schreiben, Finnland hat fast doppelt soviel Seen wie Schweden, die alle durch das schmelzende Eis der Eiszeit entstanden sind.



Hütte auf dem Punkaharju - Campground



Blick ins Innere


Der auf den Plätzen anzutreffende Hüttenstandard ist durchaus unterschiedlich, von einfacheren Hütten wie hier bis hin zu Hütten mit kleiner Küche, Waschraum und Dusche gibt es durchaus verschiedene Varianten. Je nach Jahreszeit lohnt es sich, die Verfügbarkeit vorher telefonisch abzufragen.



Startformation Richtung Koli


Über Kerimäki fahren wir am nächsten Tag zum Koli-Nationalpark am Pielinen-See nicht ohne einen Abstecher zu der grössten christlichen Holzkirche der Welt im kleinen Ort Kerimäki zu machen. Diese Kirche wurde von 1844 bis 1847 erbaut, sie verfügt über 3.400 Sitzplätze und fasst bis zu 5.000 Personen. Der Legende nach beruht diese immense Grösse für so ein zu dieser Zeit kleines Dorf auf einem Missverständnis: ein in den USA zu Geld gekommener Finne hat die Kirche seinem Ort gestiftet, ein amerikanischer Architekt die Pläne in Fuss erstellt, diese seien dann vor Ort ohne Umrechnung in metrische Masse umgesetzt worden. Wie auch immer, das Gebäude ist riesig.



Holzkirche Kerimäki



Innenansicht der Holzkirche


In Koli beziehen wir ein ganzes Haus mit mehreren Schlafzimmern und einem grossen Grill, so dass wir uns entscheiden, dort einen Pausentag einzulegen. Wir verbringen den freien Tag je nach Lust und Laune mit Motorradpflege (die einen ;) ), mit Relaxen, oder mit dem Besuch des Seecafes Kolin Satamravintola, ein wenig versteckt aber dennoch direkt am See gelegen. Abends mache ich noch eine kleine Endurotour am See entlang.



Blick auf den Pielinensee



kleine Nachmittagstour


Anschliessend geht es weiter über Nurmes nach Hyrynsalmi, mehr als 100 km über unbefestigte Pisten. In Nurmes machen wir eine kleine Pause am Bomba-Haus, das berühmt ist für seine typisch karelische Rundholzbauweise.



Haus Bomba in Nurmes


Die meiste Zeit folgen wir der nicht asphaltierten Via Karelia bis wir auf dem Camping Vonkka ankommen.



Weg nach Norden



Doppelhütte auf dem Camping Vonkka



Blick am Morgen aus der Hütte auf eine Rentiergruppe


Es geht weiter über Rovaniemi, wo sich bekanntlich der Sitz des Weihnachtsmannes befindet und wo man den Polarkreis überschreitet nach Sodankylä zum Camping Nilimella. Das Santa Claus Village in Rovaniemi sollte man jedoch nur besuchen, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Hier gibt es das ganze Jahr über Weihnachtsartikel und laute Weihnachtsmusik...


Von Sodankylä fahren wir nach Kittilä, einem bekannten Wintersportort vor allem für Ski-doos, von dort Richtung Inari über eine etwas heftigere Schlagloch- und Sandpiste bis zum abgelegenen Hotel Korpikartano am Menesjärvi, wo ich den Tag bei einer Rudertour ausklingen lasse.



Pause nach Regenfahrt Richtung Inari


Am nächsten Tag hat Jörg Geburtstag, dies wird mit einem guten Frühstück bei Kerzenlicht gefeiert und fortgesetzt mit der Tour bis zum Nordkap am gleichen Tag. Ab Münster haben wir bis zum Nordkap 3.053 km zurückgelegt.



Jörgs Geburtstag beim Frühstück



und am Abend


Am Nordkap ist ausser einem grossen Parkplatz und einem grösseren touristischen Informationszentrum mit Restaurant und Geschäft und natürlich der grossen Kugel nicht viel zu sehen, auch der etwa 20 km entfernte Nordkap - Campground hat einen eher rauen Charme. Bei 7° C ist man jedoch sehr froh, dass die Heizung in der Hütte gut funktioniert.



Nordkap Camping


Über Fosselv Camping an der E6 geht es im Laufe der nächsten 2 Tage zunächst in das kleine Hafenstädtchen Gryllefjord und dort mit der Fähre rüber nach Andenes auf den Lofoten.



Impressionen aus Gryllefjord



Am nächsten Tag habe ich ein eigenes Programm: ich möchte gerne die Kaviarfactory besuchen, eine Ausstellung von Ai Weiwei. Um dafür genügend Zeit zu haben, fahre ich bereits um viertel nach 6 los. Ich fahre über die Inseln Andoya, Hinnoya, Langoya, Hadseloya, nehme die Fähre von Melbu nach Fiskebol und erreiche schliesslich in Henningsvær auf der Insel Austvagoy die Ausstellung. Damit habe ich nur wenige der 80 Lofoteninseln befahren, aber immerhin trotz Nebel, leichtem Regen und Temperaturen um die 7° ist es eine grandiose Tour.



authentische Lofotentour (Nebel, leichter Regen, 7°, tolle Landschaften)



Ausstellungsgebäude (ehemalige Kaviarfactory)



einige Exponate von Ai Weiwei in Henningsvær


Da ich eher zurück muss, trennen wir uns am nächsten Tag und ich mache mich durch das Land mit einer besonders hohen Nord-Süd-Ausdehnung (Schweden: 1572 km) auf den Heimweg. Am ersten Abend alleine übernachte ich auf dem Campground in Sorsele in einer schönen Hütte mit Küche, Dusche und WC.


Am nächsten Tag absolviere ich die längste Strecke dieser Tour durch Schweden - 764 km über grosse, mittlere und kleine Strassen zum Teil bis nach Osbacka bei Falun.


Verkehrsteilnehmer in Mittelschweden


Am frühen Morgen fahre ich fast 1 Stunde lang ohne ein einziges weiteres Fahrzeug auf meiner Spur oder sogar auf der Gegenfahrbahn zu sehen. So komme ich gut voran und kann auch die ein oder andere off-road-Einlage einlegen.



weiterer Verkehrsteilnehmer in Mittelschweden


Mit dem Fahrer des abgebildeten Peugeot 404, der mit seiner Mutter unterwegs ist, komme ich kurz ins Gespräch. Er erklärt mir, dass er seit vielen Jahrzehnten sein Auto nicht wechseln möchte, und seine Mutter weist mich noch fröhlich darauf hin, dass ich doch mit meiner Maschine bitte vorsichtig fahren solle.


Bei Falun in Olsbacka buche ich über booking ein komplettes kleines Haus mit Superfrühstück. Da ich spät komme, macht mir Elisabeth, die Besitzerin, noch ein tolles schwedisches Abendessen.


Olsbacka gård bei Falun


Am nächsten Tag auf meinem 500km - Rückweg nach Göteborg versuche ich noch die ein oder andere Geländestrecke zu erwischen.



Geländepassage in Südschweden


Nach 17 Tagen und 6.324 km komme ich am 28.12. mit vielen neuen Eindrücken wieder in Münster an.

Kommentare 5

  • Einfach.... KLASSE.... :thumbup:

  • Tolle Reise. Schöner Bericht. Danke :thumbup:

  • Toller Bericht. Auch wenn das Wetter nicht immer optimal ist, geht vom Norden irgendwie eine Faszination aus. Wenn ich die Bilder sehe und lese was du geschrieben hast, fühle ich mich gleich dorthin versetzt.

    Grüße, Klaus

    • Danke für den Bericht von Eurer Tour.


      Vor ein paar Jahren war ich mit der bereiften Schnarchkistedort oben und es war dieser Sommer als es richtig warm und das Gefühl für "den echten Norden" nicht aufkommen wollte. So hattet Ihr zwar nicht so viel Sonne, dafür das passende Wetter.


      Gruß vom Kay!

    • Hey Joe,

      coole Tour, Respekt.