Gibt's hier Gleitlagerspeizialisten?

  • Guten Abend zusammen - und nochmal alles Gute für Neue Jahr.


    Ich trage mich mit dem Gedanken, eine Nachfertigung für ein nicht mehr verfügbares Verschleißteil für einen Youngtimer anzustoßen. Es handelt sich um die Hauptlager eines Ducati-Modells aus den 80ern. Wahrscheinlich stirbt die Idee aus Kostengründen, aber ich will sie wenigstens mal ausloten.


    Das Original-Teil ist ein kombiniertes Axial-/Radial-Gleitlager für einen Wellendurchmesser von 50 mm. Es ist als Zweistoff-Lager ausgeführt mit einem Stahlträger und einer aufgebrachten Lauffläche aus Lagerbronze. Das Teil ist weltweit vergriffen. Tests mit Einstofflagern waren bislang erfolglos (Neigung zum Fressen).


    Meine Frage: Ist hier jemand von Fach, der hydrodynamische Lager auslegen kann bzw. taugliche Materialkombinationen kennt? Hat jemand Kenntnisse/Kontakt zu Hersteller/Fertigungsbetrieb, welche Lagerbronze auf verfügbare Stahlträger aufbringen kann? Oder: spezifische Fachkenntnissen besitzt, damit ich mich mit ihm austauschen kann?


    plain_bearing.jpg

  • Danke Dietmar,


    die Geometrie ist das kleinste Problem, da bekannt: Innendurchmesser (Welle, Lagerspiel), Außendurchmesser (Lagersitz), Lagerbreite, axiale Lagerfläche lassen nur wenig Freiheiten zu. Ich habe versucht, die Lagerauslegung zurück zu rechnen; ein Optimierung wäre der nächste Schritt. Der betriebsseitige Toleranzbereich ist noch abzuklären; daraus ergibt sich die nötige Fertigungstoleranz.


    Es gibt dutzende Lagerbronzen mit vielen verschiedenen Legierungsbestandteilen. Ein Einschichtlager wurde schon versucht, aber das Lager fraß nach einigen Minuten auf dem Prüfstand.


    Lager_2.jpg


    Vermutlich war die thermische Ausdehnung für diesen Bronzetyp zu groß. Manche Leute behaupten, dass man bei einem Schnellläufer mit einem Einstofflager am Ende ist, was mechanische Stabilität und thermische Leitfähigkeit anbelangt. Die hohe Fertigungstiefe von Mehrstofflagern ist eindeutig außerhalb der Möglichkeiten engagierter Laien.


    Also suche ich Kontakte zu Gleitlagerherstellern. Diese Bauart (hydrodynamisches Gleitlager, Motorlager, kombinierte Axial/Radiallager-Buchse) ist heute allerdings selten. Ich habe noch keinen Hersteller gefunden, der was Passendes im Angebot hat.

  • Ich würde in meinem Umfeld entweder den aktiven Ducati-Händler und -Schrauber Christian Nebl

    oder einen der ältesten Ducati-Schrauber (kein aktiver Ducati-Partner mehr) Hermann Beyreuther anrufen.

    Hermann repariert auch noch viele alte DUCs.

    Servus, Bernhard

    Das Leben ist zu kurz für später! :)


    Abstand halten und Kontakt vermeiden heißt nicht, Abstand vom "Gesunden Menschenverstand" halten :rolleyes:

  • Danke, aber ...


    ... wenn man gedanklich mit der Nachfertigung eines weltweit vergriffenen Bauteils beschäftigt, dann hat man schon alle naheliegenden Lösungen abgeklappert. Und kennt die Szene ausreichend gut.


    DXennoch: den Beyreuther kannte ich noch nicht ... sollte er zwei Lager besitzen, spendiere ich Dir ein 100 Liter-Fass Bier.

  • Mikael


    ... hmmm ...

    wenn i die ganze Geschichte nochmal durchstudier ...


    dann komm i noch auf anderes ...

    voraus noch: i hab eine Desmo noch nie von innen gesehen ...


    Stellt Euch vor: das/die Lager sind nur Folgeschäden !

    oke:

    Der Name Gleitlager impliziert ja schon einiges.

    Da sollte nie, NIE, GAR-NIE Metall auf Metall kommen, und wenn ja: WARUM ?

    Wäre es denkbar, dass die Ölpumpe/n nicht mehr genügend Druck aufbauten, und darum .. !

    ist die Pumpe kontrolliert worden ?

    Öldruck ?


    i weiss, bisschen weit hergeholt, darum als Beispiel:

    Neu bringt diese Pumpe sagen wir mal 20 bar, und das reicht,

    um die Kurbelwelle ab den Lagern zu heben, schwimmend.

    alt bringt sie nur noch 10, und das reicht knapp für den hochtourigen Bereich,

    aber nie und nimmer beim Start, oder das langsame Warmfahren ... klarer ?


    Gespannt warte i auf die Lösung,

    und leide mit Dir,

    denn diese über 40 jährigen Divas sollten auf der Strasse bleiben ...

    LHzG

  • Bevor hier einiges durcheinander gerät: Mein Motor ist komplett überholt und frisch gelagert. Hatte mir vor ca. 10 Jahren vorsorglich noch einen Satz gesichert. Für meine Ersatzmotoren hab ich noch gebrauchtes, aber taugliches Material.


    Ich prüfe die Möglichkeit einer Nachfertigung, um Markenkollegen (gegen Erstattung meiner Auslagen) das Weiterbetreiben ihrer Motoren zu ermöglichen. Angedachte Größenordnung: 50 Stück (25 Motoren), um Nachfrage zu testen und Werkzeugkosten vielleicht noch im Rahmen zu halten.


    Natürlich hat der Verschleiß eine Ursache: eine nur zweifach gelagerte Kurbelwelle, die sich bei hohen Drehzahlen verformt. Die Schäden liegen eher in der Vergangenheit, da man heute einen Youngtimer eher nicht in den roten Bereich des Drehzahlmessers schickt.

  • Vielleicht habe ich selbst für Verwirrung gesorgt: Das Angebot, für die Vermittlung von 2 Lagern ein 100-Liter-Fass zu spenden, könnte man als verzweifelte Lage meinerseits interpretieren - ist aber nicht so. Möchte eher ausdrücken: ich bin so sehr davon überzeugt, dort keine Lager zu finden, dass ich gefahrlos 100-Liter Bier riskiere.

  • 2. Option mal prüfen: können da eventuell Rollenlager oder Kugellager eingesetzt werden. Vorteil, die sollten länger durchhalten. Gleitlager sind die schlechteste Lösung im Motorenbau.

  • Umbau auf Kugel- oder Pendelrollenlager: wurde schon diskutiert, aber als sehr aufwendig verworfen (Abänderung der Motorgehäuseteile und der Kurbelwelle erforderlich).


    Ich möchte lediglich die Möglichkeit einer Gleitlager-Nachfertigung ausloten.

  • Mikael

    kennst du die genaue Werkstoff Bezeichnung. Evtl. kann es im 3D-Druck

    (Metall-Sinterverfahren) hergestellt werden. Wäre mal eine Überlegung...


    Andreas und ich sitzt da Technologie mäßig an der Quelle vom Job her.

    3D Modell kriegen wir auch hin :-)

  • Nein, ich kenne die Materialzusammensetzung nicht. Der Grundkörper besteht aus Stahl (magnetisch) mit einer dünnen Laufschicht aus rötlicher Lagerbronze. Ich habe zwei Lager (mit Untermaß), eines davon beschädigt, die ich zur Analyse bei Firmenkontakt opfern würde.


    Neben der Geometrie will ich einige Kenndaten parat haben (Sommerfeldzahl; Gleitgeschwindigkeit, Lagerkräfte), damit eine geeignete Gleitpaarung bestimmt werden kann. An 3D Druck (rapid prototyping) habe ich in letzter Zeit auch gedacht. Hab da schon tolle Sachen gesehen, z.B. 3D Crashboxen aus Titan.

  • Ein Motor ist von einem Spezi "gemacht" worden, wartet auf den Rücktransport aus dem Ausland und sollte dann für die nächsten jahre Ruhe geben. Einen anderen will ich selbst herrichten - dauert sicher ewig / ich starte nahe Null - und dabei sanft optimieren (Zündung, Kühlung, Vibrationen).


    Die Nachfertigung soll Markenkollegen helfen; bei mir sehe ich derzeit keinen Handlungsbedarf. Aber Geometrie ermitteln, Belastung quantifizieren, taugliche Lagermaterialien identifizieren, Hersteller identifizieren kann ich mal schon.

  • Was sagt Ducati wegen Ersatzteil Beschaffung, oder Datenblatt?

    Vielleicht gibt es in deren Fundus noch alte Konstruktionsunterlagen.

    Wie schon an anderer Stelle geäußert: Bevor man an eine Nachfertigung denkt, hat man alle naheliegenden Lösungen schon abgegrast.


    Schreiben an Ducati Deutschland: zu diesem Modell hätten sie keine Ersatzteile mehr, sie könnten mir leider nicht helfen. Aber wenn ich eine neue Ducati kaufen wolle ... blalblabla.


    Schreiben an Ducati Italien (auf Englisch). Auch nach zwei Monaten keine Anwort.


    Erneutes Schreiben auf Italienisch, in dem ich die Absicht einer Nachfertigung anreiße und um fachliche Unterstützung bitte. Formale Antwort: nur Ducati Fachleute, die aufgrund einer Spezialausbildung in der Lage seien ... blablabla ... eine Nachfertigung im Namen von Ducati würde folgende rechtlichen Schritte nach sich ziehen ... blablabla.


    Erneutes Anschreiben auf Italienisch: besäße ebenfalls eine vergleichbare Fachausbildung, denke nicht an eine kommerzielle Fertigung (gefälschte Bauteile), wolle lediglich mehrere Dutzend Motoren vor der Verschrottung bewahren und Fans der Marke glücklich machen. Ob sie noch Fertigungsunterlagen besäßen und/oder mir den letzten Hersteller nennen könnten? Antwort von Ducati nun in auffallend freundlichem Ton: sie würden mir ja gerne helfen, leider sei es zu einem Brand gekommen, bei dem alle Unterlagen vernichtet wurden. Die Zulieferer würde Ducati grundsätzlich nicht nach außen nennen. Dazu eine Liste von 20 Händlern, die eventuell noch ersatzteile haben könnten (wovon ich bestimmt schon 15 kannte).


    Bei einem weiteren Bauteil (Steuerkette) könnte ich den Hersteller identifizieren, schrieb ihn auf italienisch an. Sehr freundliche Antwort: man habe noch 60 Ketten gefunden; leider könne man nur an den Importeur des Landes liefern. Stein-Dinse kontaktiert, die haben zwei Dutzend abgenommen; ich davon wiederum fünf - so geht es auch!

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