Geplante Fahrverbote

  • Hi @ all,


    kurz zu meiner Person: Mein Name ist Stefan, ich bin 57 Jahre alt und seit über 30 Jahren auf den verschiedensten Motorrädern unterwegs. Sie gehören zu meinem Leben und ich habe in den unterschiedlichsten Ländern viele Kilometer gemacht.


    Was mich zu diesem Eintrag hier motiviert, ist die Wut darüber wie immer noch mit Motorradfahrern und -Fahrerinnen umgegangen wird. Seit Jahrzehnten ist man als Motorradler Anfeindungen und Vorurteilen ausgesetzt, die jetzt in diesem unsäglichen Vorhaben gipfelt, Fahrverbote auszusprechen und als Gesetz zu manifestieren.

    Ich erspare Euch weitere Ausführungen, da ihr das Ganze zur Genüge kennt.


    Unumstritten ist, dass es welche gibt, die mit 8000 rpm durch den Ort knallen, unbestritten ist, dass es welche gibt, die anstatt der Schalldämpfer nur zwei verchromte Rohre am Zylinder angeflanscht haben aber das ist nicht das Gros!


    All das wissen wir!


    Ich möchte Euch nur mitteilen wie ich damit umgehe: Demos sind sehr gut, Online-Petition ist sehr gut:thumbup:.


    Aber ich glaube, dass nix mehr weh tut als Geldentzug! Wenn Motorradler und -Radlerinnen den Ausgangort dieses bösartigen Virus meiden und somit ihr Geld woanders lassen wird das seine Wirkung nicht verfehlen.


    Will sagen: Ich und einige meiner Zweiradkolleginnen und -Kollegen werden zukünftig den Schwarzwald und den Bodensee meiden und den Urlaub, egal ob Wochenende oder Haupturlaub dort verbringen, wo man noch willkommen ist.

    BaWü ist tabu, einzig zur Durchfahrt noch gut.


    Ich bin davon überzeugt, dass dies seine Wirkung entfalten wird, denn wir sind eine finanzielle Macht, die nicht zu unterschätzen ist. Ich und meine Spezl glauben daran und werden versuchen andere zu motivieren diese Macht einzusetzen. Leider zählt bei uns nur die Kohle und erst wenn die ausbleibt ändert sich was.


    In diesem Sinne wünsche ich Euch von Herzen immer viel Freude, immer unfallfrei und möglichst wenig demente SUV-Fahrer.


    Liebe Grüße

    Stefan

  • Hallo Stefan ,

    Ich stimme dir 100% ig zu 👍


    Wirtschaftssanktionen brauchen lange bis sie wirken , aber sie wirken !!!


    Nur ..... mir fehlt der Glaube .....

    - dass es genügend werden , die den Gedanken umsetzen , damit es für die Wirtschaft spürbar ist .

    - es dann diese vielen Motorradfahrer auch lange genug durchhalten , damit die Politik darauf reagiert (Politik ist ja bekanntlich die dickfälligste Spezies oder Republik)

  • Prinzipiell denk ich auch das Wirtschaftsanktionen wirken.

    Persönlich halte ich es so mit Österreich.

    Allerdings müssen sehr viele mitmachen damit es spürbar wird.

    Und wie ich bislang die Lärmgegner kennengelernt habe nehmen die es mitleidlos hin,wenn Hotels und Gastwirte Probleme bekommen.

    Sie werden es sogar bejubeln und argumentieren das es so genau gewünscht ist und die Hotels und Gastwirte sich auf Wanderer Radfahrer und Rentner die die Ruhe suchen umstellen sollen.

    Denn dieses Publikum ist ja eh viel besser als die asozialen lärmenden Motorradfeinde.

  • Das Thema geht mir inzwischen derart an die Nieren, dass ich heute dem Bundestagsabgeordneten der Grünen geschrieben habe, der für unseren Wahlkreis zuständig ist:


    Hallo Herr Gastel,


    ich spreche Sie heute als meinen Abgeordneten im Bundestag für den Wahlkreis Nürtingen an und auch deswegen, weil Sie sich offenbar dafür einsetzen, dass ich nicht mehr Motorradfahren darf.


    Mein Motorrad ist ordnungsgemäß angemeldet und ich habe keinerlei Manipulation an der Auspuffanlage oder an sonst irgendeinem Bauteil vorgenommen. Ich bezahle die Steuern und fahre immer leise und rücksichtsvoll. Noch nie habe ich jemanden gefährdet oder einen Unfall verursacht. Umgekehrt ist das aber schon mehrfach geschehen - durch Autos, nicht durch Motorräder.


    Warum möchten Sie mir nun verbieten, etwa zu meiner Mutter in den Schwarzwald zu fahren oder mit dem Motorrad meine Tochter in Italien zu besuchen? Die Energiebilanz ist mit dem Motorrad tatsächlich sehr viel günstiger als wenn ich mit dem Auto fahre. Für den Umweltschutz würde ich gerne noch weiter gehen und auf ein Elektromotorrad umsteigen. Selbst eine geringe Reichweite und eine immer noch sehr lückenhafte Infrastruktur würde ich in Kauf nehmen. Allerdings kostet ein Elektromotorrad satte 26 T€ - doppelt soviel wie ein deutlich besseres Motorrad mit Verbrennungsmotor. Eine staatliche Förderung gibt es dafür nicht. Haben Sie sich dafür nicht hinreichend eingesetzt? Das hätte doch gut in das Corona-Konjunkturpaket gepasst.


    Offenbar interessieren Sie sich lieber für Verbote. Lärmbelästigung und Manipulationen an den Auspuffanlagen sind heute bereits verboten und können sanktioniert werden. In einer aufgeklärten Gesellschaft trägt jeder eine individuelle Verantwortung für sein Verhalten. Ein generelles Fahrverbot für alle Motorradfahrer ist nicht nur völlig unverhältnismässig sondern es kommt auch einer Kollektivhaftung gleich und verstösst gegen fundamentalste Prinzipien unserer Rechtsordnung. Ich kann nicht glauben, dass ausgerechnet ein Grüner sich gegen diese Werte stellen möchte.


    Noch weniger kann ich begreifen, warum die Grünen ihre Fahrverbote ausschliesslich gegen Motorradfahrer durchsetzen möchten. Warum sollen keine generellen Obergrenzen für den Verkehrslärm gelten? Dann wären Sportwagen, SUVs, LKWs, Sportflugzeuge usw. gleichermassen betroffen. Ihre gezielte Kampagne gegen Motorräder erscheint uns Motorradfahrern daher als reine Willkür. Ich empfinde das als eine ganz bewusste Diskriminierung und fürchte, Sie möchten so die weit verbreiteten Ressentiments gegen Motorradfahrer bedienen und damit auf Stimmenfang gehen.


    Für mich standen die Grünen immer für unsere Umwelt, aber auch für Gerechtigkeit und für den Schutz von Minderheiten. Das hat sich in meiner Wahrnehmung leider ins Gegenteil gedreht. Sie stehen heute nur noch für Bevormundung und für Verbote. Das zu sagen tut mir wirklich leid, denn ich habe die Grünen schon immer gewählt - seit den Zeiten von Petra Kelly. Das wird mir nun nicht mehr möglich sein.

  • Zu meiner Überraschung hat der Abgeordnete sehr rasch geantwortet. Er hat dargelegt, dass er für kein Verbot des Motorradfahrens eintreten würde sondern für einen wirksamen Lärmschutz. Dieser umfasse strengere Vorgaben für die Neuzulassung von Motorrädern, mehr Kontrollen und strengere Konsequenzen bei Verstößen. Außerdem solle dort, wo Motorradlärm besonders belästigend sei, durch Hinweisschilder und dB(A)-Messstellen und -Anzeigetafeln um "leises Fahren" gebeten werden. Wo all dies nichts bringe und die Wohnbevölkerung nach wie vor zu hohen Belastungen ausgesetzt sei, sollen als letzte Möglichkeit sonntags auf den betreffenden Streckenabschnitten Fahrverbote angeordnet werden können.


    In der Folge gingen mehrere Emails hin und her. Allerdings ist er in keinem einzigen Punkt auf meine Argumentation eingegangen, weder auf das Thema Kollektivstrafe noch auf die Diskriminierung. Er erkannte noch nicht einmal einen Widerspruch darin, dass er angeblich für kein Verbot des Motorradfahrens eintritt aber zugleich Fahrverbote anordnen möchte. Ich hatte den Eindruck, er folgt lediglich den Stereotypen einer vorgegebenen Position seiner Fraktion. Ich hätte mich ebenso mit einem KI-Chatbot unterhalten können. Das war schon sehr ärmlich.


    Ich bin überzeugt, dass auf diesem Weg absolut nichts zu erreichen ist. In der ganzen Konversation schien mir nur eine Aussage tatsächlich authentisch zu sein: Sein Hinweis, dass er einige Zuschriften von “Motorradfahrenden” erhalten habe, die die Fahrverbote unterstützen.


    Das ist doch kaum zu fassen - wie wollen wir denn Fahrverbote verhindern, wenn die “Motorradfahrenden” selbst nach Fahrverboten rufen und den Politikern ihre Argumente liefern? Da hört für mich definitiv jedes Verständnis auf.



  • ... In der ganzen Konversation schien mir nur eine Aussage tatsächlich authentisch zu sein: Sein Hinweis, dass er einige Zuschriften von “Motorradfahrenden” erhalten habe, die die Fahrverbote unterstützen. ...

    Wie sagte man früher:


    "Wer´s glaubt wird selig." ;)


    "Und wer es nicht glaubt kommt auch in den Himmel!":saint:

    Einmal editiert, zuletzt von Ralf ()

  • *****

    ... Ich bin überzeugt, dass auf diesem Weg absolut nichts zu erreichen ist. .....

    *****

    Ich hatte mit dieser Reaktion und deiner Erkenntnis gerechnet,

    Als du geschrieben hattest „..... einem Grünen Abgeordneten...“.


    Da ich befürchte, dass bei den Grünen die ideologische Ausrichtung eine Diskussion, die in einem Kompromiss endet , unmöglich macht .


    Eine kleine Hoffnung hätte ich ggf bei anderen Fraktionen .

    (Nein, keine Kürzel !!!!! Ich will nicht von Meinung in (Parteien)Werbung abgleiten )


    Interessant wäre evt mal herauszufinden welche Politiker selbst Motorradfahrer sind .

    Evt könnte man dort mit gezielten schreiben etwas erreichen ... in dem man ihnen zeigt dass sie große Unterstützung hätten wenn sie sich für Belange von Motorradfahrern auch offensiv einsetzen.

    Frei nach dem Motto „mit PETER STRUCK wäre das nicht passiert“.

    (Als Info : leidenschaftlicher Motorradfahrer , seeeehr lange Zeit Mitglied des Bundestages , dort hatte , aufgrund seines Wesens und große Erfahrung, sein Wort Gewicht . Er organisierte jedes Jahr eine motorradausfahrt der im Bundestag vertretenen Motorradfahrer .... leider viel zu früh verstorben )

  • 1) "In der Folge gingen mehrere Emails hin und her. Allerdings ist er in keinem einzigen Punkt auf meine Argumentation eingegangen, weder auf das Thema Kollektivstrafe noch auf die Diskriminierung."


    2) Ich hätte mich ebenso mit einem KI-Chatbot unterhalten können. Das war schon sehr ärmlich.


    3) Ich bin überzeugt, dass auf diesem Weg absolut nichts zu erreichen ist.


    zu 1)


    das wird auch nicht passieren. Es werden alle Optionen offen gehalten


    zu 2)



    richtig, er antwortet auch eher nicht persönlich, sondern seine Büromitarbeitenden. Die blocken alles ab, geben nichtssagende Antworten.


    zu 3)


    da liegst du völlig richtig. Leider.




    Eine wirklich wirksame "Protestaktion" kann eigentlich nur Bundesweit geschehen. Als "Inspiration":


    1. Alle Motorradfahrenden einigen sich auf 4 aufeinander folgende Samstage (=damit fängts schon an...)


    2. Wir blockieren z.B. an den Samstagen ALLE Parkplätze in den grossen Innenstädten mit jeweils 1 Motorrad (=Parkschein ziehen nicht vergessen...)


    3. die "Prollkarren", die alle Normalfahrenden in Verruf bringen, gehören -wenn nicht der StVO entsprechend- aus dem Verkehr gezogen. Dazu siehe Vorschlag 4


    4. Wer mit einer zu lauten Karre unterwegs ist (egal, ob Moped oder Auto) sieht sein Kfz für 6 Monate nicht mehr, es wird temporär "eingezogen"


    5. DB-Kontrollen werden verschärft.


    Ich fahre liebend gerne Motorrad, aber ich kann den Ärger der Anwohner einiger Strecken verstehen. Und für mich gehört es sich, dass ich eben nicht mit Vollgas aus der Ortschaft hinausplörre. Da blubbere ich noch eine Zeit lang herum. OBWOHL es mich natürlich "juckt" ^^


    Mir ist vollkommen bewusst, dass ich jetzt nicht die Herzen aller treffen werde. Allerdings ist es wie in einem Team, das sich zusammenfindet: Alle müssen ihren Beitrag leisten. Dann wird es auch was.

    Träume nicht Dein Leben - lebe Deinen Traum

  • Allerdings ist er in keinem einzigen Punkt auf meine Argumentation eingegangen

    Das passt zum Bild das ich beim Studium vieler Artikel und Kommentaren zu berichten und Videos gelesen habe.

    Die Grünen in Gesamtheit , auch Politiker anderer Parteien auf Komunalebene und Kommentarschreiber der Lärmgegner gehen auf egal welche Argumente nicht im geringsten ein.

    Eine ernsthafte Diskussion mit diesen Personenkreisen erscheint mir so sinnvoll wie eine argumentative ernsthafte Diskussion mit einer dreijährigen an der Supermarktkasse warum der Schokoriegel den sie haben will ungesund und schlecht für die Zähne ist.

    Im wesentlichen beschränken sich die Antworten auf.....ICH WILL ABER.

    Die Politiker benutzen lediglich mehr Worte um dies auszudrücken.


    Einige Politiker erkennen sogar an das es sich nur um einzelne "schwarze Schafe" handelt um den Satz dann singemäß mit... ICH WILL ABER TROTZDEM....zu beenden.


    Bei diesem Personenkreis sind Argumente oder auch wie wir uns verhalten ( leise oder laut) völlig egal.

    Sie haben ihre Meinung/Einstellung/Idiologie und werden erst aufhören wenn es keine Motorräder mehr gibt.

    Diese sind auch bereit über Leichen zu gehen, denn mit den einseiten Tempolimits nur für Motorräder nehmen sie bewußt in Kauf das Motorradfahrer gefährdet und verletzt/getötet werden.


    Was uns bleibt ist möglichst viele "neutrale" Menschen von unserem Anliegen zu überzeugen.

    Ich hoffe die Demos werden fortgesetzt.

    Am liebsten wäre mir wenn jetzt statt Fridays for Future in Zukunft

    Saturdays for Freedom kämen.

    Jeden Samstag Demos bis keiner mehr an dem Thema vorbeikommt.


    Leider ist der BVDM ,der eine gute Infrastruktur bieten würde, keine Hilfe und für mich eine Enttäuschung.

    Der BVDM beteiligt sich aktuell nicht an den Demos, da er aktuell keine konkrete Gefahr sieht das die Fahrverbote umgesetzt werden.

    Sollte die Gefahr konkret werden kündigen sie Aktionen an.

    Bis dahin liefern sie den Lärmgegnern ein wunderbares Argument.

    Denn wenn sich der größte deutsche Motorradverband nicht beteiligt kann das Problem doch gar nicht so groß sein und die Demonstranten sind doch alles Spinner.

    Danke BVDM.


    Richtig ist das wohl bis zur nächsten Bundestagswahl kein Verbot kommen wird.

    Hier war Scheuer ja recht eindeutig.

    Sollte nach der nächsten Wahl Grün mit in der Regierung sein wird dieses Thema aber garantiert teil der Koalitionsverhandlungen.

    Und wenn bis dahin das Thema in der Öffentlickeit und auch bei uns Motorradfahrern wieder eingeschlafen ist, dann können die anderen Parteien in diesem Punkt nachgeben um dafür irgendwelche anderen Ziele durchzusetzen.


    Keine rosigen Aussichten.

    Was bleibt ist die Hoffnung das ich mich irre.

  • Ich hoffe die Demos werden fortgesetzt.

    Bleibt nur zu hoffen das auch eine Bereinigung aus "innen heraus" stattfindet.


    Nachdem was ich stellenweise (sicherlich Stellvertretend für andere Orte) gesehen und gehört habe, sind wir nicht gerade glaubwürdig das doch die Masse der Biker sich an die Regeln (Geschwindigkeit und Lärm) hält.


    Da sind ganze Gruppen von HOG's mit offenen Klappen und Möchtegern Fourtysixer's mit ausgeräumter Brülltüte aufgeschlagen und haben die Bühne genutzt. Da lässt sich leider nicht Hubraum mit Fassungsvermögen der Hirnschale gleichsetzen.


    Solange das so ist werden immer wieder die "einzelnen schwarzen Schafe" der Szene von den Befürwortern der Reglementierungen angeprangert!


    Dabei ist es gar nicht so schwer! Einfach mal im eigenen Umfeld die krawallmachenden Kollegen fragen was sie von Fahrverboten halten und fragen was sie dafür tun das diese nicht kommen.


    Die "Betroffenen" schreien nach Hilfe weil's die Szene selber nicht geregelt bekommt und die Inquisitoren nutzen das für ihre persönlichen Interessen (politischer Erfolg oder Erreichung persönlicher Ziele).


    Wir sollten anfangen vor der eigenen Haustüre zu kehren. Wäre sicherlich hilfreich die Argumente der Inquisitoren zu entkräften. Und, man sollte seine "Gegner" nicht unterschätzen. Diese sind meist älter als 3 Jahre, haben ein Studium absolviert und betrachten das als persönlichen Feldzug gegen die "nichtsnutzigen Biker". Da werden Strategien und Taktiken entwickelt und nicht ellenlange Texte verfasst die nichts anderes wiedergeben als die "Landläufige Meinung" der Szene.


    Fängt schon damit an mal die Berichterstattung zu den Demo's zu analysieren. Da steht erst oft an erster Stelle das wir einen Freibrief für Lärm und Raserei wollen und erst an zweiter oder dritter Stelle das es in der Hauptsache um Gegenwehr gegen Diskriminierung und Beraubung von Grundrechten geht.


    Das, liebe Leser, spiegelt für mich die allgemeine Meinung zu unserem Anliegen wieder: Motorradfahrer sind ein potentielle Gefährdung, Rowdies, Krawallmacher und Raser!


    jm(€)c!

    Selbst die teuerste Uhr hat nicht mehr als sechzig Minuten.

    (Jiddisches Sprichwort)

  • Beraubung von Grundrechten, Inquisition - das klingt ja als müssten wir gegängelten und unterdrückten Helden der Freiheit so langsam an atomare Aufrüstung denken.


    Ich habe bisher noch nirgends gelesen, dass es hierzulande ein Grundrecht ist, Motorrad zu fahren. Vielleicht lese ich nicht genug. Welcher Paragraph ist das genau?


    Wenn Motorradlärm das Kernproblem von Fahrverboten ist... und auf einem Haufen stehen tausende von laufenden Motoren, dann soll diese Demonstration wohl die Akzeptant gegen die Geräusche erhöhen... wenn ich keine Pommes mag (warum auch immer das so sein könnte) dann ändertz sich meine Meinung vermutlich nicht, wenn einer einen Baulaster Pommes vor meine Haustür kippt.


    Die Idee Parkplätze zu blockieren gefällt mir dagegen gut. Das macht keine anstößigen Geräusche und ist echt blöd störend, wenn kein SUV einen Parkplatz mehr bekommt und das Shopping daher ausfallen muss. Da wird manchem lieber sein, die "Idioten" gehen wieder im Kurvenparadies spielen anstatt die Parkinfrastruktur zu überfordern.

    Die Anwohner im Kurvenparadies muss man freilich auch noch irgendwie abholen. Da fehlt mir bisher jede Idee und auch von anderen habe ich noch kein schlüssiges Konzept entdeckt - außer akki's Aufruf zur Rücksichtnahme und Kompromissbereitschaft.


    Solange es Kradler gibt, die sich nehmen was sie wollen, und sich nicht nehmen lassen wollen, was ihnen nicht gehört, so lange wird es Kritik an der Gesamtheit der Kradler geben. Obwohl sich jeder für sehr individuell hält, ist die Außenwirkung "lauter Bock, dunkle Klamotten, Vollverschleierung". Und das in einer Gesellschaft, die sich schon allein durch dunkle Klamotten und Vollverschleierung bedroht fühlt.

  • Fängt schon damit an mal die Berichterstattung zu den Demo's zu analysieren. Da steht erst oft an erster Stelle das wir einen Freibrief für Lärm und Raserei wollen und erst an zweiter oder dritter Stelle das es in der Hauptsache um Gegenwehr gegen Diskriminierung und Beraubung von Grundrechten geht.

    Ganz so schwarz sehe ich ich das eigentlich nicht. Das Leitmedium Tagesthemen konnte sich nicht verkneifen, uns im einführenden Kommentar vorzuwerfen, mit den Demos für freie Fahrt den Verkehr lahmgelegt zu haben. Ein kleiner Seitenhieb, geschenkt.


    Ansonsten biegen viele Berichte der ÖR nach dem Erzählen der Ereignisse auf die bestehenden Initiativen gegen Motorradlärm ab.


    Viel mehr im Sturm der Entrüstung stehen gerade die "Raser". Wer auch immer in diese inflationär genutzte Bezeichnung reinfällt, die Motorradfahrer sind es jedenfalls nicht ausdrücklich. Hauptsächlich weiblichen Kommentatoren hört man die Schnappatmung ja regelrecht an, wenn sie über die Rücknahme der "Raserbestrafung" reden oder schreiben.


    Dabei ist es gar nicht so schwer! Einfach mal im eigenen Umfeld die krawallmachenden Kollegen fragen was sie von Fahrverboten halten und fragen was sie dafür tun das diese nicht kommen.

    Mein Reden! Aber dann bekommt man hier im Forum den Vorwurf, man sei ja selber einer, der die Verbote wolle. Absurd!

    Je älter wir werden, desto schneller waren wir früher!

  • Das Thema ist erledig...

    Das ist es ganz sicher nicht. Andi wird nicht ewig im Amt bleiben, er sägt ja selber kräftig an seinem Stuhl. 8o


    Und die grüne Verkehrswende ist gesetztes Programm, kann jeder nachlesen. Da steht zwar nix von Fahrverboten, aber da steht z.B. die Forderung nach Tempo 80 auf Landstraßen drin.


    Ich hab auch schon oft gedacht: Kommt ja doch nicht, ist doch gesponnen. Und dann vergraben die tatsächlich einen Bahnhof unter die Erde... :huh:

    Je älter wir werden, desto schneller waren wir früher!

  • Wenn Motorradlärm das Kernproblem von Fahrverboten ist... und auf einem Haufen stehen tausende von laufenden Motoren, dann soll diese Demonstration wohl die Akzeptant gegen die Geräusche erhöhen...


    Die Idee Parkplätze zu blockieren gefällt mir dagegen gut. Das macht keine anstößigen Geräusche und ist echt blöd störend,

    Moin Leute,

    halte mich bisher raus aus der Diskussion um laute Motorräder, da ich mich nicht zu den lauten zähle und gefühlt mit meiner Güllepumpe relativ "leise" unterwegs bin. 10 Güllepumpen hintereinander würden da schon wieder eine andere Geräuschkulisse abgeben... Ich gebe auch zu, dass ich bei langen Fahrten mit Ohrstöpseln fahren muss :)

    Ich - natürlich als Frau - bin noch nie so für extreme Knatterfahrzeuge gewesen, find ich zwar mal witzig für den Moment, aber ansonsten affig, aufdringlich und rücksichtslos.


    Ich möchte auch nicht Anwohner sein an einer am Wochenende vielbefahrenen, landschaftlich schönen Strecke, da ich dann mal in Ruhe auf meiner Terrasse sitzen möchte. Also, kann ich die Leute in solch stark frequentieren Regionen gut verstehen.

    Andererseits möchte ich mir das Motorradfahren auch nicht verbieten lassen, vor allem nicht am Wochenende.


    Ob nun solche großen Motorrad-Demonstrationen, gerade auch mit lauten knatternden Fahrzeugen, nun gut für "unser" Image sind, fragt sich.

    Denn in Masse gesehen, wirkt das Ganze ja noch bedrohlicher - und eben auch deutlich lauter! Guter Vergleich, netterlo, mit den Pommes.


    Die Idee, die Parkplätze zu besetzen finde ich hingegen gut. Das ist nicht laut und zeigt, dass auch Motorradfahrer für ihre Fahrzeuge Steuern bezahlen, rechtens und ordnungsgemäß auf einem - natürlich bezahlten - Parkplatz parken - was ich persönlich übrigens immer so mache.

    Nichts einzuwenden.


    Andererseits werden sich dann die Autofahrer schon wieder über die Motorräder ärgern. Also wie wir das Ganze auch gestalten, es wird immer wieder nur Öl ins Feuer gegossen... Ist halt äußerst schwierig, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass wir doch alle ganz lieb sind und nur fahren wollen...8o


    Für Teil-Fahrverbote an ganz vereinzelten stark frequentierten Strecken für den Sonntag Nachmittag könnte ich noch Verständnis aufbringen... Nur, wenn man einmal A sagt... Und das würde die Beliebtheit der Strecken wiederum ja nicht schmälern, was bedeutet, dass diese dann eben zu anderen Zeiten befahren werden...


    Die Krux bleibt: Wenn wir mit großem Aufgebot und laufenden Motoren gegen Fahrverbote wegen Geräuschbelastung demonstrieren wirken wir irgendwie nicht glaubwürdig, sondern eher bedrohlich. Das Bild von den vermummten Krawallmachern wird dadurch eigentlich nur verstärkt.

    Vielleicht wäre eine Belagerung in Stille eine Alternative...:/

    Susanne

  • Nönö, lokale Streckenverbote führen zu Mehrbelastung der Ausweichstrecken und dann sieht's dort besonders düster aus - muss dann auch gesperrt werden. In Folge werden die Ausweichstrecken immer weniger, die Verkehrsdichte dort immer höher, die Entwicklung ist pandemieartig und der einzige way out ist totaler Lockdown (endlich die Sprache, die jeder versteht).

    Ich bin gegen lokale Streckensperren auch am Wochenende, aber das schaffen wir nur, wenn wir kooperativ sind und die Interessen der Anwohner an unseren Lieblingsstrecken respektieren und uns selbst hier und dort am Riemen reißen.


    "Auspuffkönner" mit falschen (nichtzulässigen) oder kaputtoptimierten Anlagen müssen gnadenlos aus dem Verkehrsgeschehen ausgeschlossen werden. Vielleicht gibt's irgendwann "Lärmblitzer" in denen keine statischen Photos mit Zahlen, sondern Videos mit Tonspur erzeugt werden und die dann vielleicht zu einer Zwangsvorführung an einer amtlichen Messstelle verpflichten... wär doch gut, wenn dadurch alle überall und immer fahren dürften und lediglich bei akustischer Auffälligkeit mal kurz prüfen lässt, ob man da einen technischen Defekt hat, oder ob es sich nur um eine Fehlmessung handelte.


    Dass das Mopped bei 100 im fünften/sechsten auf der Bundesstraße wohl nicht lauter ist, als bei 80 im ersten oder zweiten im Spieleland musss man dann auch mal irgendwann erklären... aber mal ehrlich wer's schnell braucht soll auf die Autobahn oder den Kringel - es gibt schon noch Straßen wo man mit 80+-10 richtig Spaß haben kann - und genau die dürfen eben nicht gesperrt werden!

  • Ich habe bisher noch nirgends gelesen, dass es hierzulande ein Grundrecht ist, Motorrad zu fahren. Vielleicht lese ich nicht genug. Welcher Paragraph ist das genau?

    Artikel 2

    (1) Jeder hat das *Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.


    *Oder wie bezeichnest Du Deine Leidenschaft Motorrad zu fahren?

    Selbst die teuerste Uhr hat nicht mehr als sechzig Minuten.

    (Jiddisches Sprichwort)

  • SixtyOne: in mehr als 90% der Anwendungsfälle fahre ich Motorrad als Verkehrsmittel. Leidenschaft... weiß nicht. Das Ding bringt mich mit viel Spaß von A nach B und nach der Erledigung auch wieder von B nach A - gelegentlich aus Jux und Dollerei über C. Die anderen 10% sind Urlaubs- und Wochenendunternehmungen. Anders als für viele hier ist Motorradfahren für mich also kein "Hobby".


    Ich versuch das im Sinne von Artikel 2 GG jedenfalls i.d.R. so zu tun, dass ich nicht unnötig die Ansprüche und Rechte meiner Mitmenschen auf ihre ungestörte Entfaltung z.B. auf ihrer Terrasse verletze.

    Von uneingeschränktem Recht Motorrad zu fahren lese ich im zitierten Artikel jedenfalls nix. Aber trotzdem danke für das Teilen Deiner Literaturrecherche.

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