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Ergebniss einer persönlichen Überprüfung....Regulierung, Sicherheit,Lärm

  • Martin70
  • 5. Juli 2020 um 17:51
  • Martin70
    Gast
    • 5. Juli 2020 um 17:51
    • #1

    Heute konnte ich mir endlich mal die Zeit nehmen um einige der immer wieder diskutierten Themen tatsächlich mal zu überprüfen.

    Da ich ,wie die meisten anderen, meist aus gefühlten Erfahrungen heraus argumentiere, und das Gefühl nicht immer richtig sein muß, habe ich heute mal so objektiv wie es mir möglich war Zahlen gesammelt.

    Zu diesem Zweck bin ich in den Nordschwarzwald gefahren.

    Mal nicht zum Spass sondern um die gesamte Zeit Fakten zu sammeln in den Bereichen:

    Geschwindigkeitreglementierung

    Verkehrssicherheit

    Lärm

    Geschwindigkeitreglementierung:

    Die Teststrecke war die L 564 von Ettlingen bis Gernsbach.

    Streckenlänge 30 km

    die kompletten ersten 23 km waren reguliert mit Verkehrszeichen 30,50,60,70,80

    an diesem Punkt der erste Abschnitt auf dem 100 erlaubt war.

    Dieser Abschnitt war etwa 1 km lang.

    dann wieder 4 km lang reguliert.

    Die letzten 2 km waren wieder 100.....also 27 von 30km reguliert.

    Verkehrssicherheit:

    Während ich auf dem Hinweg besonders auf Reglementierungen geachtet hatte, habe ich auf dem Rückweg besonders auf Sicheheitsaspekte geachtet.

    Ich bin exakt die erlaubten Geschwindigkeiten gefahren oder langsamer wenn Verkehr oder Strassenführung dies erforderten. Lediglich 3 mal hab ich mich erwischt das ich für wenige Sekunden 5 km/h schneller war als erlaubt.

    Bilanz:

    Die Gefahr eines Alleinunfalls bestand auf den 3 km wo 100 erlaubt war, da in diesen Abschnitten mehrere Kurven waren die auch der sportlichste Fahrer nicht mit 100 fahren kann.

    Der Rest der Strecke war derart reguliert das ein Alleinunfall höchstens aus Langeweile möglich ist.

    Gefährdung durch andere:

    Auf den ersten 2 km wo ja 100 erlaubt waren kamen mir 3 Pkw entgegen die kurvenschneidend meine Spur mitbenutzten.

    2 davon benutzten etwa 0,5 Meter meiner Spur, einer etwa 1,5 m meiner Spur.

    Auf dem regulierten Teil wurde ich rechtswiedrig von einem Smart und einem PKW mit Anhänger überholt.

    Erlaubt waren 70 bzw. 80 die ich auch gefahren bin.

    Motorräder haben mich nicht überholt, bzw erst nachdem ich sie vorbeigewunken habe.

    In 5 Fällen fuhren PKW extrem dicht auf insbesondere in Abschnitten mit 30 oder 50.

    4 mal aufgefahren auf 3-5 Meter. 1 mal bis auf 1 Meter.

    Lärm:

    Überprüfungsort war Ortsausgang Loffenau( Mitglied der Initiative Motorradlärm) Richtung Gernsbach.

    Dort befindet sich eine Grillstube die zu 90% von Motorradfahrenden besucht war.

    Sitzplatz im freien etwa 1,5 Meter neben der Strasse.

    Überprüfungsdauer 1 Stunde.

    Verkehrsaufkommen: ca. 90 Zweiräder und etwa doppelt soviele PKW sowie 5 Wohnmobile.

    Auffälligkeiten:

    Ein Motorrad deutlich zu laut,weil schon weit vor Ortsende kräftig beschleunigt.

    Ein Roller deutlich zu laut weil in Gegenrichtung deutlich zu schnell in den Ort eingefahren.

    Ein Motorrad deutlich zu laut beim verlassen des Imbissparkplatz kräftig bergauf beschleunigt.

    3 Mercedes deutlich zu laut beim beschleunigen aus dem Ort

    3 andere sportliche PKW deutlich zu laut beim beschleunigen aus dem Ort

    Dauer der Lärmbelästigung:

    Da keines der Fahrzeuge nach passieren der ersten Kurve mehr zu hören war betrug die Dauer zwischen 5-7 Sekunden je Fahrzeug.

    Die Dauer der Verkehrsgeräusche insgesamt betrug ca. 48 Minuten, zusammengerechnet 12 Minuten war gar kein Verkersgeräusch feststellbar.

    In diesen 12 Minuten fielen auf:

    Vogelgezwitscher ca. 7 Minuten

    Unterhaltung und Lachen der Imbissbesucher ca. 4 minuten

    Knirschende Geräusche von Motorradstiefeln auf dem Kiesweg des Imbiss ca. 1 Minute.

    Insgesamt etwa 40 % der Motorräder waren geringfügig lauter als durchschnittliche PKW, 60 % gleich und vereinzelt leiser als PKW.

    Erstaunlich fand ich das Loffenau zwar zu den Lärmgeplagten Gemeinden zählt aber am Ortsanfang ein Restaurant, in der Ortsmitte ein Hotel und am Ortsende der Imbiss werben mit... BIKERS WELCOME.

    Meine Bilanz:

    90% der Strecke geschwindigkeitsreguliert

    Auf diesen regulierten Abschnitten 7 Gefährdungen durch PKW, einmal grobe Gefährdung, alles vom rückwärtigen Verkehr.

    wo 100km/h erlaubt war 3 Gefährdungen durch PKW, einmal grobe Gefährdung alle vom Gegenverkehr.

    Festgestellte Lärmbelästigung in 9 Fällen ( 3 mal Zweirad, 6 mal PKW) mit einer Gesamtdauer von 45 Sekunden in einer Stunde.

    48 Minuten Verkehrsgeräusche in einer Laustärke die es bei direkter vorbeifahrt für etwa 2 Sekunden verhinderten die Unterhaltung am Nebentisch mitzuhören.

    Übrigens befindet sich der Imbiss 100 Meter vom ersten Wohnhaus entfernt.

    Lediglich ein Haus befindet sich gegenüber auf einer 5 Meter hohen Anhöhe über der Strasse und ist durch Bäume von der Strasse getrennt

    Mein persönliches Fazit:

    Die Lärmdebatte mag vor einiger Zeit reale Gründe gehabt haben, ist aber mittlerweile überholt, da sich das Verhalten der Motorradfahrer längst geändert hat.

    Einzelne Ausnahmen mag es geben, aber in erster Linie wird alles nur noch vorangetrieben von Politikern auf Stimmenfang,eingefleischten Motorradhassern , Ökoidiologen und wenigen tatsächlich Lärmgeschädigten

    Dies deckt sich mit Zahlen die ich anfangs kaum glauben konnte.

    Silent Rider- die bundesweite Initiative gegen unnötigen Motorradlärm bewirbt seit über einem halben Jahr ihren Versuch eine Petition zu erwirken bei open petition.

    50000 unterzeichner sind notwendig.......in über 6 Monaten haben lediglich 11% unterzeichnet

    Das sind 5564 Unterzeichner und davon sogar noch 44 aus dem Ausland.

    Teils aus Lärmgründen, teils aus Sicherheitsgründen sind unsere Strassen tatsächlich großflächig überreguliert.

    Gerade diese Überregulierung schafft neue Sicherheitsrisiken.

    Um diesen Sicherheitsrisiken durch den rückwärtigen Verkehr zu entgehen rät der Überlebensinstinkt zum schneller fahren.

    Natürlich rechtfertigt dies nicht prinzipiell zu schnell zu fahren, in einigen Fällen aber schon.

    Mir ist bewußt das es nicht representativ und nicht auf ganz Deutschland übertragbar ist.

    Aber ich vermute die Tendenz stimmt.

    Und ich wohne vermutlich auch noch im falschen Bundesland.

  • netterlo
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    • 6. Juli 2020 um 09:36
    • #2

    Ettlingen-Gernsbach über Loffenau versuche ich so gut es geht zu umgehen - die Beschilderung macht aus einer ehemals schönen entspannt fahrbaren Strecke eine fade Rollerei.

    Die Geräuschbelastung an der Ortsausfahrt Loffenau ist schön geschildert - das nächste Mal nimmst Du Dir ein Kaffeeplätzchen im Ortskern von Loffenau - z.B. in der Sonne... in der engen Durchfahrt hallt es sehr "schön" von den Hauswänden und speziell der "Freundeskreis Milwaukee" hat in diesem natürlichen, historisch gewachsenen Hallraum besondere Freude an niedrigtourigen Last- und Drehzahländerungen.

    Interessant fand ich die "Gefährdungsbetrachtung" - deckt sich auch weitestgehend mit meinen Wahrnehmungen. Dosen auf der falschen Fahrspur (zumindest teilweise) sehe ich recht weit vorne. In Kombination mit den vielen Kradlern, die zwar die Funktion des Drehgriffs verstanden haben, aber offenbar nie gelernt haben, wie das mit den Kurven funktioniert, ist das ziemlich heikel. Wenn ein unsicherer Kradler (oder ein schneller Könner ohne Plan B) vom Gegenverkehr erschreckt in die Büsche geht, gilt das wohl als Alleinunfall...

    Neben den risikofreudigen Kradlern gibt es gefühlt mittlerweile auch mehr und mehr "sicherheitsbewusste" Vierradsportler, die sich auf der Landstraße auf die große Formel1-Karriere vorbereiten und mit Geräten zwischen Twingo und 3er-BMW auf der Suche nach der schnellsten Ideallinie sind - die geht ja bekanntlich "außen-innen-außen" und hat mit irgendwelchen Fahrbahnmarkierungen nichts zu tun. Das Schneiden von Kurven ist übrigens auch gerade zur Urlaubszeit, wo die Touren länger werden, gegen Feierabend von ermüdeten Kradlern zu beobachten... mein Feindbild diesbezüglich betrifft da speziell GS-Fahrer, die mir auf Alpenpässen schon signifikant auffällig erschienen... Mutti auf der Rückbank und zügig geradeaus durch die Doppl-S-Kombination... gottlob nicht ganz so breit wie ähnlich verfahrende Wohnmobile...

    Die sportlich betriebenen Dosen haben dann auch gerne mal den Sound von wirklich gefährlichem Gerät und sind hinsichtlich der Schallemmisionen ähnlich kritisch zu bewerten, wie die grenzwertig betriebenen Kräder. Dass die allermeisten Kräder nicht grenzwertig betrieben werden, sondern im entspannten Tourmodus brabbeln, geht natürlich in der subjektiven Wahrnehmung unter, wenn alle fünf Minuten eine knallende Harley oder ein ausgedrehter Supersportler vorbeifährt... gefühlt ist der Anteil laut betriebener Kräder höher als der Anteil auffälliger Dosen... das von vielen Kradlern selbstgewählte Image als Outlaw und die damit verbundene Außenwirkung fördert die gesellschaftliche Stigmatisierung dieser Gruppe. Die ständig wiederholte Betonung, dass es sich um ein Hobby handelt, verstärkt das gesamtgesellschaftliche Empfinden, dass die negativen Begleiterscheinungen vermeidbar wären, wenn die Kradler stattdessen "was Vernünftiges" tun würden.

    Autos dagegen sind etabliert als Alltagsfahrzeug und es wird vollständig ausgeblendet, dass damit auch unnötig herumgefahren wird... und tatsächlich kaufen sich die meisten, denen ein Auto zu unauffällig ist, oder zu wenig sportlich, ein Kraftrad, mit dem sie dann als Hobby die eigene Dynamik und Sportlichkeit zum Ausdruck bringen können. Wenn das mit fahrerischen Möglichkeiten nicht geht, wählt man immerhin den Drehzahlbereich, in dem laut Fahrzeugtests Fahrdynamik möglich ist und sucht möglicherweise unterstützend nach dem Auspufftopf der klanglich den Vorstellungen von dynamischer Außenwirkung entspricht. Wie gesagt, wer aus Vernunftgründen oder aus Armut nur eine Dose hat, der baut eben einen Sportauspuff an seinen Twingo... oder kauft sich ein M-Modell, was von AMG oder was "Unterschätztes" mit starkem Auspuff... da sind die Dosenpfosten nicht besser als die Pfosten, die für das Duell mit dem Säbelzahntiger ein Motorrad mit Zubehörtopf brauchen und Drehzahlen unter denen des Leistungsmaximums für nicht artgerecht halten.

    @Martin70: ich zeig Dir gerne mal, wie man sehr hübsch Loffenau umgehen kann und kurz hinter Ettlingen auf eine weniger reglementierte Strecke nach Gernsbach abbiegt - schätze aber Du kennst den Weg, den ich meine.

    Wenn man noch nicht angekommen ist, ist man noch unterwegs.

  • Spilles
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    • 6. Juli 2020 um 11:02
    • #3

    Tja Kollegen,

    ich war ja am Samstag nach der Demo in KA auch noch in der Ecke unterwegs. Ich hatte mir allerdings wohlweislich eine Parallelstrecke zur L564 ausgesucht, über Schöllbronn und Moosbronn. Ich habe schon geahnt, daß die vermeintliche "Hauptstraße" nicht so meins wäre.

    Die Überreglementierung ist eine Tatsache, fällt besonders auf, wenn man aus einer etwas toteren Ecke von Bawü kommt. Und die Verhätschelung der Radfahrer, die mit abstrusesten Sonderrechten ausgestattet werden, die ich als Landei beim ersten Kontakt nicht mal ansatzweise kapiere, die kommt noch dazu. So hab ich also noch in Ettlingen meinen ersten Anschiss kassiert. <X

    Zum Thema kurvenschneidende Autofahrer habe ich mich schon im Bin-ich ein Raser-Fred geäußert, das sehe ich auch als zunehmende Gefahr. Es ist mittlerweile wohl auch Usus, bei Fahrtrichtungswechsel nicht mehr zu blinken. Wo das nun herkommt, kann ich mir nicht erklären. Aber wenn vor dir einer aus hoher Geschwindigkeit abbremst, um nach links in eine kleine Straße abzubiegen, völlig ohne zu blinken ...=O

    Es waren viele Leute zum Spaß unterwegs, dessen bin ich mir sicher. Und viele hatten offenbar Lust auf ein Wettrennen. Anders kann ich mir nicht erklären, daß sie ihr Fahrverhalten deutlich änderten, sobald ich dahinter war.

    Nun stellt sich die Frage: Was schließen wir aus all dem? Für mich heißt das, ich bleibe aus den überlaufen-beliebten Zonen erst mal weg. Ich werde keinen Sonntagsausflug in den Schwarzwald machen, bestenfalls fahr ich da (mal wieder) für einen Kurzurlaub unter der Woche hin.

    Und ich hoffe, daß meine Ecke noch eine Weile von solchen Auswüchsen verschont bleibt. Aber dazu wohne ich wohl auch im falschen Bundesland... ;(

    Je älter wir werden, desto schneller waren wir früher!

  • rudiratlos
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    • 6. Juli 2020 um 12:48
    • #4
    Zitat von Spilles

    Nun stellt sich die Frage: Was schließen wir aus all dem? Für mich heißt das, ich bleibe aus den überlaufen-beliebten Zonen erst mal weg. Ich werde keinen Sonntagsausflug in den Schwarzwald machen, bestenfalls fahr ich da (mal wieder) für einen Kurzurlaub unter der Woche hin.

    Und ich hoffe, daß meine Ecke noch eine Weile von solchen Auswüchsen verschont bleibt. Aber dazu wohne ich wohl auch im falschen Bundesland... ;(

    ...erstmal weg bleiben .... dann wird es uns letztendlich so gehen wie die einstmals stolzen Indianer ....

    wenn es GUT läuft haben wir dann noch einzelne Reservate in denen wir fahrerisch unser Dasein fristen können .

    Besser wäre wohl , zumindest versuchen , sich zu wehren .

    Beschriebene Punkte anzuprangern , für öffentlichkeit sorgen .

    (In Punkto dB werte der mopeds werden wir wohl Kompromisse machen müssen

    , wenn das (ohne Fahrverbote) der Kompromiss zwischen den Interessen der Anwohner und der Motorradfahrer ist , könnte man den sogar gut nennen )

  • Martin70
    Gast
    • 6. Juli 2020 um 14:51
    • #5
    Zitat von rudiratlos

    Besser wäre wohl , zumindest versuchen , sich zu wehren .

    Beschriebene Punkte anzuprangern , für öffentlichkeit sorgen

    Das sehe ich genauso.

    Unzufrieden mit der Entwicklung in puncto Motorradfahren in unserem Lande bin ich schon recht lange.

    In der Vergangenheit geschahen die Einschränkungen immer scheibchenweise,so nach und nach.

    Eine einzelne Streckensperrung hier,eine Geschwindigkeitregelung da.

    Um dagegen vorzugehen und eine eine breite Öffentlichkeit zu mobilisieren sah ich immer als kaum machbar an und hab es eben zähneknirschend hingenommen.

    Inzwischen bin ich durchaus bereit eine eigene Initiative zu gründen.

    Nicht meine eigene persönliche,sondern mit anderen zusammen die ebenfalls bereit wären was zu tun.

    Zwei Gründe sprechen aus meiner Sicht dafür:

    1.Teile der Politik haben mit ihren Forderungen und auch mit ihren diskriminierenden herauspicken der Motorradfahrer als Wurzel allen übels den Bogen weit überspannt und es ist zu erwarten das dies nur der Anfang ist und bei Erfolg der Forderungen noch gewaltig nachgelegt wird.

    2. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt denn ich habe in den letzten Jahrzenten selten die Motorradgemeinde so geeint und aufgebracht erlebt wie jetzt.

    Keine Initiative gegen die Fahrverbote,denn da wird aktuell an verschiedenen Stellen einiges getan. Hier könnte man lediglich etwas unterstützen.

    Eher eine Initiative die sich in anderen Problemfelder engagiert wie z.B. diskriminierung, überregulierung , Rücknahme von bestehenden Fahrverboten,Förderprogramm für Sicherheitstraining und einiges andere was auch hier im Forum schon diskutiert wurde.

    Zugegebenermaßen wird es schwierig sein kurzfristig was zu erreichen ( die Lärmgegner haben auch lange gebraucht was zu erreichen)

    Aber vllt bewirkt es bei Politikern auch schon was wenn sie das Gefühl bekommen, das sie schlafende Hunde geweckt haben ,die nicht nur gegen Fahrverbote sind ,sondern noch ganz andere Forderungen stellen.

    Dieser Gedanke kam eventuell dem einen oder anderen bei den Demos.

    Unsicher bin ich mir allerdings ob so etwas von den Motorradfahrenden angenommen/ gewünscht wird oder ob der Großteil sich durch den BVDM ausreichend vertreten sieht???

    Ebenso unsicher bin ich mir wieviele NUR gegen Fahrverbote sind und ansonsten zufrieden mit der Situation??

  • gs.a-tourer
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    • 7. Juli 2020 um 18:05
    • #6
    Zitat von Martin70

    Heute konnte ich mir endlich mal die Zeit nehmen um einige der immer wieder diskutierten Themen tatsächlich mal zu überprüfen.

    Da ich ,wie die meisten anderen, meist aus gefühlten Erfahrungen heraus argumentiere, und das Gefühl nicht immer richtig sein muß, habe ich heute mal so objektiv wie es mir möglich war Zahlen gesammelt.

    Zu diesem Zweck bin ich in den Nordschwarzwald gefahren.

    Mal nicht zum Spass sondern um die gesamte Zeit Fakten zu sammeln in den Bereichen:

    Geschwindigkeitreglementierung

    Verkehrssicherheit

    Lärm

    Geschwindigkeitreglementierung:

    Die Teststrecke war die L 564 von Ettlingen bis Gernsbach.

    Streckenlänge 30 km

    die kompletten ersten 23 km waren reguliert mit Verkehrszeichen 30,50,60,70,80

    an diesem Punkt der erste Abschnitt auf dem 100 erlaubt war.

    Dieser Abschnitt war etwa 1 km lang.

    dann wieder 4 km lang reguliert.

    Die letzten 2 km waren wieder 100.....also 27 von 30km reguliert.

    Verkehrssicherheit:

    Während ich auf dem Hinweg besonders auf Reglementierungen geachtet hatte, habe ich auf dem Rückweg besonders auf Sicheheitsaspekte geachtet.

    Ich bin exakt die erlaubten Geschwindigkeiten gefahren oder langsamer wenn Verkehr oder Strassenführung dies erforderten. Lediglich 3 mal hab ich mich erwischt das ich für wenige Sekunden 5 km/h schneller war als erlaubt.

    Bilanz:

    Die Gefahr eines Alleinunfalls bestand auf den 3 km wo 100 erlaubt war, da in diesen Abschnitten mehrere Kurven waren die auch der sportlichste Fahrer nicht mit 100 fahren kann.

    Der Rest der Strecke war derart reguliert das ein Alleinunfall höchstens aus Langeweile möglich ist.

    Gefährdung durch andere:

    Auf den ersten 2 km wo ja 100 erlaubt waren kamen mir 3 Pkw entgegen die kurvenschneidend meine Spur mitbenutzten.

    2 davon benutzten etwa 0,5 Meter meiner Spur, einer etwa 1,5 m meiner Spur.

    Auf dem regulierten Teil wurde ich rechtswiedrig von einem Smart und einem PKW mit Anhänger überholt.

    Erlaubt waren 70 bzw. 80 die ich auch gefahren bin.

    Motorräder haben mich nicht überholt, bzw erst nachdem ich sie vorbeigewunken habe.

    In 5 Fällen fuhren PKW extrem dicht auf insbesondere in Abschnitten mit 30 oder 50.

    4 mal aufgefahren auf 3-5 Meter. 1 mal bis auf 1 Meter.

    Lärm:

    Überprüfungsort war Ortsausgang Loffenau( Mitglied der Initiative Motorradlärm) Richtung Gernsbach.

    Dort befindet sich eine Grillstube die zu 90% von Motorradfahrenden besucht war.

    Sitzplatz im freien etwa 1,5 Meter neben der Strasse.

    Überprüfungsdauer 1 Stunde.

    Verkehrsaufkommen: ca. 90 Zweiräder und etwa doppelt soviele PKW sowie 5 Wohnmobile.

    Auffälligkeiten:

    Ein Motorrad deutlich zu laut,weil schon weit vor Ortsende kräftig beschleunigt.

    Ein Roller deutlich zu laut weil in Gegenrichtung deutlich zu schnell in den Ort eingefahren.

    Ein Motorrad deutlich zu laut beim verlassen des Imbissparkplatz kräftig bergauf beschleunigt.

    3 Mercedes deutlich zu laut beim beschleunigen aus dem Ort

    3 andere sportliche PKW deutlich zu laut beim beschleunigen aus dem Ort

    Dauer der Lärmbelästigung:

    Da keines der Fahrzeuge nach passieren der ersten Kurve mehr zu hören war betrug die Dauer zwischen 5-7 Sekunden je Fahrzeug.

    Die Dauer der Verkehrsgeräusche insgesamt betrug ca. 48 Minuten, zusammengerechnet 12 Minuten war gar kein Verkersgeräusch feststellbar.

    In diesen 12 Minuten fielen auf:

    Vogelgezwitscher ca. 7 Minuten

    Unterhaltung und Lachen der Imbissbesucher ca. 4 minuten

    Knirschende Geräusche von Motorradstiefeln auf dem Kiesweg des Imbiss ca. 1 Minute.

    Insgesamt etwa 40 % der Motorräder waren geringfügig lauter als durchschnittliche PKW, 60 % gleich und vereinzelt leiser als PKW.

    Erstaunlich fand ich das Loffenau zwar zu den Lärmgeplagten Gemeinden zählt aber am Ortsanfang ein Restaurant, in der Ortsmitte ein Hotel und am Ortsende der Imbiss werben mit... BIKERS WELCOME.

    Meine Bilanz:

    90% der Strecke geschwindigkeitsreguliert

    Auf diesen regulierten Abschnitten 7 Gefährdungen durch PKW, einmal grobe Gefährdung, alles vom rückwärtigen Verkehr.

    wo 100km/h erlaubt war 3 Gefährdungen durch PKW, einmal grobe Gefährdung alle vom Gegenverkehr.

    Festgestellte Lärmbelästigung in 9 Fällen ( 3 mal Zweirad, 6 mal PKW) mit einer Gesamtdauer von 45 Sekunden in einer Stunde.

    48 Minuten Verkehrsgeräusche in einer Laustärke die es bei direkter vorbeifahrt für etwa 2 Sekunden verhinderten die Unterhaltung am Nebentisch mitzuhören.

    Übrigens befindet sich der Imbiss 100 Meter vom ersten Wohnhaus entfernt.

    Lediglich ein Haus befindet sich gegenüber auf einer 5 Meter hohen Anhöhe über der Strasse und ist durch Bäume von der Strasse getrennt

    Mein persönliches Fazit:

    Die Lärmdebatte mag vor einiger Zeit reale Gründe gehabt haben, ist aber mittlerweile überholt, da sich das Verhalten der Motorradfahrer längst geändert hat.

    Einzelne Ausnahmen mag es geben, aber in erster Linie wird alles nur noch vorangetrieben von Politikern auf Stimmenfang,eingefleischten Motorradhassern , Ökoidiologen und wenigen tatsächlich Lärmgeschädigten

    Dies deckt sich mit Zahlen die ich anfangs kaum glauben konnte.

    Silent Rider- die bundesweite Initiative gegen unnötigen Motorradlärm bewirbt seit über einem halben Jahr ihren Versuch eine Petition zu erwirken bei open petition.

    50000 unterzeichner sind notwendig.......in über 6 Monaten haben lediglich 11% unterzeichnet

    Das sind 5564 Unterzeichner und davon sogar noch 44 aus dem Ausland.

    Teils aus Lärmgründen, teils aus Sicherheitsgründen sind unsere Strassen tatsächlich großflächig überreguliert.

    Gerade diese Überregulierung schafft neue Sicherheitsrisiken.

    Um diesen Sicherheitsrisiken durch den rückwärtigen Verkehr zu entgehen rät der Überlebensinstinkt zum schneller fahren.

    Natürlich rechtfertigt dies nicht prinzipiell zu schnell zu fahren, in einigen Fällen aber schon.

    Mir ist bewußt das es nicht representativ und nicht auf ganz Deutschland übertragbar ist.

    Aber ich vermute die Tendenz stimmt.

    Und ich wohne vermutlich auch noch im falschen Bundesland.

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    Deinen Artikel würde ich aus meinem eignen (subjektiven) Empfinden heraus, genauso bestätigen.

    Aus meiner Sicht, liegt der Hund aber noch ganz wo anders begraben.

    Heutzutage wird in jeder Hinsicht immer alles, bis ins Kleinste analysiert und jede Aussage muß immer mit %-Zahlen usw. belegt werden, sodass man ja nicht, irgendwie selbst zu kurz kommt.

    Ob diese Prozentzahlen nun stimmen oder nicht - egal - Hauptsache man hat seine Munition verschossen und seine Position erstmal verteidigt.

    Heutzutage ist der zivilisationsgeplagte Deutsche, im Allgemeinen komplett verunsichert und hat, wie ich meine, schon vor geraumer Zeit, allgemeingültige und auf Vernunft basierte Werte und Gelassenheit, längst über bord geworfen.

    Stattdessen hat er sich zum empörten Egoisten, mit ständig rotem Kopf entwickelt.

    Sozusagen immer bereit, seine Munition zu verfeuern.

    Deshalb muß alles mit Regeln, Gesetzen und Limitierungen belegt werden, sodass man sich immer auf etwas berufen kann und so nicht zuletzt auch der Nachbar im Zaum gehalten werden kann.

    In Deutschland (und das gilt sicherlich auch für weitere europäische Länder) leben wir nun mal alle dicht gedrängt.

    Vieles hat sich verändert.

    Sicherlich hat auch die veränderte Arbeitswelt zu diesem Phänomen beigetragen.

    Waren früher irgendwie Alle noch vom gleichen Schlage, sind heute die Einen stressgeplagte Key-Account-Manager, Software-Entwickler, Dienstleister, Bänker oder Therapeut und die Anderen (es werden leider immer Weniger) haben noch mit klassischem Maschinenbau, Landwirtschaft, oder sonst irgendwas Altmodischem zu tun.

    Leute, die heute oft unvereinbar unterschiedlich denken.

    Wir sind somit sozusagen wohl gesellschaftlich an einen Totpunkt angelangt, der gefährliches Spaltungspotenzial hat.

    Aus meiner Sicht ist aber Eines sicher: Noch mehr Regeln und Vorschriften werden unser Zusammenleben nicht verbessern.

  • Heiner
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    • 8. Juli 2020 um 10:36
    • #7
    Zitat von gs.a-tourer

    Heutzutage ist der zivilisationsgeplagte Deutsche, im Allgemeinen komplett verunsichert und hat, wie ich meine, schon vor geraumer Zeit, allgemeingültige und auf Vernunft basierte Werte und Gelassenheit, längst über Bord geworfen.

    Stattdessen hat er sich zum empörten Egoisten, mit ständig rotem Kopf entwickelt.

    Deshalb muß alles mit Regeln, Gesetzen und Limitierungen belegt werden, sodass man sich immer auf etwas berufen kann und so nicht zuletzt auch der Nachbar im Zaum gehalten werden kann.

    Leute, die heute oft unvereinbar unterschiedlich denken.

    Aus meiner Sicht ist aber Eines sicher: Noch mehr Regeln und Vorschriften werden unser Zusammenleben nicht verbessern.

    Das kann ich voll und ganz unterstreichen und der gesunde Menschenvestand schwindet immer weiter so das sich Fronten immer weiter verhärten:thumbdown::thumbdown::thumbdown:

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